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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Zoëtrop; Zofingen; Zoïatrik; Zoïlos; Zoïsit; Zoïsmus; Zola

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Zoetrop - Zola.

Gieß. 1811-12, 2 Bde.). Sein bedeutendstes Werk, in seiner Art ein Meisterwerk, ist jedoch sein »Catalogus codicum copticorum manuscriptorum qui in museo Borgiano Velitris adservantur« (Rom 1810). Seine »Zerstreuten Abhandlungen« gab Welcker (Göttingen 1817) heraus. Vgl. Welcker, Zoegas Leben (Stuttg. 1819, 2 Bde.).

Zoëtrop, s. Phänakistoskop.

Zofingen, Landstädtchen im schweizer. Kanton Aargau, an der Zentralbahnlinie Olten-Luzern und der Bahnlinie Z.-Suhr-Aarau, in einer fruchtbaren, von der Wigger durchflossenen Ebene, mit bedeutender Stadtbibliothek (gegen 20,000 Bände), Taubstummenanstalt, ausgedehnter Seiden- und Baumwollindustrie, Wachstuchfabrikation und (1888) 4496 Einw. Z. besaß schon unter Karl dem Dicken das Münzrecht, war eine Zeitlang freie Reichsstadt, dann österreichisch, öfters Residenz österreichischer Fürsten und kam 1798 an den Kanton Aargau. Vgl. Brunner, Das alte Z. (Aarau 1877).

Zoïatrik (griech.), Tierheil-, Tierarzneikunde.

Zoïlos, griech. Rhetor im 3. Jahrh. v. Chr., aus Amphipolis gebürtig, war berüchtigt als hämischer Kritiker, besonders des Homer (daher auch Homeromastix, »Geißel des Homer«, genannt), und ist daher sprichwörtlich geworden für gemeine Zänker und hämische Tadler.

Zoïsit, Mineral aus der Ordnung der Silikate (Epidotgruppe), kristallisiert rhombisch, in langen eingewachsenen Säulen, findet sich auch derb in stängeligen Aggregaten, ist farblos, meist grau, gelblich, grünlich, Härte 6, spez. Gew. 3,22-3,36, glasglänzend, schwach durchscheinend, besteht aus einem Silikat nach der Formel H2Ca4(Al2)3Si6O26 ^[H_{2}Ca_{4}(Al_{2})_{3}Si_{6}O_{26}], doch wird etwas Thonerde durch Eisenoxyd ersetzt. Z. hat also dieselbe chemische Zusammensetzung wie Epidot. Er findet sich bei Gefrees, an mehreren Orten in Tirol, an der Saualpe in Kärnten, im Pinzgau, Nordamerika, mikroskopisch in manchen Amphibolschiefern.

Zoïsmus (griech.), das tierische Leben und die Gesamtheit seiner Erscheinungen; zoïsch, s. v. w. animalisch.

