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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wasserfarben; Wasserfarne; Wasserfenchel; Wasserfirnis; Wasserfloh; Wasserflöhe; Wassergalle; Wassergas

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Wasserfarben - Wassergas.

Wasserfarben, Farbkörper, welche beim Gebrauch mit Wasser angerieben werben.

Wasserfarne, s. Rhizokarpeen.

Wasserfenchel, s. v. w. Oenanthe Phellandrium.

Wasserfirnis, s. Schellack.

Wasserfloh (Daphnia Müll.), Krustaceengattung aus der Ordnung der Blattfüßer und der Familie der Wasserflöhe oder Daphniden (Cladocera), sehr kleine, zarthäutige Tiere mit kappenförmigem Cephalothorax, nur einem großen, beweglichen Stirnauge, kleinem, tasterförmigem ersten und sehr kräftigem, zweiarmigem, lange Borsten tragendem und als Ruder fungierendem zweiten Fühlerpaar und fünf Paar Kiemenfüßen am Abdomen. Der gemeine W. (D. pulex Straus), 2 mm lang, und der große W. (D. Schaefferi Baird), 4 mm lang, sind sehr gemein, letzterer tritt massenhaft in Pfützen auf und färbt sie rot. Sie pflanzen sich ungemein schnell fort, die Weibchen bringen parthenogenetisch zahlreiche sogen. Sommereier hervor, und schnell aufeinander folgen sich mehrere derartige Generationen von Weibchen, sobald aber Männchen auftreten, werden befruchtete sogen. Wintereier erzeugt. Diese sind von einer festen Hülle (Sattel, Ephippium) umgeben, welche aus der vom Brutraum sich abhebenden Schale besteht und die eingeschlossenen Eier befähigt, auch wenn das Wasser austrocknet, den Winter zu überstehen. Wasserflöhe treten überall massenhaft auf und bilden zum Teil die hauptsächlichste Nahrung mancher Fische, z. B. der Saiblinge und Renken. S. Tafel »Krebstiere«.

Wasserflöhe (Cladocera), kleine, zur Gruppe der Blattfüßer (s. d.) gehörige Krebschen, welche oft in ungeheurer Anzahl die Pfützen und Lachen erfüllen, auch in den meisten Brunnenwässern leben, im Meer dagegen nur in wenigen Gattungen und Arten vertreten sind. In ihrem Bau schließen sie sich eng den Kiemenfüßern unter den Blattfüßern an, sind jedoch im Einklang mit ihrer sehr geringen Körpergröße einfacher organisiert. Meist wird ihr ganzer Körper mit Ausnahme des Kopfes von einer zweiklappigen Schale umschlossen, aus der nur die großen, als Ruder dienenden Fühler und oft auch ein Teil des Schwanzes hervorragen; nur bei wenigen Arten ist die Schale so klein, daß sie bloß ein Stück des Rückens bedeckt. Außer den Mundgliedmaßen sind 4-6 Paar Schwimmfüße vorhanden. Am Kopf befindet sich ein unpaares, großes, zusammengesetztes Auge, das aus zwei ursprünglich getrennten Augen durch Verschmelzung hervorgegangen ist. Der Darmkanal zieht sich nahezu geradlinig vom Mund zum After; das Herz ist ein kurzer Sack ohne davon ausgehende Adern, so daß das Blut in den Lücken zwischen den Organen fließt. Ein besonderes Interesse bieten die Eierstöcke dar. Sie liegen gleich den Hoden zu beiden Seiten des Darmes als einfache Schläuche; die in ihnen enthaltenen Zellen gruppieren sich hintereinander zu je vieren in der Art, daß jedesmal nur eine von ihnen zum Ei wird, die drei übrigen jedoch sich rückbilden und dem Ei das zu seinem Wachstum nötige Material liefern. Dies gilt aber nur von den sogen. Sommereiern, während bei den größern sogen. Wintereiern nicht aus jeder Vierlingsgruppe ein Ei hervorgeht, sondern sogar bis zu zwölf von ihnen rückgebildet werden, so daß unter Umständen von 48 ursprünglich gleichwertigen Eianlagen nur eine auf Kosten der übrigen 47 sich zum Ei gestaltet. Die Sommereier bedürfen der Befruchtung nicht, werden in einem besondern, auf dem Rücken des Weibchens gelegenen Brutraum untergebracht und entwickeln sich da unter Aufnahme flüssiger Nährstoffe aus dem mütterlichen Blut schon in wenigen Tagen. Unter günstigen Bedingungen kann also die Vermehrung bei den so rasch aufeinander folgenden Generationen enorm sein, zumal dann stets nur Weibchen geboren werden. Die Männchen erscheinen erst dann, wenn ungünstige Verhältnisse das Leben der in den einzelnen Pfützen vorhandenen Kolonien gefährden, also z. B. das Wasser eintrocknet oder gefriert etc. Alsdann bringen die Weibchen größere Eier (Winter-, richtiger Dauereier) hervor, welche sofort befruchtet und darauf in das Wasser oder den Schlamm abgelegt werden. Sie entwickeln sich erst mit Eintritt der günstigern Jahreszeit zu Weibchen, worauf der soeben beschriebene Cyklus von neuem beginnt. Es wechseln also parthenogenetische und zweigeschlechtliche Generationen miteinander ab (s. Parthenogenese). Die W. bewegen sich meist anhaltend und rasch, aber stoßweise fort; einige haben auf dem Rücken einen Saugnapf zum Anheften an feste Gegenstände. Man gruppiert die sehr zahlreichen Formen in mehrere Familien, von denen nur eine (die Polyphemiden) Vertreter im Meer hat. Bekannt ist aus dem Brunnenwasser unter andern der gemeine Wasserfloh (s. d., Daphnia pulex, s. Tafel »Krebstiere«). Vgl. Leydig, Naturgeschichte der Daphniden (Tübing. 1860); Weismann, Beiträge zur Naturgeschichte der Daphnoideen (Leipz. 1876-79).

