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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Telemssen - Telesio.

nachdem er sich links oder rechts anlegt, in der einen oder andern von zwei Leitungen den Stromweg der am Empfangsort aufgestellten Batterie schließt. In jedem dieser Stromwege liegen auf der gebenden Seite zwei Elektromagnete, auf der Empfangsstelle ein dritter, welche beim Stromschluß nacheinander in Wirksamkeit treten. Der erste stellt einen Nebenweg zu dem unsichern Zeigerkontakt her und erhöht dadurch die Sicherheit des Ansprechens; der andre schiebt das Sperrrad des Gebers um einen Zahn vorwärts, wodurch die Kontaktfedern dem Zeiger nachgedreht werden, bis dieser wieder frei zwischen beiden spielt; der Elektromagnet auf der Empfangsstelle endlich bewirkt, ebenfalls durch Einwirkung auf ein Sperrrad, daß der Zeiger des Empfangsapparats eine gleiche Ablenkung erfährt. Infolge der Bewegung beider Sperrräder wird ein neuer Stromweg durch die dritte Leitung und den dritten Elektromagnet des Empfangsapparats geschlossen, dessen Anker beim Anziehen demnächst die Batterieverbindung unterbricht und alle Elektromagnete in die Ruhelage zurückführt, so daß bei einem neuen Kontakt des Zeigers nach der einen oder andern Seite das Spiel sich wiederholen kann. Die Telemeterapparate verlangen eine sorgfältige Einstellung, sind aber dann gegen zufällige Erschütterungen unempfindlich. Vgl. Distanzmesser.

Telemssen, Stadt, s. Tlemsen.

Teleologie (v. griech. telos, Ziel, Zweck), "Lehre von den Zwecken", diejenige Vorstellungsart der Dinge, d. h. der Natur und der sozialen Welt, der zufolge die einzelnen Erscheinungen, Existenzen und Vorgänge auf die in ihnen enthaltenen oder doch vorausgesetzten zweckmäßigen Beziehungen hin betrachtet werden. Dieselbe wird neuerlich in dem Maß, als die exakten Wissenschaften emporkamen, für unfruchtbar, ja dem Fortschritt des Wissens hinderlich angesehen. Spinoza (s. d.) bezeichnete die Zwecke, die man in der Natur angetroffen haben wollte, als menschliche Hineindichtungen; Bacon (s. d. 3) nannte die Zweckbetrachtung im Gegensatz zu der Erforschung der wirkenden Ursachen eine gottgeweihte Jungfrau, die nichts gebären könne. Noch Kant richtete einen Abschnitt seiner "Kritik der Urteilskraft" gegen die Gültigkeit der Zweckvorstellungen. Neuerdings hat man in Anknüpfung an Aristoteles, in dessen Philosophie die den Naturdingen innewohnenden Zwecke eine große Rolle spielen, die Wiederherstellung einer Art von T. insofern versucht, als in gewissen Naturerscheinungen, wie im Instinkt (s. d.) und Trieb (s. d.), Zwecke, die von keinem Bewußtsein begleitet und also nicht als eigentliche Absichten gedacht werden (immanente Zwecke), anzutreten sein sollen. In der sogen. natürlichen Religion hat die T. sowohl bei den englischen Deisten als in der deutschen Aufklärungsphilosophie des Reimarus (s. d.) eine Rolle gespielt; aus der Naturwissenschaft ist sie seit Darwin (s. d.), der an die Stelle des Kanons: Es ist zweckmäßig, darum ist es, den umgekehrten setzte: Es ist, darum ist es zweckmäßig, so gut wie verschwunden.

Teleorman, Kreis in der Großen Walachei, an der Donau, benannt nach dem Fluß T.; Hauptstadt Turnu-Magurele.

Teleosaurier, krokodilähnliche Reptilien der Juraperiode.

Teleostei (Knochenfische), Ordnung der Fische (s. d., S. 298).

Telepathie (griech., "Fernfühlung, Fernegefühl"), neuerdings in Aufnahme gekommene Bezeichnung für das angebliche Vermögen einzelner Personen, räumlich oder zeitlich entfernte Vorgänge zu empfinden. Vgl. Gedankenlesen und Zweites Gesicht.

