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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Englische Litteratur (Entwickelung seit 1884: Lyrik und Epik, Drama)
Dichtung.
(Über die mit * bezeichneten Schriftsteller sind die betreffenden Biographien in vorliegendem Vünd zn verglichen.)
Der Tod Robert Brownings, das hohe Alter ^ord Tennysons erinnern daran, daß sich noch kein junger Nachwuchs zu ihrer Geltung erhoben hat.
Von jenem erschien am Anfang unsers Zeitraums! ^lii'6«ia8, anä otli6i- 1W6M6«, dem trotz einiger; sehr schöner Stücke, wie des kraftvollen >I)e8Mii'«,! kaun: ein Achtungserfolg beschieden war, später ein Seitenstück und Widerspiel zu seinem jugendlichen ^ock^w^ Iiaii«. ^ixty ^6iU8 ütt6!>< (durch Johann i Feis trefflich verdeutscht und mit Freiligraths Übersetzung des frühern Gedichts zusammen abgedruckt), endlich 1887 eine ».Indiieß m W«, wozu ihn seine Stellung als Hofpoet ebensowohl wie seine warme Verehrung der Königin veranlassen mochte, Lewis "Morris, durch Früheres bereits vorteilhaft bekannt, hat neuerdings seinen Verehrern ^8s>r>^8 ot'Li'itain« dargeboten. Er darf nicht mit William Morris verwechselt werden, einem erklärten u. selbst agitatorischen Sozialisten (nebenbei weiter einer auf die Darstellung des Künstlerisch-Schönen gerichteten Möbelfabrik), der eine Übersetzung der >> Odyssee« (1887) veröffentlichte. Der Nepublikaner Algernon Swlnburne, der nunmehr seine früher sehr weit getriebene »Fleischlichkeit^ abgelegt hat, bot dem Publikum eine wohlgesäuberte Auswahl seiner Dichtungen (»sele^tion^ t'rom tti6 i)oeti (Hi >v<»i k^<). Hon ihm sind cmch noch oer >'Uiälsmnm6r Iwliäu^ und eine dritte Serie von ?06M8 Hiicl dnI1ll68' zu verzeichnen. An Schwung und Klang der Verse übertrifft er alle seine englischen Zeitgenossen, doch fehlt es auch ihm an gelegentlicher Dunkelheit des Ausdrucks nicht. Edwin Arnold, dessen »I^isskt ot'^ia« von Arthur Pfungft (1887) ins Deutsche übertragen wurde, hat den »luäiau icl^Iis« einen Band >I.otu8 anä ^nneis« (1887) folgen lassen und neuerdings, an den Tod seiner vielgeliebten Gattin anknüpfend, den Band »In m^ 1.^cl.v'8 pr9.i86« (1889) veröffentlicht, der neben einigem Gekünstelten manches Wahre und Warme von großer Schönheit enthält. Lord Lytton, Sohn des unter seinem frühern Namen Lytton Bulwer auch in Deutschland hochgeschätzten Romanschriftstellers, ist seit langen Jahren ebensowohl als Dichter (unter dem Namen Owen Meredith) wie als Politiker bekannt, hat es aber in der erstern Eigenschaft nicht auf die Höhe gebracht, zu welcher die Politik ihn erhoben. Sein Epos > ^1eng.v6ii1 <, in Form und teilweise satirischer Richtung ein Nachbild von Byrons »Don «luan«, den es freilich an schneidender Kraft und hoher Schönheit nicht erreicht, zeigt in gewissen Verschlingungen und Hinblicken auf soziale Zustände unsrer Tage immerhin einige Selbständigkeit und Frische. Zu einer andern Dichtung: »^twr zxn'ac1i86, m' le^cnc^ ot', ^xi1k<. haben ihm Episoden aus der Geschichte unsrer Zeit als Vorwurf gedient. George Meredith, derm der Romanlitteratur jedenfalls einen hoben, nach Ansicht seiner Verehrer sogar den höchsten Rang einnimmt, übrigens zu seinem eben genannten Namensvetter in keinerlei Beziehung steht, hat seinen »?o^ms nnä I^i ic8 ot'tlie ^'().v ok tlw 6Ul t Ii< nun auch einen Band > La.Il Ääs and Poems ot'ti^ic liw« folgen lassen und in neuester Zeit einen weitern beigefügt: »^ i'^ulm^ ^»t'tnrtli .. Leider gefällt er sich auch hier in Dunkelheit des Ausdrucks. Von Robert Browning, d>cni kürzlich verstorbenen Meister dieses schweren Übels neuenglischer Dichtung (als dessen Urheber doch wohl Shelley anzusehen ist), erschienen >?6ii8litH'8 tancie85, persische Geschichten (188.^, und 1'lN'1^vwsi>
