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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Zittau; Zittel

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Zittau - Zittel.

und 75 Teilen Z. mit wenig Wasser bei gelinder Wärme zur Trockne und mischt das gepulverte Salz mit 85 Teilen doppeltkohlensaurem Natron, 40 Teilen Z. und 20 Teilen Zucker. Man benutzt Z. in der Kattundruckerei, teils um die Farben zu erhöhen, teils als Reservage. In der Medizin dient sie als kühlendes, erfrischendes und besonders als treffliches Heilmittel gegen Skorbut; die englische Regierung hat deshalb alle Schiffe, welche die Polargegenden bereisen, verpflichtet, eine gewisse Menge Zitronensaft bei sich zu führen und die Bemannung damit zu versehen. Übermäßiger Gebrauch von Z. erzeugt Verdauungsstörungen, Schwäche, Anämie. Äußerlich benutzt man Z. gegen Krebsgeschwüre, Diphtheritis, Skorbut, Sommersprossen. In der Küche kann die Z. den Zitronensaft zur Bereitung saurer Speisen oder Getränke vollständig ersetzen, namentlich wenn man mit gutem Zitronenöl ein Minimum von Aroma hinzufügt. Die Eisensalze werden wie andre Eisenmittel, zitronensaure Magnesia als Abführmittel benutzt.

Zittau (Chytawa), sonst die dritte unter den Sechsstädten der Oberlausitz, jetzt Hauptstadt einer Amtshauptmannschaft in der sächs. Kreishauptmannschaft Bautzen, am linken Ufer der Mandau, unweit ihres Einflusses in die Neiße, Knotenpunkt der Linien Görlitz-Z. der Preußischen sowie Löbau-Z., Bischofswerda-Z., Z.-Reichenberg, Z.-Markersdorf, Z.-Reichenau und Z.-Oybin-Jonsdorf der Sächsischen Staatsbahn, 267 m ü. M., nach dem großen Brand infolge des Bombardements der Österreicher (23. Juli 1757) regelmäßig erbaut und mit schönen Anlagen umgeben, hat 7 evang. Kirchen (darunter die 1834 bis 1837 umgebaute Haupt- oder Johanniskirche mit trefflicher Orgel, die Peter-Paulskirche und die Kreuzkirche), eine neue kath. Kirche, ein 1840-45 im byzantinischen Stil erbautes Rathaus, ein Gewandhaus, ein Schauspielhaus, schöne Schulgebäude, ein Krankenhaus, ein öffentliches Schlachthaus, 2 Wasserleitungen und (1885) mit der Garnison (ein Infanterieregiment Nr. 102) 23,215 Einw., darunter 2581 Katholiken u. 135 Juden. Z., das auf einem mächtigen Braunkohlenlager steht, ist an Grundbesitz die reichste Stadt des Königreichs, indem zu derselben nicht allein die Waldungen des Lausitzer Gebirges auf der sächsischen Seite, sondern auch ein Flecken (Hirschfelde), 28 meist große Industriedörfer und 5 Dorfanteile gehören; unter den Dörfern sind z. B. Ebersbach, Eibau, Großschönau, Niederoderwitz, Olbersdorf und Seifhennersdorf. Die Industrie ist besonders bedeutend in Orléansweberei und Herstellung halbwollener Waren; ferner betreibt die Bevölkerung Tuch-, Woll- und Baumwollweberei, Posamentierwaren- und Maschinenfabrikation, Eisengießerei, bedeutende Färberei, Bleicherei, Ziegelbrennerei, Töpferei und starken Gemüse- und Gartenbau, auch befindet sich dort eine königliche Hofglasmalereianstalt sowie die Oberlausitzer Lichtdruck- und photographische Kunstanstalt. Für den Handel, welcher durch eine Handels- und Gewerbekammer, eine Reichsbanknebenstelle und andre Bankinstitute unterstützt wird, ist Z. Hauptsitz des sächsischen Damast- und Leinwandhandels, auch findet bedeutender Garnhandel nach Böhmen statt. Z. hat ein Amtsgericht, ein Hauptzollamt, ein Gymnasium, ein Realprogymnasium mit Handelsschule und eine Baugewerkschule. Dicht bei der Stadt sind drei 1744 entdeckte schwefelhaltige Eisenquellen mit Badeanstalt (Augustusbad). In der Nähe befinden sich mehrere Braunkohlengruben und in den großen Stadtdörfern wichtige Fabriken in Leinwand, Damast, Baumwollwaren etc. Im Lausitzer Gebirge sind die Sandsteinfelsen Nonnenklunzen bei Jonsdorf, die Klosterruine Oybin (s. d.) und auf der Grenze gegen Böhmen die schönen Aussichtspunkte Hochwald und Lausche bemerkenswert. - Das alte Z. (Sittowir, »Kornstadt«) ist wendischen Ursprungs, wurde, nachdem es bis dahin unter königlichen Burggrafen gestanden hatte, 1255 vom König Ottokar II. von Böhmen zur Stadt erhoben, 1287 von Wenzel II. mit vielen Privilegien ausgestattet und kam 1320 durch Tausch an den Herzog Heinrich von Jauer. Nach dem Tod König Johanns 1346 fiel es jedoch wieder an Böhmen zurück. Damals trat die Stadt dem Bunde der Sechsstädte bei, wurde in den Hussitenkriegen häufig von den Hussiten, die hier 1427 ein deutsches Heer schlugen, angegriffen und nahm 1521 die Reformation an. 1620 wurde Z. vom Kurfürsten Johann Georg I. erobert und nebst der übrigen Lausitz 1623 von Kaiser Ferdinand II. pfandweise und im Prager Frieden 1635 gänzlich als Lehen an Kursachsen abgetreten, 1639 von den Schweden unter Torstensson belagert und eingeäschert, dann abwechselnd von den Schweden, Kaiserlichen und Sachsen in Besitz genommen, von 1643 an aber von den Sachsen behauptet. Im Siebenjährigen Krieg wurde es im Juli 1757 von den Österreichern belagert und fast ganz niedergebrannt und hat sich erst in neuester Zeit wieder zu einer höhern Blüte entfaltet. Vgl. Carpzov, Analecta fastorum Zittaviensium (Zittau 1716); Peschek, Geschichte von Z. (das. 1834-1837, 2 Bde.); Derselbe, König Ottokar II. und die Begründung der Stadt Z. (Görl. 1855).

