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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Eitorf - Elektrotherapie

Teil der Südhalbkugel. Die notwendige Vorbedingung für eine große Gletscherentwickelung ist daher eine ausgedehnte Meeresfläche. Und in der That deuten viele Beobachtungen darauf hin, daß die Verteilung von Land und Meer zur E. auf der Nordhalbkugel eine andre war als gegenwärtig. Die Eiszeiten sind entstanden durch Veränderungen der Grenzlinien zwischen Festland und Meer und durch die hiervon wieder abhängige Veränderung der Luft- und Meeresströmungen. Eine Erklärung für die Änderung des Charakters der Jahreszeiten liefern möglicherweise die wechselnden Exzentrizitätsverhältnisse der Erdbahn. Vgl. Heim, Gletscherkunde (Stuttg. 1885); Dames, Glazialbildungen der norddeutschen Tiefebene (Berl. 1886); »Carte du phénomène erratique au versant nord des Alpes« von A. Favre (Berner geolog. Kommission 1884, Begleitworte dazu von A. Favre in »Archives des sciences phys. et nat.«, Bd. 12, Genf 1884); E. Brückner, Vergletscherung des Salzachgebiets (Wien 1886).

Eitorf, (1886) 5417 Einw.

Ejub Chan, afghanischer Prinz, seit 1881 auf englische Kosten (12,000 Pfd. Sterl.) in Persien interniert, entfloh im August 1888.

*Elassona (türk. Alasonia), Hauptort eines Kasa im türkischen Anteil von Thessalien (Wilajet Monastir), 271 m hoch, am obern Xerias und am westlichen Abhang des Olymp gelegen, mit etwa 4000 christlichen und mohammed. Einwohnern. E. kommt schon in der Ilias als Oloosson vor.

*Elbe, A. von der, Pseudonym der Romanschriftstellerin Auguste v. d. Decken (s. d., Bd. 17).

Elberfeld, (1885) 106,499 Einw.

Elbeuf, (1886) 21,829 Einw.

Elbing, (1885) 38,278 Einw.

Elbingerode, (1885) 3185 Einw.

*Elcho, Rudolf, Schriftsteller, geb. 3. März 1839 zu Enkirch an der Mosel, wurde Techniker, begann aber bald ein abenteuerliches Wanderleben, das ihn durch Holland und Belgien und durch Frankreich führte, kam dann als Maschinenwärter auf einem Dampfer auf die Reede von Genua, schloß sich der Expedition Garibaldis nach Sizilien, darauf der ungarischen Legion an und ging 1862 nach Amerika. Hier diente er als Freiwilliger in der Armee der Vereinigten Staaten, wandte sich dann nach Colorado, ging aber bald nach dem Norden zurück, wobei er den größten Teil der Prärie durchwanderte, wurde Schauspieler und kehrte 1868 nach Deutschland zurück, wo er sich nach kurzer Bühnenthätigkeit 1871 der journalistischen Laufbahn zuwandte und bald Feuilletonredakteur der Berliner »Volkszeitung« wurde. Von seinen Schriften, die mit Vorliebe sein buntes Wanderleben widerspiegeln, nennen wir: »Wilde Fahrten. Erinnerungsblätter aus dem amerikanischen Bürgerkriege« (Hannov. 1872, 4 Bde.); »Der Wandervogel« (Berl. 1882); »Goldene Schwingen« (das. 1886, 3 Bde.) und andre Geschichten. Die dramatischen Arbeiten: »Onkel Hans«, »Die Spiritisten«, »Phantome«, »Der Kurier des Zaren«, Am Rande des Abgrunds« u. a. gehörender Lustspieltagesware an, welche die moderne Bühne rasch verbraucht.

Eldagsen, (1885) 2496 Einw.

Eldorado. Vgl. Junker v. Langegg, El Dorado. Geschichte der Entdeckungsreisen nach dem Goldland E. (Leipz. 1888).

