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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wind

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Wind (konstante, periodische, vorherrschende Winde, Ursache des Windes).

Die Ablesungen des Anemometers geben die Geschwindigkeit des Windes in Metern pro Sekunde. Die Beziehungen zwischen den Windgeschwindigkeiten, dem Winddruck und den abgeschätzten Graden der Windstärke nach Beauforts Skala sind (nach Scott) in nachstehender Tabelle wiedergegeben:

Windstärke nach Windgeschwindigkeit Winddruck:

Beauforts Skala Landskala pro Sekunde pro Minute pro Stunde Kilogr. pro

Meter Meter Kilom. Seem. QMeter

0 \ 0-1,5 90 5,4 3 0,3

1 1 3,5 210 12,6 7 1,5

2 2 6 360 21,6 12 4,4

3 \ 8 480 28,8 16 7,8

4 3 10 600 36 19 12,2

5 \ 12,5 750 45 24 19,0

6 4 15 900 54 29 27,4

7 \ 18 1080 64,8 35 40

8 5 21,5 1290 77,4 42 56

9 / 25 1500 90 49 76

10 \ 29 1740 104,4 56 103

11 6 33,5 2010 120,6 65 137

12 / 40 2400 144 78 195

Die Richtung und Stärke des Windes ist an der Erdoberfläche von den örtlichen Verhältnissen stark beeinflußt. Auf dem Meer wehen die Winde in größerer Stärke und Regelmäßigkeit als über dem Festland, und auf diesem findet man wiederum in Ebenen und Tiefländern im allgemeinen gleichmäßigere, regelmäßigere und frischere Winde als in den Bergländern, wo infolge der Terrainunterschiede der Luftbewegung ein größerer Widerstand sich entgegenstellt. Je höher man sich über die Erde erhebt, desto freier und unbehinderter wird die Bewegung der Luft und desto größer die Kraft des Windes.

Um die Windverhältnisse eines gegebenen Ortes zu ermitteln, bestimmt man, wie oft während eines längern Zeitraums ein jeder der acht Hauptwinde (N, NE, E, SE, S, SW, W, NW) weht. Trägt man die Zahlen, welche dies angeben, auf die entsprechenden Punkte eines in acht gleiche Teile geteilten Horizontalkreises auf, so erhält man die Windrose des betreffenden Ortes. Zum Überblick der Häufigkeit der verschiedenen Winde für einen bestimmten Zeitraum gibt man meistens Prozentzahlen der beobachteten Windrichtungen inkl. der Windstillen an und trägt diese nach einem bestimmten Maßstab nach den acht Hauptstrichen der Windrose auf. Auf diese Weise findet man, daß in den meisten Gegenden der Erde eine Windrichtung während des ganzen Jahrs oder zu einer bestimmten Zeit desselben am häufigsten auftritt (die vorherrschende Windrichtung). In manchen Gegenden und zu manchen Jahreszeiten ist diese letztere von einer Häufigkeit, gegen welche alle andern Windrichtungen zurücktreten; in andern Gegenden und Zeiten ist dieselbe weniger hervortretend. An einigen Punkten herrscht dieselbe Windrichtung das ganze Jahr hindurch, an andern wiederum wechselt sie mit den Jahreszeiten. Man unterscheidet demnach 1) konstante Winde, die das ganze Jahr hindurch aus derselben Richtung in überwiegender Häufigkeit wehen, so die Passatwinde (s. d.); 2) periodische Winde, welche in bestimmten Jahres- und Tageszeiten eine überwiegende Häufigkeit haben, deren Richtung aber mit den Jahres- und Tageszeiten wechselt: Monsune (s. d.), Land- und Seewinde; 3) gewöhnliche vorherrschende Winde. In Europa sind im Januar im allgemeinen die südwestlichen Winde vorherrschend, mit Ausnahme der östlichen Länder des Mittelmeers, wo nordöstliche Winde überwiegen. Die Ostküste von Island hat nördliche Winde, die Nordküste und Westküste südöstliche. Im ganzen nordwestlichen Asien herrschen südwestliche Winde, im östlichen Asien nordwestliche bis nördliche, im südlichen Asien nördliche bis nordöstliche (Nordostmonsune) und im südwestlichen Sibirien östliche Winde vor. Im Juli sind die herrschenden Winde in Europa im ganzen westlicher als im Januar. In Osteuropa und Westasien gehen sie in nordwestliche und nördliche, im südlichen Asien in südwestliche, an der chinesischen Küste in südliche, weiter im N. in südöstliche und östliche Winde über, und an der sibirischen Nordküste sind östliche und nördliche Winde die vorherrschenden.

