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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wolsk; Wolter; Woltersdorff; Woltmann

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Wolsk - Woltmann.

Wolseys finden zu müssen. Dieser wurde im Oktober 1529 gestürzt und mußte seinen prächtigen Palast zu London, das spätere Whitehall, verlassen und sich auf das Landhaus Esher bei Hamptoncourt zurückziehen. Zwar ließ ihn der König im Besitz der Bistümer York und Winchester, aber das Parlament klagte ihn des Mißbrauchs seiner geistlichen Gewalt an und verurteilte ihn zum Verlust seiner Güter und zu ewigem Gefängnis. Heinrich VIII. begnadigte ihn, verwies ihn aber ins Erzbistum York, wo er zu Caywood seine Residenz aufschlug. Im November 1530 von neuem des Hochverrats angeklagt, sollte er nach London gebracht werden, starb aber unterwegs 28. Nov. in der Abtei Leicester. W. liebte die Wissenschaften und gründete aus eignen Mitteln mehrere Kollegien und Unterrichtsanstalten. Sein Leben beschrieben Cavendish (Lond. 1607, neue Aufl. 1885), Fiddes (das. 1724), Galt (3. Aufl., das. 1846), Howard (das. 1824), Martin (Oxf. 1862) und Creighton (Lond. 1888). Vgl. auch Busch, Kardinal W. und die englisch-kaiserliche Allianz 1522-25 (Bonn 1886).

Wolsk (Woljsk), Kreisstadt im russ. Gouvernement Saratow, an der Wolga, von steilen Bergen eingeschlossen, hat 5 Kirchen, eine Realschule, ein Lehrerseminar, ein Progymnasium, eine Gartenbauschule, Fabriken, einen wichtigen Flußhafen, Handel mit Talg, Stearin und Häuten nach Petersburg, mit Früchten nach Nishnij Nowgorod, mit Getreide nach Astrachan und Rybinsk, einen stark besuchten Jahrmarkt (im Herbst) und (1885) 36,315 Einw., darunter viele reiche Kaufleute. Der Kreis W. enthält mehrere deutsch-schweizerische Kolonien.

Wolter, Charlotte, gefeierte Schauspielerin, geb. 1. März 1834 zu Köln, begann ihre Laufbahn in Pest, spielte dann bei reisenden Gesellschaften und am Carltheater in Wien und erhielt 1859 ein Engagement am neuerbauten Viktoriatheater in Berlin, wo sie bis 1861 thätig war. Ihre Darstellung der Hermione im »Wintermärchen« erregte hier das allgemeinste Aufsehen, das auch ein sehr erfolgreiches Gastspiel auf Engagement am Wiener Hofburgtheater zur Folge hatte. Sie hatte sich zwar mittlerweile für das Thaliatheater in Hamburg auf drei Jahre verpflichtet; doch gelang es ihr schon nach zwei Jahren, eine gütliche Lösung des Kontrakts zu bewirken, und die Künstlerin wurde so bereits 1862 für das Hofburgtheater in Wien gewonnen, zu deren größten Zierden sie seitdem im Fach der Heroinen und Anstandsdamen gehört. Mit allen Mitteln zur Verkörperung der höchsten dichterischen Aufgaben ausgerüstet, verfügt die Künstlerin über ein reiches Repertoire, aus dem wir nur die folgenden Meisterleistungen hervorheben: Adrienne Lecouvreur, Phädra, Maria Stuart, Orsina, Lady Milford, Messalina, Begum Somru, Klara in »Maria Magdalena«. Sie war vermählt mit dem Grafen Karl O'Sullivan de Graß (gest. 1888). Vgl. Ehrenfeld, Charlotte W. (Wien 1887).

Woltersdorff, Arthur, bekannter Theaterdirektor, aus Königsberg gebürtig, trat hier in den Justizdienst, aus dem er 1844 ausschied, um die Leitung des Theaters seiner Vaterstadt zu übernehmen, die er bis 1876 fortführte. Er errichtete in dieser Zeit das Wilhelmstheater in Königsberg, verbesserte die Gagenverhältnisse, gab mit der Operngesellschaft seiner Bühne im Berliner und Potsdamer Hoftheater (1851 und 1853) wie auch im Friedrich Wilhelmstädtischen (1851 und 1853), im Krollschen und Viktoriatheater (1864) zu Berlin Vorstellungen und leitete zugleich 1858-59 die Krollsche Bühne. 1865 kaufte er Meysels Theater in Berlin, das, zum »Woltersdorfftheater« umgewandelt, lange Zeit eine Heimstätte Berliner Humors war, später aber mehr und mehr sank. W., der unter dem Titel: »Theatralisches« (Berl. 1856) auch eine historisch-kritische Schrift verfaßt hat, starb 16. Dez. 1878 in Berlin.

