Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Sherman; Sherry; Sherry Cobbler; Sherwood Forest; Shetlandinseln

921

Sherman - Shetlandinseln.

fiskationsgelder ein und bringt die Strafurteile zur Vollziehung. Auch schlägt er die Geschwornen vor und ruft sie, nachdem er den Prozeß instruiert, zur richterlichen Entscheidung zusammen. Da das Amt des S. außer den Sporteln keine Besoldung trägt und mit bedeutendem Aufwand verknüpft ist, so ist niemand verbunden, es in vier Jahren zweimal zu übernehmen. In der Regel wird das Amt von Großgrundbesitzern verwaltet, welchen das nötige Büreaupersonal zur Seite steht. Die Under-Sheriffs oder Bailiffs, die Amtsgehilfen, werden vom S. ernannt, der für deren Handlungen verantwortlich ist. Auf der Weigerung, das Amt des S. zu übernehmen, steht, mit Ausnahme der vom Gesetz vorgesehenen Fälle, hohe Geldstrafe. In den Vereinigten Staaten von Nordamerika ist der S. der höchste Vollziehungsbeamte eines County, welcher von den Bürgern auf bestimmte Zeit gewählt wird. Vgl. Churchill und Bruce, Law of the office and duties of S. (Lond. 1879, 2 Bde.).

Sherman (spr. schérrmen), 1) Stadt an der Südgrenze des nordamerikan. Territoriums Wyoming, auf der Höhe des Evanspasses, die höchste Eisenbahnstation an der Union-Pacificbahn, 2510 m ü. M. -

2) Hauptstadt der Grafschaft Grayson im N. des nordamerikan. Staats Texas, mit lebhaftem Handel in Baumwolle, Getreide, Wolle und Häuten, verschiedenen Fabriken und (1880) 6093 Einw.

Sherman (spr. schérrmen), 1) William Tecumseh, nordamerikan. General, geb. 8. Febr. 1820 zu Lancaster (Ohio) aus einer bereits 1634 aus England in Connecticut eingewanderten puritanischen Familie, trat 1836 in die Militärschule zu West Point, ward 1840 Artillerieleutnant, ging während des mexikanischen Kriegs 1847 nach Kalifornien, kehrte 1850 nach New York zurück, trat 1853 aus der Armee, gründete in San Francisco ein Bankhaus, machte aber schlechte Geschäfte und übernahm 1860 die Leitung der Militärakademie des Staats Louisiana. Bei Beginn der Sezessionsbewegung legte er im März 1861 diese Stelle nieder, wurde erst Aufseher einer Straßeneisenbahn, dann Oberst des 13. regulären Infanterieregiments, kämpfte bereits 21. Juli bei Bull-Run mit, zeichnete sich, zum Generalmajor ernannt, in der Schlacht bei Shiloh (6. und 7. April 1862) aus, machte 1863 den Vicksburger Feldzug unter Grant mit, eroberte als Befehlshaber der Westarmee nach heftigen Kämpfen mit Johnston und Hood (Juli 1864) Atlanta und trat 12. Nov. von hier seinen kühnen Zug durch Georgia nach Savannah an, wo er sich 13. Dez. des Forts Mac Allister bemächtigte, den Ossibawsund öffnete und die Verbindung mit der Unionsflotte herstellte. Am 17. Jan. 1865 brach er nach Norden auf, warf im Februar die Konföderierten aus Nord- und Südcarolina und vereinigte sich 22. März bei Goldsboro mit Shofield und Terry. An dem Sieg in den Kämpfen um Petersburg-Richmond Ende März und Anfang April 1865 hatte er wesentlichen Anteil. Am 26. April ergab sich ihm Johnston mit allen konföderierten Truppen zwischen Raleigh und Chattahoochee, nachdem eine bereits 17. April abgeschlossene, für Johnston günstigere Kapitulation vom Kriegsminister umgestoßen worden. Nach Beendigung des Kriegs ward S. Befehlshaber in dem Militärdepartement des Westens, führte 1867 einen Krieg gegen die Indianer und wurde 1868 an Stelle Grants zum Oberbefehlshaber der gesamten Streitkräfte der Union ernannt, welche Stellung er 1883 niederlegte. S. ist unstreitig der genialste unter den Feldherren der Union im Bürgerkrieg, kühn in seinen Entwürfen, methodisch und energisch in der Ausführung, rücksichtslos gegen alle persönlichen Interessen, beliebt bei den Soldaten. Höchst interessant sind seine "Memoirs" (New York 1875, 2 Bde.; 2. Aufl. 1885). Vgl. Bowman u. Irwin, S. and his campaigns (New York 1865); Headley, Life and military career of S. (das. 1865).

