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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Spieren - Spill.

ab, um sofort ein Opfer rasender Verzweiflung zu werden. Sein 1548 erfolgtes trauriges Ende war entscheidend für den Übertritt des P. P. Vergerio (s. d.). Sein Leben beschrieben Comba (ital., Flor. 1872) und Rönneke (Hamb. 1874).

Spieren, die Rundhölzer des Schiffs, besonders diejenigen zum Ausspannen der Leesegel an ihrem untern Liek; unbearbeitete Hölzer, welche Schiffe zum Ersatz zerbrechender Raaen und Stengen mitnehmen.

Spierlingsvogelbeere, s. Sorbus.

Spierstaude (Spierstrauch), s. Spiraea.

Spieß, Stoßwaffe mit langem Schaft und dünner Eisenspitze, s. v. w. Pike (s. d.).

Spieß, 1) Christian Heinrich, Schriftsteller auf dem Gebiet des niedern Romans, geb. 1755 zu Freiberg i. S., war längere Zeit Mitglied einer wandernden Schauspielergesellschaft und wurde darauf als Wirtschaftsbeamter auf dem Schloß Betzdiekau in Böhmen angestellt, wo er 17. Aug. 1799 starb. Anfangs schrieb er Schauspiele; später lieferte er besonders Romane, jede Messe einige Bände (z. B. "Der alte Überall und Nirgends", Geistergeschichte, 1792; "Das Petermännchen", 1793; "Der Löwenritter", 1794; "Die zwölf schlafenden Jungfrauen", 1795, etc.), die wohl noch jetzt in den untern Schichten der Gesellschaft Leser finden und sich insgemein durch wüste Erfindung und platte Ausführung charakterisieren. Vgl. Appell, Die Ritter-, Räuber- und Schauerromantik (Leipz. 1859).

2) Adolf, Begründer einer neuen Richtung des Schulturnens, geb. 3. Febr. 1810 zu Lauterbach am Vogelsberg, wuchs in Offenbach auf und widmete sich mehr und mehr der Pflege und Förderung der Leibesübungen, nachdem er das anfänglich ergriffene Studium der Theologie aufgegeben hatte. 1833-44 an den Schulen von Burgdorf im Kanton Bern, dann 1844-48 in Basel angestellt, entfaltete er hier eine erfolgreiche, eigenartige Thätigkeit als Turnlehrer und Schriftsteller. 1848 zur Leitung des hessischen Schulturnens nach Darmstadt berufen, wirkte er in dieser Stellung mit weit über die Grenzen dieses Landes hinausgehendem Erfolg, bis ihn 1855 ein von früh an in ihm keimendes Lungenleiden, dem er 9. Mai 1858 erlag, von seiner Thätigkeit zurückzutreten zwang. S.' Verdienst ist es, die Gebiete der Freiübungen (s. d.) und Ordnungsübungen (s. d.) für die Turnkunst erschlossen und systematisch erschöpft sowie die Betriebsform der Gemeinübungen auch für andre Turngebiete eingeführt zu haben. Auch hat er dem Mädchenturnen zuerst entscheidend Bahn gebrochen und überhaupt ein eigentliches Schulturnen erst ins Leben gerufen. Sein Hauptwerk ist die systematische "Lehre der Turnkunst" (Basel 1840-46, 4 Tle.; 2. Aufl. 1867-85). Zur Anleitung für den Schulturnunterricht ist bestimmt sein "Turnbuch für Schulen" (Basel 1847-51, 2 Tle.; 2. Aufl. von Lion, 1880-89). S.' "Gedanken über die Einordnung des Turnwesens in das Ganze der Volkserziehung" (Basel 1842) sind mit anderm zusammengefaßt nebst Beiträgen zu seiner Lebensgeschichte in seinen "Kleinen Schriften über Turnen" (hrsg. von Lion, Hof 1872). Vgl. Waßmannsdorff, Zur Würdigung der Spießschen Turnlehre (Basel 1845).

Spießbock, s. Antilopen, S. 640.

Spießbock, Käfer, s. Bockkäfer.

Spießbürger, ursprünglich arme, nur mit Spießen bewaffnete Bürger als Fußsoldaten; jetzt verächtliche Bezeichnung für engherzige, beschränkte Kleinbürger.

