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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Zornschlange; Zoroaster

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Zornschlange - Zoroaster.

genug und war daher erfolglos. Die russische Kavallerie stürmte aus der Mitte des sich öffnenden Karrees hervor und warf acht preußische Bataillone auf Z. zurück, während auch die Infanterie des rechten russischen Flügels sich vorwärts bewegte, um die gewonnenen Erfolge zu sichern. Da stürzte sich Seydlitz mit seiner gesamten Kavallerie auf die russische, brachte sie zum Weichen und zerschmetterte auch die Infanterie des feindlichen rechten Flügels, die über die Mietzel floh, wohin ihr auch Fermor folgte. Darauf ließ der König um 2 Uhr nachmittags den bisher noch nicht in Thätigkeit gewesenen rechten Flügel gegen den ebenfalls noch unberührten linken Flügel der Russen vorrücken. Die russische Kavallerie, die sich wieder gesammelt hatte, stürzte sich auf die preußische Infanterie und brachte 13 Bataillone zum Weichen. Schon schien die Schlacht verloren, als Seydlitz zum zweitenmal an der Spitze von 61 Schwadronen (8000 Mann) rechtzeitig herbeieilte, sich in die entstandene Lücke warf und den Feind in die Moräste bei Quartschen zurückdrängte. Auch das preußische Fußvolk ging wieder vor. Es entstand nun ein wildes Handgemenge mit Bajonett, Kolben und Säbel Mann gegen Mann, bis eine Seitenbewegung der Preußen, welche die Russen mit Umzingelung bedrohte, diese zum Rückzug bewog, welcher bald in verwirrte Flucht ausartete. Doch behauptete ein Teil der Russen eine gesicherte Stellung auf einer Anhöhe am Galgengrund, welche die Preußen nicht nehmen konnten. Auch diese waren erschöpft und in Unordnung geraten und mußten sich erst wieder sammeln, so daß die Schlacht nicht mit der Vernichtung der Russen endete. Erst 27. Aug. zogen sich diese zurück. Sie hatten in der zwölfstündigen Schlacht 18,000 Tote und Verwundete, 103 Geschütze, 3000 Gefangene und einen Teil ihrer Kriegskasse, die Preußen 10,000 Mann an Toten und Verwundeten, 1500 Gefangene und 26 Geschütze verloren. Friedrich selbst schrieb den Sieg nicht sich, sondern dem rechtzeitigen Eingreifen Seydlitz' zu. Vgl. Schottmüller, Die Schlacht bei Z. (Berl. 1858).

Zornschlange, s. Nattern.

