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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Vogelfuß - Vogelschießen.

gefordert werden, ihn lebendig oder tot zu ergreifen, wie dies von den Verbündeten Napoleon I. gegenüber geschah, als er von Elba zurückgekehrt war.

Vogelfuß, s. Ornithopus.

Vogelherd, s. Vogelfang.

Vogelkirsche, s. v. w. Süßkirschenbaum, s. Kirschbaum.

Vogelklee (Vogelkralle), s. v. w. Krallenklee, s. Ornithopus.

Vogelleim (Viscin), der wasserhelle klebrige Stoff, der sich in den Beeren der Mistel, vielleicht auch in den grünen Zweigen von Ficus elastica findet, ist in Wasser und Alkohol unlöslich, löslich in Äther, ätherischen Ölen und Alkalien. Man bereitet den V. durch Auspressen der Mistelbeeren und Zusetzen von Wasser zum Saft, wodurch sich das Viscin abscheidet. Zum bestreichen der Leimruten dient auch stark eingekochtes Leinöl oder eine Mischung von Tischlerleim mit Chlorzink. Letzteres Präparat läßt sich von den Federn leicht abwaschen.

Vogelmiere, s. Stellaria.

Vogelnester, eßbare, s. Salangane.

Vogelperspektive (Vogelansicht, Vogelblick, Vue à vol d'oiseau), diejenige Ansicht eines Gegenstandes, insbesondere einer Gegend, wobei das Auge als senkrecht über jedem Punkte derselben befindlich angenommen wird. Eine Zeichnung aus der V. gibt gewissermaßen den Grundriß einer Gegend und zwar in der Weise, daß kein Gegenstand den andern verdeckt und alle horizontalen Winkel und Entfernungen genau wiedergegeben sind, wogegen Seitenansichten und Höhenwinkel fehlen. Man benutzt diese Art der Darstellung vorzugsweise bei Zeichnungen, wo es auf den Totalüberblick und Flächenraumverhältnisse ankommt, besonders für militärische Zwecke. Die Darstellung der Berge mit ihren Höhenunterschieden und ihren steilern oder flachern Abhängen hat vornehmlich G. Lehmann (s. d. 1) versucht. Die bildende Kunst kannte noch im 16. Jahrh. keine andern Prospekte als solche in V., und noch im 17. Jahrh. wandte man sie neben den Horizontalansichten an. Erst im Lauf des 18. Jahrh. kamen sie außer Gebrauch; in neuerer Zeit sind sie aber, besonders durch Delkerkamps Rheinpanorama, namentlich für Städtebilder, wieder in Aufnahme gekommen. Den Gegensatz bildet die Froschperspektive, d. h. die Ansicht von einem sehr tiefen Standtpunkt ^[richtig: Standpunkt].

Vogelsang, Hermann, Geolog, geb. 11. April 1838 zu Minden, studierte in Bonn, bereiste Südfrankreich, Italien und Corsica, habilitierte sich 1864 zu Bonn und wurde 1865 Professor am Polytechnikum zu Delft, wo er 6. Juni 1874 starb. Seine Hauptarbeiten waren der mineralogischen und geologischen Mikroskopie gewidmet, zu deren Entwickelung er wesentlich beigetragen hat. Er wies die Gegenwart flüssiger Kohlensäure in vielen Mineralien und Gesteinen nach, untersuchte die Anfänge der Kristallbildungen und machte Vorschläge zu einer neuen Klassifikation der Gesteine. Er schrieb: »Über die mikroskopische Struktur der Schlacken und Beziehungen zur Genesis der kristallinischen Gesteine« (Leipz. 1864); »Die Vulkane der Eifel, in ihrer Bildungsweise erklärt« (Bonn 1864); »Philosophie der Geologie und mikroskopische Gesteinsstudien« (das. 1867); »Über die Systematik der Gesteinslehre« (das. 1871); »Über die natürlichen Ultramarinverbindungen« (das. 1873); »Die Kristalliten« (hrsg. von Zirkel, Leipz. 1874).

