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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Vasilika - Väterliche Gewalt.

nach Europa eingeführt worden sind, wo sie gegenwärtig einen beliebten Luxusartikel bilden. Solche V., die meist paarweise zur Dekoration verwendet werden, dienen zur Aufnahme von natürlichen und künstlichen Blumen, von sogen. Makartbouketts u. dgl. und werden meist auf Kaminsimsen, Kannenbrettern, Konsolen, Schränken, Etageren etc. aufgestellt. Echte chinesische und japanische V. aus Porzellan (s. Textfig. 4 u. 5) und Bronze werden wegen ihres künstlerischen Wertes und ihrer geschmackvollen Dekoration besonders bevorzugt.

Vasilika, Flecken im türk. Wilajet Saloniki, 20 km südöstlich von Saloniki, auf der Halbinsel Chalkidike, an der nach dem Athos führenden Straße hübsch gelegen, mit 2000 griech. Einwohnern. Hier fiel bei dem makedonischen Aufstand 1821 der Anführer der Griechen, Chapsas, worauf die Türken den Ort zerstörten.

Vaskonĭer, s. Basken.

Vaskulös (lat., von vas, Gefäß, Ader), gefäßreich; Plantae vasculares, Gefäßpflanzen (s. d.). Vaskularisation, Neubildung von Blutgefäßen.

Vaskulōse C26H20O16 ^[C_{26}H_{20}O_{16}], eine die Cellulose in allen Zellen und Gefäßen begleitende Substanz, findet sich am reichlichsten in Pflanzenteilen, die durch Widerstandsfähigkeit und Härte ausgezeichnet sind, z. B. in harten Hölzern, Konkretionen, Kernschalen etc. V. ist unlöslich in allen neutralen Lösungsmitteln, auch in Kupferoxydammoniak, wird durch Kochen mit verdünnten Mineralsäuren oder Alkalien nicht verändert, bildet mit Oxydationsmitteln leicht harzige Säuren, oxydiert sich auch an der Luft (Veränderung von Holz an der Luft), löst sich in Alkalilauge unter Druck bei 130° (Darstellung von Papier aus Holz, Stroh), gibt mit schmelzendem Kali Ulminkörper, und bei der trocknen Destillation des Holzes entstehen der Methylalkohol und die Essigsäure hauptsächlich aus der V.

Vasodilatatōren und Vasokonstriktōren (lat.), die die Erweiterung, resp. Verengerung der Gefäße bewirkenden Muskeln.

Vasomotōrische Nerven, s. Gefäßnerven.

Vassy (Wassy), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Obermarne, an der Blaise und der Ostbahn (Flügelbahn von St.-Dizier nach Doulevant le Château), hat einen Gerichtshof, ein Kommunalcollège, eine Bibliothek, Eisenwerke und Hochöfen in der Umgegend und (1886) 2952 Einw. Hier 1. März 1562 Niedermetzelung der Protestanten durch Truppen des Herzogs von Guise, was das Signal zu den Religionskriegen gab.

Vast (lat.), weit ausgedehnt, umfassend.

Vasto (das alte Vastonium oder Histonium), Kreishauptstadt in der ital. Provinz Chieti, am Adriatischen Meer und der Eisenbahn Ancona-Foggia, mit Gymnasium, technischer Schule, 2 Stifts und 9 Klosterkirchen, mehreren Palästen (Munizipalpalast mit römischen Antiquitäten), Ölbau, Fischerei, Handel, einem kleinen Hafen u. (1881) 9761 Einw. V. litt 1706 stark durch ein Erdbeben und 1816 durch einen Erdfall.

Vast-Ricouard (spr. wast-rikuár), Name eines franz. Schriftstellerpaars, von denen der eine, Vast, geb. 20. Mai 1850 zu Paris, als Kommis in einem Handelshaus daselbst diente (gest. 12. März 1889), der andre, Ricouard, geb. 2. Nov. 1852 zu Talence in der Gironde (gest. 1887), als Theaterreferent der »Opinion nationale« und des »Charivari« im Journalismus debütiert hatte, als beide sich zu gemeinsamer litterarischer Thätigkeit verbanden. Sie schrieben seitdem eine Reihe von Romanen, in denen sie den Spuren Emile Zolas folgten, und die in ihrem düstern, unerbittlichen Naturalismus zum Teil großes Aufsehen erregten. Wir nennen: »Les vices parisiens«, eine Serie von Romanen, mit den Titeln: »Claire Aubertin« (1878), »Madame Bécart« (1879), »Le Tripot« (aus dem Pariser Klubleben, 1880); »Séraphin et Cie.« (das Treiben der Finanzwelt schildernd, 1880), »La vieille garde« (Roman aus der Halbwelt, 1880) und »Vierge« (1884); endlich »La hautepègre« und »La petite morte« (1881), eine Art Abenteurerromane. Von ihren Bühnenwerken hatte die Operette »La croix de l'alcade« (Musik von H. Perry) den meisten Erfolg.