Zoroaster, der Stifter der berühmten dualistischen Glaubenslehre der alten Iranier, welche die Staatsreligion des alten Perserreichs bis zu seinem Sturz durch Alexander d. Gr. war, in dem neupersischen Reich der Sassaniden (3.-7. Jahrh. n. Chr.) wieder als solche erneuert wurde, aber infolge der Eroberung des Landes durch die Araber und der Einführung des Islam von dem Boden Irans fast völlig verschwand und sich nur bei den Parsen (s. d.) in Indien noch bis auf den heutigen Tag erhalten hat. In der Zendsprache (s. Zend) lautender Name Zarathuschtra, woraus die griechischen Autoren des Altertums Z., die Parsen Zerduscht machten. Die Berichte der Griechen und diejenigen der Parsen (in dem »Zerduschtnameh«) über sein Leben sind durchaus sagenhaft, und es läßt sich nur so viel daraus entnehmen, daß Z. mit Hilfe eines ostiranischen, wahrscheinlich baktrischen, Königs Hystaspes (Vistaspa, Gushtasp), der aber nicht mit dem viel spätern persischen König Hystaspes, dem Vater des Dareios, verwechselt werden darf, die Religion seines Landes reformiert hat. Duncker setzt ihn um das Jahr 1000 v. Chr., Haug sogar noch mehrere Jahrhunderte früher. Jedenfalls hat er längere Zeit vor der Gründung des persischen Reichs durch Kyros gelebt, da er von den Griechen in eine graue Vorzeit hinaufgerückt wird und die von ihm gestiftete Religion schon zur Zeit des Dareios in Persien die herrschende war, wie die von diesem König herrührenden Keilinschriften beweisen (s. Keilschrift). Die zuverlässigste Quelle für unsre Kenntnis der Lehren Zoroasters ist die im Zendavesta (s. d.) enthaltene Sammlung der Gâthâs oder Lieder, welche entweder von ihm selbst oder doch von seinen Jüngern verfaßt sind. Hiernach ist der Gott, welcher die Welt geschaffen hat und erhält, Ahuramazda (daraus später Ormuzd); er wird der Herr, der Herrscher, der Starke, am häufigsten aber der segenspendende und heilige Geist genannt. Von ihm gehen aus sechs gute Geister, die spätern Amshaspands (»Unsterbliche, Heilige«), welche, wie ihre Namen sagen, die Tugend, die Wahrhaftigkeit oder Heiligkeit, die gute Gesinnung, die Demut oder Weisheit, die Herrschaft oder den Besitz, die Gesundheit und die Langlebigkeit oder Unsterblichkeit bedeuten. Sie sind reine Allegorien und werden oft, besonders die beiden letzten, als Güter angerufen, welche Ahuramazda gebeten wird den Frommen zu verleihen. Dem Ahuramazda wird Anramainyu (später Ahriman, s. d.), d. h. der böse Geist, gegenübergestellt, der ihm in Gedanken, Worten und Werken entgegengesetzt ist. Die beiden zusammen werden als die »Zwillinge« dargestellt, welche das Gute und Böse erschaffen haben, und es treten den sechs guten Geistern ebenso viele böse, von Anramainyu geschaffene gegenüber, von denen jedoch nur die »Lüge« und die »böse Gesinnung« bereits in den Gâthâs erscheinen, während die übrigen erst ein Produkt der spätern Ausbildung der Zoroastrischen Lehre sind. In der Menschenwelt stehen sich ebenso schroff die Frommen oder Gläubigen und die Götzendiener gegenüber; letztere, die auch als »Blinde und Taube« bezeichnet werden, soll man auf jede Weise angreifen, aus ihrem Besitz treiben und ums Leben bringen. Der Fromme, der auf den Pfaden der Weisheit wandelt, erlangt in diesem Leben Reichtum, Nachkommenschaft und Macht, Gesundheit und langes Leben; nach dem Tod gelangt seine Seele über die Brücke Tschinvat, an welcher das Gericht über Gute und Böse abgehalten wird, in die seligen Gefilde des Paradieses Garodemâna (später Garotman), des »Orts der Lobgesänge«; die Seele des Bösen aber gelangt an den »schlechtesten Ort«, d. h. in die Hölle. Und dereinst, wenn die Welt untergeht, wird das Jüngste Gericht stattfinden, der böse Geist verschwinden und eine neue, ewige Welt entstehen. Die Grundlagen dieser Vorstellungen lassen sich durchgehends schon in der Urzeit nachweisen, als die Iranier mit den stammverwandten Indern noch ein einziges Volk bildeten, so namentlich die Namen der sechs guten Geister, der Name der Lüge (im Zendavesta Drudsch, in den Wedas der Inder Druh, das deutsche Trug) etc. Ahuramazda entspricht seinem ganzen Wesen nach dem indischen Varuna und ist wohl ein Reflex des Himmelsgottes, der schon von den Indogermanen (s. d.) verehrt wurde. Auch der Kampf zwischen den guten Mächten des Lichts und den bösen der Finsternis und der Trockenheit ist eine uralte Vorstellung und wurde in Iran nur potenziert, indem die letztern unter ein Oberhaupt gestellt und dieses mit einem ähnlichen Hofstaat wie das Oberhaupt der guten Schöpfung umgeben wurde. Andre Gottheiten oder Dämonen des primitiven Naturdienstes der Urzeit fanden in der spiritualistischen und von philosophischen Tendenzen getragenen Lehre Zoroasters keinen Platz, so: der Sonnengott Mithra, der in der Urzeit der unzertrennliche Genosse des Himmelsgottes gewesen war; der Gott Haoma (Soma), die Personifikation des Trankes, welcher den Göttern im Opfer