Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

715

Wohlfahrtsausschuß - Wohnhaus.

Ausbildung der Radikal- und Substitutionstheorie bei. Mit Liebig entdeckte er auch die zahlreichen Derivate der Harnsäure, die Zusammensetzung der Mellithsäure, die Zersetzung des Amygdalins unter Abscheidung von Zucker, die Darstellung von Chromrot etc. Von seinen andern Arbeiten sind besonders noch die über die Titan-, Wolfram- und Kieselverbindungen und die Entdeckung des kristallisierten Bors und Siliciums (mit Saint-Claire Deville) erwähnenswert. Er schrieb: »Grundriß der unorganischen Chemie« (Berl. 1831, 15. Aufl. 1873); »Grundriß der organischen Chemie« (11. Aufl., das. 1887); »Mineralanalyse in Beispielen« (2. Aufl., Götting. 1861) und »Praktische Übungen in der chemischen Analyse« (Berl. 1854). Er gab auch eine deutsche Bearbeitung von Berzelius' »Lehrbuch der Chemie« (Dresd. 1825, 4 Bde.; 5. Aufl. 1843-48, 5 Bde.) und seit 1838 mit Liebig die »Annalen der Chemie und Pharmazie« heraus. Vgl. Hofmann, Zur Erinnerung an F. W. (Berl. 1883); Derselbe, Aus Justus Liebigs und Fr. Wöhlers Briefwechsel (Braunschweig 1888, 2 Bde.).

Wohlfahrtsausschuß (Comité de salut public), in der französischen Revolution Name der Regierungsbehörde des Nationalkonvents, die, 25. März 1793 auf Antrag der Bergpartei eingesetzt, anfangs aus 25, seit 5. April aber nur aus 9 Mitgliedern bestand, die jeden Monat neu gewählt wurden. Der W. bildete die eigentliche Regierung. Unter ihm standen der Sicherheitsausschuß und das Revolutionstribunal. Er übte unter Robespierre eine blutige Schreckensherrschaft aus u. verlor nach dessen Sturz 1794 seine Macht. Die meisten Mitglieder wurden hingerichtet. Auch die Kommune in Paris 1871 setzte 1. Mai einen W. ein.

Wohlfahrtspolizei, s. Polizei.

Wohlgeruch, Pflanze, s. Agathosma.

Wohlgerüche, s. Parfümerie.

Wohllaut, s. Euphonie und Lautlehre, S. 571.

Wohlscher Kamm, s. Isergebirge.

Wohlthätigkeit, im objektiven Sinn die Gesamtheit der zur Linderung des Elends und der Not unter den Menschen getroffenen Veranstaltungen. Man unterscheidet zwischen Privatwohlthätigkeit, die von einzelnen Privaten oder Vereinigungen solcher ausgeht, und öffentlicher W., in die sich wieder der Staat und die Gemeinden (Provinzen) teilen. Der Armut gegenüber stellten alle Religionen die Mildthätigkeit als eine Tugend hin, aber erst in der christlichen Religion finden wir das Gefühl der Barmherzigkeit in der Brust des Menschen entwickelt und zur Handlung begeistert. Zugleich ist aber durch eine richtigere Lehre von den Wirtschaftsgesetzen und von dem gesellschaftlichen Wohl auch ein Bewußtsein der zu wählenden Mittel gegen die Armut erlangt worden. Über diejenigen Anstalten, welche direkt zur Abwendung oder Linderung von Armut und Elend dienen, vgl. Armenwesen. Es fallen aber unter den Begriff der Wohlthätigkeitsanstalten auch alle diejenigen Anstalten, welche der Besserung verwahrloster Personen, der Pflege Hilfloser, der unentgeltlichen Fortbildung und der Verschaffung von Arbeitsgelegenheit gewidmet sind. Das englische Recht besitzt mit Rücksicht auf die Interessen der wohlthätigen Stiftungen eine genaue, durch eine Parlamentsakte (43. Elisabeth c. 4) geschaffene Definition der W. Unzweifelhaft hat der Staat das Recht und die Aufgabe, wohlthätige Stiftungen zu überwachen. In einigen Ländern, wie in Massachusetts, besteht eine besondere Wohlthätigkeitsbehörde (Board of State Charities). Unter den vielen Schriften über den Gegenstand sind hervorzuheben: Degérando, De la bienfaisance publique (zuletzt, Par. 1849, 4 Bde.; deutsch von Busch, Stuttg. 1843); Martin-Doisy, Dictionnaire d'économie charitable, Bd. 4 (Par. 1856); Monnier, Histoire de l'assistance publique dans les temps anciens et modernes (3. Aufl., das. 1866); Emminghaus, Das Armenwesen und die Armengesetzgebung in europäischen Staaten (Berl. 1870).

