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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Tibetische Sprache und Litteratur; Tibĭa; Tibĭalis; Tibullus; Tibur; Tic

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Tibetische Sprache und Litteratur - Tic.

Dunganen (s. d.) die herkömmlichen Gaben des chinesischen Schatzes an die tibetischen Klöster ausblieben. Die Chinesen vermögen ihre Herrschaft in T. nur mit Schwierigkeiten zu behaupten. Zwischen Ende des 13. Jahrh. und 1870 erreichten Europäer 14mal T., darunter 7mal Lhassa; von Indien aus ist der Eintritt Europäern nicht gestattet, eine 1876 geplante englische Gesandtschaft mußte unterbleiben. Im Streit um Sikkim (1887/88) nahm T. gegen Britisch-Indien Partei, wurde aber von Peking aus zur Nachgiebigkeit gezwungen. Große Verdienste um die Erforschung von T. hat der Russe Prschewalskij (s. d.); kein andrer europäischer Reisender hat in T. so große Strecken durchmessen wie dieser Forscher. Vgl. Klaproth, Description du Thibet (Par. 1831); E. Schlagintweit, Die Könige von T. (Münch. 1866); Desgodins, Le Thibet (2. Aufl., Par. 1885); Ganzenmüller, Tibet (Stuttg. 1878); Kreitner, Im fernen Osten (Wien 1881); Prschewalskij, Reisen in T. (deutsch, Jena 1884); Feer, Le T. (Par. 1886).

Tibetische Sprache und Litteratur. Die tibetische Sprache ist eine der einsilbigen Sprachen Ostasiens und bietet die seltene Erscheinung dar, daß sie sich, obschon bereits vor mehr als 1200 Jahren zur Schrift- und Litteratursprache erhoben, infolge einer fast abgöttischen Verehrung des geschriebenen Wortes bis heute unverändert erhalten hat, während Stil und Redeformen Umgestaltungen erfuhren. Daher zeigen sich bei Vergleichung von Schrift und Laut Abweichungen in ähnlichem Maß wie im Französischen. Alphabet und Schrift (von links nach rechts) sind dem Altindischen nachgebildet; doch wird eine Druckschrift, eine Kursiv und eine Schnellschrift unterschieden. Man schneidet die Buchstaben sehr schön in Holzblöcke und druckt damit; bewegliche Lettern kennt man nicht. Der Schrift sind zusammengesetzte Konsonanten eigen, wie im Sanskrit. Das Tibetische hat 30 Konsonanten; Diphthonge fehlen. Beim Schreiben trennt man jede Silbe durch einen Punkt. Die Flexion wird meist durch Anfügung von Stammbildungsendungen (Affixen und Suffixen) ersetzt. Es gibt zwei Modi: Infinitiv und Imperativ, und drei Tempora: Präsens, Perfektum und Futurum. Das Verbum ist durchweg unpersönlich, Aktivum und Passivum werden nicht unterschieden; das handelnde Subjekt eines transitiven Zeitworts steht im Instrumental ("durch mich ist gethan"). Die Syntax kennt nur wenige feste Regeln, worunter obenan steht, daß der einfache Satz mit dem Zeitwort schließt. Grammatiken des Tibetischen verfaßten der Missionär Schröter (mit Wörterbuch, Serampur 1826), der Ungar Csoma (ebenfalls mit Wörterbuch, Kalk. 1834), J. F. Schmidt (Petersb. 1839-41), Foucaux (Par. 1858) und besonders Jäschke ("Tibetan grammar", 2. Aufl., Lond. 1883), der auch ein "Tibetan-English dictionary" (das. 1882) und ein großes "Handwörterbuch der Tibetsprache" (Gnadau 1871-75) herausgab. Die tibetische Litteratur besteht ihrem geistlichen Teil nach zumeist aus Übertragungen aus dem Sanskrit, die mit wenigen tibetischen Originalwerken zwei Hunderte von Bänden starke Sammlungen füllen, den Kandschur (s. d.) und den neuern Tandschur. Die Profanlitteratur an Erzählungen, Gedichten, Geschichtswerken ist nicht unbedeutend, aber noch wenig bekannt. An der Herausgabe und Übersetzung tibetischer Texte beteiligten sich der Ungar Csoma, die Deutschen J. F. Schmidt, A. Schiefner, H. A. Jäschke, E. Schlagintweit, die Franzosen Foucaux und Feer. Vgl. Hodgson, Essays on the languages, literature and religion of Nepal and Tibet (Lond. 1874).

