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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Tichatschek; Tichborne; Tichwin; Tichwinsches Kanalsystem; Ticino; Ticinum; Ticinus; Tick; Ticket; Ticknor; Ticul; Tidemand

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Tichatschek - Tidemand.

hälfte oft schmerzhaft, später verlieren sich die Schmerzen. Die Behandlung ist selten erfolgreich, man empfiehlt den konstanten galvanischen Strom, Bromkalium, kräftige Ernährung; beim Vorhandensein von Würmern abtreibende Mittel. - Figürlich bedeutet T. (Tick) s. v. w. Grille, wunderliche Eigenheit.

Tichatschek, Joseph Aloys, Opernsänger (Tenor), geb. 11. Juli 1807 zu Weckelsdorf in Böhmen, ging 1827 nach Wien, um dort Medizin zu studieren, widmete sich jedoch bald darauf der Musik und fand 1830 ein Engagement als Chorist am Kärntnerthor-Theater. Infolge eifriger Kunstgesangstudien unter Leitung Cicimaras konnte er 1833 in kleinern Partien mit Erfolg auftreten und das Jahr darauf einen Ruf als erster Tenor nach Graz annehmen, wo er bis 1837 der Liebling des Publikums war. Im genannten Jahr gastierte er in Dresden und fand hier solchen Beifall, daß er alsbald an der Oper und zugleich als Sänger beim Chor der katholischen Hofkirche angestellt wurde. Hier erreichte er, angeregt namentlich durch den künstlerischen Verkehr mit der Sängerin Schröder-Devrient und Richard Wagner, nachdem dieser 1842 als Kapellmeister an die Dresdener Oper berufen war, die höchste Stufe der Meisterschaft. Besonders gaben ihm die Musikdramen des letztgenannten Meisters: "Rienzi", "Tannhäuser" und "Lohengrin", Gelegenheit, seine Fähigkeiten nicht nur als Sänger, sondern auch als geistvoll reproduzierender Künstler im hellsten Licht zu zeigen. So wirkte er, zahlreiche Gastspiele in ganz Europa abgerechnet, ununterbrochen in Dresden bis 1870, wo er in den Ruhestand trat. Er starb 18. Jan. 1886 daselbst.

Tichborne (spr. tittschborn), Sir Roger, engl. Baronet, geb. 5. Jan. 1829, wanderte 1853 auf einem französischen Schiff aus und kam wahrscheinlich bei dem Schiffbruch der Bella im April 1854 um. Seine reiche Erbschaft wurde den Verwandten, die sie in Besitz genommen hatten, 1866 von einem Fleischergesellen Orton aus Neusüdwales streitig gemacht, der sich für den verschollenen Sir Roger T. ausgab. Anerkannt von der Mutter Sir Roger Tichbornes und unterstützt von Advokaten und Agitatoren, gelang es dem Prätendenten, die öffentliche Meinung für sich zu interessieren und einen Prozeß gegen die Erben einzuleiten, für dessen Kosten seine Anhänger allmählich 60,000 Pfd. Sterl. aufbrachten. Dieser Prozeß, der das größte Aufsehen machte, zog sich infolge der zahlreichen weit hergeholten Schutz- und Belastungszeugen und der Winkelzüge der Advokaten lange hin, Orton wurde 1872 zunächst für einen Betrüger erklärt und 1874 wegen doppelten Meineids zu 14 Jahren Zuchthaus verurteilt. Obwohl bei den Gerichtsverhandlungen der T.-Prätendent sich als dem Verschollenen ganz unähnlich, überdies roh und ungebildet erwies, wurde die Agitation für ihn auch nach seiner Verurteilung noch einige Zeit sowohl in T.-Meetings und Zeitungsartikeln als auch im Parlament fortgesetzt. Als Orton aber 1884 aus dem Zuchthaus entlassen wurde, war das Interesse für ihn erloschen. Vgl. "Der neue Pitaval", neue Serie, Bd. 10 (Leipz. 1875).

Tichwin, Kreisstadt im russ. Gouvernement Nowgorod, an der Tichwinka (Nebenfluß des Sjas), hat 4 Kirchen, 2 Klöster, ein weibliches Gymnasium und (1886) 6526 Einw., deren Hauptbeschäftigung im Bau von Flußbarken besteht.

