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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Vidŭa; Vidualität; Vidualitium; Viebahn; Viecht; Viechtach; Viedma; Viehbohne; Viehbremse; Viehgras; Viehhandel

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Vidua - Viehhandel.

Vidŭa, Vogel, s. v. w. Paradieswitwe; Viduanae, Unterfamilie der Webervögel, s. Witwenvögel.

Vidualität, Witwer- oder Witwenstand.

Vidualitium (lat.), s. Wittum.

Viebahn, Georg Wilh. Joh. von, Statistiker, geb. 10. Okt. 1802 zu Soest, wurde 1832 Regierungsrat in Düsseldorf, später Geheimer Oberfinanzrat in Berlin, 1858 Regierungspräsident in Oppeln, wo er 28. Aug. 1871 starb. Er erstattete amtliche Berichte über die Weltausstellungen zu London 1852 und zu Paris 1855, welchen er als Hauptvertreter des Zollvereins anwohnte. 1844 begründete er in Gemeinschaft mit Diergardt den Zentralverein für das Wohl der arbeitenden Klassen. Sein Hauptwerk ist die »Statistik des zollvereinten nördlichen Deutschland« (Berl. 1858-68, 3 Bde.).

Viecht, Benediktinerabtei, s. Fiecht.

Viechtach, Flecken und Bezirksamtshauptort im bayr. Regierungsbezirk Niederbayern, am Schwarzen Regen, hat eine kath. Kirche, eine Besserungsanstalt, ein Amtsgericht und (1885) 1860 Einw.

Viedma (früher La Merced), Hauptstadt des argentin. Territoriums Patagonien, am Rio Negro, 30 km oberhalb dessen Mündung, Carmen de Patagones gegenüber.

Viehbohne, s. Vicia.

Viehbremse, s. Bremen, S. 384.

Viehgras, s. Glyceria und Poa.

