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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Geschütz (Schnellfeuerkanonen, Panzerlafetten, Dynamitkanonen etc.)
Geschwindigkeit beträgt 3l)-15 Schuß in der Minute, je nach dein Kaliber und ob der Verschluß selbstthätig abfeuert oder ob mit der Abzugsschnur abge^ feuert wird. Vis zum 8,1 c>m Kaliber ist das Geschoß mit der Kartusche verbunden, Einheitspatrone, darüber hinaus nicht. Vis zum 5 cm Kaliber haben die Geschütze keinen Rücklauf, darüber hinaus ist er aus technischen Gründen notwendig, jedoch so gering, daß die Bedienung durch ihn nicht'aufgehalten wird.
Erstere Geschütze liegen (Feh.1) in einer Pivowabel, die in einem auf dein Ouerdeck des Schiffs festgeoolzten Nntersatz drehbar ist. Die Geschützrohre größern Kalibers liegen in Lafetten nnt hydraulischen Bremsen (Fig. 2), welche den Rücklauf auf etwa Kaliberlänge beschränken. Die beiden Vremscylinder liegen außen an den Wänden der Oberlafette, die Vremskolben sind an der Unterlafette befestigt, auf deren stark nach vorn geneigter Gleitbahn die Oberlafette zurück' und selbstthätig nachdem Schussesofort wieder vorgleitet. Der richtende Kanonier sitzt auf den: Reitsitz hinter dem G., der beim Nehmen der Seitenrichtung mit dem rechten Handrad sich mit herumdreht; das linke Handrad gibt die Höhenrichtung. Die Lafetten der verschiedenen Geschützt'aliber unterscheiden sich fast nur durch ihre Größenmaße. Die Geschütze feuern guß^iserneund Stahlgranatcn, die bis zu 7,50m Kaliber 650 m Anfangsgeschwindigkeit haben. Die5 <?m Stlchlgranate durchschlägt 7,5 s>m dicke Stahlplattem. In der französischen Marine sind die Schnellfeuerkanonen von Hotchkiß, in der englischen die von Armstrong iin Ge-branch. Zum Gebrauch in Festungen hat das Grusonwerk in Buckau bei Magdeburg Schnellfeuerkanon.n in Verbindung mit eigentümlichen Panzerungen gebaut, welche vom Oberstleutnant a. D. Schumann konstruiert sind. Sie vertreten gleichzeitig die Stelle der Lafetten und sind deshalb Panzerla fetten (s. d., Bd. 17). Außerdem hat das Grusonwerk ein 5,:; (!m schnell feuerndes Feldgeschütz hergestellt, dessen Rücklauf durch eine Nabenbremse gehemmt wird. Das Schildzapfenstück der Lafette, in welchem das Geschützrohr ruht, ist zum Nehmen der Seitenrichtung um einen senkrechten Zapfen oberhalb der Lafettenachse drehbar. Der senkrecht bewegliche Verschlußkeil wird durch .Heben und Senken eines >>'be.!s an der rechten Außenseite des Nohruierkants geschlossen und geöffnet, wobei er selbstthätig alle Verrichtungen des Auswerfens, Spannens und Abfeuerns ausführt. Die größte Schnellfeuerleistung bat Maxim mit seinem Schießautomaten (Selbstschießer) erreicht, bei welchen:., die Kraft des Rückstoßes als Arbeitskraft zum Öffnen des Verschlusses, Ausziehen und 'Auswerfen der Hülsen, Schließen und selbstthätigen Abfeuern ausgenutzt wird.