Tichwinsches Kanalsystem, in Rußland, verbindet die Wolga mit der Newa. Die Fahrt geht: Newa, Ladogakanal, Sjaskanal, Sjasfluß, Tichwinka, Eglinosee, Tichwinscher Kanal, Fluß Woltschina, See Somino, Fluß Somina, Woschsee, Fluß Gorün, Tschagadoschtscha ^[richtig: Tschagodoschtscha], Mologa, Wolga. Die Länge des Verbindungssystems erstreckt sich vom Fluß Gorün bis zum Sjaskanal 334 km weit, die Länge der eigentlichen Kanäle ist 16 km. Das Tichwinsche Kanalsystem durchzieht die Gouvernements St. Petersburg, Nowgorod, Jaroslaw auf einer Strecke von 903 km. Da wegen der vielen kleinen Seen und Flüsse größere Barken nicht passieren können, so werden mehr die wertvollern, aber leichtern Waren transportiert, wie Kolonialwaren, Getreide nur teilweise. Der erste Gedanke zu diesem System gehörte Peter I., doch wurde es erst 1811 eröffnet.

Ticino (spr. titscht-), Fluß und Kanton, s. Tessin.

Ticinum, antike Stadt, s. Pavia, S. 793.

Ticinus, linker Nebenfluß des Padus im cisalpinischen Gallien, der jetzige Tessin (s. d.). Am T. Niederlage der Römer unter dem Konsul P. Scipio durch die Karthager unter Hannibal 218 v. Chr.

Tick, s. Tic.

Ticket (engl.), Zettel, Stimmzettel, Billet, z. B. Railway-T., Eisenbahnfahrkarte.

Ticknor, George, Litterarhistoriker, geb. 1. Aug. 1791 zu Boston, wurde im Dartmouth College erzogen und zum Juristen vorgebildet, gab aber diesen Beruf auf, ging 1815 nach Europa, wo er fünf Jahre lang in London, Göttingen, Paris, Genf, Rom, Madrid und Lissabon verweilte, und wurde nach seiner Rückkehr zum Professor der französischen und spanischen Sprache sowie der Belles-Lettres an der Harvard-Universität ernannt. Berühmt machte sich T. besonders durch sein noch heute unübertroffenes Werk "The history of Spanish literature" (New York 1849, 3 Bde.; 4. Aufl. 1872; deutsch von Julius, mit Zusätzen von Wolf, neue Ausg., Leipz. 1867, 2 Bde.), worin die Resultate 30jähriger Studien in trefflichen, durch Genauigkeit und Fülle ausgezeichneten Darstellungen verwertet sind. Außerdem schrieb T. eine Biographie Lafayettes und des Historikers Prescott (1863, neue Ausg. 1882). Er starb 26. Jan. 1871. Vgl. "The life, letters and journals of George T." (neue Ausg., Boston 1876).

Ticul, Ruinenstätte im mexikan. Staat Yucatan, 50 km südlich von Merida, beim Dorf Tekoh, mit merkwürdigen Grabstätten. Der gleichnamige Distrikt hat (1880) 23,648 Einw.

Tidemand, Adolf, norweg. Maler, geb. 14. Aug. 1814 zu Mandal in Norwegen, bildete sich zuerst auf der Kunstakademie zu Kopenhagen und seit 1837 in Düsseldorf bei Th. Hildebrandt und Schadow. Nach Vollendung des Bildes: Gustav Wasa redet in der Kirche zu Mora zu den Dalekarliern (1841) wandte er sich nach München, später nach Italien und kehrte dann nach Norwegen zurück. Hier malte er einige Bildnisse für die Universität in Christiania und machte Volksstudien in den Gebirgsthälern. Von 1846 bis 1848 lebte er wieder zu Düsseldorf, dann abermals in Norwegen und seit 1849 in der Regel im Winter in Düsseldorf, im Sommer in Norwegen. Er starb 25. Aug. 1876 in Christiania. Um T. scharte sich ein zahlreicher Kreis skandinavischer Künstler. Er wußte freundliche Anmut, elegischen Ernst, große Naturwahrheit und meisterhafte Individualisierung mit Großartigkeit der Auffassung zu vereinigen. Seine Farbe ist kräftig, frisch und von großem Schmelz, seine Pinselführung breit und markig. Frei von gesuchten Gegensätzen, machen seine Bilder den einfachen Eindruck der Natur. Er leistete im Volks- und Sittenbild sein Bestes, weniger in Altargemälden. Von seinen Werken sind hervorzuheben: Katechisation