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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Gerhardt - Gerok
scheinen, nur macht sich der Einfluß des Lichts ungleich stmker bemerkbar. Auch das Chlorophyll steht zur Gerbstoffproduktion in Beziehung, panachierte Blätter sind an sich ärmer an Gerbstoff, auch nicht fähig, denselben zu erzeugen; ebenso unterbleibt die Gerbstoffbildung in kohlensäurefreier Luft auch bei intensiver Beleuchtung. Dennoch laufen die beiden Prozesse, Kohlenstoffassimilation und Gerbsäurebildunss, l?ttr einander parallel, ohne wechselseitig miteinander verknüpft zu sein. Der im Licht sich anhäufende Gerbstoff verschwindet im Dunkeln durch Ableitung. Bei den Stauden gelangt der Gerbstoff zusammen mit dem Nescruematerial in den Wurzelstock und bleibt hier im nächsten Jahr unvermindert liegen, vermehrt sogar seine Menge durch Neubildung im Dunkeln, während das Neservematerial zur Vil düng neuer Organe verbraucht wird. Ein Teil des Gerbstoffes wird in den Rhizomen in rote und braune Farbstoffe verwandelt, die Hauptmasse bleibt unverändert, wirkt wohl fäulniswidrig und als Schutzmittel des Rhizoms gegen Tierfraß. Bei den Holzgewächsen sammelt sich der Gerbstoff im Stamm, erleidet im Winter keine Verminderung, im Frühjahr sogar eine kleine Vermehrung; auch in den perennierenden Blättern häuft sich der Gerbstoff an, die zweijährige Nadel ist gerbstoffreicher als die einjährige, und selbst im Laubblatt findet eine Vermehrung von Monat zu Monat statt, und das abfallende Blatt entbälr noch so viel Gerbstoff wie in der besten Vegetationszeit. Weitaus der größte Teil des Gerbstoffes geht in Äste, Stamm und Wurzel, und zwar teils in die Rinde, teils in das Holz. In der Rinde, besonders deutlich aberim Holz^ zentrifugal vom Kambium, ist eine Zunahme des Gerbstoffgehalts zu konstatieren.
Dieser Zunahme folgt später eine Abnahme, indem in der Rinde die Phlobaphene, ini.^olz die wichtigen Stoffe gebildet werden, die als Lernstoff oder Aylochrom die Verkernung des Holzes bewirken. Bei der Keimung von Eicheln und Roßkastanien im Dunt'eln nimmt der Gerbstoff zu, er dient offenbar dem Wachstum nicht. Über die Art der Entstehung der G. ist nichts Sicheres bekannt; offenbar steht sie zur Kohlenstoffassimilation in keinem Verhältnis. Werden aber im Blatt auch die Eiweißkörper gebildet, dann dürfte die Gerbsäurebildung mit diesem Prozeß zu verknüpfen sein. Offenbar entstehen auf dem Weg zur Eiweißbildung aromatische Moleküle, die bei der Eiweißbildung verbraucht werden, aber zum Teil, wenn nicht hinreichend Eiweiß gebildet wird, übrigbleiben und dann die G. liefern. Vgl. Kraus, Grundlinien zu einerPhysiologiedesGcrbstoffs(Leipz.1889).
Gerhardt, 2) Eduard, Maler, starb 6. März 1888 in München.
Gcrichtsschreiber. Weitere Litteratur: Reisehandbuch für G. in Bayern (Kaisersl. 1882); Schmidt, »andbuch sür das Gerichtsschrciberamt (2. Aufl., Stettin 1888); Eichhorn, Repertorium für den Gerichtsschreiberdienst (Nothcnburg a. T. 1886); Köhler, Sämtliche Protokolle des Gerichtsschreibers, dargestellt an praktischen Fällen (Münch. 1889).
Gerichtsvollzieher. Eine neue Zeitschrift für G.« (hrsg. von Walter) erscheint seit 1889 m Berlin.
Germain, Sop hie, Mathematikerin. Vgl. Gö ring, S. G. und Clotilde de Vaux (Zürich 1888).
^Germania-Elfteditioll, 1808, s. Maritime wissenschaftliche Expeditionen (Bd. 11).
^Germania- und Hansa-Ezpcdition, 1870, s. Maritime Wissenschaft!. Expeditionen (Bd. 11).
