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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Termŏli; Termonde; Ternāte; Ternaux; Terne; Terneuzen; Terni; Ternströmĭaceen; Terpándros; Terpentīn

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Termoli - Terpentin.

Termŏli, Flecken in der ital. Provinz Campobasso, Kreis Larino, am Adriatischen Meer und an der Eisenbahn Ancona-Foggia, von welcher hier die Linie über Campobasso nach Benevent abzweigt, ist Bischofsitz, hat ein Kastell (von 1247), eine im 16. Jahrh. gebaute Kathedrale, einen Hafen und (1881) 3963 Einw.

Termonde, Stadt, s. Dendermonde.

Ternāte, eine Insel der Molukken, an der Westküste von Dschilolo, hat einen 1675 m hohen Vulkan, reiche Vegetation und 9000 Einw. und bildet mit Teilen von Celebes, den Suluinseln, dem Nordteil der Molukken (Dschilolo) u. a. die niederländische Residentschaft T. mit einem Areal von 238,956 qkm (4339,7 QM.) mit (1885) 109,947 Einw., worunter 308 Europäer und 465 Chinesen. Zur Residentschaft gehören außer dem eigentlichen Regierungsgebiet die abhängigen Reiche T., Tidore (wozu auch die Westhälfte von Neuguinea) und Batjan. Die Stadt T., mit 6000 Einw., ist Sitz des niederländischen Residenten, hat einen prächtigen Dalem oder Palast des Sultans und daneben das Fort Oranien.

Ternaux (spr. -noh), Guillaume Louis, Baron, Industrieller, geb. 8. Okt. 1763 zu Sedan, erlernte bei seinem Vater die Handlung und übernahm 1778 dessen Geschäft. Nach dem Ausbruch der Revolution mußte er 1793 fliehen; doch kehrte er schon unter dem Direktorium zurück, ging nach Paris und begründete nach und nach über das ganze Land, ja selbst im Ausland, Fabriken, machte mehrere wichtige Erfindungen in der Mechanik und führte die Spinnmaschinen und zur Erzeugung bessern Rohstoffs sächsische Widder und Kaschmirziegen in Frankreich ein. Auch die Weberei suchte er zu heben und begründete die Fertigung der feinern Shawls. Nach der ersten Restauration wandte er sich den Bourbonen zu und ging daher 1815 während der Hundert Tage mit Ludwig XVIII. nach Gent. Nach der zweiten Restauration ward er mehrfach von der Regierung ausgezeichnet und zu Rate gezogen, doch schloß er sich 1827 in der Kammer völlig der Opposition an und beteiligte sich auch an der Julirevolution. Er starb 2. April 1833 in St.-Ouen.

Terne (Ternion, lat.), Zusammenstellung je dreier Dinge aus einer größern Anzahl, insbesondere beim Lottospiel jede Zusammenstellung von drei bestimmten Nummern unter den vorhandenen 90.

Terneuzen, Stadt, s. Neuzen.

Terni, Kreishauptstadt in der ital. Provinz Perugia (Umbrien), zwischen zwei Armen der Nera, an der Eisenbahn Rom-Foligno, in welche hier die Bahn Castellammare Adriatico-Aquila-T. einmündet, ist Sitz eines Bischofs und eines Handelsgerichts, hat eine Kathedrale (1653 von Bernini erbaut), eine Kirche, San Francesco, mit schönem gotischen Glockenturm, ein Theater, ein Lyceum, Gymnasium, Institut für Mechanik und Konstruktionslehre, Orangen-, Oliven- und Maulbeerkultur, Tuch- und Lederindustrie, große, neueingerichtete Eisenwerke (vorwiegend für maritime und Eisenbahnzwecke) und (1881) 9415 Einw. - T. ist das alte Interamna Umbrica, angeblich die Vaterstadt des Geschichtschreibers Tacitus, und enthält von der antiken Stadt noch Ruinen eines Amphitheaters, eines Sonnentempels etc. In der Nähe der berühmte Wasserfall des Velino (s. d.). Bei T. wurden 27. Nov. 1798 die Neapolitaner von den Franzosen geschlagen.

