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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Silberjodid - Silbermann.

Silberjodīd (Jodsilber) AgJ findet sich als Jodit in Mexiko, Chile und Spanien, entsteht beim Erhitzen von Silber mit Jod und wird aus Lösungen von salpetersaurem Silberoxyd durch Jodkalium als käsiger Niederschlag gefällt. Es ist hellgelb, amorph, unlöslich in Wasser und verdünnter Salpetersäure, kaum löslich in Ammoniak, leicht in unterschwefligsaurem Natron, Jodkalium, salpetersaurem Quecksilberoxyd und salpetersaurem Silberoxyd, schmilzt bei Rotglut, erstarrt zu einer gelben, hornartigen Masse und wird beim Erhitzen mit Chlor oder Chlorwasserstoff in Chlorsilber verwandelt, während letzteres beim Behandeln mit Jodwasserstoffsäure und Jodkalium Jodsilber bildet. Reines S. verändert sich am Licht nicht, bei Gegenwart von salpetersaurem Silberoxyd aber wird es grau. Jodkalium und Salpetersäure stellen die gelbe Farbe wieder her. Das S. spielt eine große Rolle in der Photographie.

Silberkamm (Lähnberg), ein Gipfel des Riesengebirges, im W. der Schneekoppe, 1466 m hoch.

Silberkerāte, die in der Natur vorkommenden Verbindungen des Silbers mit Chlor, Brom, Jod.

Silberkupferglanz, s. Kupfersilberglanz.

Silberlachs, s. v. w. Lachsforelle, s. Forelle.

Silberlegierungen, Verbindungen und Mischungen des Silbers mit andern Metallen. Silber legiert sich leicht mit den meisten Metallen. Am wichtigsten sind die Silberkupferlegierungen, welche allgemein statt des reinen Silbers verarbeitet werden, da das reine Silber zu weich ist. Zur Darstellung derselben schmelzt man die Metalle im Windofen im Graphittiegel, im eisernen oder hessischen Tiegel zusammen und rührt vor dem Ausgießen gut um. Die Silberkupferlegierungen zeigen im allgemeinen ein geringeres spezifisches Gewicht, als die Rechnung ergibt, sie sind fester, härter, zäher, klingender, leichtflüssiger und zu Gußwaren geeigneter als reines Silber und fast ebenso dehnbar und weiß. Legierungen mit 50 Proz. Kupfer sind noch ziemlich weiß, solche mit größerm Kupfergehalt rötlich. Bei Luftzutritt ausgeglüht, dann durch Kochen mit Kochsalz und Weinstein oder stark verdünnter Schwefelsäure von dem oberflächlich gebildeten Kupferoxyd befreit, erscheinen sie rein weiß und matt. Bei längerm Gebrauch nutzt sich die auf solche Weise erzeugte Schicht reinen Silbers ab, und die Legierungen erscheinen dann wieder rötlich. Den Gehalt der Legierungen an reinem Silber (Feingehalt [s. d.], Gehalt an Feinsilber) drückte man bisher aus, indem man die Lote angab, die in einer Mark (1 Mark = 16 Lot à 18 Grän) enthalten sind (Lötigkeit); eine feine Mark = 16 Lot Feinsilber, eine rauhe oder beschickte Mark = 16 Lot Silberlegierung. Zwölflötiges Silber enthält in der Mark auf 4 Lot Kupfer 12 Lot Silber. Jetzt wird der Feingehalt fast allgemein in Tausendsteln ausgedrückt, d. h. man gibt an, wieviel Teile Silber in 1000 Teilen der Legierung enthalten sind. Eine Legierung von 0,950 Feingehalt besteht aus 950 Silber und 50 Kupfer. Das Metall der neuen deutschen Silbermünzen hat einen Feingehalt von 0,900, und die Toleranz beträgt ± 0,003. Über die Legierungen der Silberarbeiter von vorgeschriebenem Feingehalt (Probesilber) s. Feingehalt. Silber mit mehr als 50 Proz. Kupfer heißt Billon. Teilweiser oder vollständiger Ersatz des Kupfers durch Zink ergibt schön weiße, leicht schmelzbare, sehr klingende und leicht zu bearbeitende Legierungen, z. B.:

