Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Vauban; Vaubansche Manieren; Vaucanson; Vauchamps; Vaucherĭaceen; Vaucluse

61

Vauban - Vaucluse.

seit 1758 Geheimrat in kurfürstlich sächsischen Diensten, starb 20. Dez. 1767 auf einer Reise zu Neuchâtel. Er hat sich durch verschiedene rechtsphilosophische Schriften bekannt gemacht, namentlich durch das berühmte Werk »Droit des gens, ou principes de la loi naturelle appliqués à la conduite et aux affaires des nations et des souverains« (Leid. 1758, 2 Bde.; neue Ausg. von Pradier-Fodéré, Par. 1863, 3 Bde.), worin die Grundsätze der Aufklärung gegen die Politik des Patrimonialstaats vertreten sind.

Vauban (spr. wobāng), Sébastien le Prêtre de, franz. Marschall und berühmter Kriegsbaumeister, geb. 1. Mai 1633 zu St.-Leger de Foucher bei Avallon (Yonne), trat in seinem 17. Jahr bei der spanischen Armee im Regiment Condé, welches damals gegen Frankreich focht, heimlich als Kadett in Dienste und wurde von Condé wegen seiner mathematischen Kenntnisse als Ingenieur benutzt, 1653 aber von den Königlichen gefangen genommen und als Ingenieuroffizier angestellt. Erst 25 Jahre alt, leitete er bereits die Belagerungen von Gravelines, Ypern und Oudenaarde, zeigte 1662 beim Bau der Befestigungen von Dünkirchen, Lille, Ath und Charleroi hervorragendes Talent als Kriegsbaumeister, belagerte und eroberte 1667 im Kriege gegen Holland mehrere Festungen und leitete nach dem Frieden zu Aachen 1668 den Festungsbau von Tournai, Douai, Courtrai etc., wodurch der Anfang zu dem nördlichen französischen Festungsgürtel gelegt wurde. Nach dem Nimweger Frieden 1678 entstanden unter seiner Leitung viele Festungen, wie Maubeuge, Saarlouis, Pfalzburg, Belfort, Hüningen, die Citadelle von Straßburg, Bitsch, Lützelburg, Hagenau, Schlettstadt, Landau, Neubreisach u. a. 1669 wurde V. Generalinspektor sämtlicher französischer Festungen, 1703 Marschall, doch zog ihm eine Denkschrift während des spanischen Erbfolgekriegs die Ungnade des Königs zu, und er wurde in den Ruhestand versetzt. Seit 1699 Ehrenmitglied der Akademie der Wissenschaften, starb er 13. März 1707 in Paris. In seiner 57jährigen Dienstzeit hat er an 53 Belagerungen und 140 Gefechten teilgenommen, er führte die Parallelen 1673 vor Maastricht ein, erfand den Rikoschettschuß 1697 vor Ath und verbesserte den Bau von Land- und Wasserwegen. Modelle mehrerer von V. erbauter Festungen, 1814 im Artilleriemuseum zu Paris erbeutet, befinden sich im Zeughaus zu Berlin. Näheres über seine Verdienste im Festungsbau u. Festungskrieg s. diese Art. 1881 wurde ihm in Avallon ein Denkmal gesetzt. Er hinterließ nur Handschriften, von denen ein Teil unter dem Titel: »Oisivetés de M. de V.« (Par. 1843-46, 4 Bde.) herausgegeben wurde. Unter seinem Namen erschien noch die nationalökonomische Denkschrift »Projet d'une dîme royale« (1707), die indessen auch seinem Vetter Bois-Guillebert zugeschrieben wird; ferner, unter Benutzung seiner Handschriften: »Traité de l'attaque et défense des places« (1737, 2 Bde.; neue Ausg. 1829); »Traité des mines« (1737); »Traité des siéges« (1747, neue Ausg. 1829); »Œuvres militaires« (hrsg. von Foissac, 1793, 3 Bde.); »Mémoires militaires« (hrsg. von Favé, 1847); »Mémoires inédits du maréchal V. sur Landau, Luxembourg etc.« (hrsg. von Augoyat, 1841). Vgl. Chambray, Notice historique sur V. (Par. 1840); G. Michel, Histoire de V. (das. 1879); Ambert, Le maréchal de V. (das. 1882).

Vaubansche Manieren, s. Festung, S. 181.

