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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Sillé le Guillaume; Sillein; Sillen; Sillery; Silliman; Sillometer; Silloth; Siloah; Silos; Silpha; Silphium; Sils; Silur

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Sillein - Silur.

Sillein (ungar. Zsolna), Markt im ungar. Komitat Trentschin und Station der Waagthal- und Kaschau-Oderberger Bahn, an der Mündung der Kisucza in die Waag, hat (1881) 3244 meist slowak. Einwohner, ein Franziskanerkloster und ein Gymnasium.

Sillé le Guillaume (spr. ssije lö ghijohm), Stadt im franz. Departement Sarthe, Arrondissement Le Mans, an der Eisenbahn Paris-Rennes (mit Abzweigungen nach La Hutte und Sablé), hat Ruinen eines mittelalterlichen Schlosses, eine Kirche, Notre Dame, aus dem 12. Jahrh. mit schönem Portal, Leinenindustrie und (1881) 2993 Einw.

Sillen (Silloi), bei den Griechen eine besondere Art von Spottgedichten in Hexametern, wie sie zuerst Xenophanes von Kolophon gegen andre Dichter und Philosophen richtete. Der Hauptvertreter der Gattung ist Timon von Phlius (daher der Sillograph genannt, um 280 v. Chr.), welcher, in seinen S. das Homerische Epos parodierend, vom Standpunkt des Skeptizismus die dogmatischen Philosophenschulen persiflierte. Neueste Sammlung der Fragmente von Wachsmuth ("Sillographorum graecorum reliquiae", nebst einer Abhandlung "De Timone Phliasio etc.", Leipz. 1885).

Sillery (spr. ssil'ri), Dorf im franz. Departement Marne, Arrondissement Reims, an der Ostbahn, mit berühmtem Weinbau (Champagner) und 500 Einw. Vgl. Champagnerweine.

Silliman, Benjamin, Naturforscher, geb. 8. Aug. 1779 zu North Stratford (jetzt Trumbull) in Connecticut, ward 1802 Professor der Chemie am Yale College in Newhaven, besuchte 1805 Europa, um Bücher und naturwissenschaftliche Apparate für jene Anstalt zu beschaffen, und erwarb sich große Verdienste um Hebung der Naturwissenschaften in Nordamerika, namentlich durch die Herausgabe des "American Journal of science and arts" (seit 1818), in welchem er auch zahlreiche eigne chemische, physikalische, geologische und andre Untersuchungen veröffentlichte. Er schrieb noch: "Journals of travels in England, Holland and Scotland" (New York 1810); "A short tour between Hartford and Quebec" (1820); "Elements of chemistry" (Newhaven 1831, 2 Bde.); "Consistency of discoveries of modern geology with the Sacred History of the creation and deluge" (Lond. 1837). 1851 besuchte er abermals England und den europäischen Kontinent, worüber er in "Narrative of a visit to Europe in 1851" (Newhaven 1853, 2 Bde.) berichtete. Er trug viel zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse durch die Vorlesungen bei, welche er viele Jahre hindurch in fast allen größern Städten der Union hielt; 1853 legte er seine Professur nieder und starb 24. Nov. 1864. In Newhaven ward ihm 1884 ein Denkmal errichtet. Vgl. Fisher, Life of S. (New York 1866, 2 Bde.). - Sein Sohn Benjamin S., geb. 4. Dez. 1816 zu Newhaven, wurde 1847 Professor der Chemie am Yale College, 1849-54 an der Universität zu Louisville (Kentucky), seitdem als Nachfolger seines Vaters am Yale College, hat zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen veröffentlicht sowie sehr verbreitete Lehrbücher der Chemie und Physik herausgegeben. Er starb 14. Jan. 1885 in New York.

Sillometer (franz.-griech.), von Clement konstruiertes Instrument zur Messung der Geschwindigkeit eines Schiffs: ein Stromquadrant od. hydrometrisches Pendel, dessen Wirkung auf einer Skala abgelesen wird.

Silloth, Hafen der Stadt Carlisle in der engl. Grafschaft Cumberland, am Solway Firth, mit Docks und (1881) 2116 Einw.