Viehhandel, der geschäftliche Verkehr mit landwirtschaftlichen Haustieren, vollzog und vollzieht sich zur Befriedigung lokaler Bedürfnisse in kleinern Kreisen durch Handelsleute, welche zuweilen auch nur Unterhändler sind, von Haus zu Haus und von Dorf zu Dorf, auf den Viehmärkten, die zum Teil sehr bedeutend sind, und auf denen die Tiere in den Großhandel gelangen. Durch Eisenbahnen u. Dampfschiffahrt hat der V. in der neuern Zeit bedeutende Dimensionen angenommen, und selbst aus Amerika wird lebendes Vieh nach Europa geschafft. Infolgedessen wurden an den Stapelplätzen verbesserte Einrichtungen erforderlich, die mit einer Regelung und Erleichterung des Viehhandels zugleich dessen bessere Überwachung ermöglichten. So entstanden die Viehhöfe (s. d.), mit denen öffentliche Schlachthäuser, Fabriken zur Verwertung von Abfallstoffen verbunden wurden. Der Viehtransport auf Eisenbahnen übt auf die beförderten Tiere einen nicht unbedeutenden Einfluß aus. Dieselben verlieren auch bei ganz entsprechenden Einrichtungen nach längerm Transport an Körpergewicht und bedürfen immer einiger Zeit, um sich wieder zu erholen. Um so mehr ist dies der Fall bei ungeeigneten Transportverhältnissen. Im lokalen Viehverkehr kann die Beförderung mit gewöhnlichen Güterzügen nicht ausgeschlossen werden; beim Transport auf große Entfernungen aber sollte die Beförderung, sofern nicht Güterschnellzüge für den Viehtransport bestehen, nur mit Personenzügen stattfinden dürfen. Die Wagen müssen mit hinreichender Ventilation und für längern Transport auch mit Vorrichtungen zum Füttern und Tränken der Tiere versehen sein sowie Schutz gegen Sonnenhitze und strenge Kälte bieten. Die Fußböden müssen das Ablaufen des Urins und leichte Reinigung gestatten und das Ausgleiten der Tiere thunlichst verhindern. Es ist verwerflich, Großvieh (Rinder) mit Kleinvieh (Kälbern, Schafen, Schweinen) zusammen in einem Wagen zu transportieren, wenn in demselben nicht besondere Abteilungen angebracht sind; ebenso ist das Einpferchen möglichst vieler Tiere in einen Wagen nicht statthaft. Nur durch entsprechende Vorschriften kann hier wie auch beim Transport des Viehs auf dem Landweg ein vernünftiger Tierschutz zur Geltung kommen, welcher arge Quälereien der Tiere verhindert, ohne den V. durch übertriebene, nicht immer auf richtigem Verständnis basierte Sentimentalität zu erschweren. Die große Ausdehnung des Viehhandels steigert auch die Gefahr der raschen Verbreitung ansteckender Viehkrankheiten, und er unterliegt daher den Beschränkungen, welche durch das Gesetz, betreffend die Beseitigung von Ansteckungsstoffen bei Viehbeförderungen auf Eisenbahnen, vom 25. Febr. 1876 und das Gesetz, betreffend die Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen, vom 24. Juni 1880 geregelt sind (vgl. Viehseuchen). Außerdem kommen zum Schutz privatrechtlicher Interessen Bestimmungen in Betracht, welche sich auf Fehler und Krankheiten der Tiere beziehen (vgl. Gewährsmängel). - Das Anwachsen der Bevölkerung und die Erhöhung des Wohlstandes führten zu einem stetig wachsenden Fleischverbrauch, während die Erstarkung des städtischen und industriellen Elements eine Einschränkung der Viehzucht und eine Erhöhung der Gestehungskosten zur Folge hatte. Man suchte daher einerseits den Vieh- und Fleischhandel immer weiter auszudehnen, um billige Nahrung zu erhalten, während die Viehzucht der drohenden Konkurrenz mit Besorgnis entgegensah, da zu geringe Rentabilität der Viehzucht im Landwirtschaftsbetrieb hoch entwickelter Länder Europas eine Ausdehnung derselben wenig ratsam erscheinen ließ. In Europa hat sich seit 20 Jahren zwar die absolute Menge der Fleischtiere im ganzen vermehrt, der relative Viehstand aber, das Verhältnis der Fleischtiere zur Einwohnerzahl, war bis 1880 in Abnahme begriffen, und in einigen westeuropäischen, dicht bevölkerten Industrieländern ist auch die absolute Menge der Fleischtiere gesunken. Seitdem wurde der Rindvieh und Schweinezucht erhöhte Sorgfalt zugewendet, und da die Zunahme der Bevölkerung geringer war, so hat eine weitere Verschiebung der Verhältnisse nicht stattgefunden. Die internationale Fleischversorgung begegnet größern industriellen und kommerziellen Schwierigkeiten als die Brotversorgung; nach einem Aufschwung in den Jahren 1876-80 trat ein Stillstand ein, doch wurde derselbe nach zwei Jahren überwunden, und die seitdem gewonnenen Erfahrungen stellen die weitere Entwickelung dieses Handelszweigs in sichere Aussicht. Die Zahlen, welche die Statistik über den Viehstand der einzelnen Länder seit Jahren geliefert hat, sind unter sich nicht gut vergleichbar, weil zunächst sehr namhafte Fortschritte in der Erzielung höhern Fleischgewichts der Tiere gemacht worden sind. So wurde z. B. für Frankreich ermittelt, daß das Lebendgewicht eines Ochsen von 413 kg im J. 1840 auf 500 kg im J. 1873 und entsprechend das Gewicht der Kühe von 240 auf 372, der Kälber von 48 auf 68, der Schafe von 24 auf 36, der Schweine von 91 auf 116 kg gebracht worden ist, und trotz des abnehmenden Viehstandes hat man in Frankreich die jährliche Fleischproduktion gegenwärtig um 50 Proz. höher als 1856 angenommen. In ähnlicher Weise wirkt die Umwandlung des Betriebs: die Zahl der Schafe ist in Frankreich gesunken (12 Mill. Stück weniger als vor 20 Jahren), aber man ließ früher, als man Wolle produzieren wollte, die Schafe 3-4 Jahre alt werden, während man sie jetzt im Alter von 21-22 Monaten schlachtet. Die Herden erneuern sich also schneller, und trotz geringerer Kopfzahl wird mehr Fleisch produziert. Auch in England, Belgien, Deutschland sind analoge Erfolge erreicht worden.