nitll cerwin p60pi6 ot' importan^ iu tdsir 6av (1887). Eine »^opu!^- eäition« seiner Werke (in 16 Bänden) begann 1888 zu erscheinen. Ein Ehrenplatz gebührt einer Dichterin deutscher Abkunft, Ma thilde Blind, die in >^d6 linker on Ki'6« (1887> die Geschichte der Austreibung hochschottischer Hüttenbewolmer mit revolutionärem Feuer erzählt, in dem größern philosophischen Gedicht »I'ks «806M ot' luga« (1889) aber sich zu einer höhern Stufs auf schwingt. Hieran schließe sich ein andres großes Thema: >^li6M«>FM6nt ot'^i0M6tIi6U8« von Ernest Myers, der schon früher Lyrisches geliefert hat, übrigens zur Geisterseherei hinneigt. Von leichterm Gewebe sind des auf vielen Feldern thätigen R. L. Stevenson
Iln^ei-woosi < (1887), dessen Titel er dem alten Bell Jonson abgeborgt, und des Fräuleins Mary I. Mo. binson >^onlr8, daI1«ä8 anci a »gräen pi^.v< (1888). Die große Reihe poetischer Gaben, die nur auf das dringende Verlangen von Freunden der Dichter ver. öffentlicht werden, dürfen wir billig übergehen.
Drama.
Es ist keine neue Bemerkung, daß in der Heimat Shakespeares das Drama als Buch, ebenso wie das Epos, von dem weithin greifenden Roman in den Hintergrund gedrängt worden ist. Die Theater blühen mehr und mehr; aber die aufgeführten Stücke werden selten golesen, erscheinen meistens gar nicht im Buchhandel, während auf der andern Seite die selten erscheinenden Buchdramen gar nicht auf die Bühne gelangen oder dort einen höchst spärlichen Erfolg haben, ihn meistens auch kaum verdienen. Es sei alc> Verfasser solcher Lesedramen zunächst ein neuer Schrift. steller genannt, der sich noch unter dem PseudonymM ichael Field verbirgt. Er hat der altenglischen Geschichte und dem Kampf der Religionen einen b> deutenden, schwer zu behandelnden Stoff entnommen i
^l Ul Mn tdk Oreilt', und in der Lösung seiner Aufgabe Geist, Kraft und künstlerische Gestaltung erwiesen, auch die wahlberechtigte Anerkennung gefunden.
Auch seine andern Dramen: ^^lilko^. »^air lis,-8iimuiiä ,, ein Vorwurf (die Geliebte König Hein richs II.), der so oft den Balladendichter und seit Addison auch den Dramatiker angezogen hat, »Vru tU8 Ulwi'<, »1Ii6 tcltli6r'8 ti'^AKli^« ,, »Il.UtU8 ,
^0^a1t.y 3,n<I 1c>v6<, alle seit 1884 erschienen, ver dienen Erwähnung. Der greise Tennyson er. schien abermals mit einem Drama: »Veekkt^ (Tbo. mas a Becker), hat damit aber fast noch weniger Er folg erzielt als mit seinen frühern Stücken aus der englischen Geschichte, und auch der vorübergehend»' Theatererfolg von >^li6 cup« ist wohl meist auf Nech nung des Schauspieldirektors Irving zu setzen, der ein»' glänzende Bühnenausstattung lieferte; ebenso hatt«' 1ii6 promi^ ot' K^« nur einen Achtungserfolg.
Bedeutender sind dagegen die Stücke Swinburnes.
Nachdem er seinen großen Dramencyllus über Maria Stuart, der ihn 20 Jahre lang beschäftigt hatte, o> endet, trat er als Rival des Lord Byron auf mitbinliuo I'aiiei'^«. Vielleicht ist dieses Trauerspiel noch weniger als das seines großen Vorgängers für die Bühne geeignet, aber wie jenes enthält os sehr glänzende Stellen. Mit seinem neuesten Drama: »I^riiw , greift er, wie Shakespeare im Cymbeline ,, auf die schattenhafte altbritische Geschichte zurück. In derselben Richtung seien erwähnt: »^1l6 86U.6NC6'<. ein Trauerspiel aus der Zeit des Caligula, von Augusta Webster, die auch als lyrische Dichterin einen guten Namen hat, und des vielthätigen Alsred Austin
?i'im^ I.l^it'er .. Die Browning-Gejellschafi, nicht ein Tlieaterunternehmer, hat ihres Meisters
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