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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Theophilanthropen; Theophilos; Theophrástos; Theophyláktos; Theopneustie; Theopompos; Theorbe; Theorem; Theorie

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Theophilanthropen - Theorie.

bald nach der Thronbesteigung ihres Gemahls (973) großen Einfluß auf denselben, dem sie 980 den spätern Kaiser Otto III. gebar, begleitete ihn 981 nach Italien und kehrte nach Ottos II. Tod 984 nach Deutschland zurück. Als Vormünderin ihres jungen Sohns und Reichsregentin anerkannt, führte sie die Regierung mit Kraft und Umsicht und erzog ihren Sohn in griechischer Bildung, starb aber schon 15. Juni 991 in Nimwegen. Vgl. Moltmann, Theophano (Schwerin 1878).

Theophilanthropen (Theanthropophilen, griech., "Gottes- und Menschenfreunde"), deistische Religionsgesellschaft in Frankreich, welche sich 1796 in Paris zur Erhaltung der Religion bildete und vom Direktorium zehn Pfarrkirchen in Paris eingeräumt erhielt, aber schon 1802 erlosch. Vgl. Grégoire, Geschichte des Theophilanthropismus (deutsch, Hannov. 1806).

Theophilos, 1) oström. Kaiser, Sohn Michaels II., schon von diesem zum Mitkaiser erhoben, bestieg nach dem Tode desselben im Oktober 829 den Thron. Er war ein talentvoller, hochgebildeter Fürst, welcher strenge Gerechtigkeit übte, die Wissenschaften und Künste förderte, die Hauptstadt mit prächtigen Bauten schmückte und ihre Festungswerke verstärkte. Er war ein eifriger Bilderfeind und verfolgte die Verehrer derselben, namentlich die halsstarrigen Mönche. Er kämpfte tapfer gegen die Araber, erlitt aber mehrere Niederlagen und konnte nicht verhindern, daß 838 der Kalif Mutassim auf einem großen Heereszug seine Heimatstadt Amorion in Phrygien eroberte und zerstörte. Er starb 20. Jan. 842 und hinterließ die Regierung seinem unmündigen Sohn Michael III. unter der Vormundschaft seiner Gemahlin Theodora.

2) Ein Heidenchrist, seit 168 Bischof von Antiochia, wo er 180 und 181 die drei Bücher an den Autolykos schrieb, eine Apologie des Christentums (hrsg. von Otto im "Corpus apologetarum", Bd. 8, Jena 1861).

3) Nach der Legende Bistumsverweser zu Adana in Kilikien, verschrieb sich, infolge von Verleumdungen seines Amtes entsetzt, dem Teufel und ward hierauf restituiert. Von Gewissensbissen gefoltert, wandte er sich später an die heilige Jungfrau, erhielt von dieser die verhängnisvolle Handschrift zurück und starb drei Tage darauf. Diese schon im 10. Jahrh. vorhandene Legende, eine Vorläuferin der Faustsage, ward bis in das 16. Jahrh. herab dichterisch behandelt. Bearbeitungen wurden herausgegeben unter andern von Blommaert (eine niederländische metrische des 14. Jahrh., Gent 1836); von Pfeiffer (Stuttg. 1846) aus den Marienlegenden des Verfassers des alten Passionals; von Ettmüller (Quedlinb. 1849); von Hoffmann von Fallersleben (Hannov. 1853) nach dramatischer Bearbeitung in niederdeutscher Sprache aus dem 14. und 15. Jahrh.; von W. Meyer ("Radewins Gedicht über T.", Münch. 1873). Vgl. Sommer, De Theophili cum diabolo foedere (Berl. 1844); Wedde, T., das Faustdrama des deutschen Mittelalters (Hamb. 1888).