2) John, amerikan. Staatsmann, Bruder des vorigen, geb. 10. Mai 1823 zu Lancaster in Ohio, erlernte bei seinem ältern Bruder, Charles, in Mansfield die Rechtswissenschaft und betrieb 1844-55 daselbst die Advokatur mit großem Geschick und Erfolg. Schon früh schloß er sich der Whigpartei an, wurde 1855 in den Kongreß gewählt, ging 1861 in den Senat über und stellte während des Bürgerkriegs auf seine Kosten eine Brigade von 2300 Mann auf. Nach dem Krieg betrieb er unausgesetzt die Wiederaufnahme der Barzahlung, welche er, von Hayes 4. März 1877 zum Staatssekretär des Schatzes ernannt, 1878-79 auch erfolgreich durchführte. 1880 ward er zum Bundessenator und im Herbst 1885 zum Präsidenten des Senats erwählt, infolgedessen er nach dem Tode des Vizepräsidenten Hendricks 7. Dez. 1885 bis 4. März 1889 Vizepräsident der Union wurde. Seine Reden und Berichte erschienen als: "Selected speeches and reports on finance and taxation 1859-78" (New York 1879). Seine Biographie schrieb Bronson (Columbus 1880).

Sherry (spr. schérri), s. Jereswein.

Sherry Cobbler, amerikan. Getränk aus Sherry, gestoßenem Eis, Zucker und Zitrone oder Orange, bisweilen mit Himbeer-, Erdbeer- oder Ananassaft und einem Löffel Curassao. S. wird durch Strohhalme oder feine Glasröhren langsam eingeschlürft.

Sherwood Forest (spr. schérrwudd forrest), Hügelland im W. der engl. Grafschaft Worcester, früher königlicher Forst, in dem Robin Hood (s. d.) mit seinen Gesellen hauste, jetzt fast vollständig ausgerodet.

Shetlandinseln (spr. schétt-, Zetlandinseln, von den skandinavischen Seefahrern auch Hitlandinseln genannt), engl. Inselgruppe am Übergang der Nordsee in den Atlantischen Ozean, nordöstlich von Schottland ungefähr zwischen 60 und 61° nördl. Br. gelegen und von den südlicher gelegenen Orkneyinseln durch ein 80 km breites Meer getrennt, in dessen Mitte Fair Island liegt. Die S. bilden einen Archipel von 117 Eilanden, von denen aber nur 34 bewohnt sind, und haben einen Gesamtflächeninhalt von 1475 qkm (26,8 QM.) mit 20,705 Einw. Das Innere ist meist felsig, nackt und hügelig (Roeneß Hill 450 m); die Küsten sind steil und zerklüftet. Der Sommer ist kurz, aber heiß, der Winter naß, nebelig und stürmisch, jedoch selten mit anhaltendem Schnee. Im Hochsommer tritt in der Nacht nur Halbdämmerung ein; die langen Winternächte werden häufig durch Nordlichter erhellt. Die Vegetation ist sehr dürftig, nur einen einzigen Baum, 3 m hoch, gibt es auf den Inseln, aber Reste von Birkenwäldern findet man in den Torfmooren; der Ackerbau beschränkt sich auf etwas Gerste, Hafer, Flachs und Kartoffeln. Von Tieren gibt es kleine Pferde (shelties), starkknochiges Rindvieh, Schweine und Schafe, ferner Kaninchen, Seehunde, Fischotter, Seevögel, Fische und Austern. Die Einwohner sind normännischer Abkunft und protestantischer Konfession, sie sprechen ein mit normännischen Wörtern vermischtes Englisch. Fischerei ist Hauptbeschäftigung, nächstdem Ackerbau (auf 6810 Hektar) und Viehzucht (1887: 5413 Pferde, 21,704 Rinder, 83,712 Schafe). Die Industrie beschränkt sich auf Bereitung wollener und leinener Zeuge zum eignen Gebrauch, wollene Stickerei (auch zur Ausfuhr)