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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wiatka; Wibel; Wiblingen; Wiborg; Wicel; Wicheland; Wichern; Wichert

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Wiatka - Wichert.

Landschaft, 1808 Landsyndikus, bald darauf Assessor beim holländischen Landdrostenamt und 1811 Präfekturrat. Nach der Besetzung Ostfrieslands durch Preußen 1814 auf Wartegeld gesetzt, erhielt er 1818 seine Stelle als Landsyndikus zurück. Er starb 7. März 1826. Unter seinen Schriften sind hervorzuheben: »Ostfriesische Geschichte« (Aurich 1791-1817, 10 Bde.); »Die Landtage der Friesen bei Upstalsboom« (Brem. 1777; 2. Aufl., Leer 1818); »Altfriesisches Wörterbuch« (Aurich 1786); »Asegabuch, ein altfriesisches Gesetzbuch der Rüstringer« (Berl. 1805); »Geschichte und Auslegung des Salischen Gesetzes und der Malbergischen Glossen« (das. 1808); »Willküren der Brockmänner, eines freien friesischen Volks« (das. 1820).

Wiatka, s. Wjatka.

Wibel, roter, s. Gallmücken.

Wiblingen, Dorf im württemberg. Donaukreis, Oberamt Ulm, am Einfluß der Weihung in die Donau, hat eine kath. Kirche, eine ehemalige Benediktinerabtei von 1098, ein königliches Schloß, ein Kameral- und ein Revieramt und (1885) mit der Garnison (2 Eskadrons Dragoner Nr. 26) 1219 Einw.

Wiborg, Gouvernement im Großfürstentum Finnland, begreift die in den Friedensschlüssen von Nystad 1721 und Åbo 1743 von Schweden abgetretenen Teile Finnlands nebst dem südlichen Teil des finnischen Karelien, wird von dem Finnischen Meerbusen und dem Ladogasee bespült und umfaßt 43,055 qkm (782 QM.) mit (1886) 325,954 Einw., wovon 88 Proz. Lutheraner. Das Land ist größtenteils gebirgig und enthält zahlreiche Seen und Sümpfe. Die bedeutendsten Flüsse sind der Wuoxen und der Kymmene (Grenzfluß gegen Nyland). Die Einwohner sind karelische Finnen, untermischt mit Schweden, Deutschen und Russen, und betreiben vorzugsweise Ackerbau, Viehzucht, Waldkultur, Fischerei und Seehandel. Die Hauptstadt W. (finn. Wiipuri), an der Bucht Trangösund des Finnischen Meerbusens und an der Eisenbahn St. Petersburg-Helsingfors, hat 6 Kirchen, ein altes gotisches Schloß, ein Gymnasium, eine Navigationsschule, Eisengießerei, Maschinenbau, einen Hafen, ansehnlichen Handel mit Brettern und (1886) 16,639 Einw. W. ist Sitz des Gouverneurs von W., eines lutherischen Konsistoriums und des Hofgerichts für die drei Gouvernements Kuopio, St. Michel und W. sowie eines deutschen Konsuls. Bei W. endet der Schiffahrtskanal, welcher den Saimasee mit dem Finnischen Meerbusen verbindet. Die Umgebung der Stadt ist sehr malerisch. 2 km davon liegt Monrepos, ein schönes Lustschloß des Barons Nicolai mit prächtigem Park. Die Russen haben W. mehrmals vergeblich belagert. Am 12. Juni 1710 ergab es sich durch Kapitulation an den russischen Admiral Grafen Apraxin.

Wiborg, dän. Amt, s. Viborg.

Wicel (Witzel), Georg, Theolog, geb. 1501 zu Vacha an der Werra, verkündete seit 1523 daselbst, seit 1526 als Pfarrer zu Niemegk Luthers Lehre. Dagegen befehdete er dieselbe 1532 in der Schrift »Verteidigung der guten Werke« und wirkte, obwohl verheiratet, 1533-38 als katholischer Pfarrer in Eisleben. Dann trat er in die Dienste des Herzogs Georg von Sachsen, wurde 1540 Rat des Abtes von Fulda. 1554 des Kurfürsten von Mainz und starb 1573. Für sein Ziel, Reform der Kirche durch ein Konzil, wirkte er auf Religionsgesprächen und in Schriften, wie: »Tractatus de vocando concilio« und »De pace et concordia ecclesiae restituenda«. Vgl. G. L. Schmidt, W., ein Altkatholik des 16. Jahrhunderts (Wien 1876); Ritschl in der »Zeitschrift für Kirchengeschichte« (1878).