Spieße, s. Geweih.

Spießer, in der Jägersprache der einjährige Hirsch; Spießbock, das einjährige männliche Reh, solange es Spieße trägt, was auch bisweilen noch bei ältern Stücken der Fall ist (s. Geweih).

Spießglanz, s. v. w. Antimon; Spießglanzbleierz, s. v. w. Bournonit; Spießglanzbutter, s. v. w. Antimonchlorid; Spießglanzkönig, s. v. w. Antimon.

Spießglas, s. v. w. Antimon.

Spießglassilber, s. Antimonsilber.

Spießlein (Wurf), in Nürnberg s. v. w. fünf Stück.

Spießlerche, s. Pieper.

Spießrecht (Recht der langen Spieße), das Recht der Landsknechtsregimenter, schwere Verbrechen selbst abzuurteilen, sowie der Rechtsgang dabei.

Spießrutenlaufen (Gassenlaufen), militär. Leibesstrafe, welche früher wegen schwerer Vergehen durch Kriegs- oder Standgericht über gemeine Soldaten verhängt wurde, und bei deren Ausführung, unter Aufsicht von Offizieren, ein oder mehrere hundert Mann mit vorgestelltem Gewehr eine etwa 2 m breite Gasse bildeten, welche der bis zum Gürtel entblößte Verurteilte mit auf der Brust zusammengebundenen Händen und eine Bleikugel zwischen den Zähnen haltend, um "sich den Schmerz zu verbeißen", mehrmals langsam bei Trommelschlag durchschreiten mußte. Hierbei erhielt er von jedem Soldaten mit einer Hasel- oder Weidenrute (Spieß- oder Spitzrute) einen Schlag auf den Rücken. Bei der Kavallerie wurden, in Preußen bis 1752, statt der Ruten Steigbügelriemen (daher Steigriemenlaufen) verwendet. Um den Verurteilten am schnellen Gehen zu hindern, schritt ein Unteroffizier mit ihm vor die Brust gehaltener Säbelspitze voran. Ein sechsmaliges S. durch 300 Mann an 3 Tagen mit Überschlagen je eines Tags wurde der Todesstrafe gleich geachtet, hatte aber auch gewöhnlich den Tod zur Folge. Konnte der Verurteilte nicht mehr gehen, so wurde er auf Stroh gelegt und erhielt dann die festgesetzte Anzahl von Streichen. Diese barbarische Strafe wurde in Preußen 1806, in Württemberg 1818, in Österreich 1855, in Rußland erst 1863 abgeschafft. Ähnliche Strafen waren auch bei den Römern im Gebrauch, s. Fustuarium. Bei den Landsknechten (s. d.) war es das "Recht der langen Spieße", aus dem das S. hervorging.

Spießtanne, s. Cunninghamia.

Spik, s. v. w. Lavandula Spica; s. auch Valeriana.

Spiköl (Spicköl), s. Lavendelöl.

Spilanthes Jacq. (Fleckblume), Gattung aus der Familie der Kompositen, meist behaarte, einjährige Kräuter mit einfachen, gegenständigen Blättern und einzeln stehenden, gelben Blütenköpfen. Von den mehr als 40 Arten in den Tropen der Alten und Neuen Welt wird S. oleracea Jacq., die Parakresse, in den Tropen als Salat- und Gemüsepflanze, bei uns als Zierpflanze kultiviert. In Südeuropa benutzt man sie gegen Skorbut und bei uns eine aus dem Kraut bereitete Tinktur (Paraguay-Roux) gegen Zahnschmerz.

Spilimbergo, Distriktshauptstadt in der ital. Provinz Udine, am Tagliamento, hat ein altes Schloß, eine Kirche mit Gemälden von Pordenone u. a., Seidenfilanden, Handel und (1881) 1732 Einw.

Spill, Vorrichtung zum Einwinden der Ankerkette, zum Einholen von Trossen, wenn ein Schiff verholt werden soll, oder zum Heben schwerer Lasten. Ein S. besteht aus einer eisernen, bei Gangspillen vertikal, bei Bratspillen horizontal gelagerten Welle (mit einer Armatur aus Gußeisen zur Aufnahme der Ankerkette und aus Holz zum Umlegen von Trossen) und dem Spillkopf, welcher mit Öff-^[folgende Seite]