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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Eppendorf - Erdbeben
Flußufern oder Gebirgsabhängen, herrscht. Die auf dem Gipfel der Bäume ivachsenden, Trockenheit liebenden (xerophilen) E. find im stande, anch unter den veränderten Lebensbedingungen der Savannen fort zu existieren, während die an Feuchtigkeit gewöhnten (hugrophilen) Arten bei Zunahme'der Trockenheit schnell zu Grunde gehen. Es zeigt sich dies nicht selten in ausgerodeten Urwäldern, in denen einzelne Bäume von der Fällung verschont blieben. Dem entsprechendistanzunehmen, daß die baumbewohnende Flora der Savannengebiete einer Einwanderung aus dem Nrwald ihre Entstehung verdankt. Die üppigste Entwickelung zeigt die Genossenschaft der E.an Vergabhängen, in welchen die Luft mit Wasserdampf beinahe vollständig gesättigt ist, sowie reichlicher Tau und Regen die Wurzeln der Pflanzen und ihre Unterlage stets feucht erhalten; oberhalb der zwischen 1300 und 1600 m in den amerikanisch-tropischen Gebirgen liegenden Wolkenregion nimmt die Zahl der E. je nach den lokalen Sonderbedingungen in verschiedenem Verhältnis ab. Diese Abnahme rst keineswegs die Folge der Temperaturabna-Hme, da an den feuchten südlichen Abhängen des östlichen Himalaja die E. bis in die Nähe der Baumgrenze aufsteigen, zwischen 1200 u. 1800 m treten dort zahlreiche Pflanzentypen der gemäßigten Zone (z. B. Arten von I^Iio'?sck6ii(it'0n, Vn^einium, I^i'uy, I^ide», Kvmi.vmn« u. a.) als E. auf, so daß also unzweifelhaft auch nichttropische Pflanzen epiphytische Lebensweise anzunehmen im stände sind, sofern nur der Wasserdampf, gehalt der Luft und die Regenmenge groß genug werden, um den Bodenpflanzen das Übertreten znm atmosphärischen Vanmleben zu gestatten. In die außertropischen, südlichen Vereinigten Staaten sind nur solche E. eingewandert, welche in hohem Grad mit Schutzeinrichtungen gegen Trockenheit ausgerüstet sind; im nordamerikanijchen Waldgebiet fehlen aber liygrophile E. gänzlich, weil dort auch die Schatten liebenden Vodenpflanzen aus Mangel an Feuchtigkeit nicht auf der Baumrinde zu gedeihen vermögen. So steigt das weitverbreitete k'o^Mliuin vui^n.i'6 in Nordamerika ebensowenig auf Bäume wie bei uns, während es in den Wäldern sehr feuchter Gebiete, z.B. in Portugal oder auf den Kanarischen Inseln, oft massenhaft die Stämme und Äste umhüllt. Für die xerophilen E. der Tropen erscheint dagegen die Feuchtigkeit der nordamerikanischen Waldungen ausreichend. In ähnlicher Weise besteht auch die atmosphärische Vegetation Argentiniens ausschließlich aus tropischen Einwanderern, dieausges Prochene Schutzmittel gegen Wasserverdunstung besitzen Sowohl in den südlichen Vereinigten Staaten als in Argentinien wird durch Mangel an Feuchtigkeit das übergehen der Schattenpftanzen des Waldbodens auf die Baumstamme und damit die erste Entstehung einer eingebornen, epiphutischen Pflanzenwelt verhindert.
Außer dem tropischen Vildungsherd der E. findet sich ein zweiter kleinerer Entstehungsort derselben nur noch im antarktischen Waldgebiet, speziell in Südchile, dessen außerordentliche Feuchtigkeit ähnlich wie auch in Neuseeland eine eigenartige, wenn auch an Artenzahl wenig umfangreiche Vegetation von atmosphärisch lebenden Gewächsen, darunter besonders ?nerkwürdigebailmbewohnendeLiliaceen(I^uxui'i^»3.
in Südchile, ^.srelia, in Neuseeland), hervorgerufen hat. Nur diejenigen Gebiete der Erde, welche, wie im tropischen Amerika, in Sikkim, auf dem Malaiischen Archipel, in Südchina 2c., eine jährliche Regenmenge von mehr als 200 ein aufweisen, besitzen eine autochthone Flora von E.; da in Afrika derartige Gebiete
wenig umfangreich sind, so erklärt sich daraus die oft als unerklärlich betrachtete Armut dieses Weltteils an E. Außer der Regenmenge sind der ihr entsprechende Wasserdampfgehalt der Luft und die Taubildung die wichtigsten Faktoren der epiphytischen Lebensweise. Vgl. A. F. W. Schimper, Die epiphytische Vegetation Amerikas (Jena 1888).