Vogelsberg (Vogelsgebirge), ein basaltisches Massengebirge Mitteldeutschlands, das durch das Kinzigthal vom Spessart geschieden wird, durch den sogen. Landrücken (zwischen Schlüchtern und Flieden) mit der Rhön zusammenhängt, im N. an das hessische Bergland grenzt und im W. durch das Lahnthal und die Wetterau von dem Rheinischen Schiefergebirge und dem Taunus getrennt wird. Das Gebirge hat einen Durchmesser von etwa 45-50 km und bildet im ganzen eine flach gewölbte Bergfeste mit sanftem Ansteigen vom Rand zum sogen. Oberwald, um den die Orte Herbstein, Ulrichstein und Schotten in geringer Entfernung liegen. Der Oberwald selbst ist ein unbewohntes, mit Laubwald, feuchten Wiesen und Torfgründen bedecktes Plateau, über dessen Rand sich die höchsten Höhen, zum Teil Felskuppen, um etwa 100 m erheben. Diese sind: der Taufstein (772 m), Sieben Ahorn (696 m), die Herchenhainer Höhe (723 m), der aussichtsreiche Hoherodskopf (mit einem Schutzhaus) etc. An diesem Oberwald oder unweit von ihm entspringen die zahlreichen Bäche, die das Gebirge trotz seines Mangels an reichhaltigen Quellen nach allen Himmelsgegenden strahlenförmig aussendet: die Nidda mit der Nidder im S. und die Wetter im W. zum Main, die Ohm zur Lahn, die Schwalm zur Eder, die Altefeld und Lüder zur Fulda. Andre Thäler setzen ebenso strahlig zwischen ihnen ein, so daß das ganze Gebirge aus einem System sehr regelmäßig strahlenförmig verlaufender Rücken besteht, die sich nach und nach ausweiten und mehr gabelförmig verteilen. Ihr gleichförmiger bewaldeter oder mit Weide bedeckter Rücken wird vielfach durch basaltische Kuppen, kegelförmige wie mauerförmig abfallende, unterbrochen. Alle diese Rücken und Kuppen bestehen aus verschiedenen Basaltvarietäten mit ihren Tuffen, auch mit Polierschieferlagern; nur selten treten Trachyte, ausgedehnt dagegen basaltähnliche Trachytdolerite auf, die zum Teil treffliche Bausteine abgeben. Weitverbreitet sind neben basaltischen Gesteinen Eisensteine, welche jetzt aber nur noch auf den Buderusschen Werken (Hirzenhain im Niddathal, Friedrichshütte) verarbeitet werben. Im Innern tritt nur selten die sedimentäre Unterlage zu Tage (tertiäre Süßwasserbildungen, auch Buntsandstein); anders am Rand, wo im wund N. tertiäres Braunkohlengebirge, Muschelkalk und Buntsandstein, im NO., O. und SO. Zechstein, Rotliegendes und altes Steinkohlengebirge zu Tage treten. Das Klima ist rauh und kalt, wenn auch nicht in dem Maß, wie Sprichwörter es anzudeuten scheinen. Der Winter bringt hier, wie in der Rhön, gewaltige Schneemassen. Der alkalireiche Boden des verwitterten Basalts ist fruchtbar, daher sind viele Rücken mit Laub-, insbesondere Buchenwald bedeckt; in den untern Thalgründen und an den sanftern Gehängen findet ergiebiger Ackerbau statt, und die ausgedehnten Wiesen und Weiden eignen sich zur Zucht von Rindvieh und Schafen. In den höhern Teilen des Vogelsbergs, wo fast nur Viehzucht und Bau von Sommergetreide betrieben werden, ist die Armut zum Teil sehr groß. Die Industrie erstreckt sich auf Weberei, insbesondere von Packtuch, Strohflechterei, etwas Braunkohlenbergbau und etwas Eisenindustrie. Fremde besuchten das Gebirge bisher nur wenig. Neuerdings sucht indessen der Vogelsberger Höhenklub die Aufmerksamkeit der Touristen mehr auf jene Gegend zu lenken. Der V. liegt mit seinem Hauptteil in der hessischen Provinz Oberhessen, und nur Ausläufer desselben treten östlich und südöstlich (Büdinger Wald nördlich von Gelnhausen) in die preußische Provinz Hessen-Nassau über. Vgl. Büchner, Führer durch den V. (Gießen 1888).

Vogelschießen, s. Schützengesellschaften.