Germaniens. Vgl. Knote, Die Kriegszüge des G. in Deutschland ('^erl. 1887, Nachtrag 1889).
Germanische Sprachen. Ein wichtiges.Hilfsmittel für das Studium dieser Wissenschaft ist im Erscheinen begriffen: der »Grundriß der germanischen Philologie- (hrsg. von H. Paul im Verein mit einer R.ibe von Fachmännern, Straßb. 1889 ff.). Dieses Handbuch wird sich besonders durch die Einheitlichkeit des Standpunktes, den die Bearbeiter einnehmen, auszeichnen. Neue litterarische Quellen von g.ößerer Bedeutung sind besonders auf dem Gebiet der Prosa erschlossen worden durch die Veröffentlichung altdeutscher Predigten, die Anton Schönbach veranstaltet.
Von großer Bedeutung ist die Wiedererwerbung der sogen.' Manessischen Handschrift (s. d., Bd. 17)/Die grammatische Forschung wendet sich mit immer steigender Vorüebe der Betrachtung der lebenden Mundarten zu; sie stellt sorgfältig den Laut- und Formenbestand der heutigen Sprache fest und verwebtet die hier gewonnene Erkenntnis mit Erfolg zur Aufhellung älterer Sprachperioden. Von oedeutendern Arbeiten auf diesem Gebiet sind die von Holthausen (»Die Soester Mundart«, Norden 1886), von Kauffmann (»Das Schwäbische in der Mundartvon Horb, Straßb.
189)), von Heusler (Der alemanische Konsonantismus in der Mundart von Basel«, das. 1888) zu nennen. Ein hervorragendes Dialektwörterbuch ist das unter der Leitung von Staubu.Tovler rüstig fortschreitende »Schweizerische Idiotikon« (Frauenfeld 1881 ff.). Auf dem Gebiet der Metrik sind wichtige Forschungen von Sievers zu verzeichnen, welche die richtige Auffassung des germanischen Allitterationsverses lehren und darthun, welche Beziehungen zwischen diesem und dem unter lateinischem Einfluß stehenden Endreimvers herrschen. Lebhafter Streit ist entbrannt auf dein Gebiet der Mythen- und Sagenforschung. Es handelt sich hauptsächlich um die Frage, inwieweit die in der nordischen Dichtung, besonders in der Edda, niedergelegten Göttersagen rein germanischen, bez. rein skandinavischen Ursprungs sind.
Besonders der nordische Gelehrte Sophus Bugge vertritt die Ansicht, daß eine Menge von antiken und christlichen Elementen in jenen nordischen Gedichten poetische Ausgestaltung erfahren habe. Betreffs der Nibelungensage will Golther den Nachweis führen, daß die zahlreichen mythologischen Züge, welche der Sage in den nordischen Dichtungen anhaften, nicht ursprüngliche Bestandteile derselben sind, sondern erst auf nordischem Boden mit derselben verwachsen sind.
'Germanium 66, Metall, findet sich mit Schwefel und Schwefelsilber verbunden im Argyrodit, ist grauweiß, kristallisiert regulär, ist sehr ipröd T., Atomgewicht 7^,'i2, spez. Gew. 5,409, schmilzt bei 900", verdampft bei wenig höherer Temperatur, ist unlöslich in Salzsäure und Kalilauge, löslich in Königswasser, Salpetersäure, heißer konzentrierter Schwefelsäure und in schmelzendem Kalihydrat. An der Luft ist es bei gewöhnlicher Temperatur unveränderlich, und beim Erhitzen bedeckt es sich nur mit einer dünnen, Oxydschicht. Das Germaniumoxydul (-r () ist grauschwarz, das Oxyd t^6()2 farblos, etwas löslich in! Wasser, aus welchem es kristallisiert. Das Germaniumchlorür (16(^2 ist farblos, flüssig, siedet bei 72", gibt mit Wasser einen weißen Niederschlag: Germaniumchlorid (-6(^4, dem vorigen ähnlich, erstarrt nicht bei -20", siedet bei 86". Das Chlorür wirtt energisch reduzierend und bleichend. Die Existenz des Germaniums war von Mendelejew auf Grund seines periodischen Gesetzes prognostiziert, bevor es Wintler 1886 entdeckte.
Gerok, Karl, Kanzelredner und Dichter, starb 1-i. Jan. 1890 in Stuttgart.