Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Segue; Seguidilla; Seguiri; Ségur

822

Segue - Ségur.

Flintenlänge übersteigt; Frauen und Kinder verkauft man in der Nachbarschaft. Der mohammedanische Sultan wird nur von Frauen bedient, welche goldene Kürasse auf der Brust tragen; einige derselben versehen sogar die höchsten Staatsämter. In neuester Zeit sind die Toucouleurs wieder aus ihrer dominierenden Stellung durch die Bambara verdrängt worden. Die letztern sind gute Landbauer und erzeugen viel Getreide, Reis, Mais, Yams, Kassawa, Tabak, die Frauen weben schöne, mit dem einheimischen Indigo gefärbte Stoffe, auch hübsche Arbeiten in Gold und Eisen werden angefertigt. Der Handel ist aber in den Händen der wie in allen Nigerstädten, so auch hier zahlreichen Araber. An einigen Plätzen haben sich Fulbe niedergelassen, welche Viehzucht treiben. Der größte Teil des ehemaligen Reichs gehört jetzt den Franzosen, welche durch einige Forts und kleine Kanonenboote den Niger beherrschen, u. denen in nicht ferner Zeit das bereits als ihrer Interessensphäre angehörig beanspruchte Land einmal zufallen dürfte. Vgl. Mage, Voyage dans le Soudan occidental (Par. 1868); Gravier, Voyage à Ségou (das. 1887).

Segue (ital., spr. sseghwe, "es folgt") wird oft am Ende einer Notenseite gebraucht, um anzudeuten, daß auf der andern Seite die Fortsetzung folgt.

Seguidilla (spr. sseghidillja), in Spanien kleines Gedicht, aus vier Versen bestehend, in denen gewöhnlich sieben- und fünfsilbige assonierende Zeilen abwechseln. Man verbindet damit meist noch einen Anhang von drei fünfsilbigen Zeilen (éstribillo), in welchem sich der erste und letzte Vers reimen. Auch heißt S. ein spanischer Tanz in schneller Bewegung und in dreiteiliger Taktart, dem Bolero ähnlich.

Seguiri (spr. ssehgi-), Fort in der franz. Kolonie Senegal, am Zusammenfluß des Tankisso mit dem Niger, 1858 vollendet und mit einer Kompanie Senegaltirailleure besetzt. Mit Niagassola ist S. durch eine Telegraphenlinie verbunden.

Ségur (spr. ffegühr), altfranz. Adelsfamilie aus der Landschaft Rouergue in Guienne, die, dem Protestantismus ergeben, in den Religionskriegen viel zu leiden hatte. Bemerkenswert sind:

1) Philippe Henri, Marquis von S.-Ponchat, Sohn des Grafen Henri François S. (1689-1751), geb. 20. Jan. 1724, stieg in den Kriegen Ludwigs XV. zum General empor, erhielt später den Oberbefehl eines Armeekorps in der Franche-Comté und unter Ludwig XVI. 1780 das Ministerium des Kriegs. In dieser Stellung schuf er die leichte Artillerie und reorganisierte den Generalstab, erließ aber eine Ordonnanz, welche dem Adel allein die Offizierstellen vorbehielt. Nachdem er 1783 zum Marschall ernannt worden war, legte er 1787 seine Ministerstelle nieder. Während der Revolution wurde er eingekerkert und verlor sein Vermögen. Er starb 8. Okt. 1801.

