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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Deutsch-Ostafrika (Verkehr, Handel, staatliche Verhältnisse).

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Deutsch-Ostafrika'

Anmerkung: Fortsetzung von [Bevölkerungsverhältnisse, Kultur.]

Inseln Sansibar und Pemba, die von Ölpalmen nur auf Pemba betrieben wird. Auch die französischen Missionäre (meist deutsche Elsässer) haben bei Bagamoyo und im Innern schöne Pflanzungen angelegt, während die englischen Missionäre an der ostafrikanischen Küste dies ganz vernachlässigen. Die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft zog auf ihren Stationen meist nur genügend für den Küchenbedarf, eine eigentliche Plantage besaß sie nur zu Kikogwe, gegenüber Pangani, wo Baumwolle gepflanzt wurde. Dagegen war der Zweck der 1886 gegründeten Deutsch-Ostafrikanischen Plantagengesellschaft die Anlage von Pflanzungen; sie besaß zu Lewa, zwei Tagereisen von Pangani, sowie zu Kibueni auf Sansibar Tabakspflanzungen, welche sehr gut gediehen. Doch wurde Lewu durch den Aufstand verwüstet, auch bleibt es fraglich, ob der Tabak die Transportspesen nach der Küste vertragen könnte.

Den Verkehr zwischen den bedeutendern Häfen (Lindi, Kiloa Kivindje) mit Sansibar, Mombas, Lamu, Aden und Indien einerseits und Ibo, Mosambik, Quilimane, Delagoabai, Natal und Kapstadt anderseits vermitteln die Dampfer der englischen British-India steaam Navigation Co. von Aden aus und der Castle Mail-Line, welche ihre Fahrten um das Kap macht, während die der französischen Messageries maritimes von Madagaskar über Mosambik und Ibo direkt nach Sansibar gehen, die Küste Deutsch-Ostafrikas demnach gar nicht berühren. Die kleinern Dampfer des Sultans von Sansibar besuchen öfters die Küstenplätze und stellen in langen Zwischenräumen den einzigen, ziemlich willkürlichen Verkehr mit dem Somalland her. Zwei in Sansibar angesessene deutsche Firmen besitzen ebenfalls je ein größeres Schiff, während der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft ein kleines Dampfboot gehört, das bei gutem Wetter die Reise von Sansibar nach den Küstenplätzen zu machen im stande ist. Bei dieser ziemlich traurigen Dampferverbindung spielen die kleinen, aber seetüchtigen arabischen Dhaws immer noch die erste Rolle. In nächster Zeit werden indes drei neue Linien mit D. verkehren, eine englische, welche von Liverpool durch den Suezkanal nach Sansibar, eine portugiesische, welche die portugiesischen Besitzungen im W. und, um das Kap laufend, im O. sowie Sansibar anläuft, und eine deutsche, welche sich von der deutschen Reichspostdampferlinie nach Ostasien bei Aden abzweigt und alle wichtigen Häfen der Ostküste bis zur Delagoabai anläuft. Für diese durch drei Dampfer zu besorgende Linie will das Reich eine Subvention von 900,000 Mk. jährlich beisteuern.

