Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

764

Wundernetz - Wünschelrute.

das »Choleraregulativ« heraus. Er starb 25. Sept. 1877 in Leipzig. W. schrieb noch: »Versuch einer pathologischen Physiologie des Bluts« (Stuttg. 1844); »Grundriß der speziellen Pathologie und Therapie« (das. 1858); »Geschichte der Medizin« (das. 1859). Vgl. Koranyi, Denkrede auf W. (Budap. 1879).

Wundernetz (Rete mirabile), eine eigentümliche Verzweigung von Blutgefäßen. Wenn nämlich eine Arterie oder Vene nicht, wie in der Regel, allmählich immer feinere Zweige abgibt, sondern sich auf einmal in ein Büschel von solchen auflöst, so wird letzteres als W. bezeichnet. Man findet derartige zur Zeit noch unerklärte Bildungen z. B. an der Schwimmblase und dem Auge vieler Fische, ferner bei Säugetieren im Bereich der Eingeweidearterien, an den Gliedmaßen etc. Allgemein bei Wirbeltieren sind sie in der Niere verbreitet, wo sich die Enden der Arterien zu den als sogen. Malpighische Knäuel (glomeruli Malpighii) bekannten Wundernetzen gestalten (s. Niere).

Wunderscheibe, s. Phänakistoskop.

Wundfäule der Pflanzen, s. Brand, S. 315.

Wundfäulnis, s. v. w. Hospitalbrand.

Wundfeige, s. v. w. Opuntia.

Wundfieber und Wundheilung, s. Wunde.

Wundklee (Wundblume), s. Anthyllis.

Wundkraut, s. Sedum.

Wundliegen, s. Aufliegen.

Wundschreck, tiefe, oft tödliche Ohnmacht nach schweren Verwundungen.

Wundsein der Haut (Intertrigo), der Verlust von Oberhaut infolge von mechanischer Reibung mit hinzukommender Macerierung durch Schweiß. S. Afterfratt.

Wundstarrkrampf, s. Wunde, S. 763.

Wundt, Wilhelm Max, Physiolog und Philosoph, geb. 16. Aug. 1832 zu Neckarau in Baden, studierte seit 1851 zu Heidelberg, Tübingen und Berlin Medizin, habilitierte sich 1857 als Privatdozent für Physiologie in Heidelberg, erhielt 1865 eine außerordentliche Professur daselbst, ging 1874 nach Zürich und folgte 1875 einem Ruf als Professor der Physiologie nach Leipzig. Als Physiolog wesentlich von Problemen des animalen Lebens angezogen, gewann W. durch seine Arbeiten über die dem Wollen, Empfinden und Erkennen dienenden und dasselbe bedingenden Nerven, Muskeln und Sinne eine solide Grundlage für die Spekulation auf psychologischem und erkenntnistheoretischem Gebiet, auf welcher er mit anerkanntem Erfolg weiter gebaut hat und baut. Er gehört, wie Joh. Müller und Helmholtz, zu denjenigen Physiologen, welche auf dem Boden exakt naturwissenschaftlicher Beobachtungen und Experimente dem philosophischen Postulat Kants nach Kritik unserer Erkenntnismittel Genüge zu leisten streben. Als Philosoph hat er sich um die Einführung der induktiven Methode in bisher rein philosophische Wissenschaften (Logik, Ethik), insbesondere aber um die Psychologie durch exakte Messungsversuche (z. B. der Zeit, deren ein Sinnenreiz bedarf, um zur Empfindung zu werden) verdient gemacht. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: »Lehre von der Muskelbewegung« (Braunschw. 1858); »Beiträge zur Theorie der Sinneswahrnehmung« (Leipz. 1862); »Lehrbuch der Physiologie des Menschen« (Erlang. 1865, 4. Aufl. 1878); »Vorlesungen über die Menschen- und Tierseele« (Leipz. 1863, 2 Bde.); »Untersuchungen zur Mechanik der Nerven und Nervenzentren« (Erlang. 1871-76, 2 Tle.); »Die physikalischen Axiome und ihre Beziehung zum Kausalprinzip« (das. 1866); »Handbuch der medizinischen Physik« (das. 1867); »Grundzüge der physiologischen Psychologie« (3. Aufl., Leipz. 1887); »Über die Aufgabe der Philosophie in der Gegenwart« (das. 1875); »Über den Einfluß der Philosophie auf die Erfahrungswissenschaften« (das. 1876); »Logik« (Stuttg. 1880 bis 1883, 2 Bde.); »Essays« (Leipz. 1885); »Ethik« (Stuttg. 1886); »System der Philosophie« (Leipz. 1889). Auch gibt er seit 1883 »Philosophische Studien« (Leipz.) heraus, welche Arbeiten Wundts (z. B. »Über die Messung psychischer Vorgänge«) und seiner Schüler zur experimentellen Psychologie und Erkenntnislehre enthalten.