Telephon (griech.), s. Fernsprecher.

Telephorus, s. Schneewürmer.

Telephos, im griech. Mythus ein Arkadier, Sohn des Herakles und der Auge, einer Priesterin der Athene, ward von seiner Mutter ausgesetzt, aber von einer Hirschkuh gesäugt und von dem König Korythos erzogen. Beim König Teuthras von Mysien fand er später die Mutter und ward Schwiegersohn und Nachfolger des Königs. Als auf dem Zuge gegen Troja die Hellenen Mysien angriffen, besiegte sie T., ward aber dabei von Achilleus verwundet. Da die Wunde nicht heilen will und das Orakel verkündet, daß sie nur der heilen könne, der sie geschlagen habe, wendet er sich nach Argos, wohin die Griechen durch Sturm zurückverschlagen sind, flüchtet auf Klytämnestras Rat mit dem aus der Wiege geraubten Orestes, dem kleinen Sohn des Agamemnon, auf den Hausaltar und droht, das Kind zu töten, wenn ihm keine Hilfe würde, worauf Achilleus mit dem Rost oder den Spänen seiner Lanze die Wunde heilt. Vom Orakel als Führer nach Troja bezeichnet, zeigt T. den Griechen den Weg dorthin, weigert sich aber, als Gemahl der Astyoche, einer Schwester des Priamos, an dem Krieg selbst teilzunehmen. T. wurde in Pergamon und besonders von den Königen aus dem Haus des Attalos als Heros verehrt. Auf den in Pergamon jüngst ausgegrabenen Reliefs des Zeusaltars ist seine Geschichte dargestellt. Vgl. O. Jahn, T. und Troilos (Kiel 1841 u. Bonn 1859); Pilling, Quomodo Telephi fabulam veteres tractaverint (Halle 1886).

Telephotographie, die Reproduktion von Bildern durch den elektrischen Strom in der Ferne. Zuerst 1847 von Bakewell versucht, hat die Ausführung dieser Idee durch Bidwell 1881 praktische Gestaltung erhalten. In den Schließungskreis zweier galvanischer Batterien, die einander entgegenwirken, ist an der einen Station eine lichtempfindliche Selenzelle, an der andern Station eine mit befeuchtetem Jodkaliumpapier bedeckte Messingplatte eingeschaltet, auf welcher ein Messingstift schleift. Der Widerstand im Schließungskreis wird durch Rheostate so reguliert, daß kein Strom durchfließt, wenn die Selenzelle nicht beleuchtet ist. Durch Uhrwerke wird die Messingplatte mit dem Jodkaliumpapier an dem Stift und ganz entsprechend eine durchsichtige Glasplatte mit dunkeln Zeichnungen an der Selenzelle vorbei bewegt. Geht eine helle Stelle der Glasplatte an der Selenzelle vorbei, so wird unter der Einwirkung des Lichts ihr Widerstand kleiner, ein der Lichtwirkung entsprechender Strom geht von der Messingspitze, welche als positive Elektrode dient, durch das Jodkaliumpapier und bringt durch Abscheidung von Jod eine dunkle Färbung hervor; man erhält also eine negative Kopie der Zeichnung, welche die hellen Stellen des Originals dunkel zeigt.

Telerpeton, s. Eidechsen.

Telesio, Bernardino, ital. Philosoph, geb. 1508 zu Cosenza in Kalabrien, gest. 1588 daselbst, nachdem er zu Padua, Rom und Neapel gelehrt und an letzterm Orte die noch heute bestehende Accademia Telesiana der Naturforscher zur Verdrängung der Aristotelischen Physik gegründet hatte, hat sich als Gegner des Aristoteles und Begründer einer neuen, angeblich auf Erfahrung gestützten Naturphilosophie bekannt gemacht. In derselben führt er (nach Art der griechischen Naturphilosophen) die gesamte Erscheinungswelt auf drei Hauptprinzipien, ein leidendes und körperliches (Materie) und zwei thätige unkörperliche (Wärme und