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Silber 95 90 80 90 80 83,5

Zink 5 10 20 5 10 7,2

Kupfer - - - 5 10 9,3

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Zu diesen Legierungen gehört das Silberschlaglot. Die Schweizer Silberscheidemünzen bestehen aus Silber, Kupfer, Zink und Nickel; man hat auch reine Silbernickellegierungen zu Tafelgeschirr verarbeitet und Silbernickelkupferlegierungen zu allerlei Luxusgeräten. Vgl. Nickellegierungen und Drittelsilber. In England verarbeitet man zu Silberwaren eine Legierung aus 49 Silber, 49 Kupfer und 2 Arsen. Sehr dehnbar, geschmeidig und weiß sind Silberkupferkadmiumlegierungen, deren Zusammensetzung zwischen 980 Silber, 15 Kupfer, 5 Kadmium und 500 Silber, 30 Kupfer, 470 Kadmium schwankt. Vgl. Aluminium- und Goldlegierungen. Mit Blei, Zink, Zinn schmilzt Silber leicht zusammen, und die Blei- und Zinklegierungen spielen bei der Gewinnung des Silbers eine Rolle. Silberzinklegierungen besitzen schöne Farbe, starken Klang, sind schmelzbarer und laufen weniger leicht an als Silberkupferlegierungen und wurden statt letzterer als Münzmetall empfohlen. Den Gehalt der Silberkupferlegierungen bestimmt man durch Kupellation, nachdem man denselben approximativ mit Hilfe von Probierstein und Probiernadeln ermittelt hat, oder genauer auf nassem, meist maßanalytischem, Weg. Auf geprägte S. und dünnes Blech ist auch die hydrostatische Methode anwendbar. Man subtrahiert von dem gefundenen spezifischen Gewicht der Legierung die Zahl 8,814, hängt dem Rest zwei Nullen an und dividiert diese Zahl, die jetzt als Ganzes gilt, durch 1667, der Quotient gibt den Feingehalt in Tausendsteln an. Vgl. Baudry, Alliages d'argent (Besançon 1875).

Silberling, mißverstandene Bezeichnung der Sekel, namentlich der unendlich häufigen plumpen neuern Erfindungen, welche die Sekel nachahmen sollen, aber hebräische Quadratschrift zeigen. Das von Luther beim Verrat des Judas (Matth. 26, 16) gebrauchte Wort S. ist ganz wörtliche Übersetzung des griechischen Textes, wo von dreißig "Silberstücken" die Rede ist. Ob dies nun römische Denare oder irgend eine andre Silbermünze war, wissen wir nicht; die seltenen Sekel des Simon Makkabäus waren zu Christi Zeit natürlich längst aus allem Verkehr verschwunden.

Silberlöwe, s. Puma.

Silbermann, berühmte Orgel- und Klavierbauerfamilie: 1) Andreas, geb. 19. Mai 1678 zu Frauenstein im Sächsischen Erzgebirge, gest. 16. März 1734 in Straßburg, wo er sich in den ersten Jahren des 18. Jahrh. etabliert hatte. Er baute 30 Orgeln für Straßburg, Basel, Offenburg, Kolmar etc. und galt für einen der bedeutendsten Orgelbaumeister seiner Zeit. - 2) Gottfried, Bruder des vorigen, geb. 14. Jan. 1683 zu Frauenstein, gest. 4. Aug. 1753 in Dresden, der berühmteste Träger dieses Namens. Sein Vater, ein Zimmermeister, bestimmte ihn für den Beruf eines Buchbinders, S. mußte aber mutwilliger Jugendstreiche wegen fliehen und begab sich nach Straßburg zu seinem Oheim Andreas in die Lehre. 1712 kehrte er in seine Heimat zurück und machte 1714 sein Meisterstück mit dem Bau der großen Orgel für den Dom zu Freiberg (45 Stimmen), welche Stadt er dauernd zu seinem Wohnsitz erkor. S. baute 42 Orgeln, darunter 25 zweimanualige und 4 dreimanualige (Dom zu Freiberg, katholische Schloßkirche, Frauenkirche und Sophienkirche zu Dresden). S. hat aber noch eine andre Bedeutung; er war zwar nicht der erste Erfinder des Hammerklaviers (s. Cristofori), wohl aber wahrscheinlich ein selbständiger Mit- oder Nacherfinder und jedenfalls der erste, welcher dasselbe mit großem Erfolg in Aufnahme brachte (s. Klavier, S. 817). Zu nennen ist noch das von ihm kon-^[folgende Seite]