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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Amerika

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Amerika (Forschungsreisen seit 1880)

werdenden Verteidigungsmaßregeln gegen blattangreifende Insekten, wie die Blattschneiderameisen, direkt beobachtet. Um zu beweisen, daß die durch die Nektarien verursachte sehr erhebliche Zuckerausscheidung für den Stoffwechsel der betreffenden Pflanze in physiologischer Hinsicht nicht notwendig ist, entfernte Schimper an Exemplaren von Cassia neglecta, Vicia Faba und Catalpa syringaefolia auf künstliche Weise die Nektarien und sah trotzdem die Blätter sowie die ganzen Pflanzen normal weiterwachsen; es folgt hieraus, daß die Zuckerdrüsen für den Gesamtstoffwechsel ohne Bedeutung sind. Trotzdem haben sie offenbar als Anlockungsmittel einen sehr großen biologischen Nutzen, da sonst eine so reichliche Vergeudung von Zucker unerklärbar sein würde. Als Lockstellen unterscheiden sie sich bisweilen, z. B. bei Arten von Passiflora, Triumfetta, Cassia, Croton, Erythrina, durch auffallende Färbung von ihrer Umgebung; so sind sie z. B. bei Vicia Faba purpurfarbig, bei Zanthoxylon- und Alchornea-Arten rot, bei Melampyrum arvense violett,an den Deckblättern von Clerodendron fragans weiß etc. Vorzugsweise treten sie in der Nähe der Blütenregion auf, da die Blumen ganz besonders des Schutzes gegen Fraß und Ausplünderung durch unberufene Blütengäste bedürftig erscheinen. Vgl. Belt, The naturalist in Nicaragua (Lond. 1874); Veccari, Pianti ospitatici, ossia piante formicarie della Malesie e della Papuasia (Flor. 1884 u. 1885); Treub in "Annales du jardin botanique de Buitenzorg" (1883); Delpino, "Funzione mirmecofila nel regno vegetale. Prodromo d'una monografia delle piante formicarie" (Bolog. 1886-88, 2 Tle.); Huth, Myrmekophile und myrmekophobe Pflanzen (Berl. 1887); Fr. Müller, Die Imbauba und ihre Beschützer ("Kosmos", Bd. 8); A. F. V. Schimper,^[richtig wohl: Andreas Friedrich Wilhelm Schimper] Die Wechselbeziehungen zwischen Pflanzen und Ameisen im tropischen Amerika (Jena 1888); Schumann, Die A. (Hamb. 1889).

Amerika (Forschungsreisen). Eine gedrängte Übersicht der seit 1880 in A. gemachten Entdeckungsreisen zeigt wohl, daß "große" Entdeckungen, wie etwa in Afrika und Innerasien, dort nicht länger zu machen sind; sie beweist aber auch, daß noch viel zu thun ist, ehe selbst unsre kartographische Darstellung dieses Weltteils eine befriedigende sein wird.

