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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wertstempel; Wertversicherung; Wertzoll; Wervicq; Werwolf; Wesel

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Wertstempel - Wesel.

Übertragung durch einfache Umschreibung auf dem Papier selbst (Indossament) erfolgt (Wechsel). Man unterscheidet kurzfristige und langfristige W., je nach der Dauer der Zeit, für welche sie als Kreditwerkzeuge ausgestellt sind. Viele W. sind unverzinslich (Banknoten), andre werfen dem Besitzer feste Zinsen (Koupons von Obligationen) oder Zinsen von wechselnder Höhe (Dividendenscheine) ab. Sind die W. eine marktfähige Ware, so bildet sich für dieselbe ein von Zeit zu Zeit veränderlicher Marktpreis, welcher schlechthin als Kurs (s. d.) bezeichnet wird. Auch die Papiere, deren Besitz einen Anspruch auf bestimmte Waren oder Leistungen gewährt, wie Lagerscheine, Konnossemente, Postmarken, können zu den Wertpapieren gerechnet werden.

Wertstempel, s. Stempel.

Wertversicherung, s. Transportversicherung.

Wertzoll, s. Zölle.

Wervicq, Stadt in der belg. Provinz Westflandern, Arrondissement Ypern, an der Lys und der Eisenbahn Courtrai-Hazebrouck, unmittelbar an der französischen Grenze, mit Tabaksfabrikation und (1888) 7422 Einw.

Werwolf (Wärwolf, »Mannwolf«, franz. Loup-garou), nach weitverbreiteter Sage ein Mann, welcher Wolfsgestalt annimmt. Schon bei den alten Skythen fand sich der Glaube, daß einzelne Menschen sich alljährlich auf einige Tage in einen Wolf verwandeln, und auch den Griechen war derselbe nicht fremd. Spätere griechische Ärzte berichten von Lykanthropie, einer Art Wahnsinn, bei welcher der davon Ergriffene des Nachts umherlief und wie ein Wolf heulte. Auch bei den Römern werden unter dem Namen Versipelles (»Wendehäuter«) Leute erwähnt, welche sich in Wölfe verwandeln konnten, und im südöstlichen Asien wie in Afrika ist noch jetzt die Vorstellung allgemein, daß Menschen die Gestalt von Tigern, Löwen, Leoparden und Hyänen annehmen können. Im Mittelalter herrschte der Glaube an Werwölfe bei allen keltischen, slawischen, germanischen und romanischen Völkern, und noch gegenwärtig findet er sich in verschiedenen Gegenden Südrußlands, in der Walachei und den Ländern der Südslawen, nur geht das Wesen des südslawischen Werwolfs ganz in das des Vampirs (s. d.) über. Nach den ältesten germanischen Begriffen ward die Verwandlung in Wolfsgestalt durch einen um den Leib gebundenen Riemen (Wolfsgürtel) oder durch das überwerfen eines Wolfshemdes bewirkt, und der so Verwandelte, welcher an dem abgestumpften Schweif von den natürlichen Wölfen zu unterscheiden war, nahm mit dem Aussehen zugleich die Stimme und Wildheit eines Wolfs an. Erst am zehnten Tag durfte er in menschliche Gestalt zurückkehren, wenn ihm nicht jemand die beiseite gelegten Kleider weggenommen hatte. Nach dänischem Volksglauben gab es auch Menschen, welche durch die Geburt zum W. bestimmt waren, bei Tag menschliche Gestalt zeigten und sich nur zu gewissen Zeiten des Nachts in den W. verwandelten, dann aber frei wurden, wenn man sie W. schalt. Vgl. Leubuscher, Über die Wehrwölfe im Mittelalter (Berl. 1850); Hertz, Der W. (Stuttg. 1862); Baring-Gould, Book of werewolves (Lond. 1865). Von dem mythischen Gehalt der germanischen Sage hat Schwartz (»Ursprung der Mythologie«, Berl. 1860) gehandelt.

