Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Vereinigte Staaten von N.-A.

118

Vereinigte Staaten von N.-A. (Geschichte bis 1663).

ein Band mit der Inschrift: »E Pluribus Unum« und ist von 13 weißen Sternen, der Zahl der ersten Staaten der Union, umgeben. Die Flagge besteht aus sieben roten und sechs weißen horizontalen, miteinander abwechselnden Streifen; in der obern Ecke ist ein kleines blaues Viereck mit so vielen weißen zu einem großen Stern gruppierten Sternchen, als die Union gegenwärtig Staaten zählt (s. Tafel »Flaggen I«). Bundesstadt ist Washington im Distrikt Columbia.

[Geographisch-statistische Litteratur.] Vgl. Ratzel, Die Vereinigten Staaten von Nordamerika (Münch. 1878-80, 2 Bde.); Derselbe, Städte- und Kulturbilder aus Nordamerika (Leipz. 1876); Neelmeyer-Vukassowitsch, Die Vereinigten Staaten von Amerika (das. 1885); Hellwald, Amerika in Wort und Bild (das. 1885); v. Hesse-Wartegg, Nordamerika (2. Aufl., das. 1885, 3 Bde.); J. D. ^[Josiah Dwight] Whitney, The United States (Bost. 1889); L. R. Brockett, Our western empire (Philad. 1882); Hayden, North America. United States (Lond. 1883); Mac Coun, Historical geography of the United States (New York 1889); Colange, The national gazeteer of the U. S. (das. 1884); J. H. ^[Jacob Harris] Patton, Natural resources of the United States (das. 1888); D. T. Day, Mineral resources of the United States (Washingt. 1888); Williams, Mineral resources of the United States (das. 1883-85); Supan, Nordamerika 1880-85 (wirtschaftsstatistisch, Ergänzungsheft Nr. 84 zu »Petermanns Mitteilungen«); Greeley, Die große Industrie der Vereinigten Staaten (deutsch, Leipz. 1872); H. H. Bancroft, Native races of the Pacific States (Lond. 1876, 5 Bde.); die Reisewerke von Häcker (1867), Kirchhoff (1876), Simonin (1876), Dixon (1867), Herzog (Berl. 1888) und die ältern von Fröbel, M. Wagner, Scherzer, Kohl und Löher; Ch. W. Dilke, Greater Britain (4. Aufl., Lond. 1885); Nordhoff, The communistic societies of the United States (das. 1875); Schlief, Die Verfassung der nordamerikanischen Union (Leipz. 1880); v. Holst, Staatsrecht der Vereinigten Staaten (Freiburg 1885); Hare, American constitutional law (Bost. 1889, 2 Bde.); Mc Murry, Die Organisation des höhern Schulwesens in den Vereinigten Staaten (Jena 1888); Ja. Bryce, The American common wealth (Lond. 1888); A. S. Bolles, Financial history of the United States (das. 1885, 3 Bde.); Derselbe, Industrie history of the U. S. (1878); Patten, Das Finanzwesen der Staaten und Städte der nordamerikanischen Union (Jena 1878); v. Studnitz. Die nordamerikanischen Arbeiterverhältnisse (Leipz. 1878); Sewell und Pell, Der Agrikulturzustand der Vereinigten Staaten etc. (deutsch, Bost. 1881); Sering, Die landwirtschaftliche Konkurrenz Nordamerikas (Leipz. 1887); Kupka, Die Verkehrsmittel in den Vereinigten Staaten (das. 1883); Leyen, Die nordamerikanischen Eisenbahnen (das. 1887); Spofford, American Almanac (jährlich, New York), die amtlichen Zensusberichte.

[Karten.] Postroute maps der einzelnen Staaten von W. L. Nicholson; Wheelers Atlas der Gebiete westlich vom 100. Meridian v. Gr. (in 95 Blatt, 1:506,800; noch nicht vollendet); die neue Karte vom »United States Geological Survey« des ganzen Gebiets in verschiedenen Maßstäben (1:125,000 bis 1:500,000), erscheint seit 1887; Petermanns Karte in 6 Blatt (Gotha 1874); die »Statistical atlas of the United States« von Walker (Washingt. 1876) und von Hewes und Gannet (New York 1884); Mc. Gees geologische Karte (1:6,500,000, im 5. Report der geologischen Landesaufnahme 1885).

