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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Zementkupfer; Zementmarmor; Zempelburg; Zemplin; Zemzem; Zenane; Zenareïden; Zend; Zendavesta

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Zementkupfer - Zendavesta.

die Gewinnung des Zementkupfers durch Einlegen von Eisen in Lösungen von Kupfervitriol (Zementwässer), wie sie als Grubenwasser mehrfach vorkommen.

Zementkupfer, Zementwässer, s. Zementation und Kupfervitriol.

Zementmarmor, künstliche Steinmasse aus Zement und Marmorbruchstücken, wird von der Fabrik Bauhütte für Kunststein von Monod u. Froideville zu Potsdam in polierten Platten geliefert und dient namentlich zu Wandverkleidungen.

Zempelburg, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Marienwerder, Kreis Flatow, zwischen zwei Seen und am Flüßchen Zempolna, hat eine evangelische und eine kath. Kirche, eine Präparandenanstalt, ein Amtsgericht, Zigarrenfabrikation, Getreidehandel, allwöchentlich einen Schweinemarkt und (1885) 3639 Einwohner.

Zemplin, ungar. Komitat, am rechten Theißufer, 6208 qkm (112,7 QM.) mit (1881) 275,175 Einw. (Ungarn und Slowaken), liegt zwischen Galizien und den Komitaten Ung, Szabolcs, Borsod, Abauj-Torna und Sáros und wird im N. von Karpathenzweigen, im NW. vom Sóvárer Gebirge erfüllt. Die Mitte bildet das Bodrogthal; der von der Theiß begrenzte südliche Teil ist meist eine sumpfige Ebene, in die sich im N. die Hegyalja mit dem Tokayer Weingebirge hereinzieht. Hauptfluß ist der Bodrog mit der Laborcza, Ondowa und Topla. Hauptprodukte sind: Getreide, Kukuruz, Buchweizen, Flachs, Tabak, Melonen und vorzüglicher Wein; Hornvieh, Pferde, Schafe, Schweine, zahlreiche Fische, endlich auch Opale (in Nagy-Mihály). Sitz des Komitats, welches von der ungarischen Nordost- und Ungarisch-Galizischen Bahn durchstrichen und nach dem Schloß Z. benannt wird, ist Sátoralja-Ujhely.

Zemzem, der Wunderbrunnen im Innern der Kaaba, welcher unter der Ferse Ismaels entsprungen sein soll; in Wirklichkeit die brunnenartige Öffnung eines unterirdischen Baches mit bittersalzigem Wasser von sehr drastischer Wirkung, welches von den Moslems als heilig verehrt und von den Pilgern nach allen Gegenden der Islamwelt ausgeführt wird.

Zenane (pers., »Frauengemach«), in Indien der von den Frauen bewohnte Teil des Hauses.

Zenareïden (v. griech. Zeus = Jupiter, und Ares = Mars), von Littrow in Vorschlag gebrachte Benennung für die kleinen Planeten zwischen Mars und Jupiter.

Zend (Zendsprache), die Sprache, in welcher die heiligen Schriften der alten Iranier, der Zendavesta, abgefaßt sind. Eigentlich bedeutet Z. »Kommentar« (s. Zendavesta); es wird auch »Avestasprache« genannt oder »Altbaktrisch«, weil es wahrscheinlichen Baktrien gesprochen wurde. Am nächsten ist das Z. mit dem Sanskrit einerseits, mit dem Altpersischen, der aus den Keilinschriften bekannten Sprache der Achämenidenkönige, anderseits verwandt. Es hörte wahrscheinlich schon mehrere Jahrhunderte v. Chr. auf, eine lebende Sprache zu sein, und wurde durch das Pehlewi verdrängt. Einen direkten Nachkommen des Z. glaubte Fr. Müller in dem Puschtu, der Sprache der modernen Afghanen, zu erblicken; wahrscheinlicher hat man aber im Z. nur die älteste Schwester, nicht die Mutter der modernen iranischen Sprachen (s. d.) zu sehen. Von dem gewöhnlichen Z., wie es in dem größten Teil des Zendavesta vorliegt, finden sich einige Abweichungen in der Sprache der ältesten Teile desselben, der sogen. Gâthâs, wonach man in der letztern einen ältern Dialekt vermuten muß. Wie für die vergleichende Grammatik und Etymologie der übrigen iranischen Sprachen, so ist das Z. auch für das weitere Gebiet der indogermanischen Sprachen von großer Bedeutung als die nächst dem Sanskrit altertümlichste Sprache dieses Sprachstammes; in manchen Punkten überragt es sogar das Sanskrit an Altertümlichkeit, z. B. in betreff der Ablativformen, die im Z. noch von den meisten Substantiven gebildet werden können. Vgl. Justi, Handbuch der Zendsprache (Leipz. 1864); Spiegel, Grammatik der altbaktrischen Sprache (das. 1867); Jolly, Ein Kapitel vergleichender Syntax (Münch. 1872); Bartholomä, Das altiranische Verbum (das. 1878); Harlez, Manuel de la langue de l'Avesta (2. Aufl., Par. 1881); Geiger, Handbuch der Avestasprache (Erlang. 1879).