Vat (»Faß«), holländ. Flüssigkeitsmaß, = 1 hl.

Vatan (spr. watāng), Stadt im franz. Departement Indre, Arrondissement Issoudun, mit schöner Kirche, Getreide- und Wollhandel und (1881) 2095 Einw.

Vater (lat. pater), der Erzeuger eines Kindes, und zwar ehelicher V. derjenige, welchem in einer rechtmäßigen Ehe Kinder geboren wurden, außerehelicher (natürlicher) V., welcher Kinder außer der Ehe erzeugt hat, sowie der Adoptivvater, d. h. derjenige, welcher durch einen rechtlichen Akt einen andern an Kindes Statt angenommen hat (s. Adoption). Wirkliche Väter und Adoptivväter haben die durch die »väterliche Gewalt« (s. d.) begründeten Rechte. Heiliger V. wird der Papst angeredet, und Väter (patres) werden vorzüglich die Klostergeistlichen genannt.

Vater, Johann Severin, Sprachforscher, geb. 27. Mai 1771 zu Altenburg, studierte in Jena und Halle Theologie, ward 1796 Professor an letzterer, 1800 an ersterer Universität und 1809 an der zu Königsberg. Seit 1820 wieder in Halle, starb er daselbst 16. März 1826. Von seinen Arbeiten sind hervorzuheben: die Fortsetzung von Adelungs »Mithridates« (Berl. 1809-17, 2 Bde.); »Handbuch der hebräischen, syrischen, chaldäischen und arabischen Grammatik« (Leipz. 1801) und »Litteratur der Grammatiken, Lexika und Wörtersammlungen aller Sprachen der Erde« (Berl. 1815; 2. Aufl. von Jülg, 1847).

Väter der frommen Schulen, s. Piaristen.

Vaterĭa L. (Kopalbaum), Gattung aus der Familie der Dipterokarpaceen, harzreiche, kahle oder weichhaarige Bäume mit lederartigen Blättern, weißlichen, zu 13 achselständigen oder große, terminale Rispen bildenden Blüten und fast fleischiger bis ledriger Kapsel. Etwa zwölf tropisch-asiatische Arten. V. indica L., ein gegen 20 m hoher Baum in Vorderindien, besonders auf der Küste Malabar, mit dickem Stamm, länglichen, ausgerandeten Blättern und ansehnlichen Blüten in gipfelständigen Rispen. Das aus Einschnitten in die Rinde ausfließende Harz erhärtet an der Luft und bildet den Manilakopal (Pegnie, Pandum). Die Samen werden gegen Erbrechen etc. angewendet; auch gewinnt man daraus ein zu Kerzen u. Seifen dienendes Fett (Vateriatalg, Piney tallow, s. Talg, vegetabilischer).

Vaterlandsliebe, s. Patriotismus.

Väterliche Gewalt (Patria potestas), der Inbegriff der Rechte, welche dem Hausvater über die Hauskinder zustehen. Sehr streng und ausgedehnt war die v. G. zu Rom in der ältesten Zeit. Der Hausvater (Paterfamilias) hatte eine häusliche Richtergewalt, das Recht über Leben und Tod seines Kindes (jus vitae et necis), die Macht, dasselbe zu verkaufen, nach Willkür und Belieben zu verheiraten, wieder zu scheiden, in Adoption zu geben und zu emanzipieren. Das Justinianische und das gemeine deutsche Recht haben diese Befugnisse wesentlich abgeschwächt; sie geben dem Hausvater nur eine Disziplinargewalt über das Hauskind, das Recht der Zustimmung zur Verheiratung und das Recht der Pupillarsubstitution. Ferner war nach alt-^[folgende Seite]