Im britischen Nordamerika wird die genaue Forschung durch von der Regierung reich dotierte Behörden rasch und gründlich gefördert. Namentlich gehören hierher die Arbeiten des Geological and Natural History Survey unter Leitung von A. C. Selwyn, dem wir auch für die eigentliche Geographie höchst wichtige Beiträge verdanken. Die Beamten dieses Amtes sind namentlich auch in dem noch wenig erforschten Westen und Norden thätig. Die Felsengebirge und Britisch-Columbia haben seit 1874 zahlreiche Geologen und Topographen beschäftigt, ohne daß indes die Arbeiten zu einem Abschluß gekommen wären. Zu nennen sind hier namentlich der unermüdliche G. M. Dawson, sein Nachfolger R. G. Mc Connell, A. Bowman und J. B. Tyrell. Um die Erforschung der Gegenden zwischen den besiedelten Gebieten und der Hudsonbai hat sich namentlich Robert Bell (seit 1875) verdient gemacht, dem besonders auch die Untersuchung der möglichen Handelsverkehrsstraßen zwischen Manitoba und Hudsonbai anvertraut war, und der auch eine von den drei 1884-86 vom Marinedepartement unter Leitung von A. Gordon dorthin entsandten Expeditionen begleitete. Unter kleinern Arbeiten verdient die von A. P. Low 1885 bewerkstelligte Aufnahme des Mistassinisees (zwischen Quebec und der Hudsonbai) hervorgehoben zu werden. Entdeckungsreisen im eigentlichen Sinn waren die von G. M. Dawson (1887), Ogilvie und R. G. Mc Connell in die Gebiete des untern Mackenzie und des obern Jukonflusses. Ogilvie überwinterte 1887 bis 1888 am Jukon und machte 1888 eine Aufnahme des zwischen diesem Fluß und dem Mackenzie liegenden Landes, während Mc Connell in Fort Providence am Mackenzie überwinterte und von da über den Jukon und Tschilkut an die Westküste reiste. Hier mag auch gleich die 1889 von den Vereinigten Staaten unter J. E. Mc Grath entsandte Expedition erwähnt werden, deren Aufgabe es ist, die nördlich vom St. Elias liegende internationale Grenze festzulegen. Von größern Privatreisen in diese Gebiete verdient nur diejenige des Lord Lonsdale Erwähnung, der im März 1888 Winnipeg verließ, den Mackenzie bis zur Mündung hinabfuhr und im Februar 1888 die Küste Alaskas erreichte. Eine ähnliche Reise haben 1889 E. W. Everest und Graf de Sainville angetreten. Bescheidener, aber immerhin für die Landeskunde wichtig, sind die Aufnahmen des Dominion Land Survey, unter Kapitän E. Deville. Diese beschränken sich selbstverständlich auf die zu besiedelnden Gebiete.

In den Vereinigten Staaten ist die Erforschung des Landes ähnlich geordnet wie in Kanada. Ein Geological Survey ist 1879 unter einheitlicher Leitung ins Leben getreten, und die seit 1867, bez. 1869 unter Leitung von F. V. Hayden, J. W. Powell und Clarence King bestehenden, sich oft einander entgegenarbeitenden Aufnahmebehörden sind mit ihm vereinigt worden. Der erste Direktor dieses Amtes war Clarence King, aber schon 1880 trat J. W. Powell an dessen Stelle. Dieses Amt erstreckt seine Thätigkeit auf die ganze Union und bezweckt vor allem, eine gute topographische Karte zu schaffen, als Grundlage für geologische und andre wissenschaftliche Arbeiten. Die Karten erscheinen seit 1888 und sind je nach der Dichtigkeit der Bevölkerung im Maßstab von 1:250,000^[fehlt:,] 1:125,000 u. 1:62,500 hergestellt. Das Terrain wird durch Isohypsen bezeichnet, die Darstellung ist gefällig und genügt. Die Karten werden von Berichten über die physikalische Geographie, Geologie und Ethnographie begleitet. Gleichfalls wichtig ist das United States Coast Survey, dessen früherer Direktor, Bache, Weltruf genießt. Dieses Amt beschränkt sich indes keineswegs auf Küstenaufnahmen, sondern befaßt sich außerdem mit der Landestriangulation, Präzisionsnivellements und der Aufnahme der schiffbaren Flüsse. Es steht unter dem Schatzamt. Vom Kriegsministerium werden einige bedeutende Flußaufnahmen, wie die des Mississippi (seit 1879) und Missouri (seit 1884), geleitet. Geologische Aufnahmen sind in den meisten Staaten von Staatsgeologen vollendet worden, aber seit Schaffung einer Zentralbehörde scheinen dieselben meistens ihre Arbeit eingestellt zu haben. Die schöne Aufnahme von Kalifornien (unter J. D. Whitney) ist nie vollendet worden; New York hat es nur bis zu einer Triangulation gebracht, während in andern Staaten die nötigen Mittel nur karg zu ähnlichen Arbeiten bewilligt werden. Von kleinern Expeditionen verdient die von J. V. Brower nach den Mississippiquellen geführte Erwähnung. Sie will einen vom Itaska und Glaziersee verschiedenen Quellsee entdeckt haben. Indes ist in Minnesota 24. April 1889 ein Gesetz erlassen worden, welches den Glaziersee aus der Welt schafft und den Itaska in seine alten Rechte einsetzt. Interessant ist ebenfalls die Reise von Frank Cushing und H. F. C. ten Kate nach Arizona und Neumexiko, wo sie die