Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wettingen; Wettrennen

575

Wettingen - Wettrennen.

im 14. Jahrhundert (Leipz. 1877); Posse, Die Markgrafen von Meißen und das Haus W. (das. 1881); Hofmeister, Das Haus W. (das. 1889).

Wettingen, Gemeinde im schweizer Kanton Aargau, an der Limmat, Knotenpunkt an der Bahnlinie Zürich-Turgi-Aarau, mit (1888) 1998 Einw., bekannt durch die gleichnamige Cistercienserabtei, welche 1227 vom Grafen Heinrich von Rapperswyl gegründet und 1841 aufgehoben wurde. Jetzt ist das Schullehrerseminar des Kantons hier untergebracht.

Wettrennen. Die ersten W., deren die Geschichte erwähnt, fanden bei den Festen des persischen Sonnengottes, des Mithra, statt. Der Sage nach führte Herakles sie bei den Griechen ein, welche in ihren Olympischen Spielen W. in dreierlei Weise abhielten, indem sie entweder reitend oder im Wagen fahrend nach dem Ziel jagten, oder, bei dem letzten Umlauf abspringend, mit dem Pferd am Zügel dem Ziel zueilten. Diese letztere Methode wurde mit der 84. Olympiade wieder aufgegeben. Am gewöhnlichsten waren die W. zu Wagen (Wettfahren), wozu man entweder zwei Pferde an den Wagen schirrte (Zeugos), oder ein Viergespann (Tethrippon) nahm. Selbst W. mit Maultiergespannen wurden angestellt. Bei den Römern waren die W. (cursus equorum), wie alle gymnastischen Spiele, mehr zur Befriedigung der Schaulust bestimmt. Die Reiter ritten entweder auf einem Pferd (singulatores), oder hatten deren zwei, so daß sie im Reiten von dem einen auf das andre sprangen (desultores). Die Wagenkämpfer (aurigae, agitatores) stellten sich in einer Reihe an die durch das Los bestimmten Plätze, und der die Spiele Leitende gab mit einem Tuch das Zeichen zum Abfahren, worauf die Schranken (carceres) fielen. In jedem Rennen (missus) mußten sieben Umläufe (spatia) gemacht werden. Gewöhnlich fuhren vier Gespanne auf einmal ab, deren Lenker jeder mit einer andersfarbigen Tunika bekleidet war, da bei den römischen W. vier Parteien bestanden, die sich durch weiße, grüne, rote und blaue Kleidung voneinander unterschieden. In Konstantinopel erhielten diese Parteien politische Bedeutung, was so weit ging, daß unter Justinianus (532) die Grünen, welche von dem Kaiser gehaßt wurden, einen Aufstand erregten, wobei 30,000 Menschen um das Leben gekommen sein sollen.

