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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Verwerfungen; Verwesung; Verwittern; Verwitterung; Verzahnung; Verzapfen; Verzasca; Verzehrungssteuern

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Verwerfungen - Verzehrungssteuern.

das preußische Gesetz vom 14. Mai 1885, betreffend Überweisung von Beträgen, welche aus landwirtschaftlichen Zöllen eingehen, an die Kommunalverbände, ebenfalls als V. bezeichnet (nach dem Antragsteller v. Huene [s. d.] auch Lex Huene genannt). Nach diesem Gesetz werden vom Ertrag der Getreide- und Viehzölle 15 Mill. Mk. in Preußen zu allgemeinen Staatszwecken verwendet, während der überschießende Betrag den Kreisen zur Erfüllung ihrer Aufgaben überwiesen wird.

Verwerfungen, Trennungen ursprünglich zusammenhängender Schichten- oder Gangmassen (vgl. Tafel »Gangbildungen«, Fig. 1 u. 5). Die Niveaudifferenz zwischen den beiden gegeneinander verschobenen Teilen der Schicht oder des Ganges heißt Sprunghöhe; sie beträgt mitunter nur wenige Zentimeter, in andern Fällen Hunderte von Metern. Die Fläche, auf welcher die Bewegung stattgefunden hat, die Verwerfungsspalte (Sprungkluft), ist bald vertikal, bald geneigt, hat häufig zur Bildung eines Ganges Veranlassung gegeben (Verwerfer) und trägt mitunter die Spuren der Bewegung in Form von Friktionsstreifen und Politur an sich (Rutschflächen, Spiegel). Ob die Verwerfung durch ein Sinken des nun tiefer liegenden Teils oder durch eine Hebung des höhern Teils der Schicht oder des Ganges erzeugt worden ist, ist selten zu ermitteln; doch ist der letztere Fall wohl der häufigere. Die Ursachen der V. sind mannigfaltige: Unterwaschungen (Auflösung von Steinsalz, Gips), Raumvergrößerung unterteufender Schichten (Umwandlung von Anhydrit zu Gips), Schwinden des Gesteinsmaterials durch Austrocknen und Erhärten, seitlicher Druck geneigt liegender Schichten, mitunter auch Eruption feurig-flüssigen Materials, wiewohl die verwerfenden Gänge desselben häufiger spätere Ausfüllungen früher entstandener Spalten sind. Besonders studiert, weil von großer technischer Wichtigkeit, sind die V. der Schichten der Steinkohlenformation und ihrer Kohlenflöze.

Verwesung, langsame Oxydation eines verbrennlichen Körpers, eingeleitet und unterhalten durch einen Gärungserreger. Man beschränkt den Begriff der V. meist auf die langsame Oxydation organischer Substanzen, welche bei Gegenwart von Feuchtigkeit und bei mittlerer Temperatur verläuft. Die Endprodukte der V. sind dann Kohlensäure und Wasser; der Stickstoff der verwesenden Substanz entweicht teils als solcher, teils als Ammoniak und gibt oft Veranlassung zur Bildung von Salpetersäure. Eine V. mit beschränktem Luftzutritt und Anwesenheit von viel Wasser heißt Vermoderung, bei welcher, da es an Sauerstoff fehlt, der Wasserstoff der verwesenden Substanz, zum Teil mit Kohlenstoff verbunden, als Sumpfgas (leichtes Kohlenwasserstoffgas, Methan) austritt und eine kohlenstoffreiche Substanz (Moder) zurückbleibt. Die V. spielt in der Natur eine sehr große Rolle: sie beseitigt die abgestorbenen Pflanzen und Tiere, indem sie deren Substanzen in einfachste Verbindungen zersetzt, welche wieder den Pflanzen zur Nahrung dienen. Die V. unterhält mithin den Kreislauf der Stoffe und bildet ein wesentliches Glied derselben. Ohne die V. und Fäulnis wäre die Erde längst ein Sammelplatz von Pflanzen und Tierleichen, welche auf keine andre Weise für Neubildungen verwertet werden können.

