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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Simon

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Simon (bibl.) - Simon (Zuname).

bevollmächtigter Minister nach Kopenhagen, ward dann 1777 als Gesandter in Stockholm akkreditiert und arbeitete hier durch geheime Verbindungen an der Erhebung Finnlands. 1780 ging er als Gesandter nach London, 1786 nach Paris. Hier stellte er der Königin Maria Antoinette 5. Juni 1791 unter dem Namen einer Frau v. Korff einen Paß aus, wodurch er einen bedeutenden Teil seines Vermögens verlor. Später lebte er, von den Geschäften zurückgezogen, mehrere Jahre in Frankfurt a. M., bis er als Präsident des Reichsjustizkollegiums nach Rußland zurückgerufen wurde. Auf der Reise dahin starb er 19. Sept. 1799 in Wien.

3) Alexander Heinrich, Freiherr von, geb. 29. Juni 1800, preuß. Kammerherr, hat sich als lyrischer Dichter sowie im Fach der Heraldik, Genealogie und Altertumskunde bekannt gemacht.

Simon, 1) S. mit dem Zunamen Petrus (Kephas), Apostel Jesu, s. Petrus.

2) S. aus Kana, richtiger der Kananäer, d. h. der Eiferer (Zelotes), einer der Apostel Jesu, den die griechische Kirche 10. Mai verehrt, wird zum Teil mit Simeon 2) verwechselt, während ihn andre in Ägypten, Kyrene, Mauretanien, Libyen und auf den britischen Inseln das Evangelium predigen lassen.

2) ^[richtig: 3)] S. der Magier ließ sich zu Samaria durch Philippus taufen, ward aber, als er für Geld den Heiligen Geist zu erhalten wünschte, von Petrus zurückgewiesen (Apostelgesch. 8, 18 ff.). Nach den Kirchenvätern soll er im Flecken Gitton in Samaria geboren sein, in Begleitung einer ehemaligen Buhlerin mit Namen Helena Wunder verrichtend das römische Reich durchzogen und gnostische Lehren verbreitet haben, die von seinen Anhängern (Simonianer, Simoniter, Helenianer) weiter ausgebildet wurden. In den sogen. Clementinae (s. d.) tritt er als Haupt und Urheber aller heidenchristlichen Gnosis auf, und schließlich ist unter der Maske seines Namens deutlichst der Apostel Paulus zu erkennen.

Simon, 1) Richard, gelehrter kathol. Theolog und Vater der neuern Bibelwissenschaft, geb. 13. Mai 1638 zu Dieppe, wurde Mitglied des Oratoriums in Paris, erhielt 1670 daselbst die Priesterweihe und starb 11. April 1712 in Dieppe. Seine Hauptwerke sind: "Histoire critique du vieux testament" (Par. 1678, Rotterd. 1685); "Histoire critique du texte du nouveau testament" (das. 1689); "Histoire critique des principaux commentateurs du nouveau testament" (das. 1693) und die "Nouvelles observations sur le texte et les versions du nouveau testament" (Par. 1695; deutsch von Cramer, Halle 1776-80, 3 Bde.). S. vertrat zwar fast durchweg die Autorität der kirchlichen Tradition über Ursprung, Integrität und Auslegung der Heiligen Schrift; aber die Gründlichkeit und Unbefangenheit seiner Forschungen schienen dessenungeachtet so gefährlich, daß seine Werke katholischen wie protestantischen Ketzergerichten anheimfielen. Vgl. Bernus, R. Simon (Lausanne 1869); Derselbe, Notice bibliographique sur R. S. (Basel 1882).

