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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Würzburg

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Würzburg (Stadt).

Ferdinand dem Rheinbund bei und nahm nun den Titel Großherzog von W. an. Mit der Auflösung des Rheinbundes endigte auch das Großherzogtum W. Durch Beschluß des Wiener Kongresses erhielt der Großherzog seinen Erbstaat Toscana, W. aber fiel größtenteils an Bayern zurück. Gegenwärtig bildet es einen Teil des Regierungsbezirks Unterfranken. Kleinere Teile davon kamen an Württemberg und Baden. 1817 wurde das Bistum in W. erneuert und dem Erzbischof von Bamberg unterstellt. Vgl. Eckhart, Commentarii de rebus Franciae orientalis et episcopatus Wirceburgensis (Würzb. 1729, 2 Bde.); Schöpf, Historisch-statistische Beschreibung des Hochstifts W. (Hildburghausen 1802); Clarmann, Geschichte des Stifts W. (Nürnb. 1803); Henner, Die herzogliche Gewalt der Bischöfe von W. (Würzb. 1874); Link, Klosterbuch der Diözese W. (das. 1873-76, 2 Bde.).

Würzburg (Wirceburgum, Herbipolis), Hauptstadt des ehemaligen Fürstbistums W., jetzt unmittelbare Stadt und Hauptstadt des bayr. Regierungsbezirks Unterfranken, liegt in reizender Gegend zu beiden Seiten des Mains, über den hier eine ältere, 198 m lange und eine neue (Luitpold-) Brücke führen, während eine dritte an der Südseite der Stadt bereits projektiert ist, im Knotenpunkt der Linien Treuchtlingen-Aschaffenburg. Bamberg-W. und Passau-W. der Bayrischen sowie Heidelberg-Eberbach-W. der Badischen Staatsbahn, 181 m ü. M. Die Stadt galt bis 1866 als Festung. Der Hauptteil dieser, der Marien- oder Frauenberg, liegt am linken Mainufer auf dem 265 m hohen Leistenberg u. war bis 1720 Sitz der Bischöfe. Die mit einem vollständigen Ring von prächtigen öffentlichen Anlagen sowie einer Ringstraße und dem Mainkai umschlossene Stadt ist im Innern unregelmäßig gebaut. Unter den 33 Kirchen ist die Domkirche (862 gegründet, 1042 neu erbaut) mit der prachtvollen Schönbornschen Kapelle und vielen Denkmälern von Bischöfen die hervorragendste. Die Haugerstiftskirche, ein stolzer Bau im Stil der italienischen Renaissance, mit Doppeltürmen und hoher Kuppel, ward 1670-91 erbaut und neuerlich geschmackvoll restauriert. Die ursprünglich romanische Neumünsterkirche (von 1000?) bewahrt in der Krypte die Gebeine des heil. Kilian. Ferner sind zu nennen: die Universitätskirche mit der Sternwarte (auf dem Turm), die Deutschhauskirche und die Marienkapelle, zwei der schönsten Denkmäler altdeutscher Baukunst, letztere mit 14 Statuen von Tilman Riemenschneider aus dem 15. Jahrh., und die Kirche auf der Feste, die älteste in Franken. Unter den übrigen öffentlichen Gebäuden zeichnen sich aus das durch Balthasar Neumann von 1720 bis 1744 erbaute königliche Residenzschloß (früher Residenz der Fürstbischöfe, dann des Großherzogs), eins der schönsten Fürstenschlösser, mit dem Kaiser- und dem Spiegelsaal, letzterer mit Gemälden auf Spiegelglas, und herrlichem Garten; das große, reiche und trefflich eingerichtete Juliushospital, an welchem sich gleichfalls ein großer, schöner Garten mit einer prächtigen Brunnengruppe befindet; das Gebäude der Universität, das Anatomiegebäude, das Rathaus, das Regierungsgebäude, das Theater, das Zucht- und Arbeitshaus, der Zentralbahnhof etc. Projektiert ist (1888) ein großartiges Justizgebäude an der Südseite der Stadt. Vor dem Juliushospital steht die Statue des Fürstbischofs Julius (von Widnmann, von Miller in Erz gegossen); ein Denkmal zur Erinnerung an Walther von der Vogelweide (von Halbig, seit 1843) befindet sich in einer Nische der Neumünsterkirche, in deren Kreuzgang der Dichter 1230 begraben ward; ein Denkmal ist vor der Ludwigshalle dem Bürgermeister v. Zürn errichtet worden, während an der Südseite der Stadt, in der Ottostraße, sich ein Denkmal des Japanreisenden Professor v. Siebold befindet.