Tibĭa (lat.), Schienbein; bei den Römern auch ein Blasinstrument mit Tonlöchern (Pfeife, Flöte).

Tibĭalis (lat.), das Schienbein betreffend, z. B. arteria t., Schienbeinschlagader, vena t., Schienbeinblutader, etc.

Tibullus, Albius, röm. Elegiker, um 55 v. Chr. geboren aus ursprünglich wohlhabendem Rittergeschlecht, das in den Bürgerkriegen einen großen Teil seiner Güter verloren hatte. Er begleitete 31 seinen Gönner Messala auf dem aquitanischen Feldzug. Eine Aufforderung desselben, ihn nach Asien zu begleiten, lehnte er anfangs ab, da ihn die Liebe zu Delia (eigentlich Plania), einer Libertine in Rom, zurückhielt; zwar entschloß er sich noch zur Mitreise, doch mußte er, unterwegs erkrankt, in Kerkyra zurückbleiben. Nach Rom zurückgekehrt, fand er seine Geliebte mit einem reichern Bewerber verheiratet, ein Schlag, den er nicht wieder verwunden zu haben scheint. Er starb bald nach Vergil, 19 oder 18 v. Chr. Seine Gedichte zeichnen sich durch Einfachheit, Gefühl und Anmut aus; besonders schön und innig sind die auf Delia bezüglichen im ersten der unter seinem Namen überlieferten vier Bücher. Von diesen gehören ihm indessen nur die beiden ersten vollständig an. Das ganze dritte rührt von einem wenig talentvollen Nachahmer her, der sich selbst mit dem Namen Lygdamus und als 43 v. Chr. geboren bezeichnet, und von den Gedichten des vierten Buches haben eine Anzahl poetische Liebesbriefe ein junges Mädchen, Namens Sulpicia, zur Verfasserin. Neuere Ausgaben von Voß (Heidelb. 1811), Lachmann (Berl. 1829), Dissen (Götting. 1835, 2 Bde.), Haupt (5. Aufl., Leipz. 1885), L. Müller (das. 1870), Bährens (das. 1878), Hiller (das. 1885). Übersetzungen lieferten Voß (Tübing. 1810), Teuffel (Stuttg. 1853 u. 1855), Binder (2. Aufl., Berl. 1885), Eberz (Frankf. 1865).

Tibur, Ort in Latium, auf einem 250 m hohen Hügel am südlichen Ufer des hier prächtige Wasserfälle bildenden Anio (s. d.), östlich von Rom, war eine der ältesten und mächtigsten Städte des Latinischen Bundes, welche sich erst 335 den Römern endgültig unterwarf, aber nominell unabhängig blieb. Die Umgebung war reich an Landhäusern, unter denen namentlich die prachtvolle Villa Hadriani, südwestlich der Stadt in der Ebene, berühmt war. Jetzt Tivoli (s. d.). Vgl. L. Meyer, T. (Berl. 1883).

Tic (franz.), s. v. w. Zucken, Verziehen des Gesichts. Man unterscheidet zwei Krankheiten dieses Namens, nämlich den T. douloureux oder Fothergillschen Gesichtsschmerz (s. Gesichtsschmerz) und den T. convulsif, welcher ein Krampf im Bereich des Nervus facialis, ein mimischer Gesichtskrampf ist. Diese letztere Krankheit kommt häufig bei hysterischen und mit Eingeweidewürmern behafteten Personen vor. Auch Gemütsbewegungen und der Nachahmungstrieb werden unter den veranlassenden Ursachen des T. convulsif angeführt; in vielen Fällen ist der T. convulsif ein leichter Grad von Veitstanz. Fast immer werden nur die Muskeln Einer Gesichtshälfte vom Krampf befallen. Die Kranken machen schnell wechselnde oder andauernde Grimassen, runzeln die Stirn und die Augenbrauen, blinzeln mit den Augenlidern und schließen das Auge, zucken und schnüffeln mit den Nasenflügeln, verziehen den Mundwinkel nach oben und unten etc. Diese Grimassen treten plötzlich auf, verschwinden ebenso schnell und kehren nach kurzen Zwischenpausen wieder. Gewöhnlich ruft eine durch den Willen eingeleitete isolierte Bewegung des Gesichts krampfhafte Zusammenziehungen in andern Muskeln hervor. Anfangs ist die kranke Gesichts-^[folgende Seite]