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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wales; Walewski; Walfisch

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Wales - Walfisch.

Eroberer zur Anerkennung seiner Oberherrschaft gezwungen. Da sie fortwährend Einfälle in England machten, errichtete König Wilhelm II. Marken gegen dieselben. Während der Streitigkeiten zwischen König Stephan und der Kaiserin Mathilde gelang es den walisischen Fürsten, sich fast ganz von englischem Einfluß frei zu machen; doch mußten sie unter Heinrich II., der dreimal, 1157, 1162 und 1165, Feldzüge nach W. unternahm, die Oberherrlichkeit der englischen Könige wieder anerkennen. Die Härte, womit die englischen Markgrafen (marchers) die Walen behandelten, bewog den Oberfürsten Llewellin 1282 zu einem Aufstand, aber er fiel in der Schlacht von Carmarthen 11. Dez.; 1283 ward sein Bruder David zu Shrewsbury hingerichtet, und W. ward nun als eroberte Provinz mit der Krone vereinigt. Der König Eduard I. versprach den Walen, ihnen einen »Eingebornen« zum Fürsten zu geben, und erfüllte dies Versprechen, indem er seinen Sohn, den spätern Eduard II., der zu Carnarvon in W. geboren war, zum Fürsten von W. (Prince of W.) ernannte. Seitdem führt der jedesmalige Thronerbe von England, wenn er der älteste Sohn des regierenden Herrschers ist, oder nach dem Tod eines Prinzen von W. dessen ältester Sohn diesen Titel, der ihm jedoch besonders verliehen wird. Noch einmal versuchten die Walen 1400 unter Führung Owen Glendowers, der von den alten Fürsten abstammte und von der englischen Regierung schmählich behandelt war, die nationale Unabhängigkeit wiederzugewinnen; eine Reihe von Jahren behauptete er sich mit großem Glück im Bund mit Frankreich als Fürst von W., bis daß auch er, besiegt und verlassen, 1416 in dunkler Zurückgezogenheit starb. 1536 ward endlich von Heinrich VI. auf den Wunsch des englischen Parlaments das Fürstentum W. ganz mit England vereinigt; doch haben sich in den letzten Jahren auch in W., nach dem Vorbild Irlands, Bestrebungen gezeigt, eine gewisse Selbstregierung wiederzugewinnen. Vgl. Robert, The Cambrian popular antiquities (Lond. 1815); Wordward, The history of W. (das. 1853, 2 Bde.); Rodenberg, Ein Herbst in W. (Hannov. 1857); Borrow, Wild W., its people, language and scenery (neue Ausg., Lond. 1888); Walter, Das alte W. (Bonn 1859); Doran, The book of the Princes of W. (Lond. 1860).

Wales, Prinz von, s. Albert 7).

Walewski, Florian Alexandre Joseph Colonna, Graf, franz. Staatsmann, geb. 4. Mai 1810 als der Sohn einer Polin und Napoleons I., kämpfte 1831 unter Skrzynecki bei Grochow für Polens Unabhängigkeit, ward dann als Unterhändler der polnischen Sache nach London geschickt und begab sich nach dem Ende des polnischen Aufstandes nach Paris, wo er wegen des herrschenden Napoleonskultus eine sehr entgegenkommende Aufnahme fand und Rittmeister im 4. Husarenregiment wurde; doch verließ er nach kurzem den Heeresdienst, um sich politischer und journalistischer Thätigkeit zuzuwenden. Als Thiers im März 1840 leitender Minister wurde, betraute er W. mit einer diplomatischen Sendung nach Ägypten, und von da an bis 1848 war derselbe auf kleinen diplomatischen Posten thätig. Als die Februarrevolution ausbrach, befand er sich in Buenos Ayres; alsbald eilte er nach Paris und schloß sich nach dem 10. Dez. an Ludwig Napoleon an. Zuerst ging er als Gesandter der Republik nach Florenz, dann nach Neapel, 1851 nach Madrid, endlich nach London. Im Mai 1855 erhielt er nach dem Rücktritt Drouyn de l'Huys' das Ministerium des Auswärtigen und damit das Präsidium bei den Verhandlungen des Pariser Friedens. 1860 trat er zurück, war 1865 während einer Session Präsident des Gesetzgebenden Körpers, zog sich aber, dieser Stellung wenig gewachsen, in das Privatleben zurück und blieb bloß Senator und Mitglied des Geheimen Rats. Von einer Reise nach Deutschland zurückkehrend, starb er plötzlich 27. Sept. 1868 in Straßburg.

