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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wacholderbranntwein; Wacholderdrossel; Wacholderöl; Wachs

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Wacholderbranntwein - Wachs.

in Form eines Muses) und, wie die trocknen Zweige, zum Räuchern. Auch wird aus den Beeren wie aus dem Holz ätherisches Öl gewonnen. Ein aus dem Holz gewonnener Teer ist als Volksheilmittel berühmt. Man pflanzt den W. in mehreren Varietäten als Zierstrauch und benutzt ihn auch zu Hecken. Wacholderreisig gebrauchten die alten Germanen zu ihren Opfern und beim Verbrennen der Toten. Der Rauch verbrannter Zweige schützt nach dem Volksglauben vor Ansteckung und vertreibt Schlangen und böse Geister. Der Zwergwacholder (J. nana Willd., J. sibirica Burgsd.), ein auf dem Boden liegender Strauch mit kurzen, lineal-lanzettlichen, einwärts gekrümmten, sich fast dachziegelig deckenden Nadeln und rundlichen, blauschwarzen Zapfenbeeren ohne deutliche Erhabenheiten am Scheitel, wächst auf hohen Gebirgen Europas, vorzüglich auf den Kalkalpen, auf dem Kaukasus, in Armenien, Sibirien und Nordamerika. Der spanische W. (spanische, griechische Zeder, Zedernwacholder, J oxycedrus L.), ein bis 4 m hoher Strauch vom Habitus des vorigen, aber mit kantig scharfen Ästen, oberseits zweifurchigen und in den Furchen bläulichweißen, unterseits mit scharfem Mittelnerv versehenen Blättern und rostroten, zuletzt rotbraunen Zapfenbeeren, meist mit drei Erhabenheiten am Scheitel, wächst in ganz Südeuropa, Nordafrika, Transkaukasien und Syrien; aus dem widerstandsfähigen Holz schnitzten die Alten Götterbilder, jetzt ist es als weißes Zedernholz im Handel. Auch wird daraus empyreumatisches Öl gewonnen. Der Bermudawacholder (Bermudazeder, J. bermudiana L.), bis 18 m hoher Baum mit länglicher Krone, auf dem konvexen Rücken der Blätter mit einer langen, linienförmigen Drüse und rötlichblauen, aus 6 oder 8 Deckblättern entstandenen, rundlichen Beeren, wächst im südlichsten Florida, auf den Bahama- und Bermudainseln. Das Holz ist als rotes Zedernholz im Handel.

