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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Vasen

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Vasen (Sammlungen etc.; chinesische und japanische V.).

Besitzer benannt, jetzt in München, Fig. 2 der Tafel). Vgl. Conze, Zur Geschichte der Anfänge griechischer Kunst (Wien 1870-73). Korinth wird nun für lange Zeit Mittelpunkt der Vasenfabrikation, daneben auch Chalkis auf Euböa (korinthische und chalkidische V.). Etwas später werden von der Kyrenaika oder von Kreta aus die sogen. kyrenäischen V. exportiert. Sie alle haben noch schwarze oder dunkelbraune Zeichnung aus dem hellgelblichen Thongrund und sind unglasiert. Die jüngste Technik dieser Art verdeutlicht der Krater der Pariser Sammlung (Fig. 3 der Tafel). Die ganze folgende Entwickelung scheidet sich leicht in zwei Epochen: die der schwarzfigurigen und die der rotfigurigen Vasenbilder. Die Darstellungen mit schwarzen Figuren auf rotem Grund (Fig. 4 der Tafel) sind einfach auf den durch Rötelbeisatz gefärbten Thongrund des Gefäßes aufgemalt, die Innenkonturen mit einem spitzen Eisen hineingraviert und Einzelheiten durch Violett oder Weiß (als Hautfarbe der weiblichen Figuren) verdeutlicht, der bildfreie Raum des Gefäßes wird schwarz angestrichen und durch Firnis metallisch glänzend gemacht. Das berühmteste Gefäß dieser Epoche ist die figurenreiche Françoisvase (s. d.) aus Chiusi, jetzt in Florenz, gleichsam ein Bilderbuch epischer Sagen. Diese ältere Technik wird im Anfang des vierten vorchristlichen Jahrhunderts durch die der rotfigurigen Bilder verdrängt, eine wesentlich vervollkommte Malweise, bei welcher erst mit dem Pinsel auf dem roten Grunde die Silhouetten der Figuren vorgezeichnet, dann der Hintergrund schwarz ausgefüllt, also die Fläche der Figuren ausgespart wird. Auch hier sind andre Farbenzusätze selten, nur eine kleine Klasse besonders zierlicher Gefäße hat durch Vergoldung besondern Schmuck erhalten (Fig. 8). Die Bemalung soll immer der Hauptfarbe (schwarz) sich unterordnen und nur ornamentale Geltung haben. Doch gab es eine Gattung polychromer Gefäße, welche nur in Athen gefertigt wurden, und die durch weißen Pfeifenthon einen Untergrund für vielfarbige Bilder erhielten; hierher gehören die immer in gleicher Technik ausgeführten attischen Gräberlekythen (Fig. 6), einzelne Tassen (Fig. 5) und Schalen. Aber da die meist sehr zarten Farbentöne nicht eingebrannt wurden, wie bei den einfarbigen V. üblich, so haben sie sich meist nur in Resten erhalten. In jener Epoche des Überganges aus der schwarzfigurigen in die rotfigurige Technik (gegen 470 v. Chr.) und in den nächsten Dezennien feiert die Vasenmalerei namentlich in den Leistungen der attischen Schalenmaler Duris, Hieron, Brygos und besonders Euphronios, deren Werke wir in geschlossenen Reihen besitzen, ihre höchsten Triumphe. Vgl. Klein, Euphronios (Denkschriften der Wiener Akademie der Wissenschaften, Bd. 29, 1879). Nachher verfällt sie allmählich ins Weichliche, die Auffassung, erst streng reliefartig, wird malerischer, Zusätze andrer Farben häufiger, Reliefverzierungen und selbst Verbindung figürlicher Teile mit V. (Fig. 9) werden beliebt, bis gegen 300 und später eine eigentümliche Nachblüte der Vasenmalerei in Unteritalien (Maler Asteas, Python etc.) den gänzlichen Verfall vorbereitet, der im zweiten vorchristlichen Jahrhundert zum Erlöschen der ganzen Technik führt. Die römische Kunst kannte wohl polychrom behandelte Thonreliefs und einfarbige Reliefgefäße, nicht aber mehr V. wie die beschriebenen.

[Vasensammlungen, Litteratur.] Vasensammlungen sind jetzt in allen größern Museen vorhanden. Die bedeutendsten finden sich in Neapel (Katalog von Heydemann), München (Katalog von Otto Jahn, mit einer geschichtlichen Übersicht über die Vasenmalerei und Zusammenstellung der Litteratur, Münch. 1854), London, Berlin (beschrieben von Furtwängler, Berl. 1885), Athen (hier und in Berlin besonders in Griechenland gefundene V.), Petersburg (V. aus der Krim, von Stephani wissenschaftlich beschrieben), Florenz und Rom. Größere Bildersammlungen haben Ed. Gerhard (»Auserlesene griechische Vasenbilder«, Berl. 1839-58, 4 Bde. mit 330 Tafeln) und Lenormant und de Witte (»Élite des monuments céramographiques«, Par. 1844 ff., 4 Bde.), vorzügliche Abbildungen neuerdings besonders Benndorf (»Griechische und sizilische Vasenbilder«, Berl. 1870-77, 4 Hefte) gegeben. Von ältern Werken sind Inghiramis »Vasi fittili« (Flor. 1837, 4 Bde. mit 400 Bildern) und Tischbeins Publikation der Vasensammlung S. W. Hamilton (1791 ff., 4 Bde.) die wichtigsten. Die attischen, in Gräbern der Krim gefundenen V. hat Stephani (»Antiquités du Bosphore cimmérien«, Petersb. 1854, 2 Bde.) herausgegeben. Vgl. auch Semper, Der Stil, Bd. 2; de Witte, Études sur les Vases peints (Par. 1865); Heydemann, Griechische Vasenbilder (Berl. 1870); A. Dumont, Peintures céramiques de la Grèce propre (Par. 1874); Derselbe, Les céramiques de la Grèce propre (mit Chaplain, das. 1882-89, 7 Hefte); Furtwängler und Löschke, Mykenäische V. (Berl. 1886); Birch, History of ancient pottery (2. Aufl., Lond. 1873); Lau, Die griechischen V. in ihrem Formen und Dekorationssystem (Leipz. 1877, mit Einleitung von Brunn und Text von Krell); Kachel, Kunstgewerbliche Vorbilder aus dem Altertum (Karlsr. 1879); Genick, Griechische Keramik (2. Aufl., Berl. 1883, 40 Tafeln, mit Beschreibung von Furtwängler); Rayet und Collignon, Histoire de la céramique grecque (Par. 1888).

Vase ist auch die Bezeichnung der schlanken Gefäße, welche die ostasiatische und die orientalische Kunstindustrie aus Thon, Porzellan, Bronze und andern Materialien anfertigt, und die seit der Erschließung Chinas und Japans durch die Europäer massenhaft

^[Abb.: Fig. 4. Japanische Gittervase mit Reliefs (indisches Porzellan).]

^[Abb.: Fig. 5. Chinesische Vase mit historischem Motiv.]