Siloah, im alten Jerusalem ein Teich, der von der gleichnamigen, aus dem Tempelberg hervorkommenden, salzig schmeckenden Quelle gespeist ward, lag im SO. der Stadt, am Ausgang des Käsemacherthals, noch innerhalb der alten Mauer. Der Platz war heilig wegen Joh. 9, 7; im J. 1600 stand daselbst eine Basilika mit Badeeinrichtung, im 12. Jahrh. ein klosterähnliches Gebäude. Später wurde der Name S. auch auf ein gegenüber am "Berg des Ärgernisses" gelegenes Dorf (arab. Silwân) übertragen, dessen Bewohner zum Teil in den Höhlen der ehemals hier befindlichen jüdischen Nekropole wohnen.

Silos (span., Kornkeller), s. Magazine.

Silpha, Aaskäfer; Silphidae (Aaskäfer), Familie aus der Ordnung der Käfer, s. Aaskäfer.

Silphium, bei den alten Griechen eine wohlriechende, in der nordafrikanischen Landschaft Kyrene wachsende Pflanze und eine widrig knoblauchartig riechende, im Orient, namentlich in Persien, verbreitete Pflanze. Letztere hält man allgemein für den Stinkasant (Scorodosma foetidum). Die erstere spielte ein ungemein wichtige Rolle in der Alten Welt. Die jungen Sprosse wurden als feinstes Gemüse in ganzen Schiffsladungen nach Griechenland gebracht, auch der Stengel galt in verschiedener Zubereitung als Delikatesse. Die Pflanze wurde als Arzneimittel und Antidotum sowie als Gewürz (namentlich der eingedickte Saft des Stengels und der Wurzel, das Laserpitium der Römer, welches diese mit Silber aufwogen) hochgeschätzt. Wegen seiner großen Bedeutung als ein Handelsprodukt, dem sie blühenden Wohlstand verdankten, bildeten die Kyrenenser auf allen ihren Münzen das S. oder Teile desselben ab. Erst als Kyrene römische Provinz geworden, verschwand das S. von den Münzen und für immer aus dem Welthandel, und trotz aller Forschungen der Archäologen, Botaniker und Reisenden konnte bis jetzt nicht ermittelt werden, welche Pflanze unter dem S. der Alten zu verstehen sei. Die meisten Forscher erblicken sie in einer Umbellifere, Thapsia garganica L. oder T. S. Viv., indes hat Schroff nachgewiesen, daß die Thapsia, welche Theophrast und Dioskorides aus Autopsie kannten, das S. sicherlich nicht ist, so daß wir über dieses noch ebenso im Dunkeln sind wie vordem. Vgl. Schroff, Über eine in der Gegend der ehemaligen Kyrene gesammelte Wurzelrinde und über das S. der alten Griechen (in "Medizinische Jahrbücher", Wien 1862). - Gegenwärtig ist S. der Name einer Pflanzengattung der Kompositen, welche ausdauernde Kräuter mit gegen- oder wechselständigen Blättern und einzeln, in Rispen oder Doldenrispen stehenden, gelben Blüten umfaßt. Von diesen findet sich die Kompaßpflanze (S. laciniatum L.), welche 1-2 m hoch wird und eiförmige, tief fiederspaltige Blätter besitzt, in den Prärien Nordamerikas; sie kehrt ihre Blattflächen streng nach Norden und Süden (vgl. Kompaßpflanzen).

Sils, 1) (rätorom. Segl, Seilg) Dorf im Oberengadin, bestehend aus S.-Baselgia und S.-Maria, zusammen mit 214 Einw., liegt am Ausfluß des Inn aus dem Silser See, welcher 1796 m ü. M. liegt und 4 qkm groß ist. Der Ort, eine bequeme Station für Touren im Val Fex und über die Maloja, hat von dem Aufschwung, welchen das Oberengadin als Luftkurort genommen, auch seinen Anteil erhalten. - 2) (rätorom. Seglias) Dorf im Graubündner Thal Tomleschg, am Zusammenfluß von Albula und Hinterrhein, Thusis gegenüber, mit 567 Einw. - 3) (Soglio) Dorf im Bergell, mit 352 Einw.

Silur, s. v. w. silurische Formation.