Gppendorf, (1885) N206 Einw.
Eppingeu, (i 8>) 3555 Einw.
Erbach, 1) Hessen, d««'.) 2891 Enno.
Grbendorf, U885) 1245 Einw.
Erlnsdorf, (1885) 2288 Einw.
Erdbeben (hierzu Karte »Verbreitung der Erd- und Seebeben^). Die neuere Seismologie beschäftigt sich in erster Linie mit dem mechanischen Charakter der Erdbebenwellen und sucht durch instrumentelle Messung einzelner Erderschütterungen sowie durch er.perimentelle Beobachtungen die verschiedenen seismischen Elemente festzusi Hen. Die Erdrinde unterliegt, wie man jetzt weiß, mehreren Bewegungen, welche sich in vier Klassen einteilen lassen': 1) plötzliche nnd heftige Erderschütterungen;
2) Erderzittern, Bewegungen, welche wegen zu geringer Amplitude unsrer Aufmerksamkeit entgehen;
3) Erdpulsierungen, Bewegungen von langer Periode, und 4) Erooszillationen, Bewegungen von langer Periode und großer Amplitude. Die beiden letzten, bei denen es sich wahrscheinlich nicht um eigentliche Wellenbewegung handelt, kommen hier nicht in Betracht. Die Erscheinungen, welche die Erderschütterungen begleiten, hat I. Milne untersucht, indem er verschiedene Mengen von Dynamit in Höl, len von wechselnder Tiefe explodieren und Gewichte bis zu 850 k^ schwer aus Höhen bis zu 13 m niederfallen ließ." Die mit verschiedenen Seismographen beobachteten Wirkungen gestatteten, wichtige Folgerungen in Bezug auf die Bodenbewegungen zu ziehen. In weichem, feuchtem Boden kann man Schwingungen von großer Amplitude und langer Dauer erzielen, in lojem, trocknem Boden ruft eine Dynamitexplosion eine Störung von großer Amplitude, aber kurzer Dauer hervor. Die Phasen der normalen und transversalen Bewegung sind vom Abstand des Seismographenvom Erschütterungszentrum abhängig. Zwei Punkte des Bodens, die nur wenige Meter voneinander entfernt sind, sind nicht svnchronisch in ihrer Bewegung, die Erdbebenbewegung ist also wahrscheinlich teineeinfach harmonische. Die Art der Bewegung, ob nach innen oder nach außen gerichtet, hängt wahrscheinlich von der Intensität der ursprünglichen Störung und von der Entfernung der Beobachtungsstation vom Zentrum der Erregung ab. Die Amplitude der normalen Bewegung'verhält sich umgekehrt wie der Abstand vom Erschütterungszentrum. In dem Maß, wie die Störung ausstraylt, nimmt die Schwingungsperiode zu, bis sie schließlich gleich der Periode der transversalen Bewegung wird. Eine Erdpartikel erreicht gewöhnlich ihre größte Geschwindigkeit während der ersten Be wegung nach innen. Die Intensität ist gleich .,
wo V die größte Geschwindigkeit, a die Amplitude bedeutet. Die Intensität nimmt beim Ausstrahlen zuerst schnell, dann langsam ab. In verschiedenen Bodenarten, bei ungleichen Intensitäten der ursprünglichen Störung und bei verschiedenen Veobachtungssystemen lagen die Geschwindigkeiten zwischen ca. 210 und 70 in in der Sekunde. Die große Differenz dieser Bestimmung der Geschwindigkeit zwischen Milne einerseits und Mallet und Abbot ander-