Durch eine Vorrichtung kann der Mechanismus des Abfeuerns ausgeschaltet werden, wenn letzteres durch den Schützen mit der .Hand geschehen soll. Das G. hat nur einen Lauf, trotzdem sind bei einem Versuchsgeschütz vom Gewehrkaliber (11,42 mm) 700 Schu^ in der Minute erreicht worden. Der Nück- ! stoß treibt deu Verschlußblock zurück, welcher hierbei auszieht, die Zubringervorrichtuug in Thätigkeit setzt und mit Hebelübertragung eine Feder spannt, welche selbstthätig nach den ausgeführten Ladevorrichtungen den Verschluß wieder vorschiebt und abfeuert. Die Patronen sind auf einem Band befestigt und werden von der rechten Seite in die Waffe eingeführt und selbstthätig nachgezogen. Die größere Feuergeschwindigkeit macht eine beständig/ Kühlung des Laufs notwendig, zu welchen: Zweck der Lauf derart mit einer Hülse umgeben ist, daß zwischen beiden ein gewisser
Zwischenraum bleibt. In denselben wird beim Schießen selbstthätig aus einem untenstehenden Gefäß Wasser geschöpft, welches beim nächsten Schuß als verbraucht abfließt. Scanley hat sich für seine gegenwärtige (1889) Afrikareise mit solchen Geschützen von 11, »2 im» Kaliber ausgerüstet, welche 19/>', k^ schwer sind. auf einem leichten, dreibeinigen Gestell liegen und durch einen Stahlblechschirm gegen Gewehrfeuer geschützt sind. Die gebräuchlichsten Maxim-Geschütze sind die von 8 und 11 mm Kaliber, Österreich, Italien nnd England haben sie eingeführt. Die nach dem System Longrioge gefertigten Drahtkanonen sind in den meisten Ländern mu Erfolg versucht worden. Sie bestehen aus einem Kernrohr, auf welches Stahldraht in einer größern 'Anzahl Schichten mit gewisser, zunehmender Spannung aufgewickelt und mit einem Schutzmantcl umgeben ist. In Frankreich hat man mit gleich gutem Erfolg Stah!band verwendet. Eine in Elswick gefertigte 23 ein Drahtkanone schoß eine 173 1;c>- schwere Granate mit 122 k^ Pulverladung bei einer Anfangsgeschwindigkeit von 701 m 19,200 m weit. Die.Verstellung der Drahtkanonen ist schwierig nnd kostspielig, was ihrer Einführung bisher cnt Gasspannungen alle bisherigen Konstruktionen übertreffen. Die mit dem Verfeuern von Brifanzgeschossen (s.d., Bd. 17) verbundene Gefahr soll durch die von Zalinsti erfundene Dynamitkanone dadurch beseitigt werden, daß das Geschoß mittels stark verdichteter Luft fortgetrieben wird. Mit dem aus Stahlblech gefertigten Geschützrohr sind durch Zuleitungsrohre die Luftcylmoer verbunden, in welchen von einer Dampfmaschine die Luft verdichtet wird. Die <> -12 Kaliber langen Geschosse sind am Boden mit einem elastischen Puffer zur Abschwächung des Stoßen wie mit angesetzten Schraubenflügeln zur Heroeifüyrung einer Drehung um die Längenachse versehen und mit großen Ladungen Dynamit (daher der Name des Geschützes) gefüllt. Die 64eni Kanone feuert Geschosse mit ^27 K^Dynamitjprengladuna mittels Luftdrucks von 70 Atmosphären aus etwa 2000 in. Die Dynamitkanone fand bisher besonders in Amerika in der Küstemierteidigung sowie versuchsweise auf dem für diesen Zweck erbauten Kreuzer Vesuvius Anwendung, haben hier aber nicht den Venall der Versuchskommi^sion gefunden und sind infolgedessen von den Schiffsarmierungen ausgeschlossen. Man hat Dynamitlanonen in vielen Kalibern bis zu 40 cm versucht. Versuchsstation Fort Lafayette bei New Jork. Neuerdings ist von Hicks in New I)ork eine Wurfmaschine konstruiert worden, welche mit Dynamit gefüllte Geschosse durch die Zentrifugalkraft schnell rotierender Scheiben unter bestimmten Winkeln auf gewisse Entfernungen fortschleudern soll. Für Versuche mit dem Lyman-Haskelschen Accelerationsgeschütz bewilligte der Kongreß 150,000 Dollar; sic verunglückten vollständig und zeigten die Wertlosigkeit der Idee. Der französische Oberst de Bange, bekannt durch die nach ihm benannte Geschützverschlußliderung, hat ein 34 cm Geschützrohr (auf der Ausstellung in Antwerpen) gebaut, dessen Stahlringe zur Erhöhung der Zerreißsestigkeit außen bikonische Form hatten; das Rohr zersprang beim dritten Probeschuß. Vgl. M audry ^^ Mitrailleusen und schnell feuernde Kanonen (»Mitteilungen über Gegenstände des Artillerie- und Geniewesens«, Heft 4 u. 5, Wien 1888); Monthaye, Krupp und de Bange (deutsch, Berl. 1887); Bend er, Die Bewegungserscheinungen der Langgeschosse und ihre Beziehungen zum Feldgeschützder Zukunft (Darnist. 1888); Grabe, Die Panzergeschütze l^Berl. 1681).