Wicheland, s. Gillisland.

Wichern, Johann Hinrich, der Begründer der sogen. innern Mission in Deutschland, geb. 21. April 1808 zu Hamburg, studierte in Göttingen und Berlin Theologie, übernahm in seiner Vaterstadt die Leitung einer Sonntagsfreischule für arme Kinder und gründete 1833 die Rettungsanstalt im »Rauhen Haus« (s. d.), die für viele ähnliche Anstalten in Deutschland, Frankreich, England, Holland etc. Muster ward. Auch war er thätig für die Stiftung eines Zentralvereins für die Innere Mission (s. d.), welcher 1818 auf dem Kirchentag zu Wittenberg zu stande kam. Auf Reisen durch alle Teile Deutschlands beförderte er die Begründung von Anstalten und Gesellschaften aller Art zur Erziehung, Kranken-, Armen- und Gefangenenpflege. Wohlthätig wirkte er aber auch auf die aristokratischen Kreise ein, die seit Friedrich Wilhelms IV. Thronbesteigung die Hochkirchlichkeit in Aufnahme brachten, indem er ihnen die Pflichten predigte, welche aus ihren Ansprüchen hervorgingen. Von einer Reise nach England 1851 zurückgekehrt, ward er von der preußischen Regierung beauftragt, in allen Provinzen der Monarchie die Zuchtanstalten und Gefängnisse zu besuchen und daran Vorschläge für Verbesserungen zu knüpfen; 1858 ward der bisherige »Kandidat der Theologie« unter Ernennung zum Oberkonsistorialrat und vortragenden Rat im preußischen Ministerium des Innern mit der Abteilung des Gefängniswesens betraut. 1872 trat er von diesen Ämtern zurück, übernahm die Leitung des Rauhen Hauses, legte aber wegen Kränklichkeit im folgenden Jahr auch diese nieder und starb 7. April 1881 in Hamburg. Seit 1844 gab er die »Fliegenden Blätter aus dem Rauhen Haus« heraus. Er schrieb: »Die innere Mission der deutschen evangelischen Kirche« (Hamb. 1849, 3. Aufl. 1889); »Die Behandlung der Verbrecher und entlassenen Sträflinge« (das. 1853); »Der Dienst der Frauen in der Kirche« (2. Aufl., das. 1858) u. a. Vgl. Oldenberg, Johann Hinrich W. (Hamb. 1882-86, 2 Bde.); Krummacher, J. H. Wichern (Gotha 1882).

Wichert, Ernst, dramatischer Schriftsteller und Novellist, geb. 11. März 1831 zu Insterburg, studierte in Königsberg die Rechte, ward 1860 Kreisrichter zu Prökuls, nahe der russischen Grenze, lebt seit 1863 als Stadt-, seit 1877 als Oberlandesgerichtsrat zu Königsberg und wurde 1887 als Kammergerichtsrat nach Berlin versetzt. Mit dem vaterländischen Schauspiel »Unser General York« (Berl. 1858), der trefflichen Tragödie »Der Withing von Samland« (das. 1860) und dem Schauspiel »Licht und Schatten« (das. 1861) errang W. auf dem Gebiet des ernsten Dramas Achtungserfolge, welche er indessen durch die Erfolge seiner beifällig u. selbst enthusiastisch aufgenommenen Lustspiele: »Der Narr des Glücks« und »Ein Schritt vom Wege« (»Gesammelte dramatische Werke«, das. 1873), »Die Realisten« (das. 1874), »Biegen oder Brechen« (1874), »An der Majorsecke« (1875), »Der Freund des Fürsten« (1879), des Schauspiels »Die Frau für die Welt« (1876; eine Reihe andrer Dramen sind nur als Manuskript gedruckt) bald weit hinter sich ließ. W. gehört zu den wenigen deutschen Lustspieldichtern der Gegenwart, die nicht absolut der Posse oder dem bloß äußerlichen Schwank verfallen; seine Stücke sind, ohne im höhern Sinn poetisch zu sein, doch gesund, lebendig, getragen von wirklich durchgeführten Charakteren. Seine jüngsten dramatischen Arbeiten sind die Lustspiele: »Der geheime