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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Villmergen; Villoison; Villon; Villoten; Vilm.; Vilmar; Vils; Vilsbiburg; Vilseck; Vilshofen

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Villmergen - Vilshofen.

Villmergen, stattliches Dorf im schweizer. Kanton Aargau, unweit Wohlen (s. d.), mit (1888) 1681 Einw. Hier fand in zwei schweizer. Religionskriegen die Entscheidung statt, indem 23. Jan. 1656 die Reformierten von den Katholischen und 25. Juli 1712 diese von jenen geschlagen wurden. Bei V. zerstreuten auch 13. Jan. 1841 die aargauischen Regierungstruppen die aufständischen Ultramontanen aus dem Freiamt (s. d.).

Villoison (spr. wilŏasóng), Jean Baptiste Gaspard d'Ansse de, franz. Philolog, geb. 5. März 1753 zu Corbeil sur Seine, ward mit 23 Jahren Mitglied der Akademie der Inschriften zu Paris, ging 1778 im Auftrag der Regierung nach Venedig, um die Handschriften der Markusbibliothek zu untersuchen, veröffentlichte dort aus denselben »Anecdota graeca« (Vened. 1781, 2 Bde.) sowie den berühmten Kodex der Homerischen »Ilias« mit den Scholien (das. 1788), der Homerforschung dadurch völlig neue Bahnen eröffnend, verweilte dann längere Zeit zu Weimar, wo seine »Epistolae Vimarienses« entstanden (Turin 1783), und bereiste 1785-88 die Inseln und den Kontinent von Griechenland. Beim Ausbruch der französischen Revolution zog er sich nach Orléans zurück. Nach 1800 nach Paris zurückgekehrt, wurde V. Mitglied des Nationalinstituts und Professor der griechischen Sprachen (ancienne et moderne) am Collège de France, starb aber schon 26. April 1805. Von seinen Arbeiten sind noch die Ausgaben von Apollonios' »Lexicon graecum Iliadis et Odysseae« (Par. 1773, 2 Bde.) und Longos' »Pastoralia« (das. 1778, 2 Bde.) hervorzuheben. Vgl. Dacier, Notice historique sur V. (Par. 1806).

Villon (spr. wilóng, auch de Montcorbier genannt), François, franz. Dichter, geb. 1431 zu Paris, studierte daselbst, ergab sich aber früh einem ausschweifenden Leben, wurde infolge eines 1455 in der Notwehr verübten Mordes aus Paris verbannt, 1457 wegen Diebstahls zum Galgen verurteilt, wovon ihn seine Ballade »Les pendus« errettete, und befand sich 1461, wahrscheinlich wegen gleichen Frevels, im bischöflichen Gefängnis zu Meun sur Loire, aus dem ihn die Amnestie bei der Thronbesteigung Ludwigs XI. befreite. Seine weitern Schicksale sind unbekannt, doch muß sein Tod vor 1489 fallen, wo die erste Ausgabe seiner Gedichte erschien. V. ist der originellste und witzigste Dichter des 15. Jahrh., der Urtypus des »esprit gaulois«. Nichts Fremdes, nichts Gemachtes findet sich bei ihm; von der zartesten Anmut und freimütig bis zur Schamlosigkeit, ernst, ja melancholisch und wiederum heiter und ausgelassen, mit vollem Bewußtsein von der Nichtigkeit des Daseins und dabei dem wildesten Genuß ergeben, endlich ein Meister in der Behandlung der französischen Sprache, ist er der würdige Vorgänger Rabelais', allerdings in der zerlumpten und verkommenen Gestalt des unverbesserlichen Landstreichers. Seine Dichtungen: »Le grand testament de V. et le petit, son codicille, le jargon et ses ballades« (1489), wurden bis 1542 27mal herausgegeben, besonders von Marot (1533) auf Befehl Franz' I.; die neueste Auflage ist von P. Lacroix (1854). Die »Repues franches« hat V. nicht geschrieben. Vgl. Campaux, V. sa vie et ses œuvres (Par. 1859); Longnon, Étude biographique sur V. (das. 1877); Nagel, François V. (Berl. 1877); Bijvanck, Essai critique sur les œuvres de F. V. (Leiden 1883, Bd. 1).

Villoten, s. Villanellen.

Vilm., bei botan. Namen Abkürzung für P. L. F. L. de Vilmorin, geb. 1816 zu Paris, gest. 1860 in Verrières bei Paris. Gartenpflanzen.

