Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Warwickshire; Wärwolf; Wärzchen; Warzen; Warzenbeißer; Warzenkäfer; Warzenkaktus; Warzenschwein; Wasa

405

Warwickshire - Wasa.

auf Eduard, den Sohn des Herzogs von Clarence aus der Ehe mit Isabella Nevill, über. Nach der Ermordung seines Vaters ward dieser von Richard III. gefangen gesetzt und endlich nach 15jähriger Gefangenschaft auf Befehl Heinrichs VII. 1499 im Tower enthauptet. Unter Eduard VI. erhielt 1547 John Dudley, später Herzog von Northumberland, den Titel eines Grafen von W., den sein 1589 unbeerbt gestorbener Sohn Ambrose nach ihm führte. Von 1618 bis 1759 besaß ihn die Familie Rich, dann erhielt ihn Francis Greville, Graf Brooke, der mütterlicherseits von den Warwicks abstammte. Der jetzige Graf von W., George Guy Greville, geb. 28. März 1818, residiert zu W. Castle und ist im Besitz reicher Kunstsammlungen.

Warwickshire (spr. uárrickschir), engl. Grafschaft, zwischen den Grafschaften Stafford, Leicester, Northampton, Oxford, Gloucester und Worcester gelegen, umfaßt 2292 qkm (41,6 QM.) mit (1881) 737,339 Einw. Das Land ist von niedrigen Hügelreihen (Edge Hills) und fruchtbaren Thälern durchzogen; namentlich zeichnet sich der südliche Teil durch große Fruchtbarkeit und schönes Weideland aus, während der nördliche Teil große Waldungen enthält. Hier breitete sich vorzeiten der königliche Forst von Kenilworth mit dem durch Walter Scott berühmt gewordenen gleichnamigen Schloß aus. Der Hauptfluß des Landes ist der Avon; auch gibt es mehrere Mineralquellen. Von der Oberfläche sind 53 Proz. unter dem Pflug, und die Viehzucht (1888: 284,673 Schafe und 100,490 Rinder) ist von großer Bedeutung. Der Bergbau liefert Steinkohlen (1½ Mill. Ton.) und Eisen; die sehr entwickelte Industrie befaßt sich mit Eisengießerei, Maschinenbau, Gewehrfabrikation, Messing- und plattierten Waren, Seiden- und Baumwollweberei etc. Hauptstadt ist Warwick.

Wärwolf, s. Werwolf.

Wärzchen (Papillen), s. Haut, S. 231.

Warzen (Verrucae), einzeln oder in Gruppen erscheinende, flach halbkugelige oder mehr spitzige Auswüchse auf der Haut, welche, unter einem dicken, hornigen, bisweilen etwas zerklüfteten Überzug, im Innern aus einem weichen, leicht blutenden Gewebe bestehen. Ihre Entstehung hat ihren Grund darin, daß eine größere oder kleinere Gruppe der sogen. Papillen der Lederhaut (s. Haut, S. 231) übermäßig wächst, und daß sich zu gleicher Zeit der sie bedeckende Teil der Epidermis verdickt. Über die Ursachen, welche das übermäßige Wachsen der Hautpapillen veranlassen, ist man noch im Dunkeln. Oft verschwinden die W. rasch von selbst, indem ihr inneres Gewebe einschrumpft und vertrocknet und die Hornbedeckung sich infolge davon abschelfert; angeborne W. gehen nie von selbst weg. Dieses häufig stattfindende Verschwinden der W. hat den sympathetischen Mitteln, die gegen sie empfohlen werden, Ansehen verschafft, indem man ihnen zuschrieb, was Folge eines ganz natürlichen, nur in seinen Ursachen nicht bekannten Heilungsprozesses war. Gegen eine wirkliche Behandlung erweisen sich die W. sehr hartnäckig. Am leichtesten lassen sie sich durch ätzende Mittel (Höllenstein), auf die Dauer aber nur durch tieferes Ätzen, vertilgen. Angeborne, namentlich pigmentierte W. werden im spätern Lebensalter nicht selten der Ausgangspunkt bösartiger Geschwülste, so daß man gut thut, schwarze W. durch eine kleine Operation frühzeitig entfernen zu lassen, da es oft schon zu spät ist, wenn man den Beginn einer bösartigen Geschwulstbildung abwarten will. - Bei den Pflanzen nennt man W. kleine Anhangsgebilde der Epidermis, welche zu den Trichomen im weitesten Sinn gehören, an deren Bildung aber oft auch Zellen, die unter der Epidermis liegen, sich beteiligen, niedrige, meist mehrzellige Erhabenheiten, von den Drüsen durch den Mangel des Sekrets und durch größere Härte unterschieden; sie kommen nicht selten auf Samen und Früchten vor.

