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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Slowaken

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Slowaken.

Warschau in die Mitte einer Verschwörung zur Beseitigung des Zaren Nikolaus bei Gelegenheit des Krönungsreichstags. Die patriotische Tendenz des Dichters äußert sich im glühenden Haß gegen das Zarentum; seine pessimistische Richtung verleugnet sich aber auch hier nicht, indem er den Helden im entscheidenden Augenblick erlahmen und, ohne seinen Vorsatz ausgeführt zu haben, untergehen läßt. Die bedeutendsten Schöpfungen während des Genfer Aufenthalts sind: das Trauerspiel "Mazepa" (deutsch von A. Drake im "Bühnenrepertoire des Auslandes", Bd. 14, Berl. 1847), das dem vorigen an poetischem Schwung nachsteht, dafür aber mehr der Bühnentechnik entspricht, so daß es Repertoirestück wurde; das Trauerspiel "Balladyna" (deutsch von German, Krakau 1882), eine seiner gewaltigsten und originellsten Schöpfungen, und das lyrische Gedicht "W Szwajcaryi" ("In der Schweiz"; deutsch von Kurtzmann, Wien 1880), worin er dem kurzen Liebestraum mit einem polnischen Mädchen (Maria Wodzinska) ein unvergängliches Denkmal gesetzt hat. Im Februar 1836 begab sich S. nach Rom, wo er mit dem Grafen Sigismund Krasinski (s. d.) in freundschaftlichen Verkehr trat, unternahm dann im Spätherbst d. J. eine Orientreise, welche eine Reihe neuer vortrefflicher Dichtungen veranlaßte (darunter die poetische Erzählung "Der Vater der Pestkranken in El Arisch", deutsch von Stahlberger, Krak. 1872), und ließ sich nach seiner Rückkehr 1837 in Florenz nieder, wo er seinen Freund Krasinski wieder antraf und die im biblischen Stil gehaltene Allegorie "Anhelli" dichtete. Im Dezember 1838 nach Paris zurückgekehrt, ließ er alle seine seit "Kordyan" entstandenen Dichtungen rasch nacheinander erscheinen, darunter auch das Trauerspiel "Lila Veneda", das auf dem Hintergrund der polnischen Urgeschichte den Kampf zweier Völker schildert, in welchem das edlere, der pessimistischen Stimmung des Dichters entsprechend, der rohen Gewalt unterliegt. Diese letzte Periode seines Lebens wurde verbittert durch den scharfen Gegensatz zu Mickiewicz, mit dem es öffentlich zu heftigen Erklärungen kam; dazu brachte der Beitritt zu der mystischen Sekte Towianskis, welcher fast alle polnischen Dichter der Emigration in seinen Kreis zu ziehen wußte, ihn auch um die Freundschaft Krasinskis. Noch sind zu nennen: das lyrisch-epische Gedicht "Beniowski" (1841), die ziemlich planlosen Dramen: "Ksiądz Marek" und "Srebrny sen Salomei" sowie als seine letzte großartige, aber unvollendet gebliebene Schöpfung "Król duch" ("König Geist"), die eine "Legende der Jahrhunderte" der polnischen Geschichte werden sollte. S. starb 4. März 1849 in Paris. Seine bedeutenden Vorzüge beruhen auf der unvergleichlich poetischen Sprache sowie auf seinem überaus kühnen Gedankenflug, worin ihm kein polnischer Dichter gleichkam; sie werden beeinträchtigt durch den Mangel an künstlerischer Ruhe in der Komposition, ja er scheint sich zuweilen absichtlich über die Kunstregeln hinwegzusetzen. Seine pessimistische, für Fehler und Gebrechen seines Volkes nicht blinde Stimmung ist die notwendige Antithese zu der optimistischen Weltanschauung der andern polnischen Dichter. Slowackis gesammelte Schriften erschienen in 4 Bänden (Leipz. 1861); dazu sein Nachlaß in 3 Bänden (Lemb. 1866) und "Briefe" in 2 Bänden (das. 1875). Vgl. Malecki, Julius S. (poln., 2. Aufl., Lemb. 1880, 3 Bde.).