Theophrástos, griech. Philosoph, geb. 390 v. Chr. zu Eresos auf der Insel Lesbos, war in Athen erst Schüler des Platon, dann des Aristoteles und ward von diesem zum Erben seiner Bibliothek und zu seinem Nachfolger in der Leitung der peripatetischen Schule ernannt. Er starb in Athen, 85, nach andern 106 Jahre alt. In seinen Reden zeigte T. so viel Würde und Anmut, daß Aristoteles seinen eigentlichen Namen Tyrtamos in T., d. h. göttlicher Redner, umgewandelt haben soll. T. ist der Verfasser von etwa 200 Schriften dialektischen, metaphysischen, moralischen und physikalischen Inhalts, von denen einige naturhistorische und philosophische, zum Teil Fragmente aus größern Werken, erhalten sind. Die bekanntesten sind: "Ethici characteres" (hrsg. von Foß, Leipz. 1858, und Petersen, das. 1859; deutsch von Schnitzer, Stuttg. 1858; von Binder, das. 1864; vgl. La Bruyère) und die "Naturgeschichte der Gewächse" (hrsg. von Schneider, Leipz. 1818-21, 5 Bde.; deutsch von Sprengel, Altona 1822, 2 Bde.). Eine Gesamtausgabe des noch Vorhandenen von seinen Schriften besorgte Wimmer (Leipz. 1854-62, 3 Bde., und Par. 1866, 1 Bd.). Zur Entwickelung der Philosophie scheint T. nicht viel beigetragen, sondern die Aristotelische Philosophie nur fortgepflanzt und erläutert sowie durch Zusätze zur Logik und Politik erweitert zu haben. Vgl. Kirchner, Die botanischen Schriften des T. (Leipz. 1874).

Theophyláktos, Erzbischof von Achrida in der Bulgarei, gest. 1107, hat katenenartige Kommentare zum größten Teil des Neuen Testaments verfaßt; im Streit mit der abendländischen Kirche nahm er eine versöhnliche Stellung ein. Auch hinterließ er eine Schrift über Prinzenerziehung und 130 Briefe. Seine Werke erschienen Venedig 1754-63, 4 Bde.

Theopneustie (griech.), s. v. w. Inspiration (s. d.).

Theopompos, 1) griech. Historiker, von Chios, Schüler des Isokrates, lebte im 4. Jahrh. v. Chr. und starb, aus Chios verbannt, in Ägypten. Er schrieb eine "Hellenika" betitelte Fortsetzung von des Thukydides Geschichtswerk bis zur Seeschlacht bei Knidos (394 v. Chr.) und "Philippika", eine allgemeine Geschichte seiner Zeit von Ol. 105, 1 (360 v. Chr.) an. Herausgegeben sind die Fragmente derselben von Wichers (Leid. 1829), Theiß (Nordh. 1837) und Müller in den "Historicorum graecorum fragmenta" (Bd. 1, Par. 1841). Vgl. Pflugk, De Theopompi vita et scriptis (Berl. 1827).

2) Griech. Komödiendichter, ein jüngerer Zeitgenosse des Aristophanes, dichtete noch um 370 v. Chr. Von seinen 24 Dramen, von denen die spätern den Übergang von der alten zur mittlern Komödie anbahnten, sind nur geringe Bruchstücke erhalten (gesammelt in Meinekes "Fragmenta comicorum graecorum", Bd. 2, Berl. 1840). Vgl. Bünger, Theopompea (Straßb. 1874).

Theorbe (ital. Tiorba, Tuorba), ein veraltetes, im 16.-18. Jahrh. sehr angesehenes, zur Familie der Laute gehöriges Saiteninstrument. Vgl. Laute.

Theorem (griech.), s. v. w. Lehrsatz (s. d.).

Theorie (griech.), eigentlich das Betrachten, Beschauen, vorzugsweise aber das geistige Anschauen und Untersuchen, die daraus hervorgehende wissenschaftliche Erkenntnis und Entwickelung der einzelnen Erscheinungen einer Wissenschaft in ihrem innern Zusammenhang. Jeder Kreis von Gedankenobjekten hat demnach seine besondere T., welche darauf hinausläuft, aus allgemeinen Gesetzen, welche nicht erfahren, sondern denkend gefunden werden, die Mannigfaltigkeit der auf irgend eine Weise erkannten Einzelheiten in ihrem Kausalnexus zu begreifen. Jede auf Erfahrung gegründete Wissenschaft kommt von selbst, je mehr der innere Zusammenhang klarer vor die Augen tritt, zu Theorien, welche umso vollkommener aufgestellt werden können, je mehr die Masse der Erscheinungen Anhaltspunkte für die wissenschaftliche Untersuchung darbietet. Bei der Endlichkeit des menschlichen Geistes behalten alle Theorien ihre Mängel; die beste wird die sein, welche am einfachsten und ungezwungensten die Ergebnisse der Erfahrung aus einem oder einigen Grundprinzipien herzuleiten im