Wassergalle, s. Regengalle.

Wassergas (Hydrokarbongas), Gasgemisch aus Wasserstoff, Kohlenoxyd und Kohlensäure, welche bei Einwirkung von Wasserdampf auf glühende Kohle entsteht, mannigfacher technischer Verwendung, namentlich als Brennmaterial, fähig ist und vielfach als Brennstoff der Zukunft angesehen wird. Die Bedeutung des Wassergases als Brennmaterial ergibt sich aus einer einfachen Betrachtung. 1 kg guter Steinkohle kann im exakten wissenschaftlichen Versuch 7500 kg Wasser um 1° erwärmen, d. h. 7500 Wärmeeinheiten entwickeln. In der Praxis wird dieser Wert auch nicht annähernd erreicht. In der häuslichen Heizungsanlage hat man sich mit einem Zehntel desselben, also mit 750 Wärmeeinheiten, zu begnügen. Wird nun dieses Kilogramm Steinkohle in W. verwandelt, so gehen 2470 Wärmeeinheiten verloren, das Gas besitzt nur eine theoretische Heizkraft von 5030 Wärmeeinheiten; es kann aber in passend konstruierten Heizapparaten so ökonomisch verbrannt werden, daß höchstens 10 Proz. der erzeugten Wärme verloren gehen und mithin 4527 Wärmeeinheiten nutzbar zu machen sind. Dies entspricht 60 Proz. der theoretischen Heizkraft der Steinkohle, von welcher man bei direkter Benutzung der letztern, wie erwähnt, nur etwa 10 Proz. gewinnt. Dazu kommt nun, daß W. viel billiger an den Ort des Konsums geschafft werden kann als die Steinkohlen, und ferner, daß sehr geringwertige Brennmaterialien, wie die an der Kohlengrube massenhaft auftretende Staubkohle bis zu ordinärem Stichtorf, zur Darstellung von W. benutzt werden können und ein Produkt von gleicher Qualität liefern. Überdies liegen die Annehmlichkeiten, welche die Verwendung von Gas statt der Kohle gewährt, auf der Hand. In der Kleinindustrie begünstigt das W. die Einführung kleiner Motoren (Gaskraftmaschinen). Eine große Rohrleitung, von Zentralpunkten der Wassergaserzeugung ausgehend, wird den Städten das Material zur billigen Erzeugung von Wärme und Kraft zuführen, wie sie bis jetzt das Licht erhalten haben. Überdies kann das W. durch Imprägnieren mit Dämpfen gewisser Kohlenwasserstoffe in Leuchtgas verwandelt werden. Die