2) August Heinrich, Mitglied der deutschen Nationalversammlung, geb. 26. Okt. 1805 zu Breslau, studierte daselbst die Rechte, trat 1834 in den preußischen Staatsdienst und ward dann zum Stadtgerichtsrat in Breslau ernannt. Mehrere Broschüren gegen die Gesetze vom 29. März 1844, in denen er eine Gefährdung der Unabhängigkeit des preußischen Richterstandes erblickte, zogen ihm so viele Anfeindungen zu, daß er den Staatsdienst verließ. Vgl. seine Schrift "Mein Austritt aus dem preußischen Staatsdienst" (Leipz. 1846). Zum Mitglied des Frankfurter Parlaments gewählt, stimmte er mit der Linken und begleitete sie nach Stuttgart, wo er mit in die sogen. Reichsregentschaft gewählt wurde. Nach der Sprengung des Rumpfparlaments ging er in die Schweiz und ward im September 1851 zu Breslau wegen seiner politischen Thätigkeit in contumaciam zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe verurteilt. Er lebte seit 1852 in Murg am Walensee als Direktor einer Aktiengesellschaft für Kupferbergbau und ertrank 16. Aug. 1860 beim Baden im See. Am 6. Okt. ward ihm zu Murg ein Denkmal errichtet. Noch schrieb er außer Beiträgen zu Rönnes "Verfassung und Verwaltung des preußischen Staats" und zahlreichen Bearbeitungen einzelner Disziplinen: "Das preußische Staatsrecht" (Bresl. 1844); "Geschichtliches über die preußische Immediat-Justiz-Examinationskommission" (Berl. 1855) und "Don Quichotte der Legitimität oder Deutschlands Befreier?" (Zür. 1859). Vgl. Jacoby, Heinrich Simon (Berl. 1865, 2 Tle.).

3) Ludwig, Mitglied des deutschen Parlaments von 1848, geb. 1810, ward Advokat in Trier und 1848 in die deutsche Nationalversammlung gewählt, wo er zur äußersten Linken gehörte und einer der hervorragendsten Redner dieser Fraktion war. Nachdem er in Frankfurt Mitglied des Dreißigerausschusses gewesen, nahm er am Rumpfparlament zu Stuttgart teil. Nach der Sprengung desselben floh er im Juli 1849 nach der Schweiz und wurde dann zu Trier in contumaciam zum Tod verurteilt. Seit 1855 in einem Bankhaus zu Paris angestellt, gründete er daselbst 1866 ein eignes Geschäft, verließ aber 1870 Frankreich und starb 2. Febr. 1872 in Montreux. Er schrieb: "Aus dem Exil" (Gießen 1855, 2 Bde.).

4) Jules François Suisse, franz. Philosoph und Staatsmann, geb. 31. Dez. 1814 zu Lorient, ward 1835 Professor der Philosophie an der Normalschule, dann an der Sorbonne in Paris und 1848 Mitglied der Nationalversammlung, wo er zu den gemäßigten Republikanern zählte. Als er sich weigerte, Ludwig Napoleon den Huldigungseid zu leisten, wurde er 13. Dez. 1851 abgesetzt. 1863 ward er Mitglied der Akademie der moralischen und politischen Wissenschaften und trat gleichzeitig als Abgeordneter des Loiredepartements in den Gesetzgebenden Körper, wo er Mitglied der kleinen oppositionellen Minorität war. Nach dem Sturz Napoleons III. (4. Sept. 1870) ward er Mitglied des Gouvernements der nationalen Verteidigung und Unterrichtsminister, 8. Febr. 1871 Mitglied der Nationalversammlung, wo er sich zur gemäßigten Linken hielt, und 19. Febr. wieder Unterrichtsminister bis kurz vor dem Sturz Thiers' (Mai 1873). Im Dezember 1875 ward er zum Mitglied der französischen Akademie und zum lebenslänglichen Senator erwählt. 1876 mit dem Vorsitz im Ministerium, in welchem er selbst das Innere übernahm, betraut, wurde er trotz seiner Mäßigung 16. Mai 1877 wegen einer Äußerung über die Heuchelei der päpstlichen Gefangenschaft auf Betrieb der Klerikalen von Mac Mahon in schroffer, beleidigender Form entlassen. Als seit 1879 die radikalern Republikaner zur Herrschaft gelangten, bekämpfte er sie im Senat, namentlich die Ferryschen Unterrichtsgesetze, wobei er für die Kongregationistenschulen eintrat. Als Philosoph gehört S. der idealistischen Richtung an; von seinen Werken sind hervorzuheben: "Études sur la Théodicée de Platon et d'Aristote" (1840); "Histoire de l'école d'Alexandrie" (1844-1845, 2 Bde.); "Le devoir" (1854, 11. Aufl. 1874); "La religion naturelle" (1856); "La liberté de