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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Eisernes Kreuz - Eiszeit

genügt meist eine maßanalytische Bestimmung des Eisenoxyduls mit übermangansaurem Kali. Reiner E. enthält 20,15 Proz. Eisen = 25,90 Proz. Eisenoxydul.

Eisernes Kreuz. Über die Frage, inwieweit den Besitzern des Eisernen Kreuzes das Prädikat »Ritter« gebührt, ist eine Entscheidung nicht ergangen. Es steht hiernach in dem Belieben der beteiligten Personen sich, »Ritter« oder »Inhaber« dieser Auszeichnung zu nennen.

Eisfeld, (1885) 3278 Einw.

Eishöhlen. Die größte und interessanteste Eishöhle der Schweiz liegt südöstlich unter dem Sigriswyler Rothorngipfel in 1790 m Meereshöhe. Dieselbe hat eine Länge von 206,8 m, die tiefste Stelle, die Oberfläche des Eissees, liegt 37,8 m tiefer als der Eingang, die Breite schwankt zwischen 23,5 und 7,5 m. Erst 86 m vom Eingang beginnt die Eisbildung, die sich 107,3 m weit in die Höhle erstreckt, von einem jähen Einsturz unterbrochen, der die Höhle in zwei Stufen trennt. Das Eis zerfällt in zwei leicht unterscheidbare Arten, von denen die farblose und durchsichtige den Boden bedeckt und die Stalaktiten bildet, die nur im Winter vorhanden sind; die Stalagmiten bestehen aus kristallinischem, durchscheinendem, beim Zertrümmern meist in sechskantige Prismen zerfallendem Eis, dessen Mächtigkeit mit den Jahreszeiten schwankt. Das aus den Spalten fließende Wasser zeigt selbst im Januar eine Temperatur von 3,5° C., der Zufluß beträgt in 18 Minuten 1/2 Lit. Der Kreislauf der Luft zwischen der Höhle und dem Freien hört bei 80 m Entfernung vom Eingang auf. Für die Erklärung der abnormen Eisbildungen in den obern Bodenschichten ist die physikalische Beschaffenheit der E. von Wichtigkeit. Alle hierher gehörigen Phänomene lassen sich einteilen in: 1) Eishöhlen und zwar eigentliche E. und einführende Dolinen; 2) Eislöcher, die in Eisleiten und Eisbildungen im Gerölle (Eisgerölle) zerfallen; 3) abnorme, niedrige Bodentemperaturen, einerseits Ventarolen und Windlöcher, anderseits Kaltboden. Was das Verhältnis der Temperatur der Luft und des umgebenden Gesteins betrifft, so beträgt die Temperatur der Wandungen durchschnittlich 0,0-1,0° C. Das Gestein ist also im Sommer der abkühlende Faktor. Unter solchen Umständen ist auch im Winter das Eindringen des Sickerwassers möglich, von dem die Eisbildung wesentlich abhängig ist. Die Frage, wodurch der Bodenwärme das Gleichgewicht gehalten wird bei einer völlig stagnierenden Luftmasse, ist noch nicht klargestellt. Das sicherste Resultat haben die Untersuchunegn über den Feuchtigkeitsgehalt der Höhlen ergeben, die alle zeigen, daß die Luft fast vollständig gesättigt ist. Daher ist eine Verdunstung und dadurch hervorgerufene Abkühlung bei dem völligen Mangel an Luftzug unmöglich. Die Ursache der Kälte, welche die Wandungen einer Höhle kalt genug erhält, um Eisbildungen zu ermöglichen, sieht Schwalbe in dem Sickerwasser in Verbindung mit den Bodentemperaturverhältnissen. Er stützt sich dabei auf die Thatsache, daß Wasser unter 4° C. beim Durchsickern durch poröses Gestein infolge einer Verdichtung des Wassers an der Oberfläche des festen Körpers eine Abkühlung erfährt, die sich bis zur Überkältung steigern kann. Das Sickerwasser hat nun im Winter, aber auch im Frühling eine Temperatur unter 4° C., so daß es nach der Abkühlung überkältet oder mit der niedrigen Temperatur von 0,0-1,0° C. heraustritt und dann durch die kalte Luft leicht zum Gefrieren kommen kann, ohne dieser von ihrem Kältevorrat etwas zu entgehen. Eine Schwierigkeit, die unerklärt bleibt, besteht in der gleichmäßigen Ausbreitung und großen Mattigkeit des Bodeneises, die durch Tropfungen an den Stalagmiten nicht zu stande kommen kann. Vgl. Schwalbe, E. und Eislöcher (Berl. 1886).