Woltmann, 1) Reinhard, Hydrotechniker, geb. 1757 im hannöv. Dorf Axstedt, ward 1785 Kondukteur bei den Wasserbauten des Amtes Ritzebüttel, 1792-1836 Direktor der hamburgischen Wasserbauten und starb 20. April 1837. Er erwarb sich besondere Verdienste um die Regulierung der Elbe durch deren Einschränkung mittels Leitdämme und durch die Erfindung eines sinnreichen, zur Zeit noch vielfach angewandten Instruments zur Messung der Stromgeschwindigkeit, des Woltmannschen Flügels. Dieser kompendiöse, mit zwei Flügeln versehene, an einen Stock zu befestigende und mit einem Zählwerk versehene Apparat wird an der zu untersuchenden Stelle in den Strom getaucht und so einige (meist 10) Sekunden der Strömung ausgesetzt, woraus man, da die Einer Umdrehung der Flügel entsprechende Geschwindigkeit der Strömung durch Versuche zuvor ermittelt ist, aus der Zahl ihrer innerhalb dieser Zeit erfolgten Umdrehungen auf die Geschwindigkeit des Stroms schließt. Indem man diese Messungen an mehreren Stellen eines Stromquerprofils von einem Kahn aus vornimmt, deren Resultate addiert und durch die Zahl der Beobachtungen dividiert, gelangt man zu der für Wasserbauten unentbehrlichen Kenntnis der mittlern Stromgeschwindigkeit. W. schrieb: »Beiträge zur hydraulischen Architektur« (Götting. 1791-99, 4 Bde.); »Beiträge zur Baukunst schiffbarer Kanäle« (das. 1802); »Über das baurechtliche Verfahren bei Verbesserung der Flüsse« (Hamb. 1820); »Beiträge zur Schiffbarmachung der Flüsse« (das. 1826).

2) Karl Ludwig von, deutscher Geschichtschreiber, geb. 9. Febr. 1770 zu Oldenburg, studierte erst in Göttingen die Rechte, dann Geschichte und ward 1795 Professor der Geschichte in Jena. Hier schrieb er seinen »Grundriß der ältern Menschengeschichte« (Jena 1790, Bd. 1), dem später der »Grundriß der neuen Menschengeschichte« (das. 1796-1800, 2 Bde.) folgte, seine »Geschichte Frankreichs« (Berl. 1797, 2 Bde.) und seine »Kleinen historischen Schriften« (Jena 1797, 2 Bde.). 1799 ging er nach Berlin, wo er 1800 die »Zeitschrift für Geschichte und Politik« (Berl. 1800-1805) gründete. 1800 ward er hier Resident des Landgrafen von Hessen-Homburg, 1804 Geschäftsträger des Kurerzkanzlers und 1806 unter Erhebung in den Adelstand auch für die Städte Bremen, Hamburg und Nürnberg. Nach der Schlacht bei Großgörschen (1813) mußte er vor Napoleon I. aus Berlin nach Prag fliehen, da er, ein ehemaliger Lobredner Napoleons, dem Minister vom Stein seine Dienste angeboten hatte. Er starb 19. Juni 1817 in Prag. Außer den schon erwähnten Schriften sind zu erwähnen: »Geschichte der Reformation« (Altona 1800 ff., 3 Bde.); »Geschichte des Westfälischen Friedens« (Berl. 1808, 2 Bde.); »Geschichte Böhmens« (Prag 1815, 2 Bde.); eine Übersetzung des Tacitus und des Sallustius und »Memoiren des Freiherrn von S-a« (das. 1815, 3 Bde.). Eine Ausgabe seiner »Sämtlichen Werke« veranstaltete seine Witwe (Berl. 1818-21, 12 Bde.). - Seine Gattin Karoline von W., geb. 6. März 1782, Tochter des Geheimrats und Arztes Stosch, war 1799-1804 mit dem Kriegsrat Karl Müchler, dann seit 1805 mit W. verheiratet und hatte vielfachen Anteil an dessen Arbeiten.