Verwittern, in der Jägersprache: durch Auslegen oder Aufhängen übelriechender Gegenstände das Wild vom Betreten gewisser Plätze, z. B. Feldstücke, Saatkämpe etc., abhalten. Sobald die »Witterung« sich verloren hat, muß das V. wiederholt werden. Oft benutzt man dazu Pulver mit Urin zusammengerieben, mit welcher Mischung die auszuhängenden Lappen getränkt werden, auch das Gescheide von geschossenen Stücken wird auf zu stützenden Orten ausgebreitet.

Verwitterung, diejenige durch die Atmosphärilien verursachte Zersetzung der Gesteine, bei welcher mit allmählichem Verlust von Bestandteilen kein andrer Ersatz als die Aufnahme von Sauerstoff, Kohlensäure und Wasser, zugleich aber ein Verlust der Konsistenz und selbst der Form verbunden ist. Die V. beginnt in der Regel an der Oberfläche und greift, von derselben ausgehend, in der obern Schicht des Gesteins weiter um sich. Diese zerfällt dadurch zu Pulver, welches vom Regenwasser fortgespült wird, um andre noch unzersetzte Teile dem Verwitterungsprozeß auszusetzen. Letzterer greift aber auch tiefer ein, wird auf Klüften und Fugen weit fortgeleitet und erscheint in den ersten Stadien als eine bloße Verfärbung oder Bleichung des Gesteins, welche häufig nur einige Linien, bisweilen aber auch viele Fuß tief eingedrungen ist. Dunkle, durch organische Substanzen gefärbte Gesteine werden weiß oder hellgrau; grüne, eisenoxydulhaltige werden rot, indem sich Oxyd bildet; gelbliche Kalksteine werden braun, indem ihr Eisenoxyd im freien Zustand bloßgelegt wird. Glasige Gesteine werden blind, undurchsichtig und schillernd wie alte Fensterscheiben. In manchen Fällen bilden sich auflösliche Salze, die als Effloreszenzen auftreten, oder es werden Metalloxyde in der Form von Dendriten abgelagert. Granite, Syenite, Gneise und Felsitporphyre lockern sich auf und zerfallen, so daß sie oft große Schuttmassen liefern, die das Material zur Neubildung der feldspatreichen Sandsteine geliefert haben. Weit wichtiger sind aber die tiefer eingreifenden Zerstörungen, welche viele Gesteine dadurch erleiden, daß gewisse ihrer vorwaltenden Bestandteile im Lauf der Zeit einer totalen chemischen Zersetzung unterworfen sind. Das Kaolin und die Thone sind nichts andres als die Produkte solcher Zersetzungsprozesse. Die in Säuren löslichen Gesteine verwittern bedeutend schneller als die darin unlöslichen, Magnesium- und Calciumsilikate schneller als Alkalisilitate, Natriumsilikate wieder schneller und vollständiger als Kaliumsilikate. Kein Gestein aber vermag der V. vollkommen zu widerstehen. Wie verschieden die Neigung der Mineralien ist, in V. überzugehen, zeigt am besten der Granit, dessen Feldspat schon vollständig in Kaolin verwandelt sein kann, während der Quarz gar nicht, der Glimmer nur wenig durch Ausscheidung seines Eisengehalts als Oxyd angegriffen ist. Vgl. die Werke von K. G. Bischof (s. d.); ferner Suckow, Die V. im Mineralreich (Leipz. 1848); Nies, Studien über den Verwitterungsprozeß der Gesteine (Stuttg. 1875); Heim, Über V. im Gebirge (Basel 1879). S. auch Kristallwasser (im Artikel »Kristallisation«, S. 236).

Verzahnung, s. Holzverband und Zahnräder.

Verzapfen, s. Holzverband.

Verzasca, tessinischer Zufluß des Lago Maggiore, kommt aus dem in Dörfern und Alphütten bewohnten wildschönen Val V. und strömt meist in der Tiefe dunkler und jäher Abgründe dahin. Die acht Thalgemeinden zählten 1. Dez. 1888 nur 2190 Seelen ortsanwesender Bevölkerung, während die Wohnbevölkerung 2566 zählt; die Differenz ist eine Folge der periodischen Auswanderung, welche hier über Winter stattfindet. Die Bevölkerung ist italienischer Zunge und katholischer Konfession.

Verzehrungssteuern, s. Aufwandsteuern.