Eisleben, (1885) 23,175 Einw.

Eiszeit (hierzu Karte »Mitteleuropa zur Eiszeit«), diejenigen Epochen der der Gegenwart unmittelbar vorausgehenden Quartärzeit, in welche die größte Verbreitung der Gletscher fällt. Die Beweise für eine früher größere Vergletscherung der Erde liefern 1) die erratischen Blöcke. Dieselben bestehen aus Gesteinsarten, welche meistens der nächsten Umgebung fremd sind und nur im Ursprungsgebiet des betreffenden Gletschers, von dem sie transportiert wurden, anstehend gefunden werden. Die Mehrzahl der Blöcke liegt an den Gehängen und auf den Oberflächen von Höhenzügen oft in bedeutender Höhe über dem Thal und in den seltsamsten Stellungen. Die großen Blöcke, häufig von vielen tausend Kubikmetern Inhalt, sind stets eckig und scharfkantig (Fig. 1). 2) Die alten Moränen. Diese sind aus den gleichen, der Umgebung fremden Gesteinen zusammengesetzt wie die erratischen Blöcke. Das Material ist verschieden groß, bald eckig und kantig, bald abgerundet, geglättet oder geschrammt. Die Moränen bilden mehr oder minder zusammenhängende Hügelzüge von oft über 100 m Höhe und liegen meist in mehreren parallelen Zügen hintereinander. Die äußern Moränenzüge sind am stärksten unterbrochen, die innern haben ihre charakteristische Form am besten bewahrt. 3) Der alte geschichtete Gletscherschutt (Glazialschotter). Das Gesteinsmaterial entspricht nach Ursprung, Beschaffenheit und Zusammensetzung dem der beiden andern erratischen Bildungen. Die oft freilich unregelmäßige Schichtung deutet auf die Mitwirkung von Wasser, sei es in Gletscherbächen oder Seen. 4) Alte Gletscherschliffe und-Schrammen. Dieselben finden sich nur an widerstandsfähigem, besonders kristallinischem Gestein und lassen sich bis in bedeutende Höhe über die heutigen Gletscher verfolgen (Fig. 2 u. 3). 5) Erratische Pflanzen und Tiere. Lebende Kolonien von nicht durch Wind in den Samen übertragbaren alpinen Pflanzen und von nicht durch Wind in den Samen übertragbaren alpinen Pflanzen und von nicht durch Wanderung übertragbaren alpinen oder arktischen Tieren finden sich auf den Gebirgen der gemäßigten Zone; ebenso kommen an zahlreichen Stellen südlich der kalten Zone in glazialen Ablagerungen alpin-arktische Pflanzen- und Tierspezies fossivor^[korrekt: fossil vor], z. B. von erstern Pinus Cembra (Arve), Saxifraga oppositifolia, Dryas octopetala u. a., von letztern Moschusochs, Polarfuchs, Steinbock, Schneehase, Lemminge u. a. 6) Weniger beweiskräftig sind die sogen Riesentöpfe (s. d., Bd. 13) oder Strudellöcher, entstanden durch Gletschermühlen, welche die Grundmoräne entfernten und mit Mahlsteinen den

^[Abb Fig. 1. Erratischer Block aus Silurschiefer (2 m x 3,3 m) bei Clapham in Yorkshire.]