Wesel, 1) Stadt und starke Festung im preuß. Regierungsbezirk Düsseldorf, Kreis Rees, am Einfluß der Lippe in den Rhein, über welchen hier eine Schiffbrücke und eine Eisenbahnbrücke führen, Knotenpunkt der Linien Venlo-Haltern, Oberhausen-Emmerich und W.-Bocholt der Preußischen Staatsbahn und der Nordbrabant-Deutschen Eisenbahn, 27 m ü. M. hat 3 evang. Kirchen (darunter die Willibrordkirche von 1181, im gotischen Stil, seit 1883 in der Restauration begriffen, und die Mathenakirche von 1429, mit 102 m hohem Turm), 2 kath. Kirchen, eine Synagoge, ein 1390-96 im altgotischen Stil erbautes Rathaus mit reichgegliederter Fassade und mehreren Standbildern, ein 1417 vom Herzog Adolf von Kleve erbautes Gouvernementshaus (jetzt Wohnung des Kommandanten), mehrere Zeughäuser und Kasernen, ein Schauspielhaus, einen Hafen etc. Die Festungswerke bestehen aus mehreren Bastionen, Ravelins und andern Außenwerken sowie einer in der Gabel zwischen Rhein und Lippe liegenden Citadelle und mehreren Forts, von denen das Fort Blücher und Fort I am linken Rheinufer. Auf dem Exerzierplatz steht ein 1835 errichtetes Denkmal zur Erinnerung an die elf preußischen Offiziere des Schillschen Freikorps, welche 16. Sept. 1809 auf Napoleons I. Befehl hier erschossen wurden. Die Zahl der Einwohner belief sich 1885 mit der Garnison (ein Infanterieregiment Nr. 57, 2 Infanteriebataillone Nr. 56 und 2 Abteilungen Feldartillerie Nr. 7) auf 20,677 Seelen, darunter 9474 Evangelische, 10,941 Katholiken und 240 Juden. Die Stadt hat bedeutende Ziegeleien, Drahtzieherei, ein Bleiwalzwerk, Farben-, Lack-, Kratzen-, Pianoforte-, Tabaks-, Zigarren-, Öl-, Geldschrank-, Schlosserwaren- und Seifenfabrikation, Schiffbau, Zuckerraffinerie etc. Der Handel, unterstützt durch eine Reichsbanknebenstelle und eine Handelskammer, ist besonders lebhaft in Getreide, Käse und Seefischen, auch findet alle 14 Tage ein besuchter Viehmarkt statt. Im Hafen von W. kamen 1887 an: 2148 Schiffe und 280 Flöße mit 23,708 Ton. Gütern inkl. Floßholz; es gingen ab: 2148 Schiffe und 100 Flöße mit 3725 T. Gütern inkl. Floßholz. W. ist Sitz des Kommandos der 28. Infanteriebrigade, eines Amtsgerichts, eines Hauptsteueramtes, der Niederrheinischen Güterassekuranzgesellschaft und hat ein Gymnasium, ein evangelisches und ein kath. Waisenhaus, viele milde Stiftungen etc. - W., ursprünglich dem Reiche gehörig, kam im 13. Jahrh. an die Grafen von Kleve und erhielt von Dietrich VI. 1241 Stadtrecht. 1368 fiel die Stadt an den Grafen Engelbert III. von der Mark und nach dessen Tod 1391 wieder an Kleve zurück. Trotz dieser Unterthänigkeit galt sie noch 1521 als Reichsstadt, besonders wegen der Privilegien, welche sie vom Grafen Johann (1347-68) erhalten hatte. Auch gehörte sie dem Hansabund an. Nach Ausbruch des klevischen Erbfolgestreits bemächtigten sich die Spanier, welche den Pfalzgrafen Wolfgang von Neuburg unterstützten, unter Spinola 6. Sept. 1614 Wesels und behaupteten es 15 Jahre, bis mittels einer Kriegslist sich Prinz Friedrich Heinrich von Oranien 18. Aug. 1629 des Platzes bemächtigte und ihn an Brandenburg übergab. 1672-74 und während des Siebenjährigen Kriegs war W. von den Franzosen besetzt. Im Vertrag von Schönbrunn 15. Dez. 1805 an Napoleon I. abgetreten, kam W. 1806 an das Großherzogtum Berg, ward 1810 Frankreich einverleibt und fiel 1814, nach vorhergegangener Belagerung, infolge des Pariser Friedens an Preußen zurück. Vgl. Gantesweiler, Chronik der Stadt W. (Wesel 1881); Wolters, Reformationsgeschichte der Stadt W. (Bonn

^[Abb.: Wappen von Wesel.]