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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Walfisch; Walfischaas; Walfischbai; Walfischfänger; Walfischlaus; Walgvogel; Walhalla

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Walfisch - Walhalla.

Zitzen der Mutter, welche etwa die Größe eines Kuheuters haben, lange Zeit. Die Mutter nimmt sich der Jungen mit großer Liebe an und verteidigt sie rücksichtslos. Der W. erreicht wahrscheinlich ein sehr hohes Alter; er wird wohl nur von dem Schwertfisch angegriffen, doch hat sich seine Zahl durch die Walfischjagd bereits sehr beträchtlich vermindert. Man erlegt ihn mit Harpunen oder mit dem Walfischgewehr, einem doppelläufigen Hinterlader, dessen einer glatter Lauf eine Harpune mit 200 m langer Leine, der andre gezogene Lauf ein Explosionsgeschoß schießt. Beide Läufe werden gleichzeitig abgeschossen; die Treffpunkte sitzen etwa 50 cm voneinander entfernt. Ein Tier von 18 m Länge und 70,000 kg Gewicht gibt ca. 30,000 kg Speck, aus welchem man 24,000 kg Thran gewinnt, und 1600 kg Fischbein. Das Fleisch wird nur von den nordischen Völkerschaften gegessen, welche auch den Speck verzehren und den Thran trinken. Auch die Knochen finden mancherlei Verwendung. Der Walfischfang (Walerei), welcher sich auch auf Röhrenwale erstreckt, wurde schon im 9. Jahrh. von den Norwegern, im 13. und 14. von den Basken betrieben, die 1372 bis nach Neufundland, später tief ins Eismeer vordrangen. 1614 vereinigten sich die holländischen Reeder zu einer Grönländischen Kompanie (auch Nordische Gesellschaft genannt), die sich aber 1645 wieder auflöste. Von England gingen schon 1598 Schiffe in das Nordmeer auf den Walfischfang aus, und zwar von der privilegierten Moskowitischen Kompanie. 1615 forderte Dänemark in der Voraussetzung, Spitzbergen sei ein Teil von Grönland, von den Engländern Tribut; später wurden diese Streitigkeiten dadurch ausgeglichen, daß jede Nation ein besonderes Revier erhielt. Die Moskowitische Kompanie löste sich auf, eine andre Gesellschaft verlor in wenigen Jahren ihr Kapital von 80,000 Pfd. Sterl. Gegenwärtig ist der Walfischfang vorzüglich in den Händen der Engländer und Amerikaner. Zu Anfang des 18. Jahrh. besuchte der W. die nordamerikanischen Küsten in so großer Zahl, daß die Jagd mit Booten betrieben werden konnte. Später entwickelte sich dieselbe mit größern Schiffen, besonders von Long Island und Bedford aus, zu hoher Blüte, und 1858 betrug der Gehalt ihrer Schiffe 198,000 Ton., und der Ertrag belief sich auf mehr als 30 Mill. Mk. Seitdem hat die amerikanische Walerei stark abgenommen. Die englische begann gegen Ausgang des 16. Jahrh., erreichte ihren Höhepunkt 1815 mit 164 Schiffen, war 1866 mit 35 Schiffen in den nordischen Meeren vertreten und lieferte ein Erträgnis von über 2 Mill. Mk. Die einst so blühende Walfischerei der Hanseaten, gegen 1620 begonnen, wird jetzt nur noch vereinzelt von Hamburg und Bremen aus betrieben. Im allgemeinen ist der Walfischfang zurückgegangen wegen der gesteigerten Ausrüstungskosten, des geringen Konsums von Thran und Walrat, und weil die Wale infolge der rücksichtslosen Verfolgung immer seltener geworden sind. Die nordischen Meere sind kaum noch ergiebig, und die Expeditionen gehen daher meist in den Indischen und Stillen Ozean.