Wundwasser, s. Arkebusade.

Wünnenberg, Flecken im preuß. Regierungsbezirk Minden, Kreis Büren, an der Alfte ^[richtig: Afte], 286 m ü. M., hat eine kath. Kirche, eine Oberförsterei, einen Mauersandsteinbruch und (1885) 1125 Einw. Die fruchtbare Umgegend heißt das Sendtfeld.

Wunnenstein, Berg im württemberg. Neckarkreis, zwischen Neckar und Bottwar, 392 m hoch, mit schöner Aussicht. Das danach benannte Adelsgeschlecht erlosch 1413 mit Wolf von W., dem Gegner des Grafen Eberhard II. von Württemberg. Den verunglückten Überfall des letztern im Wildbad durch Wolf von W. (1367) und seine allerdings erst in spätern Chroniken berichtete entscheidende Teilnahme an der Döffinger Schlacht (1388) hat Uhland in seinen Balladen verherrlicht. Die aus dem 9. Jahrh. stammende Kapelle auf dem W. wurde 1557 abgebrochen und aus ihren Trümmern 1829 ein Wartturm eingerichtet. Vgl. Holder, Der W. in Geschichte und Sage (4. Aufl., Stuttg. 1883).

Wunsch, ein Begehren, das ungeachtet der Gewißheit, daß das Begehrte unerreichbar sei (frommer W.), auf demselben beharrt, während die Begierde über Erreichbarkeit oder Unerreichbarkeit des Begehrten nicht weiter reflektiert und das Wollen, wenn es sein Ziel als unerreichbar erkannt hat, von demselben abläßt. Vgl. Begehrungsvermögen und Wille.

Wünschelburg, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Breslau, Kreis Neurode, am Fuß der Heuscheuer, 371 m ü. M., hat eine kath. Kirche, ein Amtsgericht, Lein- und Wollweberei, Spindelfabrikation, Branntweinbrennerei und (1885) 2057 Einw.

Wünschelrute, s. v. w. Zauberrute, nach dem altdeutschen Wort wünschen, welches s. v. w. zaubern bedeutet, auch kurz der »Wunsch« genannt (z. B. im Nibelungenlied, wo es heißt: »Es lag der Wunsch darunter, von Gold ein Rütelein«), ein Baumzweig, mit dessen Hilfe man vergrabene Schätze, Metalladern, Quellen und andre verborgene Dinge aufzufinden hoffte. Die Wurzeln des Glaubens an die besondere Kraft gewisser Baumzweige, besonders des gabeligen Mistelzweigs (s. Viscum), lassen sich einerseits auf den Zauberstab der Magier und Götter, anderseits auf die alte Stabwahrsagung (Rhabdomantie, s. Los) der Asiaten zurückführen. Schon in der Bibliothek von Ninive wird eine Göttin als »Herrin des magischen Stabes« genannt; auch Mosis' Stab dient zum Quellenhervorlocken, und besonders nach dem die Pforten der Unterwelt eröffnenden Schlangenstab des Hermes wird die W. später als Virgula divina seu mercurialis bezeichnet, wie denn der dem Hermes in mancher Beziehung entsprechende deutsche Sturmgott Wuotan als »Gottheit des Wunsches und Stabes« bezeichnet wird. Die Stabwahrsagung oder Rhabdomantie scheint von den mongolischen Stämmen (Skythen, Tataren, Chinesen) auf Perser und Juden übergegangen zu sein, und auf das Wahrsagen aus auf die Erde geworfenen