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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Zichy zu Zich von Vasonykeö; Ziebland; Zieg.; Ziege

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Zichy zu Zich von Vasonykeö - Ziege.

Zichy zu Zich von Vasonykeö (spr. sittschi, sittsch), eine der bedeutendsten ungar. Familien, die schon seit 1210 vielfach in der Landesgeschichte vorkommt, aber erst seit dem 17. und 18. Jahrh. eine hervorragendere Rolle spielt und 1732 in den Grafenstand erhoben wurde. (Eine wichtige Urkundensammlung ist das u. d. T.: »Zichy-Kodex« veröffentlichte Werk.) Im 18. Jahrh. teilte sich das Haus (auch Zichy-Ferraris) in zwei Linien, die zu Palota und die zu Karlburg. Die erste Linie Palota besteht aus drei Zweigen: dem zu Nagy-Lang, dessen Haupt der Graf Ferdinand von Z., geb. 16. Nov. 1829, ist; dem zu Adony und Szent-Miklos, gegenwärtig repräsentiert durch den Grafen Siegmund von Z., geb. 6. Jan. 1846, und dem Zweig zu Palota, im Mannesstamm mit dem Grafen Nikolaus von Z. 20. Aug. 1874 erloschen. Die zweite Linie Karlburg teilt sich in zwei Zweige; Haupt des ersten ist Graf Ladislaus von Z., geb. 11. Sept. 1830, des zweiten Graf Ludwig Zichy-Ferraris, geb. 11. Aug. 1844; der dritte Zweig erlosch im Mannesstamm mit dem Grafen Stephan Z. 8. Juni 1853. Bemerkenswert sind:

1) Karl, Graf von geb. 4. März 1753 zu Preßburg, erhielt 1786 die Stelle eines Obergespans im Komitat Raab und wurde 1788 zum Judex curiae ernannt, in welch letzterer Stellung er sich große Verdienste um die Beruhigung Ungarns erwarb. 1802 erhielt er das Präsidium der allgemeinen Hofkammer, wurde 1808 Staats- und Konferenzminister, 1809 Kriegsminister und war von 1813 bis 1814 Minister des Innern. Auf dem ungarischen Landtag gehörte er zu den ausgezeichnetsten Mitgliedern. Er starb 28. Sept. 1826 in Wien.

2) Ferdinand, Graf von, geb. 13. Mai 1783, Sohn des vorigen, war Feldmarschallleutnant und Festungskommandant von Venedig und kapitulierte nebst dem Grafen Pálffy 22. März 1848 mit den Insurgenten. Deshalb vor Gericht gestellt, ward er im Juni 1849 zur Kassation und zu zehnjähriger Festungshaft verurteilt, aber im Januar 1851 vom Kaiser begnadigt und starb 7. Okt. 1862 in Preßburg.

3) Eugen, Graf von, geb. 25. Sept. 1809, Administrator des Weißenburger Komitats, ging während der ungarischen Insurrektion mit dem Erzherzog-Palatin nach Stuhlweißenburg und ward, des Einverständnisses mit den anrückenden österreichischen Truppen beschuldigt, von den Insurgenten gefangen genommen, 30. Sept. 1848 auf der Insel Csepel von einem Standgericht, dem Görgei präsidierte, verurteilt und hingerichtet.

4) Franz, Graf von, geb. 21. Jan. 1811, trat als Sekretär der ungarischen Hofkanzlei in den Staatsdienst, ward dann Vizegouverneur in Fiume und 1841 Präsident des Wechselgerichts in Preßburg. Er hatte an der Entwickelung des Eisenbahnwesens in Ungarn hervorragenden Anteil und war 1848 Staatssekretär im Handelsministerium unter Széchényi, trat jedoch bei dem Ausbruch der revolutionären Bewegung zurück. 1874-80 war er österreichisch-ungarischer Internunzius in Konstantinopel.

5) Eugen, Graf von, geb. 5. Juli 1837 zu Mibaly, seit 1862 Mitglied des Reichstags, war besonders in volkswirtschaftlicher Richtung thätig, brachte 1879 die Landesausstellung in Stuhlweißenburg und 1885 die in Budapest zu stande und ist Präses des Landesindustrievereins sowie seit 1884 Wirkl. Geheimer Rat.