Walfisch (Cetus), großes Sternbild zwischen 359° bis 48⅓° Rektaszension und 10° nördlicher bis 30° südlicher Deklination, nach Heis 162 mit bloßem Auge sichtbare Sterne enthaltend, darunter am Kopf den Menkar und am Schwanz den Deneb Kaitos von zweiter Größe, am Hals den durch seine Veränderlichkeit merkwürdigen Stern Mira (ο Ceti), dessen Helligkeit in Zeit von durchschnittlich 333⅓ Tagen zwischen zweiter und zehnter Größe schwankt, der also zur Zeit des geringsten Glanzes dem bloßen Auge unsichtbar ist. Zuerst sah ihn David Fabricius 1596 als einen ihm früher unbekannten Stern dritter Größe, ebenso 1638 Holwarda; nachher erkannten Hevel, der ihm den Namen Mira gab, und Boulliau seine Veränderlichkeit. Die Alten, welche nur 13 Sterne im W. angaben, hielten ihn für das von Poseidon gesandte Ungeheuer (Ketos), welchem Andromeda (s. d.) geopfert werden sollte.

Walfischaas, s. v. w. Clio borealis, s. Clio.

Walfischbai (Walvischbai), Bucht an der Westküste Südafrikas, unter 23° südl. Br., gewährt guten Ankergrund und trägt ihren Namen von den dort sich zahlreich einfindenden Walfischen. Nachdem sich, früher schon englische Fischereigesellschaften daselbst niedergelassen, wurde die Bucht nebst dem sie umgebenden Land 12. März 1878 formell für die britische Krone in Besitz genommen. Die Nordgrenze bildet der Steppenfluß Swakop oder Tsoachoub. Nachdem die deutsche Flagge an dieser Küste geheißt war, wurde durch Vereinbarung mit England das Areal der britischen Besitzung auf 1250 qkm (22,7 QM.) bestimmt. Die Bevölkerung zählte 1885: 800 Seelen in den Ortschaften Sandfontein und Scheppmansdorf.

Walfischfänger, Schiffe, die zum Fang von Walfischen, Robben etc. bestimmt sind. Solange die Walerei hauptsächlich in nordischen Meeren betrieben wurde, wo die Schiffe mit Eis zu kämpfen hatten, war eine stärkere Bauart mit Eisenschienen am Bug etc. erforderlich. Für die Fahrt im Stillen und Indischen Ozean haben die Schiffe gegenwärtig gewöhnliche Bauart, führen aber 6-8 sehr schnelle, seetüchtige Boote, eine für diese ausreichende Besatzung und auf Deck einen eingemauerten Kessel zum Auskochen des Specks.

Walfischlaus (Cyamus Lam.), Krustaceengattung aus der Ordnung der Ringelkrebse, Tiere mit breitem, eiförmigem, flachem Körper, kleinem, schmalem Kopfteil, kurzem, dünnem ersten und sehr kräftigem zweiten Beinpaar, an welchem das vorletzte Beinglied breit und eiförmig ist. An Stelle des dritten und vierten Beinpaars besitzt das Männchen lange Kiemenblasen, das Weibchen Blätter zum Tragen der Eier. Die drei hintern Beinpaare sind kurz und kräftig. Die Walfischläuse (C. ceti) leben parasitisch auf Delphinen und größern Walen. S. Tafel »Krebstiere«.

Walgvogel, s. Dronte.

Walhalla (Vallhöll, »Halle der Erschlagenen«, vgl. Wal), in der nord. Mythologie der Aufenthaltsort für die in der Schlacht Gefallenen, eine glänzende Halle in Gladsheim (s. Asgard), umgeben von dem lieblichen Hain Glasur. Vor der Halle, die so hoch war, daß man kaum ihren Giebel sehen konnte, hing als Symbol des Kriegs ein Wolf, über welchem ein Adler saß (beides Odins heilige Tiere). Der Saal selbst, mit Schilden gedeckt und mit Speerschäften getäfelt, hatte 540 Thüren, durch deren jede 800 Einherier (gefallene Helden) nebeneinander schreiten konnten. Die Könige kamen alle nach W. zu Odin, auch wenn sie nicht in der Schlacht gefallen waren, ritzten sich aber, um nicht in diesem Fall »den Strohtod« zu sterben, mit der Speeresspitze. Da es für ehrenvoll galt, mit großem Gefolge und Schätzen dahin zu kommen, so töteten sich die Kampfgenossen des in der Schlacht gefallenen Führers freiwillig, und in seinen Grabhügel legte man nebst Roß und Waffen die auf Kriegszügen erworbenen Schätze. Zum Zeitvertreib zogen die Einherier jeden Morgen aus zum wilden Kampf gegeneinander; mittags aber waren alle Wunden geheilt, und die Helden sammelten sich zum Mahl unter Odins Vorsitz. Die Einherier