*Elektromagnetophōn, von Weigele konstruierter akustischer Apparat, bei welchem vor einer in einem Schallbecher angebrachten Membran aus Eisenblech ein Elektromagnet sich befindet, während ein auf der andern Seite der Membran befindliches Stiftchen in Quecksilber taucht, solange die Membran sich in Ruhe befindet. Sobald der Elektromagnet in Thätigkeit gesetzt wird, zieht er die Membran an, dabei hebt sich aber das Stiftchen aus dem Quecksilber und unterbricht den Strom, so daß der Elektromagnet die Membran losläßt, die nun zurücksinkt, wodurch der Stift wieder in das Quecksilber taucht, den Strom schließt und der Elektromagnet von neuem in Thätigkeit tritt. Dieser Vorgang wiederholt sich so oft, als die Membran Schwingungen macht (400-440 in einer Sekunde), und man erhält mittels dynamoelektrischer Maschinen und starker Elektromagnete so laute Töne, daß der Apparat gleich dem Nebelhorn benutzt werden kann.

Elektrotherapie als wissenschaftliche Disziplin hat einen unverkennbaren Aufschwung seit mehr als 20 Jahren indirekt dadurch gewonnen, daß die methodische Untersuchung der Nerven- und Muskelreaktionen (Zuckungen) sowohl mittels faradischer (induzierter) als galvanischer Stromreizungen sich als ein wesentliches Erfordernis für die Diagnose und häufig auch für die Voraussage (Prognose) von Nerven- und Rückenmarkslähmungen herausgestellt hat (Elektrodiagnostik). Zahlreiche zur Begründung letzterer Spezialwissenschaft angestellte experimentelle und klinische Untersuchungen über das sogen. polare Zuckungsgesetz der Bewegungs- und Sinnesnerven des lebenden Menschen (Brenner u. a.), über die Verbreitung galvanischer Ströme im menschlichen Körper und seinen Geweben und die Leitungsbedingungen besonders der Haut, über den Einfluß der galvanischen Durchströmung auf die Erregbarkeit der Nerven, über den gesetzmäßigen eigentümlichen Ablauf der Erregbarkeitsverhältnisse der Bewegungsnerven und Muskeln (Entartungsreaktion) nach Durchschneidung, Quetschung und Dehnung der erstern und ihren Erkrankungen (Erb, Ziemssen u. a.) kamen auch mittelbar der E. zu gute. Nicht nur wurde durch dieselben das Verständnis der krankhaften Veränderungen und der Bedingungen ihrer Rückbildung je nach dem Krankheitsstadium in vielen Erkrankungsformen der Nervenstränge und des Rückenmarks vertieft, sondern es wurde auch auf dieser Grundlage die exaktere polare Methode für die Anwendung besonders des galvanischen Stroms zu Heilzwecken (Galvanotherapie) angebahnt. Gewisse Unterschiede der Wirkungen der beiden Pole (des positiven oder der Anode, des negativen oder der Kathode) auch je nach ihrer stabilen (ruhenden) oder labilen (streichenden) Anwendung wurden praktisch zu verwerten gesucht. Ein fernerer wichtiger Fortschritt der galvanotherapeutischen Methodik ist seit noch nicht zehn Jahren durch die Strommessung erreicht. Diese wurde erst ermöglicht durch die Herstellung der nach Milliampères (dem tausendsten Teil des Ampère, der Stromstärkeneinheit der Elektrotechnik) graduierten sogen. absoluten (Horizontal- oder Vertikal-) Galvanometer, welche die Dosierung der Stromstärke unabhängig von den jeweiligen sehr verschiedenen Füllungsverhältnissen der Elemente und den wechselnden Leitungswiderständen verschiedener Personen und Hautstellen (auch zu verschiedenen Zeiten innerhalb derselben Sitzung) je nach dem Bedürfnis der Krankheitsfälle gestatten, während die früher übliche Abstufung nach Elementenzahlen ganz unzuverlässig gewesen war. Bei gemessener Stromstärke wird die Stromdichte in dem zu treffenden Nerven-, Rückenmarks- oder Gehirnabschnitt durch die Größe des Querschnitts der Elektroden- (Stromgeber-) Platten (nach Quadratzentimetern) einigermaßen bestimmt.