Zendavesta, die Heilige Schrift der Parsen (s. d.), eine Sammlung der erhaltenen Überreste der uralten Religionsbücher der alten Iranier, in denen die von Zoroaster (s. d.) gestiftete Religion ihren authentischen Ausdruck fand. Eine der ältesten und wichtigsten Religionsurkunden der Menschheit, wurde der Z. der europäischen Wissenschaft erst durch die aufopfernden Bemühungen Anquetil-Duperrons zugänglich gemacht, der 1755 nach Ostindien reiste, um von den Parsenpriestern ein Exemplar des Z. zu erlangen, und in der That nach einem siebenjährigen Aufenthalt in Indien nicht nur den Z., sondern auch eine vollständige persische Übersetzung desselben mitbrachte, die ihm ein Parsenpriester in die Feder diktiert hatte. Er gab hier von 1771 eine französische Übersetzung heraus, die jedoch, namentlich bei englischen Gelehrten, starken Zweifeln an der Echtheit und dem Alter des Originals begegnete. Erst durch die Schrift des dänischen Sprachforschers Rask: »Über das Alter und die Echtheit der Zendsprache« (1826) wurden diese Zweifel vermittelst einer nähern Untersuchung der Sprache des Originals selbst, auf welche sich Anquetil gar nicht eingelassen hatte, dauernd beseitigt, und seitdem hat die Erforschung des Z. nach Sprache und Inhalt rasche Fortschritte gemacht. Es hat sich dabei mit Gewißheit ergeben, daß der Z. in der That das letzte Überbleibsel des sehr umfangreichen Kanons heiliger Schriften ist, der im Osten Irans, wahrscheinlich in Baktrien, schon vor der Begründung des persischen Weltreichs entstand, früh auch bei den Persern Annahme fand und durch diese den Griechen bekannt wurde, deren Angaben über den Inhalt desselben durch den Inhalt des Z. vollkommen bestätigt werden. Nach einer Sage der Parsen wurde er von Alexander d. Gr. in Ekbatana verbrannt; wahrscheinlicher ist es, daß er während der langen Fremdherrschaft der Griechen und der Parther in Vergessenheit geriet, weshalb bei Wiederherstellung der alten zoroastrischen Religion unter der Dynastie der Sassaniden (seit 226 n. Chr.) sich nur noch Überreste von den 21 die gesamten religiösen und weltlichen Lehren des Zoroaster und seiner Jünger enthaltenden Büchern (nosk) des alten Werkes vorfanden, welche in die damals übliche, der Pehlewischrift ähnliche Schriftart, die sogen. Zendschrift, umgeschrieben und mit einer Übersetzung in das Pehlewi oder Mittelpersisch versehen wurden. Wahrscheinlich rühren von dieser Umschrift die meisten der höchst zahlreichen Fehler und Textverderbnisse her, welche den Z. entstellen und seine Deutung erschweren. Er hatte übrigens auch noch später, nach der Sassanidenzeit, manche Gefahren zu überstehen, da nach der Eroberung Irans durch die Araber die alte Religion des Landes mit Feuer und Schwert ausgerottet wurde