Warzenbeißer, s. Heuschrecken, S. 498.

Warzenkäfer, s. Schneewürmer.

Warzenkaktus, s. Mammillaria.

Warzenschwein (Phacochoerus Cuv.), Säugetiergattung aus der Ordnung der Huftiere und der Familie der Schweine (Suina), plumpe, häßliche Tiere mit walzigem Leib, kurzem Hals, massigem, im Rüsselteil und besonders vorn an der Oberlippe unverhältnismäßig verbreitertem Kopf und an dessen Seiten mit drei warzigen Auswüchsen. Die riesigen Hauer sind nach oben gekehrt. Die niedern Beine haben vier Hufe. Der lange Schwanz trägt eine starke Quaste. Die Haut ist, mit Ausnahme einer Rückenmähne und eines Backenbarts, mit ganz kurzen, einzeln stehenden Borsten bedeckt. Das Emgallo (P. Aeliani Rüpp.), 1,45 m lang, mit 45 cm langem Schwanz, 70 cm hoch, mit in der Mitte gebuchtetem Rüssel, grau schieferfarbener Haut, sehr spärlicher Behaarung und langer, schwarzer Rückenmähne, bewohnt Mittelafrika vom Roten und Indischen Meer bis zum Grünen Vorgebirge. Im Süden wird es durch den Hartläufer (P. Pallasii v. d. Höv.) vertreten, welcher kürzere, längs der Gesichtslinien nach oben gewölbte und viel stärker seitlich ausgebogene Hauer besitzt. Das W. lebt in Rudeln, hält sich am Tag im Lager und in Höhlen verborgen, ist sehr mutig und boshaft, nimmt gern den Kampf auf und verwundet sehr ernstlich mit seinen Zähnen, nährt sich von Wurzeln und Knollen, frißt aber auch Insekten, Würmer, Reptilien etc. Das Fleisch ist ungenießbar. In der Gefangenschaft hält es sich gut, zeigt sich aber wenig zähmbar.

Wasa, Gouvernement im russ. Großfürstentum Finnland, grenzt an die Läns Uleåborg, Kuopio, Tavastehus und Abo und hat einen Flächenraum von 41,710,6 qkm (757,5 QM.) mit (1886) 391,745 Einw. Das Land ist im Innern bewaldet, reich an Seen und Flüssen und von geringer Fruchtbarkeit, hat aber an der Küste ergiebiges Flachland. Holzwaren und Getreide bilden die hauptsächlichsten Ausfuhrartikel. Hauptstadt ist Nikolaistad.

Wasa, adlige schwed. Familie, die 1523-1654 den schwedischen Thron innehatte. Der Name W. rührt von dem Wappen der Familie, einem Garnbündel (wasa), her. Der erste bekannte Mann aus derselben war der Ritter Nils Ingemundsson, gegen Ende des 13. Jahrh.; doch wird das Geschlechtsregister erst sicher mit Kettil Karlsson, dessen Enkel Christer Nilsson auf Björnö und Refvelstad die erste bedeutende Persönlichkeit der Familie war. Er wurde 1435 Reichsdrost, stand darauf an der Spitze derjenigen Partei im schwedischen Rat, welche die Union begünstigte, und lag daher auch mit Karl Knutsson Bonde, dem spätern König Karl VIII., in fortwährendem Streit. Sein Enkel, der Ritter und Reichsrat Erik Johannsson auf Rydboholm, wurde 1520 als einer der treuesten Anhänger Stures im Stockholmer Blutbad enthauptet. Sein Sohn war der Befreier Schwedens von dem dänischen Joche, Gustav Erichson W., welcher als Reichsvorsteher die Dänen aus dem Land jagte, darauf 1523 zum König von Schweden gewählt und der Stammvater des neuen schwedischen Königshauses nach Aufhebung der Union wurde (s. Gustav 1). Mit seinen Söhnen Erich, Johann und Karl teilte