Walfisch (Balaena L.), Säugetiergattung aus der Ordnung der Wale und der Familie der Glattwale (Balaenida), sehr plump gebaute Tiere ohne Rückenflosse und Furchen auf der Bauchseite, mit breiten, abgestutzten Brustflossen und langen, schmalen Barten. Dies sind quer gestellte, hornige Oberhautgebilde, drei-, selten vierseitige Platten, deren Rinde aus dünnen, übereinander liegenden Hornblättern besteht, während die Markmasse aus gleichlaufenden Röhren gebildet ist, die am untern Ende der Platte in borstenartige Fasern auslaufen. Dergleichen Barten sind 300-400 vorhanden, und wenn der Wal sein Maul schließt, so sperren dieselben die Gaumenhöhle vollständig nach außen ab. Der Kopf ist sehr groß und breit, nicht vom Rumpf abgesetzt, die getrennten Spritzlöcher stehen longitudinal auf der Stirn, und der Schlund ist eng. Der Grönlandswal (Balaena mysticetus Cuv.), das Urbild der Familie, wird 18, selbst 24 m lang und dann etwa 150,000 kg schwer. Sein Kopf nimmt etwa 0,3-0,4 der Gesamtlänge ein, das Maul hat etwa 5-6 m Länge und 3-4 m Breite, der Körper ist dick und rund, gegen die Schwanzflosse sehr stark verjüngt, auf der Mitte des Kopfes erhöht, die kleinen Augen liegen über der Einlenkungsstelle des Unterkiefers, der sehr enge Gehörgang etwas weiter hinten, die spaltartigen S-förmigen, 45 cm langen Spritzlöcher auf der höchsten Stelle der Kopfmitte, die Brustflossen stehen ziemlich in der Mitte des Leibes. Im Maul befinden sich 300-360 Barten, von denen die mittelsten 5 m lang werden. Die Zunge ist mit ihrer ganzen Unterseite festgewachsen und außerordentlich weich. Mit Ausnahme weniger Borstenhaare an den Lippen und am Kopf ist die Haut ganz nackt, dunkel graublau, im Alter schwärzlich, auf der Oberseite des Kopfes grauweiß, an der Schnauzenspitze schwarz; doch kommen auch weiße und weiß gescheckte Tiere vor. Die Oberhaut ist verhältnismäßig dünn, die Lederhaut aber schließt eine 20-40 cm dicke Specklage ein. Die Weibchen sind größer und fetter als die Männchen. Der W. bewohnt die höchsten Breiten des Nördlichen Eismeers und des Großen Weltmeers, hält sich stets in der Nähe des Eises und macht daher im Lauf des Jahrs große Wanderungen. Man trifft ihn zwischen 65 und 75° nördl. Br., und nur die jungen, beweglichen Tiere gehen südlich bis 64°. Er lebt meist in kleinen Trupps von 3 oder 4 Stück, wandert aber in Herden von mehreren hundert Stück. Er schwimmt rasch und geschickt, kommt alle 10-15 Minuten an die Oberfläche und atmet schnell nacheinander vier- bis sechsmal. Der Strahl, den er auswirft, steigt bis 6 m in die Höhe. Verfolgt, schießt er mit großer Schnelligkeit durch das Wasser und kann ½-1 Stunde unter Wasser verweilen. Die Sinnesorgane scheinen im Wasser sehr viel, außerhalb desselben sehr wenig zu leisten; über seine Stimme ist nichts bekannt. Er nährt sich von kleinen Krebs- und Weichtieren, verschlingt auch wohl kleine Fische, ist aber mit seinem engen Schlund größern Tieren gegenüber machtlos. Die Paarung geschieht in aufrechter Stellung, und nach zehn Monaten wirft das Weibchen 1-2 Junge. Diese sind etwa 3-5 m gnal ^[richtig: lang] und saugen an den