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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wachenhusen; Wachler; Wacholder

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Wachenhusen - Wacholder.

und an der Linie Neustadt a. H.-Monsheim der Pfälzischen Eisenbahn, hat eine evangelische und eine kath. Kirche, Schaumweinfabrikation, vorzüglichen Weinbau, Weinhandel und (1885) 2343 meist evang. Einwohner. Dabei die Schloßruine Wachenburg.

Wachenhusen, Hans, Schriftsteller, geb. 31. Dez. 1827 zu Trier, widmete sich früh der Litteratur und genügte dem Reisedrang seines Naturells zunächst durch Züge nach dem Norden, nach Norwegen, Lappland und Island. Er übersetzte mancherlei aus dem Dänischen und gab einen Band »Märchen« (Leipz. 1853) heraus. Seine Hauptthätigkeit indessen fiel mit den Abenteuern, Gefahren und Eindrücken zusammen, welche er als Kriegskorrespondent großer Zeitungen seit dem orientalischen Krieg von 1854-1856 und in den folgenden Kämpfen erlebte. Er begleitete die türkische Armee an die Donau, und die Bücher: »Von Widdin nach Stambul« (Leipz. 1855) und »Ein Besuch im türkischen Lager« (das. 1855) geben neben zahlreichen Feuilletons Zeugnis von seinen Erlebnissen. Nach Beendigung des Krimkriegs begab er sich nach Paris, das er in mehreren Schriften, wie: »Das neue Paris« (Leipz. 1855), »Paris und die Pariser« (Berl. 1855), »Die Frauen des Kaiserreichs« (das. 1858, 7. Aufl. 1872) u. a., schilderte, ging von dort nach Spanien und Afrika und trat mit dem Roman »Rom und Sahara« (das. 1858, 4. Aufl. 1871) nun auch wieder in die Reihen der belletristischen Schriftsteller. Bei der preußisch-neuenburgischen Verwickelung war er wieder auf dem Platz und schilderte seine Eindrücke im »Skizzenbuch aus Neuenburg und der Schweiz« (Berl. 1857). 1859 war er als Korrespondent im österreichischen Hauptquartier und faßte seine interessanten Berichte im »Tagebuch vom italienischen Kriegsschauplatz« (Berl. 1859) zusammen; 1860 lockte ihn der Feldzug Garibaldis nach Neapel, über den er in »Freischaren und Royalisten« (das. 1860, 3. Aufl. 1867) berichtete; 1864 zog er mit dem preußischen Heer nach Schleswig, 1866 nach Böhmen. Die Bücher: »Vor den Düppeler Schanzen« (Berl. 164), »Tagebuch vom österreichischen Kriegsschauplatz« (das. 1866, 4. Aufl. 1867) waren, wie immer, nur ein Teil seiner Niederschriften auf dem Kriegsschauplatz. Nach 1866 lebte er wieder in Paris, schrieb während der Weltausstellung 1867 seine »Pariser Photographien« (Berl. 1868) u. a., wohnte 1869 der Eröffnungsfeier des Suezkanals bei, durchzog dann Ägypten und hatte kaum die Skizzen von seiner Nilreise in dem Buch »Vom armen ägyptischen Mann. Mein Fellahleben« (das. 1871, 2 Bde.) gesammelt, als ihn der große deutsch-französische Krieg von 1870 wiederum als Korrespondenten der »Kölnischen Zeitung« auf einen gewaltigen Kriegsschauplatz rief. Seine Berichte von demselben, als »Tagebuch vom französischen Kriegsschauplatz 1870-71« (Berl. 1871, 2 Bde.) erschienen, fanden unter allen seinen litterarischen Darbietungen den stärksten und verdientesten Beifall. Nach 1871 ging er wieder nach Paris; seit den letzten Jahren lebt er in Wiesbaden. Zwischen den zahlreichen Kriegs- und Reiseschilderungen hat er auch bis in die jüngste Zeit eine große Reihe stark auf den äußern Effekt gestellter populärer Romane und Erzählungen verfaßt, von denen einige, wie »Die bleiche Gräfin« (1862), »Die Gräfin von der Nadel« (das. 1863), »Rouge et noir« (das. 1864), »Um schnödes Geld« (das. 1872, 2. umgearbeitete Aufl. 1877), »Des Herzens Golgatha« (Stuttg. 1873) etc., wiederholte Auflagen erlebten.