Zola (spr. sola), Emile, franz. Romanschriftsteller, geb. 2. April 1840 zu Paris, Sohn eines italienischen Ingenieurs, der den Bau des »Kanals Zola« in der Provence leitete, aber schon 1847 in Aix starb, verbrachte seine Jugend im Süden, besuchte seit 1858 das Lycée St.-Louis in Paris und trat dann, um sich dem Buchhandel zu widmen, in das Geschäft von Hachette ein. Seine Mußestunden zu schriftstellerischen Arbeiten benutzend, schrieb er litterarische und theatralische Kritiken für verschiedene Zeitschriften und versuchte sich bald auch auf dem Gebiet des Romans mit: »Les mystères de Marseille« und »Le vœu d'une morte«. Mehr Beachtung als diese Werke fanden schon seine »Contes à Ninon« (1864) und die »Confession de Claude« (1865), während »Thérèse Raquin« (1867) die Richtung des Autors sowie sein Talent, die Nachtseiten der menschlichen Natur mit grausamer Wahrheit zu schildern, unzweifelhaft bekundete. Nachdem er darauf »Madeleine Férat« (1868), eine Studie über die Fatalität der ererbten Anlagen, gleichsam als Vorspiel vorausgeschickt, begann er seinen berühmten, dasselbe Thema in ausgeführterer Weise behandelnden Romancyklus »Les Rougon-Macquart«, den er selbst als die »psychologisch-soziale Geschichte einer Familie unter dem zweiten Kaiserreich« bezeichnet, und von dessen projektierten 20 Bänden (1870-89) 16 erschienen sind, nämlich: »La fortune des Rougon«, »La Curée Ventre«, »Le ventre de Paris«, »La conquête de Plassans«, »La faute de l'abbé Mouret«, »Son excellence Eugène Rougon«, »L'Assommoir«, »Une page d'amour«, »Nana«, »Pot-Bouille«, »Au Bonheur des dames«, »La joie de vivre«, »Germinal«, »L'Œuvre«, »La Terre«, »Le Rêve« und »La bête humaine«. Vom »Assommoir« an erlebten alle Romane der Serie erstaunliche Auflagen, die stärksten der eben genannte (300,000 Exemplare), »Nana«, nicht minder begehrt, und »La Terre«, 150,000 Exemplare in 18 Monaten. Über den leitenden Gedanken, der durch das Werk hindurchgehen soll, spricht sich Z. in der Vorrede zum ersten Band selbst aus. Er wolle, sagt er, durch Lösung der doppelten Frage des angebornen Temperaments und der umgebenden Welt den Faden zu verfolgen suchen, der mit mathematischer Genauigkeit von einem Menschen zum andern führe. Wie die Schwerkraft, so habe auch die Erblichkeit ihre bestimmten Gesetze. Das charakteristische Merkmal der Rougon-Macquart sei die Zügellosigkeit der Begierden, die unersättliche Genußsucht, welche, physiologisch betrachtet, als die langsame Folge gewisser Zufälle im Blut- und Nervenleben angesehen werden müssen, die sich aus einer ersten organischen Verletzung in einer Rasse entwickeln und je nach der umgebenden Atmosphäre bei jedem Individuum dieser Rasse die Gefühle, Triebe, Leidenschaften, die natürlichen und instinktiven Kundgebungen des Menschen bestimmen, deren Ergebnisse man gemeinhin Tugenden und Laster nenne etc. Die Art, wie Z. diese Aufgabe gelöst, hat ihm ebenso heftige Angriffe wie unbegrenzte Bewunderung eingetragen und ihn jedenfalls als Chorführer der Naturalisten legitimiert. Allein er hat die Anwendung des Grundsatzes der Realisten, daß der Schriftsteller alles solle darstellen dürfen, was die menschliche Handlungsweise bestimmt, daß er es der Wahrheit schuldig sei, nichts zu verschweigen und nichts zu beschönigen, fast mit jedem neuen Gliede der Kette gesteigert. Bei »Nana« glaubte man, er wäre jetzt an der äußersten Grenze des Widerwärtigen, Ekelerregenden, Unflätigen angelangt; aber man irrte sich, wie »Pot-Bouille«, »Germinal« und »La Terre« bewiesen. Die übrigen vier Werke bezeichnen je einen Stillstand in der krankhaften Schmutzmalerei Zolas, obwohl sie den Leser stellenweise ebenfalls anwidern konnten; im »Rêve« machte der Verfasser sogar eine gewaltige Anstrengung, um eine »weiße Symphonie« vor ein darüber mehr erstauntes als entzücktes Publikum hinzuzaubern, das sich Z. nicht als den Dichter der Unschuld und Reinheit zu denken vermochte, und mit Recht. Der Kritiker Z., der für den »Voltaire«, den »Figaro« und den in Moskau erscheinenden »Europäischen Boten« schrieb, solange der Roman ihm nicht ein reichliches Auskommen bot, zeichnete sich durch Verstandesschärfe, aber auch durch Einseitigkeit aus, wie es von dem Schriftsteller nicht anders zu erwarten ist, der das Wort Thiers': »Die Republik wird konservativ sein, oder sie wird nicht sein« abgeändert hatte in: »Die Republik wird naturalistisch sein, oder sie wird nicht sein«. Charakteristisch genug nannte er den ersten Band seiner gesammelten Abhandlungen über lebende Schriftsteller und ihre Werke »Mes haines« (1866, neue Ausg. 1879). Die übrigen Bände sind: »Le roman expérimental« (1880), »Les romanciers naturalistes«, »Le naturalisme au théâtre«, »Nos auteurs dramatiques«, »Documents littéraires« (1881). Am schroffsten gab er seinen Meinungen, seinem »Haß«, Ausdruck in einem Artikel der erwähnten Moskauer Zeitschrift, der ins