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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Serbien; Serbische Sprache und Litteratur

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Serbien (Geschichte) - Serbische Sprache und Litteratur.

Partei. Daß Österreich Bosnien besetzte und in Novipasar einrückte, wodurch es auch im W. und Süden Serbiens Grenznachbar wurde, reizte diese Partei nur zu größerer Feindseligkeit gegen den Nachbarstaat auf. Ristitsch verschleppte die Ausführung des in Berlin 1878 mit Österreich-Ungarn geschlossenen Vertrags über den Bau der von der Türkei versprochenen Eisenbahnen in S. und weigerte sich bei den Verhandlungen über einen neuen Handelsvertrag, das Anrecht Österreichs auf den Fuß der meistbegünstigten Nationen anzuerkennen. Dagegen wurde in aller Eile eine Armeereorganisation durchgeführt, welche die serbische Wehrkraft im Kriegsfall auf vier Armeekorps erhöhte, und Ristitsch und seine Partei zeigten die Absicht, unter dem Schutz Rußlands und Englands im Bund mit Bulgarien und Montenegro angriffsweise gegen die Stellung Österreichs auf der Balkanhalbinsel vorzugehen. Eine energische Note Österreichs vom 17. Okt. 1880 bewog jedoch Ristitsch, seine Entlassung zu nehmen. Das neue fortschrittliche österreichfreundliche Ministerium Pirotschanaz, das auch in der Skuptschina durch Neuwahlen die Majorität erlangte, brachte den Handelsvertrag mit Österreich 1881 zum Abschluß und traf mit einer französischen Bank ein Abkommen über die Lieferung des Geldes für die Eisenbahnbauten, deren Beginn allerdings durch den Bankrott der Bank (der Union générale von Bontoux) verzögert wurde. Dafür gab Österreich seine Zustimmung dazu, daß Fürst Milan 6. März 1882 als Milan I. den Königstitel annahm und S. als Königreich proklamiert wurde. Ein Aufstand der Radikalen wurde im Oktober 1883 mit blutiger Strenge unterdrückt, und als im Februar 1884 Pirotschanaz zurücktrat, folgte ihm der ebenfalls fortschrittliche Garaschanin. Dieser glaubte einen großen Erfolg zu erzielen, indem er den Aufstand in Ostrumelien und dessen Vereinigung mit Bulgarien (September 1885) zum Anlaß nahm, um 13. Nov. 1885 den Krieg an Bulgarien zu erklären. Die serbische Armee, 43,000 Mann stark, überschritt unter dem Oberbefehl des Königs selbst 14. Nov. Die bulgarische Grenze, um auf Sofia zu marschieren, wurde aber 18. und 19. Nov. bei Sliwnitza von den Bulgaren unter dem Fürsten Alexander besiegt und auf dem Rückzug 27. Nov. bei Pirot nochmals entscheidend geschlagen. Dem weitern Vordringen der Bulgaren setzte der Einspruch Österreichs ein Ziel, und 21. Dez. wurde ein Waffenstillstand, 3. März 1886 zu Bukarest der Friede geschlossen, der den Stand der Dinge vor dem Krieg herstellte. Weniger dieser Mißerfolg als die leichtsinnige Finanzwirtschaft des Ministeriums Garaschanin, das S. mit Schulden belastete und ganz in Abhängigkeit von Wiener Geldinstituten brachte, war die Ursache seines Sturzes (13. Juni 1887), worauf Ristitsch ein liberal-radikales und, als dieses sich mit der radikalen Mehrheit der Skuptschina nicht verständigen konnte, Gruitsch Ende 1887 ein radikales Kabinett bildete. Da dieses aber nicht verhinderte, daß die Skuptschina eine beträchtliche Verminderung des Heers und neue Zölle beschloß, die dem Vertrag mit Österreich entgegen waren, so wurde es im April 1888 entlassen und Christitsch zum Präsidenten eines energischen Beamtenministeriums ernannt. Die unaufhörlichen Wühlereien der ehrgeizigen Parteiführer erhielten neue Nahrung durch den Zwist des Königs mit seiner Gemahlin Natalie Keschko, welche als geborne Russin Ränke zu gunsten Rußlands gesponnen hatte. Nachdem die Ehe des Königs 24. Okt. 1888 durch den Metropoliten getrennt worden, berief Milan, um die Stellung seiner Dynastie zu befestigen, einen aus allen Parteien gebildeten Nationalausschuß, welcher eine neue Verfassung ausarbeitete. Darauf wurde eine große Skuptschina gewählt, die, obwohl weit überwiegend aus Radikalen bestehend, dennoch 22. Dez. 1888 die Verfassung annahm, welche nun verkündet wurde. Dieselbe räumte dem Volk wichtige Rechte ein, bestimmte aber auch die Stellung und die Machtbefugnisse der Krone genauer. Nachdem dies geregelt war, erklärte König Milan 6. März 1889, am Jahrestag der Erhebung Serbiens zum Königreich und dem 500. Jahrestag der Schlacht von Kossowa, unerwarteterweise seine Abdankung und proklamierte seinen einzigen Sohn als König Alexander I. Teils Überdruß an dem unfruchtbaren Parteitreiben in S., teils Privatverhältnisse veranlaßten den nervös überreizten König zu diesem Entschluß. Da der neue König (geb. 14. Aug. 1876) noch unmündig war, so ernannte Milan eine Regentschaft, die aus Ristitsch, Protitsch und Belimarkovitsch bestand. Diese beauftragte den Führer der Radikalen, Tauschanovitsch, mit der Bildung eines neuen Kabinetts, welches überwiegend aus Radikalen bestand, und stellte sich die Versöhnung der Parteien, die Regelung der Finanzen und die Förderung des Wohls des Volkes zur Aufgabe; die von Milan befolgte auswärtige Politik versprach sie nicht zu ändern. König Milan begab sich auf Reisen.