Ternströmĭaceen, dikotyle, etwa 260 Arten umfassende, im tropischen Amerika und dem südlichen Asien einheimische Pflanzenfamilie aus der Ordnung der Cistifloren, Bäume und Sträucher mit wechselständigen, oft an den Zweigspitzen in Büscheln stehenden, einfachen, gewöhnlich lederartigen, immergrünen, meist durchscheinend punktierten, fiedernervigen Blättern mit am Grund artikuliertem Blattstiel und meist fehlenden Nebenblättern und mit zwitterigen, bisweilen durch Fehlschlagen eingeschlechtigen, regelmäßigen Blüten. Der bisweilen spiralig geordnete und unbestimmtzählige Kelch ist in andern Fällen fünfzählig, die freien Blumenblätter wechseln meist mit den Kelchblättern ab, die zahlreichen Staubgefäße stehen in mehreren Kreisen oder in fünf aus einer gemeinsamen Anlage hervorgehenden Bündeln beisammen. Die 2-5 Fruchtblätter verwachsen stets und tragen im Innenwinkel zwei Samenknospen. Die Frucht bildet sich zu einer wand- oder fachspaltigen Kapsel oder beerenartigen Steinfrucht aus. Vgl. Choisy, Mémoire sur les Ternstrœmiacées ("Mémoires de la Société physique", Bd. 14, Genf). Mehrere Arten der Gattungen Ternstroemia Mut., Freziera Sw. u. a. kommen fossil in Tertiärschichten vor. Manche T. werden als Heilmittel angewendet; die Gattung Thea L. zeichnet sich durch den Gehalt an Kaffein aus. Beliebte Schmuckpflanzen sind die japanischen Kamelien (Camellia-Arten).

Terpándros (Terpander), griech. Musiker und Lyriker aus Antissa auf Lesbos, ist der Schöpfer der klassischen Musik der Griechen und damit Begründer der griechischen Lyrik, indem er zuerst den alten choralartigen Gesängen zu Ehren des Apollon, den sogen. Nomen, durch regelmäßige Gliederung eine künstlerische Ausbildung gab und statt der bisherigen viersaitigen Kithara die siebensaitige erfand. Nach Sparta zur Schlichtung innerer Zwistigkeiten auf Geheiß des delphischen Orakels berufen, ordnete er das dorische Musikwesen und siegte 676 v. Chr. in dem ersten musischen Wettkampf am Feste der Karneen, ebenso zwischen 672 und 648 viermal hintereinander bei den Pythischen Spielen. Von seinen Dichtungen sind nur wenige Verse erhalten (bei Bergk, "Poetae lyrici graeci", abgedruckt).

Terpentīn (Terebinthina), balsamartige Masse, welche durch Einschnitte aus den Stämmen von Nadelhölzern gewonnen wird (s. Fichtenharz). Der gemeine T. wird aus Pinus maritima Lamb., P. laricio Poir., P. silvestris L., Abies excelsa Lam. und A. pectinata Dec. sowie aus mehreren amerikanischen Arten gewonnen. Die Ausbeute ist sehr verschieden. Man rechnet z. B. in Österreich auf den Stamm jährlich 2 kg T., während man in Westfrankreich etwa 3,6 kg erhält und starken Fichten, besonders alleinstehenden, auf deren Erhaltung es nicht weiter abgesehen ist, in einem Jahr bis 40 kg T. abgewinnen kann. Der gemeine T. bildet eine mehr oder weniger klare, gelblichweiße, honigdicke, stark klebende Masse, reagiert sauer, riecht nach Terpentinöl, ist löslich in Alkohol, Äther, ätherischen Ölen und in nicht überschüssiger Kalilauge, enthält 15-30 Proz. Terpentinöl, Harz, Harzsäuren (Pinarsäure, Pininsäure, Sylvinsäure, Abietinsäure), wenig Ameisensäure und Bernsteinsäure. Im frischen T. findet sich Abietinsäureanhydrid; dies nimmt aber Wasser auf, und es scheiden sich wetzsteinähnliche Kristalle von Abietinsäure aus, durch welche der T. trübe und krümelig wird. Im Handel unterscheidet man: deutschen T. von kaum bitterm Geschmack; ihm ähnlichen französischen T., welcher weniger Terpentinöl enthält; Straßburger T. von der Weißtanne, welcher bald hell und klar wird, zitronenartig riecht, sehr bitter schmeckt und 35 Proz. Terpentinöl enthält; amerikanischen T., weißlichgelb, zäh, von kräftigem Geruch, sehr scharf bitterm Geschmack und geringem Terpen-^[folgende Seite]