Slowaken, ein Glied der großen slawischen Völkerfamilie, zum tschechischen Zweig derselben gehörig, bewohnen in einer Anzahl von etwa 2 Mill. den Nordwesten Ungarns. Von den stammverwandten Mähren scheidet sie eine längs der mährisch-ungarischen Grenze verlaufende Linie; die Sprachgrenze gegen die Magyaren verläuft mit verschiedenen Ausbiegungen von Preßburg über Neuhäusel, Leva, Losoncz, Rosenau, Kaschau, Ujhely nach Ungvár, wo die S. mit den Ruthenen zusammenstoßen, die von hier bis zur Tatra die vielfach gezackte Nordostgrenze der S. bilden, während von der Tatra nach Westen zu bis an die Bieskiden die Polen längs der galizisch-ungarischen Grenze die S. im Norden umsäumen. Innerhalb dieses slowakischen Gebiets befinden sich einige größere deutsche Sprachinseln um die Bergstädte Schemnitz, Kremnitz und Neusohl sowie in der Zips, während anderseits slowakische Kolonien vielfach durch Ungarn zerstreut sind. Der Slowake ist vorzugsweise Bauer, der dem meist kargen Boden geringen Ertrag ablockt. Bei Neutra, Preßburg, Bars etc. treibt er Weinbau, im Gebirge Viehzucht und Käseproduktion (Liptau); auch die Holzflößer auf der Waag und Gran sind S. Da der Handel fast in der ganzen Slowakei in jüdischen Händen ist, bleibt den S. nur das Hausieren mit Leinwand, Mäusefallen, Spitzen etc. Der Konfession nach sind sie zur Hälfte lutherisch, zur Hälfte katholisch. Die slowakische Sprache, deren Zentrum im Thuróczer Komitat liegt, ist eigentlich nur ein Dialekt der tschechischen, unterschieden durch breitere Vokale, viele Diphthongen und alte Wörter. Die ersten Versuche, in derselben zu schreiben (früher bediente man sich des Tschechischen als Schriftsprache), gingen zu Ende des 18. Jahrh. von dem katholischen Priester Anton Bernolak (1762-1813) aus und wurden in der Folge besonders durch den Dichter Joh. Hollý (gest. 1849), Verfasser des Epos "Svatopluk", und Ludewit Stur (gest. 1856), den Redakteur der Zeitung "Slovenske Novini" (seit 1845), fortgesetzt. Von sonstigen Schriftstellern sind zu nennen: die evangelischen Prediger Jos. Miroslaw Hurban (gest. 1817), Herausgeber des Almanachs "Nitra" (1842-77, 7 Bde.), und Mich. Miloslaw Hodscha (gest. 1870), die patriotischen Dichter Samo Chalupka (gest. 1883), Andr. Sladkowitsch (gest. 1872) und Janko Král (gest. 1876), der Novellist J. Kalintschak (gest. 1872), Sam. Tomaschik (gest. 1887), Dichter des Liedes "Auf, ihr Slawen! etc.", der Dramatiker Jon. Záborský (geb. 1812), der Dichter und Publizist W. Pauliny-Tóth (gest. 1877), der Philolog Hattala (geb. 1821) u. a. In jüngster Zeit leidet die Litteratur der S. unter der gewaltsamen Unterdrückung durch die Magyaren, die 1874 auch die Aufhebung der 1863 gegründeten Matica slowenska, einer litterarischen Gesellschaft, welche Schriften in slowakischer Sprache herausgab, sowie die Schließung der slowakischen Gymnasien durchsetzten. Grammatiken des slowakischen Dialekts lieferten Bernolak (Preßb. 1790, Ofen 1817), Hattala (Schemnitz 1850) und Victorin (4. Aufl., Pest 1878), ein slowakisch-ungarisch-deutsches Wörterbuch Loos (das. 1871). Treffliche Sammlungen slowakischer Volkslieder gaben Safarik (Pest 1823-27, 2 Bde.), Kollar (2. Aufl. Ofen 1832-33, 2 Bde.) und die slowakische Matica (1870-74, 2 Bde.) heraus. - Die S. nahmen, nachdem das avarische Joch abgeschüttelt war, teil an der Bildung des großmährischen Reichs. Seit dem Untergang desselben war die Slowakei ein Spielball zwischen Tschechen, Polen und Magyaren, bis sie 1018 für immer an die ungarische Krone kam; jedoch blieb sie ein eignes Teilfürstentum (tertia pars regni). Der letzte, welcher 1305-21 die Würde eines Fürsten der Slowakei bekleidete, war Matthäus von Trentschin. Nach seinem Tod wurde diese Würde nicht