6) Joseph, Graf von, geb. 1841 zu Preßburg, Sohn von Z. 4), war 1867-69 ungarischer Handelsminister und später einige Zeitlang Gouverneur von Fiume. Derselbe hat wiederholt in Europa, Asien und Amerika große Reisen gemacht, unter andern mit seinem Bruder August durch die Wüste Gobi.

7) Géza, Graf von, geb. 22. Juli 1849 zu Sztára, Sohn des durch seine Beteiligung an der ungarischen Revolution bekannten Generals Grafen Leopold Z. (gest. 1869), verlor als 15jähriger Knabe durch ein Jagdunglück seinen Arm, setzte aber trotzdem unter Mayrberger, Volkmann und später bei Liszt seine musikalischen Studien fort und bildete sich durch eiserne Energie zu einem hervorragenden Klaviervirtuosen der linken Hand aus. Den Ertrag seiner zahlreichen Kunstreisen in Europa verwendete er zu humanen Zwecken. Z., Mitglied des ungarischen Oberhauses und Präsident des Konservatoriums zu Budapest, veröffentlichte auch eigne Kompositionen (Lieder, Etüden und Solostücke für die linke Hand etc.) sowie einige poetische Arbeiten.

Ziebland, Georg Friedrich, Architekt, geb. 7. Febr. 1800 zu Regensburg, erhielt in München durch Joh. Maria Quaglio, dann auf der Akademie unter Fischer, später unter Gärtner seine Bildung. Die Bauten seines Lehrers Fischer machten ihn mit der Praxis vertraut, so insbesondere der Bau des königlichen Hof- und Nationaltheaters in München, den er nach Fischers Tod vollendete. König Ludwig I. unterstützte ihn zu einer Studienreise nach Italien mit dem Auftrag, die Bauart der Basiliken zu studieren. Ins Vaterland zurückgekehrt, erbaute er 1831 das Lokal der Steuerkatasterkommission im Rundbogenstil und das gotische Denkmal bei Aibling. Sein Hauptwerk ist die dem heil. Bonifacius geweihte Basilika zu München, von 1835 bis 1848 ausgeführt. Nach dem Tode Dom. Quaglios vollendete Z. die Burg Hohenschwangau und übernahm nach dem Tod Ohlmüllers den Ausbau der Aukirche. Z. war Professor der Baukunst an der Akademie und Oberbaurat. Er starb 24. Juli 1873 in München.

Zieg., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für Fr. Ziegler, starb als Kustos am Naturalienkabinett in Wien (Insekten und Konchylien).

Ziege (Capra L.), Säugetiergattung aus der Ordnung der Paarzeher, der Unterordnung der Wiederkäuer und der Familie der Horntiere (Cavicornia), im allgemeinen stämmig und kräftig gebaute Tiere mit starken, nicht sehr hohen Beinen, gedrungenem Hals, verhältnismäßig kurzem und an der Stirn breitem Kopf, großen, lebhaften Augen, meist ohne Thränengruben und Klauendrüsen, mit aufgerichteten, schmal zugespitzten Ohren, abgerundet vierschneidigen oder zweischneidigen, vorn wulstig verdickten, an der Innenseite glatten Hörnern, welche beiden Geschlechtern zukommen und sich entweder in einfach halbmondförmiger Richtung nach hinten wenden, oder sich dann noch leierartig an der Spitze ausbiegen. Die Schnauzenspitze ist behaart und besitzt nur einen sehr kleinen, nackten Fleck zwischen den Nasenlöchern; das Kinn trägt einen Bart, der Schwanz ist kurz und pflegt aufrecht getragen zu werden. Alle Ziegen entwickeln einen eigentümlichen, in der Brunstzeit besonders durchdringenden Geruch (Bocksgeruch). Sie waren ursprünglich auf Mittel- und Südasien, Europa und Nordafrika beschränkt, bewohnen durchweg das Gebirge, leben gesellig und sind stets beweglich und unruhig. Sie klettern und springen sehr geschickt und mutig, besitzen verhältnismäßig große Kraft und Ausdauer, sind im allgemeinen vorsichtig und scheu, kämpfen aber im Notfall und zeigen eine gewisse Rauflust. Die Ziegen nähren sich von saftigen Gebirgspflanzen, erhalten sich auch in einem armen Gebiet, bedürfen aber des Wassers und lecken begierig