Der Handel ist erst in neuester Zeit durch die Herrscher von Sansibar wieder belebt, die Produktion des Landes vermehrt und die Sicherheit im Innern hergestellt worden. Von den Handelswegen nach dem Innern sind besonders drei nennenswert. Einer von Tanga und Pangani nach den Ebenen von Massailand, dem Bergland von Dschagga und den Hochebenen jenseit des Doengo Ngai. Eine zweite gangbare Karawanenstraße führt von Bagamoyo, Kondutschi oder Mboamadschi über Sungamero und Ugogo in das Hochland von Uniamvesi, von dessen Mittelpunkt Tabora wieder Wege südwärts nach Khokoro, südwestwärts nach Lunda, westwärts an den Tanganjika und nordwärts an den Ukerewe sich abzweigen. Auf der dritten gangbaren Straße gehen die Araber von Kiloa nach Mdschenga am Nyassa, übersetzen denselben an seiner schmälsten Stelle in Ruderbooten und gehen dann noch weiter westwärts dem Hochland zu. Hier wie in Westafrika vermittelt ↔ lediglich der Mensch als Träger den Verkehr, alles wird auf den Köpfen getragen, und eine Karawane bedarf mehrerer Hunderte von Trägern, um einen größern Warenvorrat fortzuschaffen. In jedem neuen Gebiet muß eine Abgabe an den Häuptling, eine Art Durchgangszoll, gezahlt werden. Der äußerste westlichste Punkt ist die Marktstadt Njangwe am Lualaba. Das Binnenland nach den Großen Seen hat als Stapelwaren Sklaven, Hornvieh, Eisen, Tabak, Matten und Baumrinde; dazu kommen Elfenbein, Hippopotamuszähne, Rhinozeroshörner. Von großer Wichtigkeit ist der an der Küste vorkommende Kopal; Kaurimuscheln werden an der ganzen Küste gesammelt, doch haben sie nur noch im Innern Geltung, an der Küste zieht man englische und arabische Silber- und Goldmünzen vor. Sonst werden noch ausgeführt: Palmöl und Palmkerne, Affenfelle, Ebenholz, Rotholz, Kalabarbohnen (eine Gift enthaltende Nuß) und etwas Kautschuk. Die Einfuhr begreift namentlich Rum, Schießpulver und Munition, Korallen, Baumwollzeuge, Messingdraht, Bandeisen, Eisen- und Stahlwaren, Glasperlen, Zündhölzer und viele andre Industrieerzeugnisse Europas.

Noch bis ganz vor kurzem wurde hier der Sklavenhandel auf das schwunghafteste betrieben, auch der zwischen England und dem Sultan von Sansibar 1874 abgeschlossene Vertrag änderte daran nichts. Der größere Teil der Sklaven kam aus den Landschaften im W. des Nyassasees und ging meist nach Kiloa, um von dort nach Sansibar verschifft zu werden. Bei dem Zollhaus des Sultans von Sansibar in Kiloa wurden 1863 - 67 nicht weniger als 97,203 Sklaven versteuert, und seitdem nahm die Zahl der verschifften Sklaven keineswegs ab. Dazu kommen noch die andern Häfen an der Küste, aus denen ebenfalls Sklaven ausgeführt werden. Nach dem Vertrag mit England war nicht die Zufuhr von Sklaven nach den Besitzungen des Sultans von Sansibar, wohl aber die Ausfuhr derselben nach Arabien, Persien u.a. verboten. Aber dieselbe fand trotzdem statt. Die arabischen Segeldhaws hängen von den Monsunen ab und können nur von April bis Ende Juni und von September bis Anfang November auslaufen. Während dieser Perioden in den Jahren 1867 - 69 brachten die an dieser Küste stationierten englischen Kreuzer nicht weniger als 116 Dhaws auf, aus denen sie 2645 Sklaven befreiten, während allein aus Kiloa und Sansibar 37,000 Sklaven verschifft wurden. Infolge dieser Sklavenjagden ist die Bevölkerung furchtbar dezimiert worden. Seit 1888 haben nun Deutschland, England, Portugal und Italien gemeinsam es unternommen, durch Stationierung von Kriegsschiffen an der Ostküste dem Sklavenhandel ein Ende zu setzen.

Die Völkerschaften dieses Gebiets bilden meist kleine Staaten mit monarchischer oder republikanischer Verfassung; bei manchen aber ist von irgend welcher Verfassung gar keine Rede. Die Oberhäupter oder Ältesten, welche in einigen dieser Staaten den Titel Sultan führen, vollziehen entweder nur die Beschlüsse der Majorität, oder sie regieren mit eigner Machtvollkommenheit. Dagegen steht das Küstenland seit Jahrhunderten unter dem Einfluß auswärtiger Mächte. Nachdem 924 die Araber an der Somalküste die Städte Makdischu und Barawa angelegt hatten, gründeten die Perser 980 Kiloa; von diesen Plätzen breiteten beide Völker ihre Herrschaft über die Ostküste aus und bildeten eine Anzahl selbständiger Freistaaten. Vasco da Gama fand 1498 die blühenden Städte Mosambik, Kilwa, Mombas,

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 245.