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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Gerold - Geschütz
Gcrold, Friedrich, Buchhändler, starb8.Okt. 1886 iü Wien.
Gers, Departement, (i8?s-) 274,391 Einw.
Gersdorff, Hermann Konstantin von, preuß.
General, geb. 2. Dez. 1809 in Kißlingswalde bei Görlitz, besuchte das Kadettenkorps in Dresden, trat 1827 als Leutnant in das preußische 2. Garderegiment ein, nahm mit v. Hiller und v. Werder 184^ - 43 am Kampf im Kaukasus teil, wurde 1848 nach Schleswig-Holstein geschickt, um die dortigen Truppen organisieren zu helfen, kämpfte ber Schleswig, Hadersleben und Kolding, ward 1853 Major im Generalstab der
und 1860 des 67. Regiments, 1864 Generalmajor und Kommandeur der 11. Infanteriebrigade, die er .1864 gegen Dänemark und 1866 gegen Österreich befehligte, dann Generalleutnant und Kommandeur der 22. Division. Nach der Schlacht bei Wörth befehligte er das 11. Korps und wurde 1. Sept. 1870 bei Sedan tödlich verwundet; er starb 13. Sept. d. I.
'.u Vrigne aur Bois. Ihm zu Ehren erhielt 1889 das hessische Füsilierregiment Nr. 80 den Namen Füsilierregiment v. G.
Geschütz (hierzu Tafel Geschütze III«). Die Erfindung des braunen Schießpulvers durch die rheinisch-westfälischen Pulverfabriken hat aufdie Entwicke' lungdes Geschützwesens, zunächst der Panzergeschütze, großen Einfluß ausgeübt. Das langsamere Verbrennen und der verhältnismäßig geringe Gasdruck ergeben in Geschützrohren von 35 Kaliber Länge (1^/35) erheblich größere Anfangsgeschwindigkeiten und lebendige Kraft. Krupp hat 1886 vier für die italienische Regierung gefertigte 40 cm Kanonen 1^/35 abgeliefert. Das Rohr wiegt bei 14 m Länge 121 Tonnen, der Verschluß 3760 !^; die 1050 1^' schwere Stahlpanzergranate erhielt durch 384 kF Geschüyladung 579 m'Anfangsgeschwindigkeit und fast 18,000 Metertonnen lebendige Kraft! Das G. würde mithin nahe der Mündung eine schmiedeeiserne Platte von 104 cm Dicke, auf 1000 m Entfernung noch eine solche von 97 cm Dicke durchschieben können. Das braune Schießpulver (von Krupp (IV82 genannt) ist für alle Kanonen vom 15 cm Kaliber aufwärts verwendbar und steigert deren Leistungsfähigkeit bedeutend. Die genannten Pulverfabriken haben später ein andres Pulver, welches nur wenig dünnen, schnell verfliegenden Rauch entwickelt, geringen Rückstand hinterläßt und schwache Feuererscheinung hat, auch für die kleinern Kaliber hergestellt, welches von Krupp als()/86 eingeführt wurde. Bei Feldgeschützen leistet dasselbe etwa 33 Proz. mehr als bisheriges Pulver.
Später ist von den rheinisch-westfälischen Pulverfabriken ein prismatisches Pulver O86 Hergestellt worden, welches die Leistungen der 10,5, 12und13cm , Schnellfeuerkanonen sowie der 15 cm Kanone 1^/35 außerordentlich steigerte. In letzterer geben 17 Iv L.' > braunes Pulver l^/82 der 51,5 k^- schweren Granate ! eine Anfangsgeschwindigkeit von 541 m und 770 Metertonnen lebendige Kraft, wogegen mit 14 kA prismatischen Pulvers (^86: 617 m Anfangsgeschwindigkeit und rund 1000 Metertonnen lebendige Kraft erzielt wurden.
Hatte die Einführung der fchnett fahrenden Torpedoboote die Revolverkanonen Zu ihrer Bekämpfung hervorgerufen, so verlangte die Bekämpfung der in der Folgezeit an Fahrgeschwindigkeit immer mehr zunehmenden größern Kriegsschiffe bis zu den gepanzerten Kreuzern von 4- 6000Ton. Deplacement größere Kaliber schnell feuernder Geschütze; so entstanden S ch n e I l f e u e r k a n o n c n.