Vilmar, August Friedrich Christian, namhafter Theolog und Literarhistoriker, geb. 21. Nov. 1800 zu Solz in Kurhessen, studierte zu Marburg Theologie, trat 1821 in den Kirchen und Schuldienst, 1831 in die kurhessische Ständeversammlung und ward, nachdem er sich vom Liberalismus abgewandt, kurz darauf Mitglied der obern Kirchen und Schulkommission und 1833 Direktor des Gymnasiums zu Marburg. Im März 1850 ward er mit dem Prädikat Konsistorialrat zum vortragenden Rat in das Ministerium des Innern berufen. Mit dem Rücktritt des Ministeriums Hassenpflug fiel auch er 1855 und ward Professor der Theologie in Marburg, wo er 30. Juli 1868 starb. In seinen amtlichen Stellungen wie auch als Herausgeber der Wochenschrift »Der hessische Volksfreund« (1848-51) und der »Pastoral theologischen Blätter« (1861-66) hat V. in Kirche und Schule auf die Entwickelung einer streng hierarchischen Richtung hinzuwirken gesucht, einer Richtung, die auch in seinen »Schulreden« (Marb. 1846; 3. Aufl., Gütersl. 1886) und in »Die Theologie der Thatsachen und die Theologie der Rhetorik« (Marb. 1856; 4. Aufl., Gütersl. 1876) hervortritt. Erfreulicher war sein Wirken auf dem Gebiet der deutschen Litteraturgeschichte, namentlich zeichnen sich die Vorlesungen über die »Geschichte der deutschen Nationallitteratur« (Marb. 1845; 23. Aufl., fortgesetzt von A. Stern, 1889) durch Lebendigkeit der Darstellung aus. Kleinere Arbeiten sind: »Anfangsgründe der deutschen Grammatik« (8. Aufl., neu bearbeitet von Kauffmann, 1888); »Deutsche Altertümer im Heliand« (das. 1845, 2. Aufl. 1862); »Zur Litteratur Johann Fischarts« (das. 1846, 2. Aufl. 1865); das »Deutsche Namenbüchlein« (5. Aufl., das. 1880); »Handbüchlein für Freunde des deutschen Volksliedes« (3. Aufl., das. 1886); »Idiotikon von Kurhessen« (das. 1868; Nachtrag von Pfister, 1886) und »Lebensbilder deutscher Dichter und Germanisten« (Frankf. 1869; 2. Aufl. von Koch, 1886). Die Schrift »Zur neuesten Kulturgeschichte Deutschlands« (Frankf. 1858-67, 3 Tle.) stellt seine Wirksamkeit in den Revolutions- und Restaurationsjahren dar. Aus seinem Nachlaß wurden herausgegeben: »Theologische Moral« (Gütersl. 1871, 3 Bde.); »Lehrbuch der Pastoraltheologie« (das. 1872); »Kirche und Welt oder die Aufgaben des geistlichen Amtes« (das. 1872-73, 2 Bde.); »Dogmatik« (das. 1874-75, 2 Bde.) und »Collegium biblicum. Praktische Erklärung der Heiligen Schrift« (das. 1880-86, 6 Bde.). Seine Biographie schrieb Leimbach (Hannov. 1875).

Vils, 1) rechter Nebenfluß der Nab im bayr. Regierungsbezirk Oberpfalz, entspringt im Frankenjura zwischen Vilseck und Auerbach und mündet bei Kalmünz. -

2) Rechter Nebenfluß der Donau in Niederbayern, mündet bei Vilshofen.

Vilsbiburg, Flecken und Bezirksamtshauptort im bayr. Regierungsbezirk Niederbayern, an der Vils und an der Linie Landshut-Neumarkt a. R. der Bayrischen Staatsbahn, 438 m ü. M., hat eine kath. Kirche, ein Rettungshaus, ein Amtsgericht und (1885) 2460 Einw.

Vilseck, Stadt im bayr. Regierungsbezirk Oberpfalz, Bezirksamt Amberg, an der Vils und an der Linie Neukirchen-Weiden der Bayrischen Staatsbahn, 402 m ü. M., hat 2 Kirchen, ein altes Schloß, ein Amtsgericht, ein Forstamt und (1885) 1121 fast nur kath. Einwohner.

Vilshofen, Bezirksamtsstadt im bayr. Regierungsbezirk Niederbayern, an der Mündung der Vils in die Donau und an der Linie Passau-Würzburg der