Wachler, Johann Friedrich Ludwig, Litterarhistoriker, geb. 15. April 1767 zu Gotha, studierte in Jena und Göttingen Theologie und Philosophie, ward 1790 Rektoren Herford, 1794 Professor der Theologie, dann auch der Geschichte zu Rinteln, 1801 zu Marburg und folgte 1815 dem Ruf als Professor der Geschichte und Konsistorialrat nach Breslau. Seine bei den Streitigkeiten über das Turnwesen bewiesene Freimütigkeit hatte zur Folge, daß er 1824 von den Schul- und Konsistorialgeschäften zurücktreten mußte, worauf er, mit Beibehaltung seiner Professur, zum Oberbibliothekar der Universitätsbibliothek ernannt wurde. Er starb 4. April 1838. Von seinen durch Gründlichkeit und selbständiges Urteil ausgezeichneten Schriften sind hervorzuheben: »Lehrbuch der Geschichte« (Bresl. 1817, 6. Aufl. 1838); »Vorlesungen über die Geschichte der teutschen Nationallitteratur« (Frankf. 1818-19, 2 Bde.; 2. Aufl. 1834); »Philomathie« (das. 1819-21, 3 Bde.); »Handbuch der Geschichte der Litteratur« (das. 1804; 3. Umarbeitung, Leipz. 1833, 4 Bde.); »Geschichte der historischen Forschung und Kunst« (Göttingen 1812-20, 2 Bde.); »Die Pariser Bluthochzeit« (Leipz. 1826, 2. Aufl. 1828); »Lehrbuch der Litteraturgeschichte« (das. 1827, 2. Aufl. 1830).

Wacholder (Juniperus L.), Gattung aus der Familie der Kupressineen, harzreiche Bäume und Sträucher, letztere bisweilen auf den Boden hingestreckt, mit sehr hartem Holz, meist unregelmäßig gestellten Ästen, Blättern in alternierenden, dreigliederigen Wirteln oder dekussiert, frei, abstehend, nadelförmig stehend oder schuppenförmig den Zweigen angewachsen, nur an der Spitze frei, diözischen, bisweilen auch monözischen Blüten, von denen die männlichen meist am Ende sehr kurzer Zweige, die weiblichen Zapfen im Winkel der Blätter oder an kurzen Zweigen endständig sich finden. An den Zapfen sind nur die 3, selten 4-6 oder 9 obersten Deckblätter fruchtbar und verwachsen zu einer fleischig werdenden, nicht aufspringenden und erst im nächsten Jahre reifenden Beere. 27 Arten in den gemäßigten und kältern Gebieten der nördlichen Halbkugel. I. Untergattung, Oxycedrus Spach, stets nur mit Nadeln, meist ohne Drüsen auf dem Rücken derselben, Fruchtteller zu 3, 6 oder 9 zu einer Beere verwachsen. Gemeiner W. (Knirk, Weckholder, Kranatbaum, Kranwet, Kronawettbaum, Kaddig-, Feuer-, Machandelbaum, Sachhandelbaum, J. communis L.), ein 1-10 m hoher Strauch von pyramidalem Wuchs mit aufsteigenden Zweigen, als Baum bis 15 m hoch mit häufig bis fast zur Erde herabreichender pyramidaler Krone, schmal linienlanzettförmigen, zugespitzten, oberseits seichtrinnigen, hellgrünen Nadeln mit breitem, bläulich-weißem Mittelstreifen, die zu dreien geordnet sind, diözischen Blüten und rundlichen, im zweiten Jahre reifenden, schließlich schwarzbraunen, blau bereiften Zapfenbeeren mit drei nicht immer deutlichen Erhabenheiten am Scheitel und drei harten, oben scharf dreikantigen Samen. Er wächst in ganz Europa und Sibirien bis Kamtschatka, in Nordamerika, Grönland, im kaspischen Gebiet und in Nordafrika, in den mittel- und süddeutschen Gebirgen steigt er bis in die subalpine Region; er gedeiht auf ärmlichstem Boden und erreicht ein Alter von 600-800 Jahren. Man benutzt das Holz zu feinen Drechslerwaren, Spazierstöcken und Peitschenstielen. Die Beeren (Quackelbeeren) riechen aromatisch, schmecken gewürzhaft süßlich-bitterlich, enthalten ätherisches Öl und reichlich Zucker und dienen als Küchengewürz, zur Darstellung des Wacholderbranntweins (Genever), als diuretisches Mittel (auch