Bei den germanischen Völkern waren die W. seit uralter Zeit eng mit dem heidnischen Kultus verbunden, und Spuren solcher ritualen W. haben sich in Deutschland und Belgien bis zum heutigen Tag erhalten. Namentlich bei dem bayrisch-österreichischen Stamm fanden daher die W. von Italien aus rasch Eingang und, von den heimischen Reminiszenzen unterstützt, sehr bald Aufnahme unter den Zeremonien einzelner Kirchenfeste, obwohl die Kirche sie früher als heidnische Sitte zu beseitigen gesucht hatte. Von Österreich aus verbreiteten sie sich nach Ungarn, wo sie schon in sehr früher Zeit vorkommen. In England wurden die W. schon von den Römern eingeführt, aber erst unter Heinrich II. um 1160 wesentlicher Teile öffentlicher Volksbelustigung, und vier Jahrhunderte später, als man anfing, Wetten damit zu verbinden, wurden sie zwar schon regelmäßig angestellt, waren aber noch immer nur Privatrennen. Erst 1610, wo William Lester, ein Krämer und damals Mayor, und Robert Amboyn, ein Eisenhändler und damals Sheriff der Stadt Leicester, auf ihre Kosten drei Silberglocken als Preise für ein W. am Georgstag (23. April) aussetzten, begann die ununterbrochene Folge der öffentlichen Chesterrennen (Chester races), die anfangs nach den Preisen Glockenrennen hießen, bis Karl II. statt der Glocken die sogen. Kingsplate, eine Silberschale, als Preis aussetzte. Seine Nachfolger unterstützten das Rennwesen eifrig, und jetzt hat fast jede englische Grafschaft ihr jährliches Herbst- oder Frühlingsrennen, und die Rennklubs müssen eigne Kalender herausgeben, um die Tage der verschiedenen W. nicht verwechseln zu lassen. Die berühmtesten Rennplätze sind: Ascott, Doncaster, Epsom, Derby, Melton-Mowbray und Newmarket. Das Rennpferd (racer) bedarf einer langen Vorübung, ehe es auf die Rennbahn gebracht werden kann (s. Trainieren). Die vor den öffentlichen Rennen angestellten Proberennen (trials), in denen ein älteres Pferd mit bekannter Leistungsfähigkeit konkurriert, dienen als Maßstab zur Orientierung für das beteiligte Personal und Publikum. Die Reiter (Jockeys) müssen ebenfalls eigens herangezogen und für die Rennbahn vorbereitet werden. Sie dürfen die von ihnen gerittenen Pferde nicht mit überflüssigem Gewicht belasten und müssen deshalb, wenn sie zu schwer geworden sind, sich einer harten Entziehungskur unterwerfen (sich trainieren). Nach dem Kontinent fanden die Rennen im englischen Stil erst in diesem Jahrhundert ihren Weg. Frankreich, das 1806 schon ein Rennen hatte, wurde erst durch die Bemühungen Napoleons III. in die Reihe der eigentlichen Rennsport treibenden Nationen erhoben; es hat aber in kurzer Zeit auf diesem Gebiet so große Erfolge errungen, besonders auch in der Zucht der Vollblutpferde, daß andre Länder es bereits als Quelle guten Materials aufsuchen. Österreich-Ungarn kultiviert gleichfalls mit Glück das Rennwesen, und es ist dort neuester Zeit ein geradezu phänomenales Rennpferd aufgetaucht, Kinchem, das seinen Siegeslauf über die Grenzen des Vaterlandes hinaus durch Deutschland, England und Frankreich genommen hat. In Preußen konstituierte sich 1828 der erste Rennverein, und die Rennen haben seit dieser Zeit zwar erheblich an Ausdehnung gewonnen, ohne indessen zu einem durchschlagenden Erfolg in der Sache selbst noch indirekt für die Landespferdezucht zu gelangen. Rußland hat Anfänge für den englischen Rennbetrieb aufzuweisen, hat aber größere Neigung für den Trabersport, der auch in Frankreich ein günstiges Terrain gefunden hat, besonders aber in Amerika zu einer Spezialität ausgebildet worden ist (s. Trabrennen). Die bekanntesten Rennplätze in Frankreich sind: Longchamps, Chantilly, Fontainebleau, Auteuil, La Marche und im Vésinet; in Deutschland: Berlin, Baden-Baden, Hamburg, Leipzig; in Österreich: Wien, Budapest etc. Die Rennen in Italien, die beispielsweise während des Karnevals in Rom abgehalten wurden, in denen die Pferde ohne Reiter liefen, sind in neuester Zeit abgeschafft worden. Bei den englischen W. unterscheidet man zunächst: Flachrennen (flat races), auf ebener Bahn, Hürdenrennen (hurdle races), Rennen mit leichten Hindernissen von Flechtwerk, Kirchturmrennen (steeple-chases, s. d.), Rennen mit natürlichen oder künstlich angelegten festen Hindernissen, wie Gräben, Hecken, Dämme, Mauern etc., und Trabrennen (trotting races), im Sattel oder im Geschirr. Nach den Distanzen gibt es kurze, mittlere und lange Rennen, je nachdem die Bahn von ⅛-⅙, von ¼-½ oder von ½-1 deutsche Meile lang ist. Eine besondere Art des Wettrennens, besonders in Deutschland u. Österreich, ist das Distanzrennen, oft nur von zwei Herren, meist Offizieren, unternommen, welche Entfernungen von 6, 10 deutschen Meilen und viel größere Entfernungen zurücklegen und in vollkommen kriegsbrauch-^[folgende Seite]