Vgl. Kanitz, S., historisch-ethnographische Reisestudien (Leipz. 1868) und andre Werke des Verfassers; Milicevic ^[Milićević], Das Fürstentum S. (Belgr. 1876), Derselbe, Das Königreich S. (das. 1884) und V. Karić, S. (das. 1888), alle in serbischer Sprache; Vilovsky, Die Serben im südlichen Ungarn etc. (Teschen 1884); Zujovič, Geologische Übersicht des Königreichs S. (Wien 1886); Gopčević, S. und die Serben (Leipz. 1888); "Spezialkarte vom serbischen Generalstab, 1:75,000" (bisher 32 Sektionen erschienen). Zur Geschichte: Ranke, S. und die Türkei im 19. Jahrhundert (Leipz. 1879); Sor, Serbiens Freiheitskrieg (a. d. Franz., das. 1845); Cunibert, Les révolutions et l'indépendance de la Serbie depuis 1804 (Par. 1850-55, 2 Bde.); Hilferding, Geschichte der Serben und Bulgaren (a. d. Russ., Bautzen 1856-1864, 2 Bde., betrifft nur die ältere Periode); Mijatorics, History of modern Servia (Lond. 1872); Kallay, Geschichte der Serben (Pest 1877, Bd. 1); Schwicker, Politische Geschichte der Serben in Ungarn (das. 1880); Möller, Der serbisch-bulgarische Krieg 1885 (Hannov. 1888).

Serbische Sprache und Litteratur. Die serbische Sprache gehört zur südöstlichen Abteilung der slawischen Sprachfamilie und ist mit dem Russischen, Slowenischen und Bulgarischen ziemlich nahe, weitaus am nächsten aber mit dem Kroatischen, Slawonischen und andern in den benachbarten Provinzen der österreichisch-ungarischen Monarchie sowie in der Herzegowina und in Montenegro herrschenden Dialekten verwandt. Mit letztern bildet sie die sogen. Serbo-kroatische Sprachengruppe (s. Slawische Sprachen). Nur wird das Serbische mit dem Cyrillischen (russischen), jene andern Dialekte dagegen mit dem lateinischen Alphabet geschrieben. Früher hatte die serbische Schriftsprache aus einem künstlichen Gemisch von Kirchenslawisch und serbischen Volksdialekten bestanden, bis im Anfang des 19. Jahrh. Patriotische Männer, darunter namentlich der gefeierte Vuk Karadžić für die Erhebung der Volkssprache, wie sie sich in den alten serbischen Nationalliedern zeigt, zur Schriftsprache eintraten und nach langem Kampf mit einem tief eingewurzelten Herkommen ihr Vorhaben auch glücklich durchsetzten (s. unten). Zugleich führte