Die verschiedenen, eine gewisse Verwandtschaft besitzenden Geschüyarten, welche aus dieser Ursache hervorgegangen sind, haben zu folgenden Bezeichnungen geführt: M itrailleusen lcinious il. d^i1e8) sind die mehrläufigen Geschütze meist vom Gewehrkalibcr, welche kartätschschußartig (daher auch Kartätschgeschütze genannt) sämtlich mit einemmal oder doch in sehr kleinen Zeiträumen lagenweise abfeuern, die französische Mitrailleuse, der belgische Mitrailleur von Mentigny; auch die Nordenfelt-, Gardener- und Palmcrantz-Geschütze, welche in England Masch in engeschütze genannt werden, gehören hierher. Revo lverkanon en sind mehrläufige Geschütze, deren Läufe oder deren Kammern sich um eine gemeinschaftliche Achfe drehen, Gatling- und Hotchkiß-Kanonen.
Sie haben, wie die Mitrailleusen, Einheitspatronen und selbstthätige Patronenzuführung zur Bedingung, weshalb ihr Kaliber eine gewisse Grenze nicht übersteigen darf. Das größte ist die 4,7 cm Hotchkiß-Kanone, gebräuchlicher ist 3,? cm. Schnell feuernde Geschütze oder S ch n e l l fc u erkano n e n sind ein läufig mit einem Verschluß, sie haben meist größeres Kaliber als die Reuoluerkanonen, reichen jetzt (1889) bis 15 cm und beginnen, wie die Revolverkanonen, mit 3,7 cm Kaliber. Krupp fertigt 4, 5, 6, 7,'., 8,4, 10,5>, 13 und 15 cm Schnellfeuerkänonen für Schiffs' armierungen und 8 cm schnell feuernde Feldgeschütze.
Die Möglichkeit des Schnellfeuerns ist durch die Verwendung von Metallkartuschen erreicht worden, welche eine besondere Verschlußabdichtnng entbehrlich machen und infolgedessen eine Vereinfachung des Verschlusses und der Ladeuorrichtungen gestatten. Während bei den kleinen Kalibern ein senkrechter Riegeloerschluß zur Anwendung gekommen ist, haben die größ?rn einen Horizontal-Keilverschluß (s.
Tafel, Fig. 3 u. 4). Der hinten abgerundete prismatische Keil ^V^V erhält durch Leisten"und Nuten seine Führung im Keilloch, wird gehandhabt mittels der Kurbel 1^ und durch die Verschlußschraube v im Rohr festgehalten. Letztere hat nur auf einer Seite Gewinde, so daß dieselben bei einer Kurbeldrehung um 90" aus den Einschnitten im Rohr heraustreten und ein Herausziehen des Verschlusses gestatten. Der letzte Gewindegang an der Verschlußplatte List jedoch voll; er drückt gegen den Ansatz des Spannhebels X, welcher sich innerhalb des Keils um i dreht. Sein anderes (linkes) Ende greift in einen Schlch des Schlagbolzens II, in dessen Höhlung die Schlagfeder ^s^s liegt, die ihn nach vorn mit der Spitze in das Zündhütchen der Kartuschhülse schnellt, sobald die Nase des Abzugsblattes t' am Abzu^sstück (^ herausgezogen wird, der rechte Ansatz des Spannhebels legt sich hierbei in einen Ausschnitt des Gewindeganges der Verschlußschraube. Die Abzugsfeder 1'' drückt die Abzugsplatte stets gegen den Spannhebel k. Der Auswerfer (^ greift mit gabelförmiger Spitze vor den Bodenrand der Kartuschhülse und liegt mit dem Wulst ^^ im Rohr körper. Seine Nasen 1i werden in der obern und untern Nute H des Keils geführt und nach rechts gedre M, sobald der Wulst d an dieselben beim Herausziehen des Keils anstößt, dadurch wird der Auswerfer um ,2.' gedreht, wobei er die Kartuschhülse durch das Ladeloch nach hinten auswirft. Zum Abfeuern wird ent' weder die Adzugsschnur in einen .haken der Abzugsplatte gehakt oder em Schieber in die Verschlußschraube gesteckt, welcher beim Drehen der letztern hinter die Äbzugsplatte tritt und anhebt und den Spannhebel in dem Augenblick auslöst, wenn der Verschluß geschlossen ist. Der Verschluß besitzt mithin Selbstspcmnung und feuert auch selbstthätig ab. Die Feuer-