II. Untergattung, Sabina Spach, sämtliche oder fast sämtliche Blätter einander gegenüberstehend und schuppenförmig, mit einer Drüse auf dem Rücken, selten durchaus nadelförmig. Der gemeine Sadebaum (Sagebaum, J. Sabina L.), ein mehr oder weniger liegender Strauch von sehr gedrängtem Wuchs, mit aufrechten Nebenästen, gegenständig und vierreihig gestellten, schuppenförmigen, etwas zugespitzten Blättern, die gegenständigen am Grund verwachsen, mit breitlänglicher Öldrüse auf dem Rücken, blauschwarzen, überhängenden Zapfenbeeren, wächst in der obern Berg- und subalpinen Region der Gebirge Zentral- und Südeuropas, im Kaukasus, in Nordasien und Nordamerika, an trocknen, felsigen, sonnigen Orten, manchmal reine Bestände bildend oder als Unterholz lichter Nadelwälder, wird auch als Zierstrauch kultiviert. Zweigspitzen und Früchte enthalten ein widrig betäubend riechendes, ätherisches Öl, welchem sie ihre giftigen Eigenschaften verdanken. Sie wirken besonders heftig auf das Uterinsystem, führen bei vorhandener Schwangerschaft fast immer Abortus herbei und in großen Dosen den Tod. Äußerlich wirken sie, namentlich das ätherische Öl, wie Senf. Man benutzt sie jetzt nur noch selten, am meisten äußerlich gegen spitze Kondylome. Um Mißbrauch zu vermeiden, wird der Strauch hier und da im Freien nicht geduldet. J. phoenicea L., ein Baum mit breitlänglichen, meist sechsreihig stehenden Blättern mit großer, länglicher Öldrüse und runden, rostroten, zuletzt dunklern Beeren, wächst in Südeuropa und Nordafrika, auf Morea und den Inseln des Archipelagus. Die Beeren werden im Haushalt und in der Medizin benutzt, das Holz wurde vielleicht in Palästina zu Särgen verbraucht. J. excelsa Bieb., ein cypressenähnlicher Baum mit rundlich rautenförmigen Blättern, langer, sehr schmaler Öldrüse auf deren Rücken und zuletzt blauschwarzen, meist aus vier Deckblättern entstandenen Zapfenbeeren, ist im Orient sehr verbreitet und lieferte den Alten das Zedernholz zu feinen Arbeiten und Särgen. Ebenso J. religiosa L., ein sehr hoher Baum mit vierreihig stehenden, an alten Bäumen rautenförmigen, an jüngern länglich-lanzettförmigen Blättern mit länglicher Drüse und ziemlich großen, blauschwarzen, meist aus sechs Deckblättern entstandenen Zapfenbeeren, wächst auf dem Himalaja und wird als heiliger Baum bei den Tempeln angepflanzt, in welchen man Äste und Zweige als Räucherwerk verbrennt. Die virginische, rote Zeder (J. virginiana L.), ein 15 m hoher Baum mit pyramidaler, tief hinabreichender Krone, Blättern an den primären Ästen und Zweigen in alternierenden, dreigliederigen Wirteln, nur im obern Teil freien, fast abstehend zugespitzten, an den sekundären Zweigen dekussiert vierteilig, schuppenförmig angedrückt, eiförmig rhombisch oder eilanzettlich, fast stachelspitzig, mit kleinen, meist unregelmäßigen, schwarzblauen Zapfenbeeren, wächst in Nordamerika südlich bis Florida und Neumexiko, wird bei uns (seit 1664) in mehreren Varietäten als Zierstrauch kultiviert, liefert das rote Zedernholz, welches vielfach zu Schiffsplanken, Zigarrenkisten und namentlich zu Bleistiften benutzt wird. Die Zweigspitzen werden in Amerika wie bei uns die des Sadebaums benutzt. Eine Varietät ist die Barbadoszeder.

Wacholderbranntwein, s. Genever.

Wacholderdrossel, s. Drossel, S. 158.

Wacholderöl, das durch Destillation zerstoßener Wacholderbeeren mit Wasser erhaltene ätherische Öl, ist farblos, grünlich- oder bräunlichgelb, riecht stark, schmeckt gewürzhaft, spez. Gew. 0,86-0,8, schwer löslich in Wasser, gibt mit 12 Teilen Alkohol eine trübe Lösung, mischt sich mit Äther, destilliert bei 155-280°, besteht aus zwei Kohlenwasserstoffen und dient zu Likören, bisweilen auch in der Medizin. Aus dem Holz des Wacholders gewinnt man gleichfalls ein ätherisches Öl, welches nur in der Medizin benutzt wird, und außerdem das empyreumatische Kaddigöl, ein Produkt der trocknen Destillation des Holzes.

Wachs, eine Gruppe fettartiger Körper, welche in ihren physikalischen Eigenschaften sich kaum von den echten Fetten unterscheiden, aber beim Kochen mit Kalilauge kein Glycerin geben. Sie werden an der Luft nicht ranzig, sind schwerer schmelzbar als Fette, zersetzen sich, wie diese, beim Erhitzen, liefern dabei aber kein Acrolein. Das Bienenwachs, die Substanz der Wandungen der Bienenzellen, ein Produkt der Umwandlung zuckerhaltiger Nahrung durch den Verdauungsprozeß der Bienen, wird durch Umschmelzen der honigleeren Waben gewonnen, ist gelb, riecht honigartig, schmeckt sehr schwach balsamisch, spez. Gew. 0,96-0,97, ist in der Kälte spröde, erweicht in der Hand, schmilzt bei 60-63°, wird durch Umschmelzen mit Wasser und 0,25 Proz. Alaun, Weinstein oder Schwefelsäure gereinigt, in dünne Bänder gegossen und auf dem Rasen gebleicht. Man wendet zum Bleichen auch Chlorkalk und andre Chemikalien an, erreicht damit aber ein weniger gutes Resultat. Das gebleichte W. (weißes W., Jungfernwachs) ist farblos, härter und etwas schwerer als gelbes, schmilzt bei 65-70°, ist unlöslich in Wasser und kaltem Alkohol, leicht löslich in Chloroform,