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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Treibendes Zeug; Treibhaus; Treibjagd

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Treibendes Zeug - Treibjagd.

engert (einzieht) oder erweitert (schweift). Hierbei kommen auch die übrigen Blecharbeiten, wie Bördeln, Sieken etc., zur Anwendung und bei kunstindustriellen Gegenständen namentlich das T. mit Bunzen. Vgl. Getriebene Arbeit. In der Metallurgie s. v. w. abtreiben. - In der Gärtnerei heißt T., gewisse Pflanzen durch Anwendung künstlicher Wärme und andrer Bedingungen früher als naturgemäß zur Ausbildung von Blättern, Blüten und Früchten bringen. Die Treiberei bezieht sich besonders auf feinere Gemüse, Blütenpflanzen u. Obst. Zur Wärmeerzeugung benutzt man, um gleichzeitig feuchte Luft zu erhalten, Mist, Laub, Lohe, Baumwollabfälle, Wasser- und Dampfheizung in Treibkasten oder Gewächshäusern (s. d.). Das T. beginnt, je nach Bedürfnis und Treibfähigkeit der Pflanzen, früher oder später vom Oktober bis März, z. B. bei Hyazinthen im November, bei Tulpen, Roman-Hyazinthen, Maiblumen noch früher. Von Blumen werden getrieben: Blumenzwiebeln, Stauden, schön blühende Gesträuche, vorzugsweise Rosen; von Früchten: Wein, Pfirsiche, Himbeeren, Ananas, Erdbeeren, Aprikosen, Pflaumen und Kirschen; von Gemüsen in Mistbeeten und Treibhäusern: Blumenkohl, Kohlrabi, Kopfsalat, Gurken, Bohnen, Melonen, Karotten, Radieschen etc. Alle getriebenen Blumen sind empfindlich gegen Luftwechsel und müssen weit von Öfen aufgestellt, auch sorgfältig verwahrt transportiert werden. Blütensträucher, Blumenzwiebeln u. a. bedürfen einiger Zeit der Ruhe, ehe sie zu ungewöhnlicher Zeit in Blüte gebracht, d. h. getrieben, werden können. Letztere, Hyazinthen, Tulpen, Krokus u. a., pflanzt man, nachdem sie bereits mehrere Wochen außerhalb der Erde zugebracht, in Töpfe mit leichter Erde und gutem Wasserabzug, gräbt sie dann sortenweise 50 cm tief im Erdboden ein oder stellt sie im kühlen, dunkeln Keller auf, bis sie genügend Wurzeln gebildelt ^[richtig: gebildet] haben, was man bemerkt, wenn man den Topf mit der Zwiebel zwischen den Fingern der linken Hand umkippt; dann kann man sie sofort warm stellen, gibt ihnen aber eine Papierhaube, um durch Abschluß des Lichts den Blütenschaft zu verlängern; Krokus müssen aber im Keller angetrieben werden. Blütensträucher werden erst kalt und nach und nach wärmer gestellt, auch öfters durch Spritzen angefeuchtet; Staudenblumen dürfen nicht vor Sichtbarwerden der Blüte warm stehen. Gemüsepflanzen zieht man zuerst im besondern Kasten an und bringt sie genügend entwickelt in einen andern, inzwischen warm angelegten Kasten. Gurken u. a. treibt man auch im Gewächshaus. Für das T. von Obst, auch Erdbeeren, hat man besondere Häuser, in denen die Sträucher, Bäumchen und Pflanzen nach und nach wärmer und feuchter gehalten werden. Ananasfruchtpflanzen kommen sofort ins warme Haus, am besten mit Unterwärme von Mist, Baumwollabfällen und ausgekochtem Hopfen, die wie beim Mistbeet (s. d.) vorbereitet werden. Vgl. Jäger, Winterflora (4. Aufl., Weim. 1880); Derselbe, Gemüsetreiberei (2. Aufl., das. 1863); Lucas, Gemüsebau (4. Aufl., Stuttg. 1882); Tatter, Anleitung zur Obsttreiberei (das. 1878).

Treibendes Zeug, gangbares Zeug, s. Vorgelege.

Treibhaus, s. Gewächshäuser.