2) Louis Philippe, Graf von S. d'Aguesseau, Sohn des vorigen, geb. 10. Dez. 1753 zu Paris, machte als Oberst den amerikanischen Freiheitskampf mit und ging 1783 als Gesandter nach Petersburg, wo er die Gunst der Kaiserin Katharina sich erwarb. Beim Beginn der Revolution nach Frankreich zurückgerufen, wurde er Mitglied der Nationalversammlung und Maréchal de Camp und ging 1792 als französischer Botschafter an den preußischen Hof. Nach der Hinrichtung des Königs schied er aus dem Staatsdienst und lebte während der Schreckensherrschaft zurückgezogen zu Châtenay bei Sceaux. Als Früchte dieser Muße erschienen das "Théâtre de l'hermitage" (Par. 1798, 2 Bde.), eine Sammlung trefflicher Lustspiele, und das "Tableau historique et politique de l'Europe de 1786-96, contenant l'histoire de Frédéric-Guillaume II" (das. 1800, 3 Bde.; 5. Aufl. 1828). Während des Konsulats war S. Mitglied des Gesetzgebenden Körpers, dann des Staatsrats und seit 1803 des Instituts. Napoleon ernannte ihn später zum Grafen und zum Oberzeremonienmeister sowie 1813 zum Senator. Ludwig XVIII. verlieh ihm bei der ersten Restauration die Pairswürde; da S. jedoch in den Hundert Tagen wieder zu Napoleon übergetreten war, erhielt er seinen Sitz in der Pairskammer erst 1818 zurück. S. starb 27. Aug. 1830. Eine Auswahl aus seinen poetischen und geschichtlichen "Œuvres" (darunter eine "Histoire ancienne", "Histoire romaine", "Histoire du Bas-Empire", 9. Aufl. 1853) erschien Paris 1824-30, 33 Bde. Interessantes enthalten auch seine "Mémoires" (Par. 1825-26, 3 Bde.; neue Ausg. 1859, 2 Bde.).

3) Joseph Alexandre, Graf von, Bruder des vorigen, geb. 1756 zu Paris, wurde 1788 Maréchal de Camp, während der Revolution aber längere Zeit eingekerkert; starb 27. Juli 1805 in Bagnères. Er veröffentlichte zahlreiche Lustspiele, Opern und Lieder sowie "Correspondance secrète de Ninon de l'Enclos" (Par. 1790), den Roman "La femme jalouse" (das. 1791) und die Schrift "Les femmes, leur condition et leur influence dans l'ordre social etc." (das. 1803, 2 Bde.; neue Ausg. 1835, 2 Bde.). Seine "OEuvres diverses" erschienen 1819.

4) Philippe Paul, Graf von, Sohn von S. 2), geb. 4. Nov. 1780, trat 1799 als gemeiner Husar in die Armee, machte Moreaus Feldzug in Bayern und Macdonalds Feldzug in Graubünden mit, ward 1802 in den Generalstab aufgenommen, trat 1805 mit Mack wegen der Übergabe von Ulm in Unterhandlung, geriet im polnischen Feldzug in russische Gefangenschaft, aus der er durch den Tilsiter Frieden wieder befreit wurde, und erwarb sich hierauf in Spanien durch die Erstürmung der Höhen bei Somosierra den Rang eines Obersten. Nachdem er im russischen Feldzug 1812 als Brigadegeneral im Gefolge Napoleons I. gewesen, organisierte er beim Beginn des Feldzugs von 1814 das 5. Regiment der Ehrengarden und erhielt nach Napoleons Sturz von Ludwig XVIII. den Befehl über die Kavallerie, welche aus den Resten der alten Garde geschaffen worden war. Da er sich während der Hundert Tage von Napoleon als Generalstabschef des zur Deckung des Rheins beorderten Armeekorps hatte verwenden lassen, zog er sich nach der zweiten Restauration ins Privatleben zurück und schrieb seine "Histoire de Napoléon et de la grande armée pendant 1812" (Par. 1824, 2 Bde.; 16. Aufl. 1852; deutsch von Kottenkamp, Mannh. 1835 u. öfter), welche dem General Gourgaud Veranlassung zu seinem "Examen critique" und infolgedessen zu einem Duell mit S. gab. Das Werk ist durch seine glänzende Darstellung berühmt, gibt indes vielfach ein falsches Bild der Ereignisse. 1830 ward S. in die Akademie aufgenommen. Nach der Julirevolution trat S. wieder in den aktiven Dienst, wurde 1831 zum Generalleutnant und Pair ernannt und starb 25. Febr. 1873 in Paris. Er veröffentlichte noch: "Histoire de Russie et de Pierre le Grand" (Par. 1829, 2 Bde.; deutsch, Zweibr. 1829) und "Histoire de Charles VIII" (Par. 1835, 3 Bde.; 2. Aufl. 1842), größtenteils aus dem litterarischen Nachlaß seines Vaters. Aus seinem Nachlaß erschien "Histoire et mémoires, période de 1789 à 1848" (Par. 1873, 8 Bde.). Vgl. Taillandier, Le général Philippe de S. (Par. 1875).