Geschichte.

Die englische Herrschaft.

Das Gebiet der heutigen Vereinigten Staaten war angeblich zwar schon um 1000 n. Chr. von den Normannen aus Grönland besucht worden, diese Entdeckung jedoch wieder verloren gegangen. Auch die zweite durch den in englischen Diensten stehenden Venezianer Giovanni Cabotto (Cabot) 1497 blieb lange unbenutzt, da das waldreiche, von kriegerischen Indianerstämmen bevölkerte Gebiet den goldgierigen Entdeckern keine Aussicht auf leichten und raschen Gewinn bot. Erst unter der Königin Elisabeth wurden die Fahrten wieder aufgenommen, und 1584 sandte Walter Raleigh zwei Schiffe nach Amerika, die an der Küste von Nordcarolina landeten und von dem Land Besitz ergriffen; Elisabeth nannte es ihrem jungfräulichen Stand zu Ehren Virginia. Indes mehrere Versuche, dauernde Niederlassungen zu gründen, scheiterten an der feindseligen Haltung der Eingebornen. Erst unter Jakob I. bildeten sich in England die Londongesellschaft und die Plymouthgesellschaft zur Förderung der Kolonisation, welche 1606 Freibriefe für ihre Ansiedelungen erhielten. Die Londonkompanie erhielt Virginia, die Plymouthgesellschaft Neuengland angewiesen. Nicht ohne Schwierigkeiten und Rückschläge drangen nun die Ansiedler in das Innere Virginias vor und zerstreuten sich als Pflanzer und Bauern über das Land, hatten allerdings hartnäckige und blutige Kämpfe mit den Indianern zu bestehen, stählten aber in diesen und in der Bewältigung der Hindernisse, welche ihnen der Boden entgegenstellte, ihre Kraft und ihr Selbstvertrauen und gediehen durch emsigen Fleiß allmählich zu Wohlstand und wirtschaftlicher Unabhängigkeit. Dieser glückliche Fortgang der Kolonisation, ferner die Bürgerkriege und Religionsverfolgungen in England zur Zeit der Stuarts veranlaßten viele Engländer, in der Neuen Welt eine Freistätte zu suchen, zumal Virginia 1621 eine ziemlich freie Verfassung erhielt. Auf Grund eines Freibriefs, den sein Vater Georg Calvert, Lord Baltimore von König Karl I. erhalten hatte, gründete Cecil Calvert 1634 mit katholischen Auswanderern an der Chesapeakebai eine Kolonie, die er zu Ehren der Königin Maryland nannte. Eine kleine Schar aus England vertriebener Puritaner landete 1620 am Kap Cod an der Küste von Massachusetts, dessen Besiedelung die Plymouthkompanie unterlassen hatte, und gründete Neuplymouth. Verstärkt durch nachfolgende Glaubensgenossen, lichteten sie die Wälder, verwandelten den Boden in fruchtbares Ackerland und ordneten ihr Gemeinwesen nach verständigen Grundsätzen, indem sie Freiheit und Selbstbestimmung mit dem Gesamtwohl und mit christlicher Sitte zu vereinigen strebten. Sie behaupteten nicht nur den gewonnenen Boden, sondern erweiterten ihn auch durch Friedens- und Kaufverträge mit den indianischen Häuptlingen. Von Massachusetts aus wurden die Kolonien von Connecticut, Rhode-Island, New Hampshire, Vermont und Maine gegründet und 1643 zu der Union der Kolonien von Neuengland vereinigt, welche 50 Jahre bestand. Als im Frieden von Breda (1667) Neuniederland (nebst dem 1655 von den Holländern eroberten Neuschweden auf Long Island) mit der Hauptstadt Neuamsterdam am Hudson, die fortan New York hieß, ferner New Jersey und Delaware an England abgetreten, 1681 von W. Penn die Quäkerkolonie Pennsylvanien begründet worden, war der Zusammenhang der südlichen Kolonien mit Neuengland hergestellt. 1663 verlieh Karl II.