Wohlthätigkeit, Orden der, 1) span. Orden, gestiftet 17. Mai 1856 von der Königin Isabella zur Belohnung wohlthätiger Handlungen jeglicher Art, hat drei Klassen und ist bei Bedürfnis mit Pension verbunden. Die Dekoration besteht in einem sechsspitzigen, weiß emaillierten, schwarz geränderten Kreuz mit goldenen Kugeln, zwischen dessen Armen goldene Strahlen hervorgehen, und in dessen Mittelschild vorn eine Matrone in Gold mit der Umschrift: »A la caridad« auf rotem Email, hinten der Namenszug Isabellas und die Umschrift: »Beneficiencia publica« sich befinden. Die erste Klasse trägt dies Kreuz auf einem großen, vielstrahligen Stern ruhend, die zweite das Kreuz um den Hals, die dritte auf der Brust. Der Orden hängt an einem Lorbeerkranz. Das Band ist weiß und schwarz gerändert. - 2) Gestiftet 1874 von Don Carlos zur Belohnung der Liebesdienste bei Verpflegung der Verwundeten und Unterstützung der Armee. Die Dekoration ist ein achtspitziges Kreuz von Silber mit einer Königskrone, zwischen dessen roten Armen sich Astern befinden. Der Mittelschild zeigt auf dem Avers auf weißem Grund ein rotes Herz mit Dornen und der Umschrift: »La Caridad 1874«, auf dem Revers ein M. Das Band ist weiß und violett gerändert. - 3) Gestiftet vom Sultan Abd ul Hamid 1878 für Frauen, welche sich während des Kriegs bei der Pflege der Verwundeten und Kranken durch besondere Aufopferung hervorgethan haben. Der Orden hat drei Klassen, deren erste mit Brillanten verliehen wird.

Wohlverleih, Pflanzengattung, s. Arnica.

Wohnhaus (hierzu Tafeln »Wohnhaus I und II«). Die ursprünglich in Höhlen oder Hütten aufgeschlagene Wohnung des Menschen hat mit der Verschiedenheit des Klimas, der Nation und der Familie eine hinsichtlich der Ausdehnung und Anordnung ihrer Räume, Bauweise und künstlerischen Ausstattung sehr verschiedene Entwickelung erfahren. Unter den bauenden Kulturvölkern des Altertums nehmen die Inder, Ägypter, Griechen und Römer und damit deren Wohngebäude die hervorragendste Stelle ein. Bei dem indischen W. wurde die Hausflur über die Straße erhöht, nach welcher sich Bogengänge mit dahinterliegenden Kaufläden öffneten, während sich darüber reich und phantastisch bemalte Veranden, Erker und Galerien erhoben, deren Dachtraufen, von Karyatiden getragen, weit ausluden. Dicht aneinander gebaut und bis zu neun Stockwerken erhöht, besaßen sie alle gleiche Thür- und Fensterhöhe, während die nicht in der Mitte der Vorderseite angebrachte Hausthür seitlich zwei erhöhte Sitze hatte. Die Wohnhäuser der Ägypter waren, da sie von diesen nur als vorübergehende Aufenthaltsorte angesehen wurden, nur aus Holz und Ziegeln erbaut, standen dicht aneinander und erhielten nur in größern Städten, wie Theben und Memphis, über zwei Stockwerke. Im untern waren die Magazine und Dienerzimmer, oben die Wohnung des Herrn und seiner Familie. Vor den erstern zogen sich die Säulengänge hin, welche die Gänge des obern Stockwerkes trugen. Kleine Häuser hatten nur unten eine Reihe von Zimmern, darüber einen vom Hof oder der Straße aus