Die hauptsächlichste Ursache des Windes ist die verschiedene Größe des Luftdrucks, und zwar weht der W. aus den Gegenden, welche höhern Luftdruck besitzen, nach denjenigen Gegenden hin, in welchen ein niedrigerer Luftdruck besteht (vgl. Wetter). Rings um ein Maximum des Luftdrucks (s. unten) müßte, wenn die Differenz im Luftdruck die einzige Ursache für die Richtung des Windes wäre, der W. auf allen Seiten nach außen hin, d. h. auf der Nordseite von S. nach N., auf der Westseite von O. nach West, auf der Südseite von N. nach S., auf der Ostseite von West nach O. wehen, und ebenso müßte rings um ein Minimum des Luftdrucks (s. unten) der W. auf allen Seiten nach innen wehen, nämlich auf der Nordseite von N., auf der Westseite von West, auf der Südseite von S., auf der Ostseite von O. Diese ursprüngliche geradlinige Richtung vom höhern nach dem niedrigern Luftdruck wird aber durch die Umdrehung und die Kugelgestalt der Erde sowie durch die Zentrifugalkraft verändert. Die Umdrehung der Erde von West nach O. bewirkt nämlich, daß der W. auf der nördlichen Halbkugel in Bezug auf seine Richtung nach rechts, auf der südlichen nach links abgelenkt wird. Ein Luftteilchen, welches sich z. B. auf der nördlichen Halbkugel von S. nach N. in Bewegung gesetzt hätte, würde, während die Erde sich unter ihm von West nach O. hinwegdreht, seine Richtung nach und nach immer mehr in eine westliche verwandeln, d. h. seine Bahn hat eine Drehung nach rechts oder im Sinn der Zeiger einer Uhr erfahren. Ebenso wird auf der südlichen Halbkugel eine Drehung des bewegten Körpers infolge der Erdrotation nach links oder gegen die Bewegung der Uhrzeiger erfolgen. Auf beiden Halbkugeln findet diese Ablenkung der ursprünglichen Windrichtung in dem Sinn der scheinbaren Bewegung der Sonne, d. h. mit der Sonne, statt. Die Größe dieses Ablenkungsvermögens, welches am Pol am größten ist (15 Sekunden in der Zeitsekunde) und am Äquator verschwindet, ist durch ein einfaches Gesetz an die geographische Breite eines Ortes gebunden. Unter 30° Breite ist das Drehungsvermögen halb so groß als an den Polen, unter 60° Breite beträgt es 13 Sekunden in der Zeitsekunde etc. Infolge des Einflusses, den die Zentrifugalkraft auf ein Luftteilchen ausübt, welches sich auf einer gekrümmten Bahn bewegt, hat dieses das Bestreben, aus dieser Bahn herauszutreten und der geraden Linie zu folgen. Bei der Bewegung um ein Minimum oder Maximum des Luftdrucks verfolgen die Luftteilchen spiralförmige Bahnen, welche beim Minimum ihre hohle Seite dem niedrigern Luftdruck, beim Maximum dem höhern Luftdruck zukehren. Infolgedessen wird die durch die Erdrotation verursachte Ablenkung bei der Bewegung um ein Minimum des Luftdrucks durch die Zentrifugalkraft vergrößert, bei der um ein Maximum ver-^[folgende Seite]