Treibjagd, eine Jagd mit Schützen und Treibern. Im Wald können meist nur Vorstehtreiben (Standtreiben), d. h. solche Treiben eingerichtet werden, bei welchen sich eine Treibwehr auf die an der andern Seite des Treibens angestellten Schützen zu bewegt und das Wild auf diese zutreibt. Die Treiber müssen in einer solchen Entfernung voneinander aufgestellt werden, daß sie sich gegenseitig sehen können, sie müssen mit Innehaltung derselben auf ein gegebenes Signal sich in möglichst gerader Linie langsam fortbewegen und dabei durch Klappern, Husten, Schlagen an den Stämmen Lärm machen. Die Schützen, welche an Wegen, Schneisen etc. möglichst geräuschlos in 50-60 Schritt Abstand angestellt werden, müssen sich thunlichst an Bäumen oder Sträuchern zu decken suchen, bewegungslos verhalten und dürfen ihre Stände nicht vor beendetem Trieb verlassen. Bei den auf Hasen abgehaltenen Feldjagden können die Treiben als Vorstehtreiben, als Kesseltreiben und als böhmische Treiben veranstaltet werden. Die Vorstehtreiben werden ebenso wie im Wald gemacht, nur gräbt man wohl für die Schützen Standlöcher in die Erde oder baut Jagdschirme aus Reisig, wenn es an Bäumen und Sträuchern fehlt, um sie gedeckt aufstellen zu können. Bei den Kesseltreiben läßt man Treiber und Schützen von einem geeigneten Punkt ablaufen. Rechts und links davon wird zur Bestimmung der Entfernung, in welcher sie gehen sollen, in 60-80 Schritt Abstand je nach der Zahl derselben und der Größe des Kessels ein Treiber aufgestellt oder ein Markierpfahl errichtet. Zuerst laufen nun die beiden Flügelführer, d. h. Jäger oder Treiber, die genau ortskundig sind, ab und richten ihren Zug so ein, daß sie nach rechts und links auf der Grenzlinie des Kessels entlang gehen, um auf dem der Auslaufstelle entgegengesetzten Punkt wieder zusammenzutreffen. Sobald sie den Markierpunkt überschritten haben, folgt je ein Treiber und, nachdem 2-4 Treiber abgelaufen sind, nach dem Verhältnis zwischen Treibern und Schützen, je ein Stütze. Ist sämtliches Personal in der vorstehenden Weise abgelaufen, so rückt der Sack, d. h. die hintere Linie, nach, bis die Flügelführer durch ein Hornsignal melden, daß sie zusammengetroffen sind, also der Kessel geschlossen ist. Nunmehr bewegen sich alle langsam nach dem Mittelpunkt, welcher öfters durch eine Stange bezeichnet wird, zu, bis der Trieb so weit ins Enge gekommen ist, daß die Schützen auf 40-50 Schritt Entfernung stehen. Auf das Signal oder den Ruf "Treiber vor" begeben sich diese in den Kessel, während die Schützen stehen bleiben und von da ab auf das Wild, welches noch aufgetrieben wird, nicht mehr in den Kessel, sondern nur noch rückwärts schießen dürfen. Zur Veranstaltung der böhmischen Treiben sind zwei mindestens tausend Schritt lange Leinen erforderlich, in welche auf etwa 40 Schritt Entfernung Zeichen eingeknüpft sind. Auf einen Haspel gewunden, werden diese auf den beiden Punkten des Treibens aufgestellt, von welchen die Flügel ablaufen sollen. Die Flügelführer nehmen die Enden derselben in die Hand und gehen wie beim Kesseltreiben vorwärts. Sobald nun beim Abhaspeln der Leine ein Markierzeichen erscheint, faßt ein Treiber dieselbe dort mit der Hand und folgt den voraufgehenden u. s. f., bis die Lappenleinen abgewickelt sind. Auf der Linie, welche in ihren Endpunkten durch die Enden der Lappenleinen bestimmt ist, werden nun die Schützen aufgestellt, zwischen welchen man noch, falls die Entfernungen beträchtlich sind, je 1-3 Treiber einreiht, damit diese etwa auf sie zulaufendes Wild nach den Schützen abkehren. Ebenso werden noch 2-3 Schützen zwischen den dem Sack zunächst an der Lappenleine gehenden Treibern postiert, welche Lappenschützen heißen und gewöhnlich die meisten Hasen erlegen. In der angegebenen Aufstellung wird nun das ganze für einen Trieb bestimmte Feld abgestreift. Die Hasen rücken anfangs vorwärts, sobald aber die Entfernung