Vaucanson (spr. wokangssóng), Jacques de, Mechaniker, geb. 24. Febr. 1709 zu Grenoble, konstruierte mehrere berühmte Automaten, mit denen er 1738 nach Paris kam, ward 1741 königlicher Inspektor der Seidenmanufakturen und später Pensionär der Akademie der Wissenschaften zu Paris. Er starb 21. Nov. 1782 daselbst. 1738 gab er eine Beschreibung des Mechanismus seines Flötenspielers; auch schrieb er: »Construction d'un nouveau tour à filer la soie des cocons« (Par. 1749, 1770, 1773); »Construction de nouveaux moulins à organsiner les soies« (das. 1751); »Description d'une grue nouvelle« (das. 1763). Er konstruierte auch eine für Maschinentriebwerke bestimmte Bandkette und erfand eine Webmaschine und einen Apparat zum Musterweben, deren Idee Jacquard glücklich modifizierte. Seine Sammlungen von Maschinen und Webstühlen, die er zum Nutzen der arbeitenden Volksklassen öffentlich ausstellte, bildeten die ersten Anfänge vom Museum des Konservatoriums der Künste und Handwerke.

Vauchamps (spr. wo-schāng), Dorf im franz. Departement Marne, im SW. von Epernay, war mit dem benachbarten Etoges (s. d.) 14. Febr. 1814 Schauplatz eines Gefechts, in welchem Blücher den Franzosen unter Marmont unterlag.

Vaucherĭaceen, Familie der Algen aus der Ordnung der Cöloblasteen; s. Algen (7), S. 344.

Vaucluse (spr. woklühs'), Departement im südöstlichen Frankreich, besteht aus der Grafschaft Venaissin, dem Fürstentum Orange und einem Teil der Provence, wird von den Departements Drôme (nördlich), Niederalpen (östlich), Rhônemündungen (südlich) und Gard (westlich) umschlossen und umfaßt 3548 qkm (64,43 QM.). Der Boden zerfällt in das Gebirgsland mit dem Mont Ventoux (1912 m) und Lubéron (1186 m) und in die Ebenen des Rhône und der Durance. Bewässert wird das Land durch den Rhône (Grenzfluß gegen W.) und seine Nebenflüsse (die Durance mit Calavon, die Sorgues, den Louzon und den Lez) sowie durch ein vielverzweigtes Netz von Kanälen. Das Klima ist gesund, das Frühjahr tritt sehr zeitig ein. Die Bevölkerung belief sich 1886 auf 241,787 Seelen und hat sich seit 1861 um 26,468 (d. h. 10 Proz.) vermindert. Der Boden ist im allgemeinen fruchtbar, namentlich in den Flußthälern, welche häufigen Überschwemmungen ausgesetzt sind. Von dem Areal kommen auf Äcker 166,668, Wiesen 9042, Weinberge 11,303, Wälder 75,634, Heiden und Weiden 38,853 Hektar. In den Ebenen gedeihen Wein, welcher jedoch durch die Reblaus sehr gelitten hat (1886: 161,945 hl), Oliven (1 Mill. kg Öl), Südfrüchte, Maulbeerbäume etc., höher hinauf Getreide, hauptsächlich Weizen (1 Mill. hl), sodann Hafer und Hirse, Krapp, Kartoffeln (1⅓ Mill. hl) und Kardendisteln (bei Avignon, über 4000 metr. Ztr.). Die Gebirge sind reich an Waldungen; neuerdings werden allenthalben Trüffeleichen angepflanzt. Die Haustiere sind nur von mittelmäßiger Gattung, am zahlreichsten sind Schafe (1886: 268,024), Schweine (40,030), Ziegen (10,922) und Maulesel (14,865). Das Mineralreich bietet Schwefel (1885: 3792 Ton.) und Braunkohlen (7600 T.). Die wichtigsten Erwerbszweige sind außer der Landwirtschaft: Seidenzucht (1 Mill. kg Kokons), dann Industrie und Handel. Die Industrie umfaßt namentlich die Gewinnung und Verarbeitung von Seide (Filanden, Spinnereien und Webereien mit ca. 3300 Arbeitern), die Papierfabrikation (26 Fabriken mit 950 Arbeitern), die chemische Produktion, die Schafwollspinnerei und -Weberei, die Sortierung von Kardendisteln, den Maschinenbau, die Gerberei, die Fabrikation von Fayence, Kerzen und Seifen, Hüten, Branntwein, Bier, Teigwaren, Süßholz, Konfitüren und Wagen. Die Eisenbahn von Lyon nach Mar-^[folgende Seite]