Die Bevölkerung beläuft sich (1885) mit der Garnison (ein Infanteriereg. Nr. 9, 2 Abtlgn. Feldartillerie Nr. 2 und ein Trainbat. Nr. 2) auf 55,010 Seelen (gegen 26,814 im J. 1840), darunter 42,882 Katholiken, 9641 Evangelische und 2387 Juden. Die Industrie besteht in Fabrikation von Tabak, Möbeln, Maschinen, chirurgischen, mathematischen und musikalischen Instrumenten, Kunstwolle, Eisenbahnwagen, Baumaterialien, Spielkarten, Goldleisten, Vaselin, Lampen, Metallwaren, Essig, Likör, Malz, Schokolade, Schaumwein etc., in Bierbrauerei, Eisengießerei und Ziegelbrennerei. Großartig sind die in dem ehemaligen Cistercienserkloster Oberzell (s. d.) von König und Bauer gegründeten Etablissements zur Herstellung von Schnellpressen. Außerdem sind noch zu nennen: Schiffbau, Kunst- und Dampfsägemühlen, Obst-, Getreide-, Gemüse-, vor allem aber Weinbau. In der ganzen Umgebung der Stadt liegen zahlreiche Weinberge (ca. 1200 Hektar), welche in guten Jahren einen Ertrag von 5 Mill. Mk. liefern. An dem südlichen Abhang des Frauenbergs, der sogen. Leiste, wächst der berühmte Leistenwein, an dem nach Veitshöchheim a. M. sich hinziehenden Steinberg der Steinwein (s. Frankenweine). Der Handel, unterstützt durch die Handels- und Gewerbekammer von Unterfranken, durch einen Handelsverein, eine Reichsbanknebenstelle, die königliche Filialbank, Bayrische Notenbank, Würzburger Volksbank und zahlreiche andre Bankgeschäfte sowie durch das Eisenbahnnetz und die Mainschiffahrt, für welche W. einen Hafen besitzt, ist besonders bedeutend in Wein, Holz und Kohlen; auch hat W. drei Messen, einen Wollmarkt, eine Getreideschranne, Viktualien- und Viehmärkte. Den Verkehr in der Stadt vermittelt eine Pferdeeisenbahn.

Unter den Bildungsanstalten ist zunächst die Universität zu nennen. Dieselbe wurde 1403 vom Bischof Johann von Egloffstein gegründet, ging aber bald wieder ein. Erst 1582 gründete der Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn eine neue Hochschule, welche seit der Vereinigung Würzburgs mit Bayern den Namen Julius Maximilians-Universität erhielt. Zur Beförderung der von jeher rührig betriebenen medizinischen Studien dient vornehmlich das Juliushospital, mit welchem ein Entbindungshaus und ein Krankenhaus für Epileptische sowie eine Augenheilanstalt (v. Welzsche Marienstiftung) und ein hygieinisches Institut in Verbindung stehen. Die Bibliothek enthält über 100,000 Bände (meist aus alten Klöstern). Die Zahl der Studierenden belief sich im Sommersemester 1889 auf 1588 (worunter beinahe die Hälfte Mediziner). Ferner hat W. 2 Gymnasien, ein Realgymnasium, eine Kreisrealschule, ein Priester-, ein bischöfliches Knaben- und ein Schullehrerseminar, Lateinschulen, Schulen des Polytechnischen Vereins, eine Landwirtschaftsschule, eine jüdische Lehrerbildungsanstalt, eine Musik-, eine Obst- und eine Weinbauschule, eine Taubstummen- und eine Blindenanstalt, eine Hebammenschule etc. sowie die Wegnersche Kunstsammlung der Universität, eine

^[Abb.: Wappen von Würzburg.]