^[Abb.: Wappen von Zittau.]

Zittel, 1) Karl, Führer des kirchlichen Liberalismus in Baden, geb. 21. Juni 1802 zu Schmieheim war seit 1834 Pfarrer in Bahlingen, seit 1849 zu Heidelberg; er starb 28. Aug. 1871 in Karlsruhe. Als Mitglied der badischen Ständekammer ist er besonders 1845 durch seinen Antrag zu gunsten der Religionsfreiheit bekannt geworden. Später gehörte er zu den Gründern des Protestantenvereins und redigierte mit K. Hase die Erbauungsschrift »Der Sonntagabend«. - Sein Sohn Emil, geb. 14. Aug. 1831 zu Lörrach, seit 1874 Dekan in Karlsruhe und Mitglied der badischen Generalsynode, machte sich ebenfalls um die Entwickelung der evangelischen Kirche in Baden verdient und schrieb: »Die Entstehung der Bibel« (4. Aufl., Karlsr. 1882); »Bibelkunde« (9. Aufl., das. 1886); »Dr. M. Luther 1483-1517« (das. 1883). Im Verein mit Schmitthenner und andern gab er die »Familienbibel des Neuen Testaments« heraus (Karlsr. 1880-85, 2 Bde.).

2) Karl Alfred von, Geolog und Paläontolog, Sohn des vorigen, geb. 25. Sept. 1839 zu Bahlingen bei Freiburg i. Br., studierte in Heidelberg, Paris und Wien, beteiligte sich bei der Geologischen Reichsanstalt an der Übersichtsaufnahme von Dalmatien und wurde Assistent beim Hofmineralienkabinett in Wien. 1863 habilitierte er sich an der dortigen Universität, ging aber noch in demselben Jahr als Professor der Mineralogie nach Karlsruhe und 1866 als ordentlicher Professor der Paläontologie und Direktor des paläontologischen Staatsmuseums nach München. Z.